Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 21 (26.5.1911)
- Date
- 1911-05-26
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 350 Nr. 21 Dr. Vlochs WocheiMM weiteres übernommen. Mit der Abhaltung von Vorlesungen und Veranstaltungen von Uebungen aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte in der hellenistisch-römischen Zeit wurde der Archivar am Gesamtarchiv der deutschen Juden Dr. Eugen T ä u b l e r beauftragt. Das Kuratorium beklagt den Heimgang zweier trefflicher Männer, des Malers Eduard Lohen in Frankfurt am Main und des Herrn Emil Mosse, die beide an den Bestrebungen der Anstalt rege Anteilnahme und ihr lebhaftes Interesse auch durch hochherzige Zuwendungen bewiesen. Die im Berichtsjahre turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder des Kuratoriums: Geheimer Negierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen und Oberregierungsrat Dr. Paul Meyer sowie der durch Amtsniederlegung ausschridende Geh. Justizrat Professor Dr. Mosse wurden wiedergewählt. Zur Errichtung einer Moses Mendelssohn-Stiftung, die zur Begründung einer Moses- Mendelssohn-Professur dienen soll, hat Herr Moritz Mannheimer die Initiative gegeben; durch einen namhaften Beitrag wie durch die Anregung, die Ueberschüsse des seinerzeit gesammelten Denkmalfonds diesem Zweck zufließen zu lassen, hat er seinen Namen auch mit dieser Stiftung unlöslich verknüpft. Der Preis für die zu Beginn des Sommersemesters ausgeschriebenen Preisaufgaben wurde den Arbeiten der Herren stud.. phil. Arthur Spanier und Dr. Julius Apel zuerkannt. Der Erstgenannte löste auch die von der Moses Mendelssohn-Stiftung gestellte Aufgabe über die Zusätze in der griechischen Uebersetzung des Buches Daniel. Die Zahl der Mitglieder hat sich im Jahre 1910 um 186 vermehrt. Das Vermögen der Anstalt wuchs von 783 490.66 Mark auf 780.541.57 Mark- Ein vielverheißender Anfang zur Errichtung einer Stiftung für die Pensions- und Reliktenversorgung der Lehrer der Lehranstalt wurde durch die Ueberweisung einer ersten Rate von 3000 Mark durch Herrn Aleris Latte gemacht. Eine edle und wackere Tat, die in den Kreisen der Freunde der Anstalt Nachahmung verdient. Noch em scharfer Protest gegen die Ausschließung der Juden vom Militärdienst. Täglich gelangen neue Protestkundgebungen von Juden an den russischen Kriegsminister, um gegen den Versuch, die Juden aus dem Militärdienste auszuschließen, Verwahrung einzulegen Einer der schärfsten ist der Protest der Poltawaer Juden. Er trägt die Unterschrift von mehreren hundert Juden, durchwegs vornehmeren Soldaten, die zum Teile im russisch-japanischen Kriege, andere wieder in früheren Feldzügen verschiedene Auszeichnungen erhielten. Unter ihnen befindet sich auch ein alter Mann namens Eutmann, der an der Verteidigung Sebastopols teilnahm: er besitzt sechs Auszeichnungen und ein Dank- und Anerkennungsschreiben des Großfürsten Michael Nikolajewitsch. In dieser Protestkundgebung heißt es unter anderem: „Wir ehemaligen jüdischen Soldaten aus Poltawa sind überrascht von dieser Verletzung unserer Ehre. Ans den Dokumenten, die sich im Archiv des Kriegsministeriums befinden, könnt Ihr ersehen, welche Heldentaten jüdische Soldaten vollbracht haben. Im Verlauf der letzten hundert Jahre haben jüdische Soldaten stets ihren Heldenmut bewiesen, wofür sie auch ausgezeichnet wurden. Viele von ihnen sind für den Ruhm des Vaterlandes auf dem Schlachtfelde gefallen. Gegen die Verleumdungen der Kommission schreit das viele Blut zum Himmel, das jüdische Soldaten in den Kriegen Rußlands vergossen, und protestieren die jüdischen Kameraden, deren Brust mit militärischen Auszeichnungen besät ist. Wir wundern uns über den Wagemut der Kommission, die doch weiß, daß an dem russisch-japanischen Kriege über 20.000 jüdische Soldaten teilgenommen haben, von denen viele dort ihr Leben ließen, andere wieder verwundet wurden und zahlreiche mit Auszeichnungen heimgekehrt sind. Wir bitten Sie, gleichfalls Ihre Stimme zu erheben zur Verteidigung unserer Soldaten- und Menschenehre." Einen ähnlichen Protest erließen auch die jüdischen Aerzte, die den russisch-japanischen Krieg mitgemacht hatten. Studium der judenchristlichen Sekten in Rußland. Der russische Minister des Innern entsandte den Hofrat Bodar in mehrere Gouvernements, um das Leben der daselbst verbreiteten juden-christlichen Sekten, so z. V. der Sabbatarier, Neu-Israel, Judäer, Molomanen usw., an Ort und Stelle zu studieren und der Regierung darüber Bericht zu erstatten. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Charlotte K o b n: Von R. K. X 20, R. P. 20, Moritz Zweig lO, kais. Rat Alex Rosenzweig 20, Arnold Löwy 10, Heinrich Husserl 20, E. K. 20. Zusammen K 130. Anläßlich des Ablebens des sel. Hermann Schwarz: Vom Personal der Firma Harpn'r X 20. Anläßlich des Ablebens der sel. Maria Czerwenka: Von Anna Schneider X iO. Aus der Plenarsitzung vom 14 Mai 1911. Note der k. k. nied.-österr. Statthalterei betreffend Kenntnisnahme der am 27. November v. I. vollzogenen Wahlen in den Kultusvorstand, sowie der am 1. Jänner d. I. vollzogenen Wahl der beiden Vizepräsidenten und der 8 Vertreter der Kultusgemeinde. Resolution, gefaßt in einer von den jüdischen Architekten Wiens einberufenen Versammlung von Mitgliedern der Wiener Kultusgemeinde betreffend die Ausschreibung allgemeiner Wettbewerbe unter sämtlichen Architekten Wiens bei den bevorstehenden Neubauten der Gemeinde. Von der Zentralvrreinigung der Architekten der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder eine Befürwortung der Aktion der jüdischen Architekten Wiens betreffend die allgemeine und öffentliche Konkurrenz bei den bevorstehenden Neubauten der Kultusgemeinde. - Dankschreiben mehrerer Soldaten der Wiener Garnison für die rituelle Verköstigung anläßlich der diesjährigen Pessachfeiertage in der Speisehalle des Vereines „Einheit". Dankschreiben der Fron Amalie Oser für die Aufnahme ihres Gatten des Herrn Hofrates Prof. Dr. Leopold Oser sel. And. in die Haskarah des Stadt- und Leopoldstädter Tempels. Spenden: Von Herrn Alfred Schlesinger s. A. ein Legat für das Israelitische Spital in Wien ..X 20.000.— Von Frau Berta Salter aul. des Ablebens ihres Gatten k. k. Oberlandesgerichtsrat i. R. Dr. Ignaz Salter s. A. für Arme.:.„ 400.— Von Herrn Anton Winter anl. der Jahrzeit seines sel. Vaters Herrn Ignaz Winter für Arme.„ 100.— Von einem Anonymus für wohltätige Zwecke.„ 100.— Wien. Am 30. Mai, 21/» Uhr nachmittags, findet im Zeremoniensaal des israelitischen Tempels Wien, I., Seitenstettengasse, die Trauung von Fräulein Frieda Großhand mit Herrn Dr. Robert Reinhard statt. Wien. (Trauung.) Sonntag den 4. Juni, um 2 Uhr nachmittags, findet im Stadttempel Wien, I., Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Dr. Dora H o f f m a n n, Tochter des Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Marcell Hoffmann, mit Herrn Dr. Julius Polak statt. Wien. Herr Dr. M. Reiß, Sohn des k. k. Gymnasialprofessors Dr. I. Reiß, wurde in die Verteidigerliste des k. k. Oberlandesgerichtes Wien eingetragen. Wien. Der jüdische Schulverein für den IX. Bezirk, S e e g a s f e 16, hat in diesem Jahre zum erstenmal einen »Lag beaumer«- Ausflug in der Vorwoche arrangiert. Die Schuljugend, etwa 100 Kinder beiderlei Geschlechts, unternahm unter Führung der beiden Lehrer, der Herren Brauner und Müller, einen Spaziergang auf den Kobenzl. Auch viele Gäste, Kinder wie Große, nahmen an der fröhlichen Partie teil. „Schade!" sagten sie alle, „daß sich »Lag beaumer« nicht in 4 Wochen wiederholt".