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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-05-26 · 21 (26.5.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 352 Dr. Brochs WochenfchM Nr. 21! Em Vlindenkonzert. _ Biel besprochen wird jetzt, wie aus Budapest berichtet wird, ein Konzert, das die Zöglinge des Musikprofessors an dem Ritter von Wechselmannschen jüdischen Blindeninstitute Isidor Rosenfeld vor einigen Tagen veranstaltet haben. Es bot einen rührenden Anblick, wie die armen blinden Schüler und Schülerinnen des Professors, der selbst das Schicksal seiner Zöglinge teilt, zum Mgel geführt wurden und das Programm: Schubert,- Beethoven, Mozart u. a. mit durchaus lobenswertem Können absolvierten. Das Programm der Institutszöglinge wurde bisweilen durch Vorträge der sehenden Schüler des blinden Lehrers unterbrochen. Es dürfte vereinzelt dastehen, daß ein blinder Musikpädagoge, der außer dem Klavier noch eine Reihe von Instrumenten meistert, auch Sehende unterrichtet. ___ Feuilleton. Zur Geschichte der Juden in Krunu «rLlsreud des Mittelalters. Eine urkundliche Bearbeitung der Geschichte der Juden in der mährischen Landeshauptstadt, während des Mittelalters, wie wir sie nun, für die Wiener Iudenschaft, in den vorzüglichen Werken von Dr. A. Goldmann „Das Judenbuch der Scheffstraße zu Wien" <1389—1420) und Dr. I. Schwarz „Das Wiener Ghetto", besitzen, bestand bis jetzt nicht. Seitdem der unvergeßliche Altmeister der mährischen Geschichte, Christian R. d'Elvert, in den „Schriften der historisch-statistischen Sektion der k. k. mährischen Gesellschaft zur Förderung des Ackerbaues, der NaÄr- und Landeskunde", im Jahre 1695, seine Arbeit „Zur Geschichte der Juden in Mähren und Oesterr.- Schlesien" herausgegeben, ist meines Wissens kein Werk erschienen, das sich mit der Geschichte der Juden in Brünn während des Mittelalters beschäftigt hätte. In den letzten Tagen beschenkte uns nun der jetzige, sehr fleißige und verdiente mährische Landes-Archivar, Doktor B. Bretholz, mit dem 1. Bande seiner „Geschichte der Stadt Brünn",*) welcher bis zum Jahre 1411 reicht, d. h. bis zum Tode des Markgrafen Jodok, des letzten Sprossen der mährischen Linie der Luxemburger, der Nachfolger der Pkemysliden in der Regierung der Markgrafschaft. Zum erstenmale wird in diesem Werke die Geschichte der Juden in Brünn, auf Grund archivalischen, urkundlichen Materials, dargestellt und ihr, neben beiläufiger Erwähnung, auch ein ganzes Kapitel gewidmet. Die Frage wirft sich vor allem auf: Wann mögen sich wohl Juden in Brünn angesiedelt haben? In dem großen Urkundenwerke der Markgrafschaft dem ..Kodex diplomaticus et epistolaris Moraviae“ findet sich die erste Urkunde, welche die Anwesenheit von Juden in Mähren im 10. Jahrhundert bezeigt. Es ist der vom deutschen Könige Ludwig und den beiden Erzbischöfen von Salzburg und Passau in Raffelstellen geschlossene Zollvertrag, in welchem von jüdischen Kaufleuten gesprochen wird, die aus dem Lande der Mährer kommen. Man wird demnach nicht fehl gehen, wenn man von einer Ansiedlung der Juden in Brünn, das damals noch keine Stadt war, sondern als Burg und landesfürstliche Residenz, sowie Vorort der „Provincia Brunnensis" bezeichnet wird, wo, ums Jahr 1091, Konrad, der Bru¬ *) Heraisaeqeben vom Deutschen Vereine für die Geschichte Mährens r nd Schlesiens. Brünn 1911, Verlag des Vereines. der des Vöhmenkönigs Wratislaw, herrschte, im 11. Jahrhundert, spricht. Der erste böhmische Chronist, Cosm as, dem wir auch die erste Bezeichnung der mährischen Landeshauptstadt mit dem Namen Brünn danken, erzählt von Juden in Prag, die dort, im Jahre 1091, im Suburbium und im Burgflecken von Wischehrah wohnten, und „von Gold und Silber strotzen". — Halten wir uns diese Notiz vor Augen, erwägen wir ferner, daß die Existenz von Juden in Mähren urkundlich seit dem 10. Jahrhunderte bezeugt ist und ihnen König Wenzel I., der Vater Pkemysl Ottokar II., einen Schutzbrief ausstellte, auf den sich der Sohn beruft, als er die Brünner Juden 1276, um sie aus ihrer Armut zu heben, steuerfrei erklärte, so müssen wir annehmen, daß im 13. Jahrhundert, als das Juden st atut Ottokars vom 23. August 1268 erschien und darin für die Juden Brünns einige Anordnungen getroffen wurden, hier um diese Zeit eine ziemlich starke Judengemeinde gelebt haben muß. Diese Judenordnung Ottokars für Brünn (gedruckt im Kodex liisdomaticus IV, p. 17, Nr. XVI, bei Bretholz a. a. O., S. 363) bietet den Juden, als markgräflichen Kammerknechten, Rechtsschutz, sie sind von der Gerichtsbarkeit des Stadtrichters ausgeschlossen, für sie gelten andere strafrechtliche Bestimmungen, als für die übrigen Stadtbürger. Man muß nur den Begriff der „Kammerknechtschaft" richtig erfassen, der sich zum erstenmale in einer Urkunde des Staufers Friedrichs II. findet, Um diesen hen Juden gewährten Schutz zu verstehen. Interessant ist der § 10 der Judenordnung, der besagt: „Kein Jude darf auf das „Rodale" schwören, außer vor dem König." Das Wort „Rodale" wurde schon von Rößler, der sich mit dem Brünner Rechtsbuche zuerst wissenschaftlich befaßte, richtig als „Rotulus", d. i. die Thorarolle, erklärt., Das Original, der. Judenordnung .befand sich im Besitze der Juden, wurde von ihnen dem Stadtrate zur Kopierung geliehen und die Abschrift findet sich im Brünner Stadtrechtsbuche. Rudolf von Habsburg bestätigte den Brün- >ner Juden ihr Privilegium im Jahre 1278. In dem Schutzbriefe König Rudolfs für die Brünner Juden ist die Verordnung aufgenommen, daß diese die Landes¬ und Stadtsteuern, gleich den anderen Bürgern, zu entrichten hätten. In diesem Jahre hören wir auch den ersten Namen eines Brünner Juden, er heißt Nathan. Der Brünner Bischof Bruno entschied in einer Streitsache zwi'chen dem Pfarrer Erklin von Allerheiligen und Nathan. Uebrigens ist die Judenordnung Ottokars eine fast wörtliche Kopierung des Statuts Friedrichs II., des Babenbergers. (In dem Schutzbriefe König Rudolfs für die Brünner Juden ist die Verordnung ausgenommen, daß diese die Landes- und Stadtsteuern, gleich den anderen Bürgern, zu entrichten hätten.) Rudolf von H a bs bu rg war g esto rben, die P remysliden waren nun wieder in den Besitz Mährens gelangt. Im Jahre 1306 starb diese Dynastie aus. Seit 1310 regierte, als Markgraf von Mähren, der Sohn Heinrichs VII. von Luxemburg, König Johann der Blinde. 1311 hielt er seinen Einzug in Brünn, auch von den Juden, nach der Erzählung der Königsaaler Chronik, feierlichst empfangen. Mit ihren heiligen Schriftrollen gingen sie ihm am weitesten entgegen und begrüßten ihn mit hebräischen Gesängen. 1333 bestimmte dieser König, in seiner letzten für Brünn ausgestellten Urkunde, daß die Juden zum Bau und zur Erhaltung der Stadtmauer und des Stadtgrabens ein Viertel beitragen müssen. Um diese Zeit hören wir auch schon von der Bezeichnung Judentor. Es befand sich dieses am Ende der jetzigen Ferdinandsgasse, eröffnete den Weg zur Straße gegen Lösch, - welche, als „strata publica Brunnensis“,ß schon im Jahre 1261 genannt wird. Eine

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