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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-05-26 · 21 (26.5.1911) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 344 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr. 21 der Wiener Zionistenhäuptlin ge befriedigt ist, nehmen wir zur Kenntnis. Jedenfalls möchte ich verlangen, daß die Kultusgemeinde ernsthaft untersucht, ob wirklich die Judenkinder in diesem Vereine auch die Christbaume zugeschickt erhalten, wie man in Ottakring erzählt. Gewiß sollen und dürfen Juden auch in n'chtjüdischen Institutionen Mitwirken — aber nicht Judengelder unter Christen verteilen und arme Juden hungern lassen. Und noch Eines! Zionistenführer, die Christbäume verteilen, bilden doch wohl ausschließlich eine — Wiener Spezialität. Die Zionisten, die Palästina besiedeln wollen und vorläufig nicht einmal ihre eigene Partei erhalten können, sollten andere Sorgen haben. Die Advokaten, die im „Settlement" unentgeltliche Rechtshilfe gewähren, haben wir nicht angegriffen, wir haben nur darauf Hinweisen wollen, daß alle nichtzionistischen Advokaten mit vollem Namen genannt werden, Herr Dr. Isidor Margnlies aber als I. Margulies angeführt wird (nicht einmal I. sondern J. Margulies). Das sieht wie Verstcckenspielen aus. * * * Aus der Fülle der anderen Zuschriften, die uns in dieser intereffanten Angelegenheit zugekommen sind, übergeben wir für diesmal einige der Oeffenllichkcit: Ein Leser aus Neulerchenfeld schreibt uns: Sehr geehrter Herr Dr. Bloch! „Was Sie über den Verein „Settlement" schreiben, ist hier draußen gut bekannt, unbekannt war nur, daß der Schriftführer Herr Böhm, der durch Jahre im Verein „Settlement" am Freitag Dienst hatte, ein Zionistenführer ist. Ich teile Ihnen noch mit, daß hier alle Leute von den Christbäumen erzählen, die auch die jüdischen Mitglieder bekommen haben. Es wurde in christlichen Kreisen sehr viel über diese Christbaumverteilung der Juden gelacht usw. Aus der Brigittenau berichtet man uns: Löbliche Redattion von „Bloch's Wochenschrift" Wien IX. In Ihrer w. Nummer vom 5. Mai erzählen Sie vom Vereine „Settlement" in Ottakring, der durch jüdisches Geld zumeist erhalten wird und assimilatorisch ist, so sehr, daß jüdische Fräuleins mit dem Zionistenführer Herrn Böhm als Vorstand 240 Christbäume verteilt haben. Im letzten Herbste sind es 10 Jahre gewesen, daß die jüdische Toynbeehalle in der Brigittenau von den Zionisten gegründet worden ist. Damals waren Herr Prof. Leon Kellner (jetzt in Czernowitz) der sel. Herr Dr. Leopold Kahn samt Frau Sidonie Kahn, Herr Primarius Kornfeld und Frav, Herr Jork-Steiner und Frav, Herr Berliner s. w. Familie und die Frau des sel. Herrn Smolensky, des bekannten hebräischen Romanschriftstellers samt w. Familie, Herr Dr. Werner und Herr Doktor Fleischer abwechselnd jeden Abend in der Halle und arbeiteten mtt Leib und Seele für diese Sache. Herr Professor Kellner war der Gründer der Jüdischen Toynbeehalle, aber er konnte nur sehr schwer das Geld bekommen, das notwendig war, sie zu erhalten, denn gleich nach der Eröffnung ist das „Settlement" in Ottakring gegründet worden und es hat uns viel Konkurrenz gemacht, denn die reichen Juden haben damals nichts von einer jüdischen Halle w.ffen wollen und alles Geld ist nach Ottakring der „gemischten Gesellschaft" gegangen. Ich denke noch daran, Wie oft der Herr Professor geklagt hat, daß die Konkurrenz des „Settlement" zu groß ist. Dort haben sie schöne Möbel und Bilder geschenkt bekommen und viel Geld, bei uns war es wie in einer Hütte von armen Leuten —-rc. Ein Akademiker schreibt uns: „Löbl. Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift" Wien. Ihre Veröffentlichung in der Nummer 18 Ihrer werten Zeitschrift, die sich mit den Christbäumen befaßt, die unter der Aegide des Herrn A. Böhm verteilt wurden, hat unter allen bewußten Juden eine kleine Sensation hervorgerufen. Es kursieren jetzt meh-ere Jahresberichte des Vereines Settlement, die sehr sorgfältig studiert werden. Es wurden im Jahre 1909 26.564 Kronen eingenommen und 23.190 Kronen ausgegeben, . d. h. unter Führung und Mitarbeit des Herrn Adolf Böhm sind 26.000 Kronen zumeist jüdisches Geld gesammelt worden, um für assimilatorische Zwecke ausgegeben zu werden. Die Zionisten, welche seinerzeit die jüdische Toynbeehalle im XX. Bezirk gegründet hatten, mußten die Leitung aufgeben, weil sie kein Geld bekommen konnten. Herr Ingenieur Johann Kremenctzly hatte viele Tausende Kronen vorgestreckt und dem Unternehmen geschenkt. Einen Teil des D'fizites haben die Herren von der B.-B.-Loge übernommen, die das Untcrnehmen glänzend weiter führen. Auch die Toynbeehalle in Fünfhaus mußte ihre Arbeit wegen Mangel an Geld und geeigneten arbeitsfreudigen Personen einstellen. Im Bezirke Ottakring besteht eine jüdische Halle kleinsten Stiles, das Beth ha'am, die sich kümmerlich erhält; auch sie wird von Zionisten an der Spitze geleitet. In Galizien arbeiten Zionisten an jüdischen Toynbeehallen, die oft genug als „zionistische Errungenschaften" gepriesen werden. Herr Bözm jedoch favorisiert die „gemischte Halle" und kümmert sich um die jüdische gar nicht. In Wien hat jeder dieser Herren einen eigenen Schulchan Aruch über „Zionismus ' und „Jüdischkeit"; im neuesten Kodex zählt der Christbaum zu den schönsten modernen Errungenschaften .... usw. Vom Zabrmarkt des Lebens. Ein Gewaltstreich des rumänischen Handelsminifters. (Hunderte von jüdischen Existenzen — brotlos gema ch t.) Aus dem „Kulturland" an der untern Donau kommt die Nachricht, daß der rumänische Handelsminister Doktor N e n i tz e s c o, der im — „judenfreundlichen" — Kabinet Carp sitzt, durch einen ministeriellen Gewaltakt zahlreiche jüdische Existenzen vernichtet und viele Familien brotlos gemacht hat. Diese neu rliche Hiobspost aus Rumänien wird gewiß nicht verfehle'*, in der gesamten jüdischen Otffentlichkeit gerechte Entrüstung hervorzurufen und gleichzeitig das tief st e Mitgefühl mit unseren unglücklichen Glaubensbrüdern in diesem durch und durch korrupten Bojaren st aale, welche in diesem Vertragsbrüchigen Königreiche Carmen Sylvas politisch perfid entrechtet und durch Gewaltmaßregeln der schurkischenMacht- Haber, die jeweils die Zügel der Regierung in die Hände bekommen, materiell dem Hungertods preisgegeben werden. Eine Intervention beim Ministerpräsidenten Carp hat vorläufig keinen Erfolg gezeitigt und cs bleibt noch abzuwarten, ob dieser europäisch geschulte Staatsmann die Kraft und Energie aufbringen wird, um die Ungesetzlichkeiten eines seiner Kabinetsmitglieder rechtzeitig unwirksam und unschädlich zu machen. Ueber die Intervention beim Ministerpräsidenten Carp berichtet das „Bukarester Tagblatt", wie folgt: „Der ' Präsident der Vereinigung der eingeborenen Juden Doktor Adolf Stern wurde letzten Sonnabend vom Ministerpräsidenten Herrn Carp empfangen, dem er nachfolgende Adresse überreichte: „Das neue Reglement für die privaten Kommissions- und Speditionsbureaüs bestimmt, daß diejenigen, welche derartige Bureaus eröffnen, Rumänen oder Naturalisierte sein müssen. Diese Maßregel bedeutet einen neuen Schlag für die eingeborenen Juden, welche, entgegen den

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