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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-05-26 · 21 (26.5.1911) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 21 Die Verteilung der Erträgnisse des Wiener Blnmentages. Das Komitee des „Blumentages" hat die Liste der vom Erträgnis des Blumentages beteilten Vereine veröffentlicht. An ausgesprochen klerikale Vereine wurden nicht weniger als 70.500 Kronen verteilt! Das sind 70 Prozent des gesamten, zum großen Teil von Juden zusammengesteuerten Erträgnisses. Also ein Aufsitzer! Und nicht nur die Juden, sondern auch die armen Arbeiter, der unbemitteltste Teil der Bevölkerung, sind aufgesessen. Der kleine Mann von Wien hat es sich nicht nehmen lassen, die Zehnhellerblume in sein Knopfloch zu stecken, in der sicheren Erwartung, mit dieser kleinen Spende den Aermsten unter seinen Mitbürgern zu helfen. Nun stellt es sich heraus, daß von der ganzen gesammelten Summe nur — zehntausend Kronen dem Asylverein für Obdachlose übergeben wurden. Der Hauptbetrag aber wurde dem „Heim für obdachlose Familien des katholischen Wohltätigkeitsverbandes für Niederösterreich" gespendet. Nun ist das Visir offen, für klerikale Werke ist die Bevölkerung gewürzt worden. Beim nächsten Blumentag wird man den Herrschaften gehörig heimzuleuchten wisset:. Paris. Hier wurde dieser Tage die Einweihung des neuen Heimes für jüdische Emigranten gefeiert, das vor einigen Monaten im Montmartre-Viertel errichtet wurde. Das Heim, das nach einem Entwurf von Mr. Hesse, dem Architekten des jüd. Konsistoriums, von einer eigens dafür gebildeten Gesellschaft erbaut ist, entspricht in jeder Hinsicht seinem Zwecke. Das zweistöckige Haus, in dem sich in einigen Räumen hundert Betten für Erwachsene und fünfundzwanzig Betten für Kinder befinden und das in einem großen Garten steht, hat 160 000 Fr. gekostet. Die Emigranten, die bis zu zehn Tagen darin verweilen können, erhalten im Heim auch freie Beköstigung. Krakau. (Vom Schulwesen.) Zu den in Galizien wenig sich befindenden Fachschulen, ausschließlich für die jüdische Gewerbe- und Handelsjugend, gehören die in Lemberg vom fei. Markus Bernstein im Jahre 1864 gegründete und von seinem Vermächtnisse unter Aufsicht der Kultusgemeinde erhaltene Gewerbeschule und die in Krakau mit der städtischen „Kasimirs des Gr." Bürgerschule verbundene Handels- und Gewerbeslule, die aus den gemeinschaftlichen Fonds des Staates, des Landesausschusses und der Stadtgemeinde erhalten werden. Vorige Woche wurde der Schluß des Schuljahres in diesen Anstalten feierlich begangen. Die in Lemberg existierende Bernstcinsche Handwerkerschule, die ihr 47. Wirkungsjahr beendigt hat. gebört überhaupt zu den ältesten Fachschulen in Galizien und besitzt ihren wohlbegründetcn Rubm. da sie unzählige tüchtige jüdische Handwerk-r heranaebildet hat. Sie steht jetzt unter der Leitung des Gymnasialvrofessors Herrn Siegmnnd Bromberg und beschäftigt fünf gediegene Lehrkräfte, zu denen Dr. Merwin Prof. Mostowskr, Religionsprofessor Rein, Direktor Szlagowski und Prof. Spät gehören. Die Schule besteht aus drei Klassen und zählte im verflossenen Jahre 66 Schüler. Beim Schulschlüsse hielt Prof. Mostowski einen belehrenden Vortrag über die Bedeutung des Zeichnens für das Gewerbe und Handwerk, der großen Beifall bei den versammelten Schulzöglingen und den anwesenden Handwerkern hervorrief. Die in Krakau seit dem Jahre 1884 bestehende Gewerbeschule entwickelte sich erst in den l-tzten Jahren so bedeutend, daß die Zahl der Abteilungen der dreiklassigcn Schule verdoppelt wurde und 245 Zöglinge im letzten Schuljahre in sechs Abteilungen zählte. Außerdem wurde die Handelsjugend seit dcm Jahre 1907 ausgeschieden und für dieselbe eine besondere Handelsschule mit den betreffenden Disziplinen errichtet, die in drei Klassen zirka 100 Frequentanten im verflossenen Jahre zählte. Das Lehrerkollegium Vieser zwei Schulen besteht aus 19 Personen unter der gemeinsamen Leitung des Bürgerschuldirektors Herrn Salomon Spitzer, deffen eifrigem Bestreben es gelang, mit Beginn des verflossenen Schuljahres für beide Schulen ein neues prächtiges, geräumiges Schulgebäude mit entsprechender Einrichtung und Beleuchtung zu erhalten. Er errichtete auch eine entsprechende Schulbibliothek und einen „Jugendhort" zu deren Erhaltung er die entsprechenden nötigen Mittel von den Landes- und Stadtbehörden erwirkte, damit die Heranwachsende Jugend die von der Berufsbeschäftigung freie Ze>t unter Aufsicht der Lehrer nützlich und angenehm verbringen kann- Es ist dies der erste Hort dieser Art. bei den Gewerbeschulen in Krakau errichtet. Es wurden Vorträge und Vorlesungen mit Illustration entsprechender Lichtbilder abgehalten, gesellschaftliche und belehrende Spiele eingeführt, Fabriks-, Gewerbe- und Kunstanstalten, wie Museen und Bildergalerien besucht und endlich Ausflüge in die Seite 349 schöne Gegend veranstaltet. Der Hort erweckte bei der Jugend großes Interesse und fand .auch bei den Eltern und Arbeitgebern großen Beifall. Der pädagogische Zweck, wie auch der moralische Einfluß auf die meist verwahrloste und ganz verlassene, besonders aus der Provinz hergekommene Jugend sind von bedeutender Tragweite für die Zukunft derselben. Zum Schluffe des Schuij ihres gelang es auch den Bestrebungen des Direktors, mehrere bedeutende Geldprämien im Gesamtbetrag von 300 Kronen vom Landesausschnss', von der Stadtgemeinde, von der G.'werbekammer und vou manchen Zünften für die durch Fleiß und Sitten sich auszeichuende Jugend zu erlangen. Die anwesenden Delegationen der Gewe^b kammer und mehrerer Zünfte, wie auch Handwerker spendeten ihr belobendes Anerkennen über die theoretischen Arbeiten der Hm^wrrkerjigeuo, welche von entiprecheud gebildeten Schu'krä'ten geleitet werden. Es wäre überhaupt wü schenswert und von großem Erfolge, wenn die Arbeitgeber einen engeren und f.eundlichen Kontakt mit dem Lehrkörper pflegen würden. Einweihung des Rettuugshauses für unheilbare Kranke der Pester Chewra-Kadischa. Am 31. Mai, vormittags ^12 Uhr, fand die feierliche Einweihung des Rettungshauses für unheilbare Kranke statt. ^Anwesend waren der Vorstand der Pester Chewra-Kadischa, der Vorstand der Pester israel. Religionsgemeinde, die Deputationen der Brüdergemeinden Ofen-, Alt-Ofen-Steinbruch, eine Abordnung der Chas-Chewra und viele andere geladene Gäste. Punkt 7,12 Uhr bestieg Herr Gustav G. Ehrlich die Tribüne und begrüßte tn einer kurzen Ansprache die anwesenden Damen und Herren. Hierauf ergriff Hofrat Winterberg. Präsident der Pester Chewra-Kadischa, das Wort und in einer langen wohldurchdachten ausgezeichneten Rede sk'zzierte Redner den Zweck des Rettungshauses für unheilbare Kranke und die wahre Nächstenliebe unlerer Glaube.sbrüder, mit deren Hilfe es nur möglich war, einen solchen Prachtbau aufzr führen, um denselben am heutigen Tage der Oeffentlichkeit übergeben zu können. ' j Herr Dr. Mezey Ferenez verlas hierauf bie Entstehungtnrkunde des Rettungshauses für unheilbare Kranke. Feierliche Stille trat ein, als der gediegene Kanzelredner Oberrabbiner Dr. Jlles Adler in einer herzergreifenden Rede, wobei kein Auge tränenleer blieb, den Segen Gottes für das Rettungshaus herabflehte, in welchem die unheilbaren Kranken ihren Ruheort fiiden we:den. Hiemit war die erhebende Feier zu Ende. Nun wurde das mächtige Gebäude, welches nach dem Plane des Kunstarchitekien Lajta Bela in echt ungarischem Baustil gebaut wurde, von den Güllen eingehend besichtigt. An der Stirne dieses Prachtbaues steht in großen vergoldeten Lettern die Inschrift: „O Gott, heile sie". Dieses große zweistöckige Gebäude, welches in jeder Beziehung mit der modernsten Einrichtung versehen ist, entbält 10 große Krankenderen Aussicht von der Westseite bis ins Ofne.-Gebirge ragt. In der großen Vorhalle finden wir in schwarzem Marmor eingraviert, alle jene Stifter die sich mit großen Beträgen an diesem Bau für Nächstenli-be beteiligt hatten, und zwar: Eoepele Weiß A ice, Freund Adolf und Frau, Engel Tervz, Hain Mör und Frau, Schwarz Eliz. Weiß I. Mauö, Klanberger Ferenez, und Frau, Brödy Josef und Frau, Breitner Zsigmond und F au, Ehrlich G. Gustav und Frau. Steuier Jüszef und Frau, Baumgarten Lajos und Halmi Deutsch Sändor. Auf derselben Seite auf einer Steintafet finden wir die Namen der Leiter der Pester Ebewra-Kadischa eingraviert, die sich besondere Mühe gaben, um dieses Gebäude seiner Vollendung zuzuführen. Präsident Hofrat Winterberg Gyula. Weiß I. Maua Vorsteher Julius Adler, der gleichzeitig Präsident der Baukommisfion war, Deutsch Antal, Lindenbaum Mör, Brüdy Josef und Sekretär Dr. Mezey Ferenez. Dieser Prachtbau kostete 1 Million fünfmalhunderttausend Kronen. Sigmund Lauser. Berlin. Der 29. Bericht der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin bringt anläßlich der im Berichtsjahre begangenen Feier des 100. Geburtstages Abr. Geigers eine vortreffliche Würdigung der Verdienste dieses großen Gelehrten um die Anstalt soroie die beiden Reden der Herren Prof. Dr. Klein- Stockholm und Dr. Elbogen, die bei der Gedächtnisfeier am 22. Mai vor einem geladenen Publikum gehalten wurden. Die Zusammensetzung des Lehrerkollegiums weist gegen das Vorjahr einige Veränderungen auf. Herr Rabbiner Professor Dr. Maybaum gab mit Schluß des Wintersemesters seine während eines Zeitraums von 23 Jahren ausgeübte Lehrtätigkeit auf. Sein Amt wurde von einem Schüler des Scheidenden, dem Rabbiner der Berliner Gemeinde Dr. Malwin Warschauer, bis auf Dr. Mochs Wochenschrift

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