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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-05-26 · 21 (26.5.1911) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 21 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 38S Erneuerung des Judenlores fand, laut Vertrag mit den betreffenden Handwerkern, 1350 statt. Die „Hatea Judeorum“, die Iudengasse, welche an den Oberen Markt, jetzt Krautmarkt, grenzte, wird 1352 zum erstenmale genannt. Das Iudenviertel nahm das Viereck zwischen der Menesenenser-, heutigen Adlergasse und dem Iudentor, nach oben vom Krautmarkt, nach unten von der Böhmengasse (jetzt Josefsgä,se) begrenzt, ein. In der Menesenensergasse erwarben Juden, seit dem Ende des 14- Jahrhunderts, Häuser,- wir hören von deren Verkaufe und Vererbung. In den Kellerräumen der Finanzlandesdirektion in der Ferdinandsgasse fand man, bei den Grabungsarbeiten 1905, drei eigenartige Nischen, die Man, vielleicht nicht ohne Grund, mit Teilen eines öffentlichen Gebäudes der Iudenschaft, einem Judenrathause, in Zusammenhang bringt. Was den Judenfriedhof anlangt, das cimiteriiim Jndeorum, so befand er sich vor dem Judentore. ,2 Grabsteine, aus dem Jahre 1373 stammend, die ältesten, die wir in Brünn überhaupt kennen, haben sich, als Ueberreste jenes Friedhofes, im Jahre 1860 vorgefunden. Sie sind im Franzensmuseum aufbewahrt. Aber es sind nicht die einzigen Grabdenkmäler von Juden, wie Bretholz meint, die vorhanden sind. Es wurden Noch andere gefunden und ans dem jetzigen jüdischen Friedhofe hinterlegt. Im übrigen ersehen wir aus der Iudenordnung König Ottokars, daß damals „jüdische Leichen, nach der Juden Gewohnheit, von Stadt zu Stadt, von Provinz zu Provinz, von Land zu Land" geführt wurden. Ein Mautner, der für diese Leichenüberführung Zoll verlangte, sollte als „predo", „Räuber", bestraft werden. — Iudenviertel, Iudentor, Judenrathaus, Iudenfriedhof deuten auf die große Vermehrung der Judenbevölkerung in 'der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts, unter Karl IV., him Dieser hatte, nach einer Urkunde vom 18. Februar 1343, bestimmt, daß nur vier jüdische Fleischhacker in Brünn sein durften, welche das Recht hatten, in dem neuerrichteten Kuttelhof des Matthias Vieh zu schlachten. Das Vordere sollten sie ihren Glaubensgenossen, das Hintere ungeteilt den Christen nach Vierteln verkaufen. Am 6. Juni 1345 bevollmächtigte Karl den Richter, Bürgermeister und die Geschworenen der Stadt, sowie die Judenrichter, Juden, die sich in der Stadt niederlassen wollen „heranzuziehen, aufzunehmen, . . . und in ihren Rechten zu schützen". Große Judenverfolgungen kamen damals, besonders seit dem Jahre des „schwarzen Todes", aber auch schon im Jahre 1338, überall in Deutschland, vor. Diese „Judenpogroms" der damaligen Zeit veranlaßten Karl, wohl zur Stärkung seiner Finanzen, den flüchtigen Juden Asyle in seinen Erbländern zu eröffnen. Solche waren die Städte Jglau und Brünn. 100 Schock Groschen hatten die Juden Brünns, nach einer Urkunde von 1349, an die Markgräfliche Kammer zu entrichten. So sagte Karl, wolle er „uoatiam 6t camere nostre condicionem meliorem facere“. — Seit diesem Jahre war der Bruder Karls IV., Johann Heinrich, Markgraf vowMähren und Brünn seine Residenz. Hier regierte er bis 1375, es folgte ihm sein Sohn, der Markgraf Jodok. Dieser verfügte am 2. Juni 1377 die Reduktion der Judenschulden um ein Drittel. Er tat also etwas ähnliches, wie sein Vetter Wenzel, als deutscher König. Eine andere Urkunde Jodoks, vom 25. Juli 1377, erlaubt, daß die Stadt Brünn bei dem Wiener Juden David^Steußr) ein Anlehen von 1600 Pfund Wiener Pfennigen aufnehme. Darüber wurde eine Schuldurkunde des Brünner Rates am 13. November dieses Jahres aufgesetzt. Am Wohl die reichste damalige Wiener Judenfamilie; vergl. Schwarz: „Das Wiener Ghetto", S. 66. 31. Oktober 1391 stellt der Brünner Rat, unter dem Bürgermeister Lukner, den Söhnen des Steuß eins Schuldurkunde über 1775 Pfund Wiener Pfennige aus. Die darauf bezügliche Urkunde des Markgrafen ist vom 16. November datiert. 1411 starb Markgraf Jodok und mit dem Jahre 1454 endet die Geschichte der Juden in Brünn während des Mittelalters, da sie in diesem Jahre, unter Ladislaus Posthumus, aus Brünn, sowie anderen Städten Oesterreichs, vertrieben wurden. Was die Verwaltung der Judengemeinde anlangt, so steht an ihrer Spitze der I u d e n b i s ch o f oder Judenmeister. Als solcher wird Isaak genannt, „Isaacus, maxister et episcopus Judeorum“ Im Jahre 1387 hören wir in einer deutschen Urkunde von dem weisen „Judenmeister" Veybuzz „lerer in der judenschul zu Brunne". Wo diese „I u d e n s ch u l" gelegen war, ist freilich schwer zu sagen. Vielleicht an der Stelle des Militärtransporthauses in der Franziskanergasse, neben der Magdalenenkirche. Nach anderen bei den Fleischbänken. Bretholz sagt darüber nichts. Neben den christlichen Geschworenen gab es auch jüdische, „scabinr. Als solche werden im Brünner Stadtbuche, einer Hauptquelle für unsere Geschichte seit dem Jahre 1343, genannt die Juden: Reichlin, Weldlin, Jakob von Muta und Pater. Der letztere Name hat sich bei den Juden bis auf unsere Tage erhallen. Neben christlichen Geschworenen werden auch oft jüdische genannt. Wir hören auch, daß bei Rechtsgeschäften, an denen Juden beteiligt sind, vor christlichen und gleichberechtigten jüdischen Zeugen verhandelt wurde. Außerdem ernannte der Markgraf einen christlichen Judenrich 1er, einen rindex Jndeorum“. Dieser scheint bei Verhandlungen zwischen Juden und Christen, gleichsam als landesfürstlicher Vertreter, fungiert zu haben.. Die Geschäfte der Juden waren, ähnlich denen der Wiener, wie wir dies aus dem Buche Dr. Goldmanns erfahren und wie es Sombart in seinem Werke „Die Juden und das Wirtschaftsleben", darlegte, Geldleihgeschäfte. Zahlreiche Eintragungen über diese finden sich im Brünner Stadtbuche. 1349—1379. Die Juden, von jedem anderen Erwerbe ausgeschlossen, waren die Geldleiher für Bürgersleute und Handwerker. Als solche Geschäftsleute werden besonders verzeichnet: der Brünner Jude Maier, von ihm scheint der Jude Lakusch oder Lgnkusch die Geschäfte übernommen zu haben. Aber die Geldgeschäfte wurden mit der Zeit nicht nur mit dem Bürgerstande, sondern auch mit der Stadt gemacht, wenn sie auch nicht sehr ansehnlich waren. Stärker waren sie schon mit dem Landadel. So wurden die Juden oft aus Gläubigern die Besitzer der von ihnen belehnten Güter, ebenso wie auf diese Weise der Hausbesitz, auch außerhalb des Judenviertels, auf sie überging. Freilich ist dieser Besitz av Grund und Boden nur als unsicherer Pfandschaftsbesitz anzusehen, der sobald als möglich, veräußert wurde. Denn es hat noch lange gedauert, ehe die Juden städtischen und ländlichen Besitz frei erwerben konnten.. Und wie hätten sie auch einen solchen rechtlich verteidigen können? — Fassen wir alles, was wir über die Juden Brünns, während der Jahrhunderte des Mittelalters, sagen können, zusammen, so bietet sich uns hier ein ähnliches Blld wie in anderen Städten Oesterreichs, z. B. in Wien, oder Deutschlands, dar. Sie bilden neben Adel, Geistlichkeit, Bürgern und Handwerkern einen eigenen Stand, wohnen meist in einem eigenen V i e r t e ll Judenhäuser außerhalb des Judenviertels kommen zwar, aber nur selten, vor. Von den Landesfürsten werden sie gegen Erlag hoher Steuern ge-

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