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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-06-02 · 22 (2.6.1911) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
22 (2.6.1911)
Date
1911-06-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 359 andere Bedeutung beigelegt weöden, um sie zum Gebrauch für die fremde Sprache fügsam und biegsam zu gestalten. Schon die dem .Hebräischen so nahe verwandte Sprache der Araber verlangte eine Reitze von diakritischen Zeichen. Ebensolche Unterscheidungen durch .Punkte und Strichlein zur Unterscheidung verschiedener, im Hebräischen nicht in demselben Sinne vorhandenen Laute werden im Persischen der iranischen Juden und nicht minder bei der Schreibung des Iudenpersischen im faktischen Sprachgebiet verwendet. In anderer aber entsprechender Weise hat sich das Judenspanische geholfen. Das Judendeutsche hat hauptsächlich gewisse nur im Semitischen vorhandene Konsonanten dazu benutzt, um die fehlenden Vokalzeichen damit zum Ausdrucke zu bringen. Die neueste Art, hochdeutsch mit jüdischen Buchstaben zu schreiben, hat dazu geführt, außerdem die Umlaute des Deutschen wie in der deutschen Schrift durch zwei (bekanntlich aus einem kleinen „e" entstandenen) Strichlein über den entsprechenden Stammkonsonanten zu setzen, während die Vokale. im Jüdischdeutschen und in der Mischen Schreibung Hochdeutschen durch eine bestimmte Zusammensetzung solcher Konsonanten ausgedrückt werden, die im Jüdischdeutschen überhaupt zur Vokalbezeichnung dienen. Als der Buchdruck einsetzte, behielt man die Quadratschrift im allgemeinen als die Grundform für hebräische Drucke bei, und sie hat sich auch dauernd als solche durchgesetzt. Aber die mittelalterlichen Kommentarwerke, deren Handschriften in Raschi-Kursive Vorlagen, werden bis auf den heutigen Tag weiter in dieser Schriftart auch gedruckt. Die spagnolischen Juden haben die Raschi-Kursive auch in ihre spagnolischen Drucke übernommen, während die jemenischen und andere arabisch sprechenden Juden bis nach Kalkutta hin ihre Bücher und Zeitungen in arabischer Sprache mit Quadratbuchstaben drucken. Dagegen bedienen sich die maharattisch sprechenden weißen Juden der ostindischen Westküste in ihren Drucken der Sanskritbuchstaben. Für das Jüdischdeutsche wurde bis in die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts die nunmehr verschwundene Form der Kursive auch für den Druck gebraucht, während jetzt zum Schreiben die andere der beiden früher gebräuchlichen'Formen sich durchgesetzt hat, dagegen der Druck fast allgemein in der alten Quadratschrift vorgenommen wird. Freilich gibt es in allerneuester Zeit jchlch kleine, noch ganz leichte Regungen, nicht bloß das Jüdischdeutsche, sondern auch das Hebräische mit lateinischen Buchstaben zu schreiben und zu drucken, wie das Gleiche ja auch, von wohl nichtjapanischer Seite, für das Japanische in Vorschlag gebracht wurde, und wie es in den deutschen Kolonien beispielsweise mit Erfolg für das bisher arabisch geschriebene Ki-Suaheli eingeführt worden ist. Doch handelt es sich bei diesen Bestrebungen nur um jene kleine bedeutungslose Gruppe, die danach strebt, das Hebräische durch das Jüdischdeutsche als jüdische Nationalsprache zu ersetzen. Aehnliche Entwicklungen in der Schriftübertragung hat es auch bei anderen Völkern gegeben. In Indien gibt es dafür eine ganze Reihe von Beispielen. Jenes Arabisch, das die Samaritaner mit samaritanischen Buchstaben schreiben, das Karschuni genannte, mit „Estrangelo" oder „Sarto" genannten syrischen Buchstaben geschriebene Arabisch maronitischer oder nestorianischer Christen, sind ebenso Parallelen zu dem Vorgänge bei den Juden, wie die Schreibung des Türkischen mit griechischen Buchstaben bei sehr zahlreichen Griechen Klein- Asiens, die dies neben der griechisch-orthodorsn Religion als den einzigen Rest ihrer Nationalität zurückbehalten hatten. Freilich hatten diese geringen Reste trotz des Verlustes der eigenen Sprache Und trotz der Zerstreuung in alle möglichen Lander genügt, um ein hellenischnationales Griechenvolk neu zu beleben. Der Wert der Beibehaltung der hebräischen Schrift auch für die gesprochene Landessprache erhellt hieraus ohne weiteres. Der Schöpfer der Grundlagen einer hebräischen Schriftkunde, Leopold Löw, faßt die Voraussetzungen, die erforderlich waren, damit bis Juden sich ihrer eigenen Schrift bedienen sollten, um eine fremde Sprache zu schreiben, dahin zusammen: 1. eine höhere Kulturstufe, welche das Schreiben überhaupt begünstigt: 2. die sprachliche Nationalisierung der Juden in dem betreffenden Lande: 3. ein starkes Gefühl der eigenen Volkstümlichkeit. Wir fügen als viertes Moment besonders noch hinzu, die Entfernung der Juden aus dem Lande, dessen Sprache sie beibehalten haben. Aber auch hier spricht die starke Betonung des eigenen Volkstums eine große und bedeutsame Rolle, Der Amstand, daß die älteste Buchstabenschrift in einer stilisierten Quadratform noch in der Sprache erhalten ist, in der diese Buchstabenschrift erfunden wurde, erhöht noch das Gefühl der Pietät, das wir der Schrift entgegenbringen, in der das heiligste der Bücher der Menschheit unverfälscht und rein aus die Nachwelt aus den Kindheitstagen der Menschheit bis auf unsere Tage überkommen ist. Das läßt uns die so schönen und ehrwürdigen Schriftzeichen, die mit einer der gewaltigsten Perioden unserer eigenen Volksgeschichte so innig verknüpft sind, noch lieber und trauter werden!. Sie sind ein schöner Denkstein der Geschichte unseres Volkes, der mit der Nation die Jahrtausende der Verfolgung überdauert hat und deshalb uns auch die Hoffnung auf eine schönere, eine schöne Zukunft unseres Volkes einflößt. Darum lieben wir nicht bloß die hebräische-Sprache, sondern auch die hebräische Schrift. Mn Appell an die jüdischen Keichsrat«- wähler in Galizien. Von Alexander Schorr. Jüdische Wähler! Der nahende Wahltag, der 19. Juni, bedeutet für euch einen großen Lostag, welcher, bei freier Ausübung des gleichen allgemeinen Wahlrechtes, die Wendung zum Befserwerden in der nicht mehr erträglichen traurigen Notlage der jüdischen Bevölkerung Galiziens, datieren könnte. Zweck dieses Wortes ist, euch aus der Lethargie, aus der langdauernden Schlafkrankheit wachzurütteln. Erkennet euere Macht und euere Stärke, welche in der richtigen Auswahl euerer Vertreter liegt. Die Zeiten der Dienstbarkeit als willfähriges Werkzeug der absoluten polnischen Vorherrschaft, find vorüber. Lasset euch nicht mehr wie die Schafe zur Urne treiben, als Stimmvieh — zu stimmen und nicht zu wählen. Auf die schlimmen Folgen euerer sogenannten Wahlen könnte mit Recht das bekannte Wort angewendet werden: »Nur die allerdümmsten Kälber, wählen ihre Metzger selber." Insbesondere nach den traurigen Erfahrungen der jüngsten Zeit, nach der gegen die armen jüdischen Schenker gerichteten neuen Attacke, denen man auch noch den letzten Nahrungszweig entrissen, indeß dem Fürsten Lubomirski, dem Grafen Potocki und anderen Großgrundbesitzern Schankkonzeffionen direkt von erster Hand verliehen wurden, ohne kostspielige Vermittlung der Gottnimm - Anbeter, der Abgeordneten: Paduch, Fiedler, Wioncek. Ferner nach dem kläglichen Fiasko der im Februar l. I. im galizischen Landesausschuffe stattgefundenen Judenenquete, traurigen Angedenkens, wo man den hilfebittenden armen Juden, zum Schaden den Spott fügend, gewifiermaßen als „Lebensbedingung" folgendes kund und zu wissen gab! »Die politische Judenfrage haben die Staatsgrundgesetze prinzipiell erledigt, freilich bisher nur im Prinzipe. Die wirtschaftliche und soziale Judenfrage erwartet ihre Lösung nicht vom Gesetze (?), sondern vom Leben! Ihren berechtigten Anspruch auf gleiche Pflege ihrer Wirt-

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