Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 21 (26.5.1911)
- Date
- 1911-05-26
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 348 Dr. Wachs Wochenschrift Nr. 21 Kaiser!. Rat Duschnitz betonte, daß alles, was der Kandidat und sein Wahlbureau getan, gesetzlich vollständig einwandfrei sei und in gar keiner Weise in Vergleich gezogen werden könne mit den ungeheuerlichen Wahlbeeinfluffungen und geradezu ungesetzlichen Wahlnötigungen, die von den Christlich- Sozialen geübt werden. Es sei eine notorische Tatsache, daß die Gemeindeangestellten zu den Wahlen förmlich kommandiert und unter Androhung der Entlassung gezwungen werden, für die christlichsozialen Kandidaten zu stimmen. Redner beantragte folgende Resolution: „Das Bezirkswahlkomitee hat nach den vou Herrn Max Friedmann gegebenen Aufklärungen keine Veranlassung, die Frage der Kandidatur im Parkviertel neuerlich in Diskussion zu ziehen und wird nach wie vor an der Kandidatur des Herrn Max Friedmann festhalten und diese mit allem Nachdrucke unterstützen." In der nun folgenden Debatte wurden die Ausführungen Friedmann's einmütig gebilligt und die beantragte Resolution unter lebhaften Beisallskundgebungen einstimmig angenommen. Jüdische Kandidaturen in Galizien. Ju Bezug auf den Bericht unseres Korrespondenten in Nr. 19 vom 12. d. M. schreibt uns der Advokat Doktor Steinhaus aus Jaslv: „Ich bin Vater von drei Kindern, die alle dem Judentum angehören. Ich ersuche die anderweitige, mich kränkende Behauptung richtigstellen zu wollen. Hochachtungsvoll Dr. Steinhaus." Mranen-Wohltätigkeits-Berein „Providentia", Jahresbericht für die Jahre 1909 nud 1910. Die nachfolgenden ziffernmätzigen Zusammenstellungen berechtigen uns zu der Feststellung, daß wir, auf dem alten Wege fortschreitend, nach Matz der uns zu Gebote stehenden Mittel viel gute und ersprietzliche Arbeit geleistet haben. Das neue Feld der Fürsorgetätigkeit unseres Vereines, die „Heimstätte für schwachsinnige Kinder", hat sich in den Berichtsjahren in durchaus erfreulicher Weise weiterentwickelt. Die unter der zielbewutzten Leitung des Fräuleins Auguste Miller stehende Anstalt wurde im letzten Jahre von 24 Zöglingen, und zwar 13 Mädchen und 11 Knaben besucht. Das segensreiche Streben der Anstalt, die beklagenswerten Schützlinge durch streng individualisierende Unterweisung soweit auszubilden, datz sie befähigt werden, an dem Unterrichte an öffentlichen Volksschulen mit gutem Erfolge teilzunehmen und später eine ihren Fähigkeiten entsprechende Erwerbstätigkeit zu entfalten, wurde durch vorbereitenden Unterricht, Beaufsichtigung in schulfreien Stunden, Beschäftigung und Unterweisung in verschiedenen Handfertigkeiten auch in den letzten Jahren mit bestem Erfolge betätigt. Der liebevollen Fürsorge unserer genannten Anstaltsleiterin, der wir auch an dieser Stelle Dank und Anerkennung zollen wollen, ist es gelungen, die schlummernden Fähigkeiten unserer bedauernswerten Schützlinge zu wecken, sie zu bedeutenden Fortschritten in den Normälunterrichtsgegenständen zu führen, ihr Selbstvertrauen zu heben und ihren Sinn für praktische Tätigkeit zu beleben. Durch hochherzige Spenden wurde die Lehrmittelsammlung wesentlich bereichert und dient nunmehr in erhöhtem Matze dem Anschauungsunterrichte und den eine fruchtbare Tätigkeit vorbereitenden Beschäftigungsspielen. Der zielbewutzten beharrlichen Anleitung ist es gelungen, die überwiegende Mehrzahl der Schützlinge zu sichtbaren Fortschritten der geistigen Aufnahmsfähigkeit, insbesondere im Rechnen, Lesen, Schreiben und zu angemessenen Memoirierübungen heranzubilden. Wir freuen uns, feststellen zu können, datz auch bei Beginn des neuen Schuljahres wieder einer unserer Schützlinge die Befähigung zur Ausnahme in die .zweite Volksschulklasse ausweisen konnte. Die unserer Anstalt anvertrauten geistig zurückgebliebenen Mädchen haben sich willig der liebevollen Anleitung angepatzt und zu allerlei Hausarbeiten gut verwendbar erwiesen. Zöglinge aus früheren Jahren haben nun bald die Lehrzeit in Bürstenbinder- und Maschinstickereiwerkstätten erfolgreich beendet und werden demnächst schon in den Bezug kleiner Wochenlöhne treten. Hat unsere „Heimstätte" schon in den bisherigen dürftigen Mieträumen und mit den bescheidenen Mitteln, welche uns für ihre Zwecke zur Verfügung standen, so vielfachen Segen verbreitet, so dürfen wir hoffen, dieses Werk wahrer Menschenliebe noch vielfach zu verbessern und zu vervielfältigen, wenn es uns in naher Zukunft vergönnt ist, die begonnene Arbeit in einem eigenen Heim fortzusetzen. Es ist uns nunmehr gelungen, mit einer mätzigen Anzahlung dem Vereine die Erwerbung des Hauses, II., Darwingasse 5, zu durchaus angemessenem Preise zu sichern. Das neue Heim soll uns in die Lage setzen, von nächstem Herbste angefangen, die unzulänglichen Unterrichtsräume wesentlich zu erweitern, durch eine praktisch eingerichtete Schulküche und Baderäume zu ergänzen und durch Benützung des eigenen Hausgartens mit der Einführung der anregenden und zuträglichen Gartenarbeiten, die Heimstätte zu einer in pädagogischer und hygienischer Beziehung mustergiltigen Anstalt weiter zu entwickeln. Soll aber dieses segensreiche Werk gelingen und wir die erforderlichen Mittel dazu aufbringen, ohne unsere Ursprünglichen humanitären Aufgaben empfindlich zu beeinträchtigen, dann müssen wir die innige Bitte an unsere Gönner und Freunde erneuern, uns durch Zuwendung grötzerer Beträge Bausteine zu liefern für dieses neue Haus der Wohltätigkeit und vorbeugender Armenfürsorge, die bisherigen Jahresbeiträge in gleichem oder erhöhtem Matze weiter zu leisten und uns neue Freunde zu erwerben im Kreise von Verwandten und Bekannten unserer Mitglieder. Frau Honora Krall Ehrenpcäsidentin, Besitzerin des goldenen Verdien stkrenzes. Frau Bertha N e u m a n n Präsidenten. Frau Dr. Mathilde H e r z l I. , Viz Präsidentin. Frau Ober-Lar.drsgerichtsrat Dr. Rosa L ö w n e r II. Viz-präsidentin. Frau Anna Brandt Schriftführerin. Frau Dr. Bertha Hecht Kassierin. Frau Dr. Ernestine Theumann Kontrollorin. Vorsteherinnen. Die Frauen: A b e l l e s Johanna , A d e l b e r g Bertha- Adler Bertha, Dr. A n s ch e r l i k Rosa, Notar Dr. B e r, mann Helene, Dr. Bermann Hilda, Brecher Ludowika, Haas Marie, N u ß b a u m Bertha, Dr. P a s s a u e r Antonie, S t r a n s k y Pauline, S u b a k Rosa, Theumann Jenny, Wolf Sidonie. Beiräte: Herr Dr. Karl Stein Hof- und Gerichts-Adv?kat. Herr Dr. Julius B e r m a n n k. k. Notar.