Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 22 (2.6.1911)
- Date
- 1911-06-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3020846-3021927-3021950--20242-3045270- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 22 Dr. Bkochs WochenWrift Seite 363 benützen müssen, die auch das Buch „Othioth di R. Akiba" benützte, weil viele Deutungen der Buchstaben bei Beiden auffallenderweise ganz übereinstimmen. .Wie richtig auch diese Behauptung bezüglich der Benützung einer gemeinsamen Quelle an sich sein mag, kann aber letztere entschieden kein alter Midrasch sein, wie von Hofrat Müller angenommen wird, da Ambrosius' Kenntnisse des Hebräischen schwerlich so weit reichen dürften, um solche rabbinische Originalquellen benützen zu können. In der Jugend studierte Ambrosius Jurisprudenz, später widmete er sich der politischen Laufbahn und stand einem Staatsamte vor; nachher erst, im 34. Lebensjahre, hat er die Taufe angenommen. Als Bischof von Mailand dürfte er auch kaum Gelegenheit gehabt haben, mit gelehrten Juden Umgang zu pflegen und dies mündlich von ihnen zu hören. Die Quelle hiefür dürfte vielmehr bei Gregor von Nazianz, dem ec sich auch sonst wegen seiner Unsicherheit auf diesem Gebiete eng anschließt und aus dessen Schriften er Alles schöpft, zu suchen sein. Gregor Nazianzenus (329 — 301 n. Chr.), der Theologe genannt, war ein Cappadozier, lag seinen Studien in Pontus zusammen mit Basilius den Großen (329 — 379), der dort viel mit gelehrten Juden verkehrte, wie auch in Gesellschaft des Bruders des Letzteren, des fruchtbaren Exegeten und Kirchenschriftstellers GregoriuS von Nyssa, ob. Aus dieser Quelle dürften wohl auch die Erklärungen der Buchstaben bei Ambrosius herstammen, zumal das Buch „Othioth di R. Akiba" auch in jener Gegend verfaßt wurde. Wenn Hosrat Müller, der allgemeinen Meinung folgend, für die Abfassungszeit des Buches „Othioth" das IX. Jahrhundert angibt, so steht dem Vielerlei entgegen. Salomo Jerucham (gegen 909 n. Chr.) mag wohl von den bis nun uns zugänglichen Schriftstellern der Erste sein, der diese Schrift ausdrücklich mit Namen im Zusammenhänge mit Bereschith Rabba erwähnt (L. K. II. 19); dies beweist aber noch nicht, daß diese Schrift erst kurz vorher verfaßt wurde, vielmehr gibt es Anlaß zur Annahme, daß dieselbe noch älter sei, da er'ste mit dem alten Bereschith Rabba in eine Reihe stellt. Allein, auch schon bei oberflächlicher Prüfung Hes darauf bezughabenden Materiales ergibt sich das Gegenteil der herrschenden Ansicht und läßt sich, wenn auch indirekt, mit einiger Sicherheit leicht ermitteln, daß die Entstehungszeit der Schrift „Othioth" mindestens einige Jahrhunderte zurückreichen dürfte. Versuchen wir also dies mit einigen Worten, auf möglichst kürzestem Wege festzustellen. Juda b. Koraisch (blühte im letzten Drittel des IX. Jahrh.) erwähnt die Schrift Halochoth Gedoloth (Epistola, Paris 1857). Dieses Werk ist also, wie dies sich auch anderweitig bestätigt, in Georgien gegen 800 — 850 verfaßt worden, r) Nun zitiert dieses Werk wiederum in Hilchoth 0 Ich erwähne eigens Georgien, nm auch den Zusammenhang dieser Literaturschriften zu betonen. R. Simon Kuro (nicht Kairo) lebte nicht in Egvpten, sondern in und um Tiflis, wo der Fluß Kuro (im Altertum Cyrus) fließt und auch ein Ort gleichen Namens existiert-. (Khordhadbe, Almasalct, Jour. Astatique 1865 p. 489). ,R. Hai nennt ihn auch 'nnat3 pyawn (Res. d. Geonim Nr. 88 in Cassel) was Rapoport nicht zu erklären wußte, was aber Kadzoro ist, wie sich die: Mingrelier noch heute Kadziarai nennen. (Klapproth Reisen II, p. 25) und Jbn Kbordhabe diesen Namen auch der Stadt Tiflis beilegt (ibid und die Erklärung aus Aacut). Wenn ihn Kolbo als '*7332 zitiert, ist es, weil die Alten Transkaukasien zu Babylon rechneten. wie es heißt Kid 72 wten manat. In Cercetia (Tscherkassien) endigt Babylon. So nennen sich die von dorther stammenden Salomon Babli, Dawid Almakams Babli, Nathan Babli oder Jischmaeli. Ich will noch kurzgefaßt mit einigen Worten Licht in die bis nun herrschende Dunkelheit der Hypothesen bezüglich der zwei vorhandenen Rezensionen der Halachoth Gadoloth zu bringen versuchen. Die eine, die „unsrige", ist im Westen,Dämlich in Sophene (a-aasa ^>v). die andere hingegen im Osten in Chamse (bei Llrabo Comisene tap) entstanden. Da Tiflis nach Annahme der Alten, an der Grenzscheide West- und Ost-Asiens liegt» wurde je nach der Gegend, wo solche abkopiert wurde, der dort übliche Brauch eingeschaltet. Ein Beispiel genügt, beide zu charakterisieren. In unserer alten Ausgabe (Sophene) ist in Hilchoth Orloh ein Modus der Auslösung von »ypn angegeben' der im Norden auf uralter Tradition zu basieren scheint und sich auch in dem dort entstandenen Buche Jubiläen 7,3 wörtlich gleichlautend findet, wogegen Maimuni, Hilchoth Machuloth Jssaroth 10,18 und Ascheri Hilchoth Ktanoth als im rabbinischen Schrifttum unbegründet, scharf Hesped den gleichfalls in jener Gegend verfaßten Midrasch Mischle (aus K. 16). Die Abfassungszeit dieses von Halachoth Gedolath als autoritativ angeführten Midrasch muß demnach auf 700 — 750 fallen?). Wenn also dieser Midrasch nun Kap. 10 Ausdrücke, wie rranaa rraar und ’T no'an nr» «o i'O’i anführt, bekundet er hiemit zweifellos die Bekanntschaft mit den gleichinhaltlichen Schriften Hechaloth, Othioth und Schiur Koma 3) und kann deren Existenz und Bekanntsein mit aller Sicherheit vorausgesetzt werden. Der Ausdruck N331V3 ri-aae ist nur der Schrift Hecholoth eigen und zitiert R. Hai Gaon denselben in einem Responsum (Ed. Lyck Nr. 99) ausdrücklich aus diesem Buche, das er sogar als alte Mischna bezeichnet, was jedenfalls auch als Zeugnis für das hohe Alter dieser Schrift gelten kann. Folglich dürste die Annahme gerechtfertigt sein, die Entstehungszeit derselben auf 600 — 630 festzusetzen. Diese Zeit entspricht den in diesem Buche erwähnten historischen Verhältnissen. So wird zum Beispiel im Kapitel 28 die damalige Lage der Juden an den (östlichen und nördlichen) Usern des Schwarzen Meeres mit glänzerden - Farben geschildert : „rc. 4) n\n '2122 222211 na’3 ^>32 2222? jrpanf? Dies findet seine Bestätigung, wenn auch nur andeutungsweise bei dem byzantinischen Historiker Theophanes Jsauricus (750) in seiner Erzählung aus der Mitte des VII. Jahrhunderts (Chronographie ed. Classen u. Becker, Bonn 1839, T. I, ft. 545). KV' dq ptsv xa Tip6q avaxoArjV [i£p7] xfjg Ti^oxsipsvrjg X'jmjc; £tcc Oavayaupiav xa: xobq sxsIgs, ocxouvxag CE [ipaiouq 7iapax£ivxa: £Ö-vrj rcXEraxV. Auf dieselbe Zeit weist fernerhin die Stelle: „rc. 223 ppaina cPir 'bna was auf den Uebertritt der dortigen Völker, wie Chalifen, Chasaren rc. zum Judentume anspielt. Noch mehr ersieht man das aus Kap. 24 iv pvin ^«ao ^>U'2ii eP rc. (richtig ^u'2'i) bv -w (5) o-ais? wo der Verfasser im Nordosten nur die Feindschaft der Nachbarreiche der Römer (Oströmisches Reich) und der Perser (Sassaniden) gegen die Juden in Betracht zieht, dagegen das Khalifat, das gegen 640 dorthin siegreich vordrang, nicht kennt, im Gegensätze zu den dort später entstandenen, midrasch-mystischen Schriften ähnlichen Genres (wie zum Beispiel in Pirke di R. Elieser, das gegen 700 — 725 am Kaukasus verfaßt wurde) in denen schon deutlich der Einfluß des Islams wahrzunehmen ist.6) Hecholoth ist aber jünger als die ihr verwandte, so zu nennende Schwesterschrist Otioth und losziehen und solche als Irrtum einiger Gaonen perborreszieren. Hingegen findet sich in der zweiten, neulich in Berlin edierten Rezension hiefür eine Form, wie sie in Südbabylon üblich war und wie sie R. Acha in seinem Scheeltoth (Kedosckim 100, 3) als Norm fixiert. Im Osten (in Aderbeidschan. Chamse) war der babyl. Ritus der mta -32 eingeführt. R. Joseph Taw Elem (der dort gegen 1000 lebte und mit anderen, wie R Mosche Hadarschan rc., nach Frankreich auswanderte) fertigte die zweite Rezension und akzeptierte diese babyl. Norm der Scheeltoth a's giltig. wie ich anderweitig Nachweise. — Aus einer Stelle der letzteren Rezension ri3 2'ivi-rD D'a’ä1 *? naiwn I«2ö NU7! womit offenbar gegen den Häcesiarcken Abu Amzan (als Zeitgenoffe Almaliks nach Makrizi de Saey, Ehrest I, 117, gegen 800) in Tiflis, der nach Hadassis Eschkol Nr. 98 für das Verbot der Ehe mit der Brudertochter in seiner Partei Propaganda machte, polemisiert wird, geht klar hervor, daß die Halachoth Gedoloth gegen 810—820 verfaßt wurden. a) Das Alter des Midrasch Mischle dürfte auch beiläufig aus einem Zitat des Buches Mikzouth des R. Chefez, Primas und Rektor eines Lehrhauses in Georgien (gegen 1000), hervorgehen. Bei Mordchaj zu Bab. Mez. C. II wird dies angeführt, wo R. Chefez eine Dezision des R. Jehudaj Gaon (gegen 750) mit einem Beleg aus Midrasch Mischte rechtfertigen will, aus dem er diese geschöpft haben mochte. 3) Die Alten nahmen Schiur Koma und Othioth als ein Opus. 4) 27! '213 heißen auch im Talmud nur die Städte am Schwarzen und Kaspischen Meer, was ich anderweitig ausführlich Nachweisen werde. b) Vergl. Ain Jak. zu Joma 38. «) Ich mache den Eutstehungsort deshalb auch namhaft, um den Zusammenhang darzutun. Hier ist nicht der Ort, mich in weitläufige Auseinandersetzungen einzulassen und es wird genügen, auf eine Stelle hinzuweisen, die das bestätigt. In Kap. 41 heißt es *?ia3 pvn maun Ein 15*/, bis 16 Stundentag fällt auf den Breitegrad des