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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-05-26 · 21 (26.5.1911) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 346 Nr. 21 rzsi . :■ r-ifSt. Dr. Blochs diesem historischen Momente, da Italien unter dem Jubel aller seine Söhne mit gerechtem Stolze der glorreichen Taten seiner Auferstehung feiert, aus vollem Herzen ein inniges, heitzes Gebet gen Himmel richte, datz der Ewige Eure Majestät noch lange erhalte, zum Wohle des italienischen Volkes und der Grütze unseres geliebten Vaterlandes!" Gerührt dankte der König für die innigen Worte des Oberrabbiners und unterzog dann die Synagoge und ihre Einrichtung einer eingehenden Besichtigung. Bei dem Anblicke des „Ewigen Lichtes" und der Thorarollen, unter denen sich manches uralte Eremplar befindet, erinnerte sich der König an seine Palästinareise und unterhielt sich mit Dr. Margulies über ein samaritanisches Vibelmanuskript, das er bei den Samaritanern am Berge Gerisim gesehen. In allen diesen Fragen bekundete König Viktor Emanuel liefergehende Sachkenntnis. König Georg von Griechenland und die Inden. Wie der „Settimana Israelitica" aus Korfu gemeldet wird, hat König Georg von Griechenland eine Deputation der Vertreter der Judengemeinde von Korfu, bestehend aus dem Oberrabbiner Prof. Calo und dem Präsidenten Gabriele Vesso und Abramo Coen in Privataudienz empfangen. Die Deputation überbrachte die Ergebenheitsgrütze der Judengemeinde von Korfu. Der König unterhielt sich mit den Erschienenen nahezu eine Stunde in herzlichster Weise, erkundigte sich über die Verhältnisse. der Judengemeinde in Griechenland und ließ sich auch über italienische Juden eingehend informieren. Der König entlieh die Deputation in huldvollster Weise und gab die Versicherung, datz die Juden als loyale Bürger stets des Schutzes und des Wohlwollens der Dynastie sicher sein können! Die Fremdenfrage in England. Die erst vor kaum einem Jahre in London gegründete „V'nai V'rith"-Loge hat dieser Tage, unter dem Titel: „Die Wahrheit über den fremden Einwanderer", eine Broschüre herausgegeben, die interessantes Material über den Einfluh der jüdischen Einwanderer auf die Entwicklung der englischen Städte enthält. Auf Grund authentischer Ziffern weist die Broschüre nach, datz die jüdischen Einwanderer stets ein Segen für diejenigen Plätze waren, wo sie sich niederliehen. In dem alten Armenviertel von London, wo die eingewanderten Juden zumeist ihr neues Heim aufschlugen, wurden im Verlaufe von wenigen Jahren über eine Million Pfund Sterling für Neubauten von Wohnhäusern und Fabriken für neue, durch die jüdischen Einwanderer ins Leben gerufene Industrien ausgegeben. Was die eingewanderten Juden als Bürger betrifft, so weist die Broschüre nach, dah diese in kürzester Zeit ausgezeichnete, verläßliche englische Bürger werden. Im englischen Heere und in der Marine dienen gegenwärtig 1700 Juden, darunter 152 Offiziere, von denen zumindest drei Viertel „Fremde" oder Nachkommen von „Fremden" sind. Baron Günzburgs Töchter sagen Kadisch. Das hebräische Organ der englischen Orthodoren hält sich in einer Notiz darüber auf, dah in einem Londoner orthodoren Beth-Hamidrasch 2 Mädchen gestattet wird, täglich in der Männerabteilung des Bethauses an dem Gottesdienste teilzunehmen und das Kadisch-Eebet zu verrichten. Wie von anderer Seite berichtet wird, handelt es sich um die Töchter des vor einigen Monaten in Petersburg verstorbenen Barons David Günzburg, die gegenwärtig rn London weilen, und dort täglich in einem orthodoren Beth-Hamidrasch das Kadischgebet sagen. Wochenschrift Richard Wagner und Meyerbeer. Sehr geehrter Herr Doktor! Die letzte Nummer Ihrer werten „Wochenschrift" bringt einen Bericht über Kapp's Arbeit: „Richard Wagner und Meyerbeer". Die letzte Nummer der „Musik" '(X. Jahrgang, Heft 15) bringt über dieselbe Frage als Nachtrag einen ausführlichen Brief Wagner's an den Leipziger Kaufmann Heinrich Schlatter, in dem er ihn — mit Erfolg — um Unterstützung ersucht. Dieser Brief enthält folgende bemerkenswerte Stellen über Wagner's Abhängigkeitsverhältnis zu Meyerbeer: „Es ist nun ein Jahr, daß ich in Paris bin; da ich bald erkannte, welche unendlichen Schwierigkeiten sich mir entgegenstellten, würde ich es jedenfalls aber schon in den ersten Monaten wieder verlassen haben, hätte ich nicht in Herrn Meyerbeer einen so außerordentlichen Freund und Beschützer gefunden, daß ich notwendig annehmen mußte, durch ihn früher, als es sonst möglich sein würde, zum Ziele geführt werden zu können. In der Tat, wenn ich nicht hoffte, bald zu reüssieren, so ist dies nur im Vertrauen auf Meyerbeer's unerschütterliche Teilnahme. Unglücklicherweise war dieser aber gezwungen, mit wenig Ausnahme, diese ganze Zeit über im Auslande zu verweilen, was nicht fehlen konnte, auf meine Unternehmungen den lähmendsten Einfluß zu äußern, da in diesen Fällen nur persönliches Einwirken in Paris Früchte bringen kann. Dazu kam, daß das Theatre de la Renaissance Bankerott machte, an welchem ich durch Meyerbeer's Hilfe bereits eine Oper zur Annahme gebracht hatte. Bei seinem letzten Aufenthalte in Paris hat Herr Meyerbeer jedoch meinen Angelegenheiten wieder so weit ausgeholfen, daß ich gegenwärtig in den ernsthaftesten Verbindungen mit der Administration der Großen Oper stehe, die, wie' ich diesmal hoffe, mit der Zeit wirklich an das Ziel führen werden. .... ." Der Rest des Briefes bezieht sich auf die erwähnte Unterstützung. Hochachtungsoll Rabbiner A. Beck. Korrespondenzen Zu den Reichsratswahlen. Kandidatenrede, des Ministerialrates K u r a n d a. Vor einer überaus zahlreich besuchten Versammlung von Wählern des Kaiviertels, die gestern Abends im großen Saale des „Hotel de France" unter dem Vorsitze des ehemaligen Ab« geordneten Noske stattfand, entwickelte der bisherige Abgeordnete dieses Wahlkreises, Ministerialrat Camill K u r a n d a, als offizieller Kandidat des Bezirks- und Zentralwahlkomitees, in einer nahezu zweistündigen Rede sein Programm. Die Wählerschaft nahm die Ausführungen des Redners wiederholt mit lebhaften Beifallsbezeigungen entgegen und beschloß einmütig eine Vertrauenskundgebung für ihren bisherigen Abgeordneten. Ministerialrat K u r a n d a (lebhaft akklamiert) verwies zunächst darauf, daß er in dem aufgelösten Hause keinem Parteiverbande angehört und darum für seine Handlungen die Verantwortung voll und ganz zu tragen habe. Er könnte dies umso leichter tun, wenn nicht das Auftreten eines Kandidaten gleicher Parteirichtung sein Bewußtsein, jederzeit seine Pflicht erfüllt zu haben, beirren und ihm den Gedanken nahelegen würde, ob er sich nicht etwa in dieser Beziehung einer Selbsttäuschung hingebe. Er erinnerte sodann an die Gründe, weshalb er sowie die Abgeordneten Freiherr v. Hock und Doktor Ofner der deutschfortschritlichen Partei im Abgeordnetenhaus nicht beigetreten seien. So sei er isoliert ins Parlament getreten, der allgemeinen Mißstimmung ausgesetzt. Die Tschechen konnten ihm seine Haltung als Beamter nicht vergessen, die Deutschradikalen und Christlich-Sozialen perhorreszierten ihn als Juden, die deutsche Fortschrittspartei und die Volkspartei

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