Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 22 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3021927-3021950--20243-3045271- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 364 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 22 erkennt man auf den ersten Blick, daß die Partie in Hechaloth, Käp. 29, aus Othioth entlehnt ist. Das fragliche Stück erscheint daselbst auch mit srpp **i na« eingeleitet, da die Autorschaft des Othiot ihm vindiziert wird. Charakteristisch ist auch eine Parallelstelle in Othioth zu der obenerwähnten aus Hechaloth -irrrvs d'-dtbi o'DT® vaa “arj? jntnn wj> ni.i py nsn' ot« rrm Anstatt dw in Hechaloth heißt es hier eine Bezeichnung für Colchier und Chalyber, die nur nn den alten Schriften vorkommt; ebenso die Benennung dieser Gegend mit Edom. All dies find Merkmale des höheren Alters dieser Schrift, wie ich dies anderweitig ausführlich Nachweise. — Man kann daher mit Recht die Entstehung des Othioth mindestens ins VI. Jahrundert verlegen. — Schließlich sei noch bemerkt, daß auch das im I. Jahrhundert, und zwar im Norden entstandene Buch Jubiläen, II, 36 — 39, schon die Buchstaben des Alphabets bei der Schöpfungsgeschichte eine Rolle spielen läßt. Wien, 22. Mai 1911. S. Spinner. vom Jahrmarkt des Lebens. Der Romanschriftsteller A. Haldert und der VaUadendichter Börnes Freiherr von Münchhausen. Halbert gibt in München eine Zeitschrift „Der Brief" heraus, die sich die Reform des heutigen Briefstils zur Aufgabe gestellt hat. Äuf eine an die namhaftesten Schriftsteller Deutschlands gerichtete Umfrage erhielt der Herausgeber von Herrn v. Münchhausen einen Brief, der von Antisemitismen strotzt. So heißt es: „Vor allem aber, sehr geehrter Herr, glauben Sie, daß Sie der Reformator des deutschen Briefstils werden könnten?"!!! : -;; \ '\h\ Sehen wir uns Ihre Legitimation an! Sie heißen Abraham Halberthal und fehlen gegen den ersten Satz des vertraulichen Briefes dadurch, daß Sie in ein Pseudonym verschleiert, also nicht offen kommen. Sie sind rumänischer Jude — werden Sie die letzten Feinheiten arischen Fühlens und deutscher Sprache auch erfühlen können? Sie sind klug genug, um mir zuzugeben, daß die meisten Ihrer Landsleute und Rassegenossen das nicht können, nicht wahr? Und werden mir zugeben, daß das zum Reformieren des deutschen Briefes ziemlich wichtig ist. Ihr Brief legitimiert Sie nicht. Er beginnt mit einer falschen Anrede („Herr Doktor" statt Baron), er schließt mit einer Floskel, die nur persönliche Freunde anwenden dürfen („ich begrüße Sie") ..." Und zum Schluß: ,^Ich muß Sie leider, um der Wirkung meiner Antwort gewiß zu sein, verpflichten, diesen Brief, ohne jede Auslassung abzudrucken, aber da ich Sie ja als gerechten und liebenswürdigen Mann kenne und achte, so ist die Erfüllung der Bitte ebenso selbstverständlich, wie die Bitte unnötig ist." Kommentar überflüssigl Doch sei aus der Antwort Halberts folgende Stelle hierhergesetzt: „Haben Sie vor einigen Jahren ein Buch herausgegeben, das Juda hieß? Ließen Sie dieses Buch von Ephraim Moses Lilien illustrieren? Ließen Sie es auf gut Bütten drücken und von armen Zionisten und reichen Modedamen kaufen? Sehen Sie, Herr Baron, dieses Buch ist das einzige, das man damals von Ihnen kannte. Nun setzen Sie den Fall: Ein jüdischer Schriftsteller hätte damals an Sie die Aufforderung gerichtet: „Herr von Münchhausen, Ihre Legitimation!" Was hätten Sie Kaukasus. Die Divergenz.in der Angabe Kap. 48 der Feinde der Juden, die „Nachkommen Esaus" und bKpaw' anstatt der in Hech. und Oth. erwähnten Persern beweist dasselbe. Uebrigens zeigt auch dieses Kapitel die Bekanntschaft mit dem Buche Othioth. dazu geantwortet? Ein gutes Recht zu dieser Frage hätten Sie nicht abstreiten können. Denn Sie, ein arischer Baron, schrieben ein Buch, das von nationalen Gefühlen einer Rasse handelte, von Erinnerungen und Empfindungen eines alten Volkes spricht. Diese Frage ist an Sie nicht gestellt worden." Jüdische Ahnfrauen adeliger Geschlechter. In dem soeben erschienenen Memoirenwerk Richard Wagners: „Min Lenem", dessen Inhalt wir bereits skizzierten, erzählt der Meister unter anderem auch von zwei Schwestern, von denen er eine geliebt hatte. Es war im Jahre 1832. Richard Wagner kam mit einer Empfehlung seiner Schwester, der schon damals berühmten Wiener Hofopernsängerin A. Wagner, zu dem kunstsinnigen Grafen Pachta nach Prag. Da dieser auf seinem Gute Prawonin, das ungefähr acht Meilen von Prag entfernt liegt, weilte, so fuhr der, junge Musiker, einer Einladung des Grafen Folge leistend, dorthin. Auf Schloß Prawonin weilten auch Johanna und Augusta Raymann. Sie waren die unehelichen Kinder des Grafen Pachta, wurden aber wie die Töchter des Hauses gehallen und hatten, Wagner sagt es, die oberflächlichste Bildung der jungen österreichischen Adelstöchter der Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts. Ihre Mutter, die einem alten reichen Iudenhause Prags entstammte, soll eine außerordentliche Schönheit gewesen sein, die wegen des Grafen Pachta ihren Mann verlassen hatte Johanna, die ältere, war, als sie Wagner kennen lernte, 24, die jüngere, für die er schwärmte, am 3. Juni 1813 geboren, also ungefähr mit ihrem Anbeter gleichen Alters. Wagner, der auf die adeligen Hofmacher, wie er selbst erzählt, sehr eifersüchtig war, meint, daß die beiden Mädchen in ihrer zwitterhaften Stellung gezwungen sein würden, entweder. Männer aus dem vermögenden Bürgerstande zu heiraten öder die Maitressen hochadeliger Gecken zu werden. Wagner hat sich in seiner Annahme getäuscht,' beide Mädchen haben ausgezeichnete Heiraten gemacht. Graf Pachta starb im Jahre 1833 und hinterließ seinen beiden Kindern der Liebe ein großes Vermögen. Wagner spricht in seiner Lebensbeschreibung nicht wieder von ihnen, .scheint also gar kein Interesse mehr an ihnen genommen zu haben: die Welt aber will gern wissen, was mit den Frauen ge schehen ist, die das Glück hatten, die Neigung eines großen Geistes auf sich zu ziehen. Die „Münchener Neuesten Nachrichten" wissen nun über die beiden Frauen folgendes zu erzählen: Johanna Raymann heiratete im Mai 1841 den reichen Grafen Georg Erdödy von Monyorokerek. Wie schön sie gewesen sein muß, kann daraus geschlossen werden, daß Jenny Raymann fünf Jahre älter war als ihr Gemahl. Sie spielte in der ungarischen Hochadelgesellschaft eine bedeutende Rolle, und es scheint ihr durch die Gnade des Königs die Eigenschaft altadeliger Geburt verliehen worden zu sein, dann im „Gotha" wird sie als geb. Johanna v. Raymann angeführt, und die der Ehe mit dem Grafen Erdödy entsprossene Tochter Franziska Gobertine heiratete den Grafen Alois Karolyi und wurde Palast- und Sternkreuzordensdame der Königin Elisabeth. Sie starb am 8. November 1897 zu Stomfa. Ihre jüngere Schwester Augusta, die Herzensflamme Wagners, ward von dem Rittmeister Alexander Freiherrn v. Koller, im. Jahre 1842, als Gattin heimgeführt, demselben Freiherrn von Koller, der nachmals, als General der Kavallerie, kommandierender General und Statthalter in Böhmen und später lange Jahre Kriegsminister war. Auch Augusta von Koller wurde in Prag und Wien gesellschaftlich hoch geschätzt und starb, 17 Jahre nach ihres Jugendfreundes Tod, am 2. Januar 1900 in Baden bei Wien.