Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 22 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 32 Dr. Blvchs WoKechWst Sette 367 Korrespondenzen Das Jubiläum des Kammerpräsidenten v. Horowitz. Lemberg. Im festlich dekorierten und mit Blumen geschmückten Sitzungssaale der Handels- und Gewerbekammer versammelten sich abends sämtliche Mitglieder der Kammer, um ihren Präsidenten Samuel v. Horowitz anläßlich seines 25 jährigen Jubiläums als Kämmermitglied, wie auch aus Anlaß seines 70. Geburtstages JU beglückwünschen. Der Vizepräsident der Handelskammer und Obmann der Lemberger Bezirks- Vertretung Leopold v. Baczewski richtete eine Ansprache an den Jubilar, dessen von Erfolg gekrönte mühevolle Arbeit und dessen vielfache Verdienste um die Kammer er rühmend hervorhob. Als Festgabe wurde dem Präsidenten eine reich und künstlerisch ausgestaltete Kassette mit Photographien der Kammermitglieder überreicht. Herr von.Horowitz dankte für die Beweise der Sympathie. Vizepräsident v. Baczewski teilte mit, daß Herr von Horowitz 50.000 Kronen für eine zu errichtende Wohltätigkeitsstiftung der Kammer gespendet habe. Nach der Festsitzung fand in den Räumen des technologischen Instituts ein von den Kammermitgliedern veranstaltetes Bankett statt, bei welchem der Jubilar von den Gemeinderäten Neumann und Dr. Steslowicz, wie auch von den Landlagsabgeordneten Baron Battaglia und Dr. Kolischer in Trinksprüchen gefeiert wurde. Heute erschienen bei dem.Jubilar zahlreiche Abordnungen zur Beglückwünschung. Unter den Gratulanten befanden sich Vertretungen der jüdischen Kultusgemeinden Galiziens. Repräsentanten zahlreicher Vereine, welche Adressen und Ehrendiplome überbrachten. Dem Jubilar sind nahezu tausend Glückwünschtelegramme und -Briefe zugegangen, darunter vom Landsmannminister Ritter v. Zaleski, vom Statthalter Dr. Bobrzynski, vom Sektionsches im Handelsministerium Brosche, von der Wiener und sämtlichen übrigen Handelskammern, vom früheren Minister Ritter p. Abrahamowicz, vielen hervorragenden Persönlichkeiten und Finanzinstituten usw. . Herr v. Horowitz hat weitere 100.000 Kronen für ein israelitisches Spital in Lemberg und einen namhaften Betrag für andere humanitäre Zwecke gewidmet. Gründung des Oesterreichisch-Jsraelitischen Religionslehrerbuttdes. Ueber Einladung eines vorbereitenden Komitees *ur Gründung eines Reichsbundes der Religionslehrer versammelte sich fast die gesamte Religionslehrerschaft Wiens am Donnerstag den 25. Mai in Guth's Restaurant, II., Stefaniestraße zu einer Vorbesprechung. Es waren erschienen die Herren Inspektoren Rabbiner Doktor Feuchtwang. Rabbiner Dr. Taglicht, Profeffor M. Kanitz. Doktor Kaminka, Amtsleiter Julius Braun, ferner Herr Direktor S. Heller (Blindeninstitut). Herr Rabbiner L. H. Reich. Dr. Templer, ferner die meisten Religionsprofessoren an den Wiener Mittelschulen die Herren D. Löwit. Oberlehrer Kapelmacher, Kahn und eine überaus große Zahl von Reliaionslehrern und Lehrerinnen an Volks- und Bürgerschulen, Herr Oberlehrer Jnfeld aus Baden und Religionslehrer Fried aus Amstetten. Oberrabbiner Dr. Güdemann sendet in einer überaus herzlich gehaltenen Zuschrift seine Zustimmung und entschuldigt sein Fernbleiben, ebenso die Herren Rabbiner Dr Rosenmaun, Herr Inspektor Dr. Laugfelder. Herr Rabbiner Dr. I. M. Bach, Herr Religionsprofessor Dr. Frankfurter, die Herren Religionslebrer Dr. M. Goldberg. A. Neubauer, A. Süß. R. Karpfen. M. Kornstreicher. R. Schlesinger und Andere. Sämtliche Herren haben zugleich ihren Beitritt zum Bunde erklärt. Aus vielen Provinzgemeinden kamen von Rabbinern und Neligionslebrern wärmste Sympathiekundgebungen für die Bestrebungen des zu gründenden Bundes zu. So von den Herren Rabbiner Dr. Schächter—St. Pölten, Rabbiner Dr. L. Bardewiez— Mödling, Religionslehrer S. Jellinek—Oberhollabrunn, Adolf Lemberger—Schlöglmühl, M. A. Laudau—Wr.-Neustadt, M. Recht- Krems, Prof. Dr. Grüufeld—Brünn, Rabbiner Dr. Adolf Hahn— Kromau, Dr. R. Färber—Witkowitz, Dr. Spira -Mahr.-Ostrau, Dr. Oppenheim—Olmütz, Religionslehrer B. Baumgarteu— Kremsier, Ludwig Maus, Leopold Löwiuger, A. Figdor—Mahr.- Ostrau, I. L. Rabinowitz—Boskowitz, K. H. Grüuwald—Göding. S. Lustig—Brünn, Oberlehrer Max Minder—Holleschau, Rabbiner Dr. Mandl—Neutitschein, Religionslehrer H. Adler—Pohrlitz, Religionslehrer Gutmaun—Teschen, Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld— Prag, Prof. Dr. Nathan Grün—Prag, Rabb. Dr. M. Friediger— Prag. Dr. Friedrich Weiß—Eger. Martin Friedmann—Horazdowitz. H. Klanber—Klncenitz. Dr. R. Feder—Raudnitz, Dr. K. Thieberger-Budweis. S- Griinberger—Kuttenberg, Prof. Doktor Ad. Biach—Brüx. I. Katz—Selcan, Dr. Schwenger—Neuhaus. H. Kohn—Reichenau, Dr. D. Spitzer—Franzensbad, S. Beinkeles— Chotebor, Religionslehrer Grzyb—Aussig, S. Piskaty—Linz, Rabb. Dr. Link—Hohenems, I. Bernfeld—Stryi, David Coen—Triest usw. Nachdem der Einberufer, Herr Religionslehrer Wilhelm Breuer, alle Erschienenen, insbesondere die Herren Inspektoren und Rabbiner begrüßt hatte, wird an die Wahl des Bureaus geschritten. Zum Vorsitzenden wird Herr B. Breuer» zu deffen Stellvertreter Herr Prof. Dr. Heinrich Pollak, zu Schriftführern die Herren Dr. M. Rosenfeld und Isidor Faltitschek gewählt. Der Vorsitzende bespricht hierauf die Ursachen, die zur Gründung des Bundes führen, und die Zwecke, die er erreichen soll. Er soll echte aufrechte Lehrergesinnung kräftigen und diese wird Werte und Worte schaffen, welche der Schule nur zum Vorteile gereichen; sie wird die Behörden über Schul- und Standesfragen aufklären, mit Ueberzeugungstreue für die Wahrheit eintreten und die Gerechtsame des Standes sowie das Recht des Einzelnen zu wahren wissen. Der Bund muß aber auch mit Macht für die rechtliche Stellung der Lehrer eintreten. ES sei seine Pflicht, in diesem Belange mit Energie zu handeln. Redner schließt unter lebhaftem Beifalle die Versammlung mit einem dringenden Appell zur Einigkeit und erteilt hierauf dem Referenten, Herrn Prof. Dr. Adolf Weiß, das Wort. Er sagt: Die Lehrer müffen ihren Idealismus mit der praktischen Weltanschauung in Einklang bringen; sie sollen Idealisten, aber keine verträumten Ideologen sein. Durch den Bund mögen die Lehrer ihre eigenen Führer sein. Er solle keine Kampforganisation sein, vielmehr in erster Reihe die idealsten Ziele im Auge haben. Er soll die stetige Fortbildung der Lehrer anstreben, einen gegenseitigen Austausch der Erfahrungen herbeiführen, überhaupt alles veranlaffen, was zur Verbesserung und Hebung des Religionsunterrichtes beitragen kann. Das Recht des Einzelnen zu wahren und die Standesintereffen in energischer Weise zu vertreten, dazu sei die Schaffung eines Bundesorganes unbedingt nötig. In diesem soll die Stimme der Lehrerschaft gehört werden. Es soll auch alle Erscheinungen auf dem-Gebiete der Literatur verzeichnen und nicht in letzter Linie den Kontakt zwischen Schule und Haus, zwischen Lehrer und Gemeinde, Herstellen. (Lebhafter Beifall.) Herr Rabbiner Dr. Feuchtwaug verweist darauf, daß man in Deutschland die Notwendigkeit eines engen Zusammenschluffes der Lehrerschaft schon längst erkannt habe und infolgedeffen herrschen dort auch geregelte Zustände. Er sieht in dem Bunde, der scheinbar einen realistischen Zweck verfolgt, die Rettung des Idealismus, weil dieser durch die dem Lehrer oft zuteil werdende Behandlung leicht schwinden könne. In dem Streben diesen Zweck zu erreichen, stehen die Rabbiner mit vollem Herzen an der Seite der Lehrer, als welche sie sich selber führen. Redner schließt mit den Worten: Mit freudigem Herzen, freiem Geist und aufrichtigem Mut an die Arbeit! (Lebhafter Beifall.) Hierauf werden die Anträge des Referenten I. Gründung eines Oest. Israel. Religionslehrerbundes, 2. Herausgabe einer Bundeszeitung, einstimmig angenommen. Das bisherige vorbereitende Komitee wurde mit den Vorarbeiten betraut und ihm das Recht der Kooptierung eingeräumt. Mit Dankesworten an die Erschienenen schließt der Vorsitzende die Versammlung um %10 Uhr. I. F—K. Der Tempel des Gott Nimm. In einer Versammlung des Vereines Mittelstand in Favoriten hat der Gewerbetreibende Kafka über die Christlich- Sozialen ein gar packendes Wort gesprochen. Er führte aus: Seit fünfundzwanzig Jahren bin ich Christlich-Sozialer. Da erlebt man seine blauen Wunder. Aus dem Hepp! Hepp! Hepp! der Neunzigerjahre wurde immer deutlicher ein Chap! Chap! Chap! (Stürmische Heiterkeit.) Gott Nimm hat ein Janusgesicht; sein Tempel wird nur zu Wahlzeiten geöffnet. Wenn er mit seinen Priestern allein ist, teilt er die Gaben aus, da heißt es: Nimm! Nimm! Nimm! — ein Nimmersatt mit seiner ganzen Priesterschar — und wenn man endlich die Tempelpforten öffnet und uns einläßt thront Gott Gib auf dem Altar! Jetzt heißt es: Gib! Gib! Gib! alles, was du hast! (Stürmischer Beifall.) Einmal muß auch die Dummheit der Wähler ein Ende haben. Mein Programm besteht nur aus den Worten: Pfui christlichsozial! (Stürmischer Beifall.)