Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 22 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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, Nr. 32 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 365 Vandalismus an einem jüdischen Adelsbriefe. Die Prager Statthalterei beschäftigt sich gegenwärtig mit der Untersuchung der Verletzung des im Archiv der Prager jüdischen Gemeinde aufbewahrten Adelsbriefes des historisch wohlbekannten Hofjuden Kaiser Ferdinands II,, Bassevi, von dessen Nachkommen einige heute in Galizien als Schankpächter leben. Auf Grund dieses Adels- und Privilegienbriefes, der für immerwährende Zeiten ausgestellt war, wollen diese im Gnadenwege vom Kaiser eine Belastung in ihren alten Schänkerkonzessionen anstreben. Bassevi war ein Italiener, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts, mit besonderen Privilegien Kaiser Ferdinands II. ausgestattet, nach Oesterreich übersiedelt war. Er hatte schon im Jahre 1599 einen besonderen Freibrief erhalten, der ihm nicht nur gestattete, ohne die damals dem Juden vorgeschriebene „Gelbe Kokarde" öffentlich zu erscheinen, sondern ihm und seinen Dienstboten auch das Ansiedlungsrecht in allen Staaten Böhmens zusprach. Er entwickelte eine umfassende geschäftliche Tätigkeit, insbesondere auch im Interesse der Finanzen des Kaisers, so datz ihm im Jahre 1622 durch den Kaiser der Adel mit dem Prädikat „von Treuenburg" verliehen wurde. Bassevi war somit der erste geadelte Jude in Oesterreich. Mit dem Sturze des. Heerführers Wallenstein verlor auch Bassevi, der mit dem groben Heerführer geschäftlich enge verbunden war, sein Vermögen, und die Familie geriet bald in so grobe Bedrängnis, datz sie ihr altes Stammhaus in Prag um 5000 Kronen nach heutigem Werte losschlagen mutzte. Auch an die Aufrechterhaltung des verliehenen Adels dachte niemand mehr. In neuester Zeit haben sich aber Familienmitglieder, die unter verschiedenen Namen, wie Basch und dergleichen, noch heute in Prag, Wien, Budapest und mehreren galizischen Städten leben, für die Geschichte ihres Ahnherrn lebhaft interessiert und Nachforschungen gepflogen, dabei ergab es sich, datz im Archiv der Prager jüdischen Gemeinde wohl der Freibrief vom Jahre 1599 und die Adelsurkunde im Original vorhanden waren, datz aber aus der Adelsurkunde das Wappen der Bassevi herausgeschnitten und das kaiserliche Siegel abgetrennt war. Man kann annehmen, datz eine diebische Hand sich Zugang zu den Dokumenten verschafft und die wertvollen Teile der Urkunde herausgeschnitten hat, unerklärlich bleibt aber die Frage, wieso es möglich war, datz die Dokumente so wenig sorgfältig verwahrt waren und datz der Verlust von niemandem bemerkt wurde. Wie sprach Goethe? Von dem Ausgezeichneten Werk „Goethes Gespräche", neu herausgegeben von Ferdinand Freiherrn v. Biedermann, ist ein fünfter Band soeben erschienen, enthaltend Erläuterungen, Ergänzungen, Nachträge, Nachweisungen, die dem grotzen zusammengetragenen Stoff die Uebersichtlichkeit sichern. Ueber die Frankfurter Sprechweise Goethes schrieb Friedrich Dernburg an den Herausgeber: „Ein Zeugnis für Goethes Sprechweise verdankt man dem Oberbürgermeister Ziegler, mit dem ich zusammen im ersten deutschen Reichstag satz. Ziegler hatte als junger Mann, vielleicht als Jenenser Student Goethe sprechen hören. Befragt, wie Goethe gesprochen habe, antwortete er: „Wie H. B. Oppenheim". Die Sprache H. B. Oppenheims, eines Frankfurter Volkswirtes und Reichstagsmitgliedes, war ein ganz unverfälschtes „Frankfurtersch" im Tonfall wie in den Idiotismen des Frankfurter Dialekts, selbst mit einem in Frankfurt häufigen Zusatz von Mauscheln. In Zieglers Ausspruch mag eine spöttische Uebertreibung milgespielt haben." Aus den Memoiren der Baronin Jenny von Gustedt. „Von Anfang an verbrachte Mendelssohn hen grötzten Teil des Tages im Goetheschen Hause. Er war wirklich Goethes David, denn er verscheuchte jede Wolke von der Jupiterstirn unseres Dichters. Jedem, der damals Mendelssohn kannte, wird es begreiflich sein: trat er doch mit dem ganzen Zauber der Jugend, der Genialität, der glücklichen Zukunftsträume in unseren Freundeskreis. Es fiel niemandem ein, nüe das heute in anderen Städten der Fall sein würde, ihn seiner Abstammung wegen mitztrauisch zu betrachten. Der Gedanke wäre im damaligen Weimar unmöglich gewesen und ist es auch im heutigen noch und wird es sein, solange die grotzen Traditionen nicht zur Fabel geworden sind. Goethe schätzte die Menschen nach ihrem Werte, Karl August hatte es stets getan und war von feiner einmal gewonnenen Ueberzeugung selbst durch Gegenbeweise nicht abzubringen gewesen. Am herrlichsten befolgte unsere geliebte Großfürstin diesen Grundsatz, und wir alle hätten uns geschämt, nicht diesen grotzen Vorbildern nachfzueifern. So gehörte Rahel, so gehörte Mendelssohn zu unserer anerkannten Aristokratie." Die erste authentischr Nachricht über die Belagerung von Jerusalem. In Ober-Aegypten ist. dem „Journal du Caire" zufolge, eine interessante archäologische Entdeckung gemacht worden. Man hat ein hölzernes Paneel ausgegraben, auf dem eine lateinische Inschrift von 50 Zeilen entdeckt wurde, von denen 35 Zeilen leserlich sind. Diese Schrift zeigt, neben den in Pompeji ausgegrabenen Tafeln, eine der schönsten Spezimen der lateinischen Sprache. Der Inhalt bezieht sich auf die Belagerung Jerusalems durch Vefpasian und Titus. Die genannte Zeitung bemerkt hierzu, datz diese Inschrift die erste authentische Nachricht über die Belagerung Jerusalems darstellte und die Erzählungen des Josephus und anderer Historiker bestätigte. Hygiene der Inden ans der Interna lionaten Hygiene-Ausstellung in Dresden 1911. Der „Dresdner Anzeiger" vom 24. Mai 1911 schreibt in einem Art kel: „Die historisch-ethnographische Abteilung" über die Hygiene der Juden: „Den Juden gebührt das unstreitbare Verdienst, schon in ältester Zeit hygienische Vorschriften auf religiöser Grundlage zur höchsten Vollkommenheit ausgebildet zu haben. Das mosaische Gesetz mit seinen Reinigungs- und Reinheitsvorschriften steht tatsächlich einzig ohne Beispiel da und hat. bei der gewichtigen Rolle, die die Bibel im ganzen MittelalUr auch bei uns spielt, nachhaltig auch noch in einer Zeit gewirkt, in der Hygiene bei den europäischen Kulturvölkern bedauerlich tief stand. Wir finden in zwei Vitrinen ein paar kostbare Thorarollen ausgestellt, deren Text zu den hygienischen Vorschriften in Uebersetzung an der gegenüberliegenden Wand hängt. Die Vorschriften sind auch heute beherzigenswert. Die Vorschrift: „Fleisch, das mit etwas Unreinem in Berührung kommt, darf nicht gegessen werden, es soll verbrannt werden", ergibt in aller Kürze den Anstoß zu einer Fleischbeschau. Ferner heißt es: „Wer von dem Fleisch eines gefallenen oder von einem anderen Tiere zerrissenen Tieres ißt, er sei Israelit oder Fremdling, soll ferne Kleider waschen und baden und unrein sein bis zum Abend, dann soll