Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 21 (26.5.1911)
- Date
- 1911-05-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 342 Nr. 31 - ------ . ---MfflnMiTrniimTi(T,nrirr-iBrr,rf',ll*t Dr. Blochs deshalb gegeben worden, weil eben die Samaritaner jene alte Schrift der Inschriften und Münzen bereits angenommen hätten und er die Absicht hatte, in jeder Beziehung die nationale Scheidung Israels durchzuführen. Dieses „deession" (oder „dessenon") entspricht nun ganz dem hebräischen des Talmud und bedeutet Schrift der Prägung, wie sie auf den Münzen zu sehen ist. Wir sehen, daß die Wandlung im Hebräischen Schriftgebrauch längst vollzogen war, als die alte Münzschrift noch immer auf die Geldstücke geprägt wurde. Wenn aber auch die Erzählung von einem „ersten" samaritcmischen Esra, als Torabringer, nur eine konstruierende Anlehnung an den historischen jüdischen Esra, den Toraschreiber, ist, so ist es kein Zweifel, daß auf dem Gebiete der Schrift die Samaritaner die ältere Form bewahrt haben, aber eben nur auf diesem Gebiete. Denn die Umwandlung der alten Prägeschrift in die heute noch übliche Quadratschrift ist bei den Israeliten und Juden im assyrischen und babylonischen Eril vor sich gegangen. Das ist auch der Grund, warum diese Schrift, die nach ihrer Gestalt-2^2 Quadratschrift genannt wird, auch die anä assyr. Schrift heißt. Die Samaritaner aber, deren Grundstamm zwar aus zurückgebliebenen Israeliten bestand, zu dem jedoch fremde Einwanderer in großer Zahl hinzugekommen waren, haben diese im babylonisch-assyrischen Eril vor sich gegangene Entwicklung der Schrift nicht mitgemacht und hatten noch die alte Schrift, als der jüdische Esra die neue schöne Schrift aus dem Eril mit nach Jerusalem brachte und auch in der Schrift die Juden Jerusalems von der in Babylon zurückgebliebenen Hauptmasse des Volkes abhängig machte. Der Gegensatz der Samaritaner gegen Esra bewirkte, datz die Samaritaner es für wichtig erachteten, die alte, in ihren Augen nunmehr heilige Schrift beizubehalten und vre neue jüdische Schrift abzulehnen. Um so entschiedener vollzogen diese Umwandlung die Juden, für die ihre neue Quadratschrift gerade dadurch einen nationalen Wert im Gegensätze zu ihrem nächsten Gegner bekam, um so mehr, als dieser Feind deshalb um so schroffer abgelehnt wurde, weil er eben der allernächste Verwandte doch war. So lange ein Gegensatz zwischen den Juden und den Samaritanern empfunden wurde — Md das war so lange, als diese irgend eine, wenn auch geringe Bedeutung hatten, — wurde deshalb der Wandel in der Schrift mit Vorliebe erörtert, teils um ihn zu rechtfertigen, teils auch um in Verkennung des historisch Gewordenen die ursprüngliche Existenz beider Schriften neben einander anzunehmen. Im Talmud kommen wiederholt Erörterungen über diese Schriftenfragevor. So in Sänhedrin: „Mar Zutta, nach anderen Mar 'Uqba hat gesagt: Anfangs wurde die Tora an Israel in hebräischer Schrift und in der heiligen Sprache gegeben; wiederholt ward sie ihnen in den Tagen Esras gegeben in assyr. Schrift anaa) und aramäischer Sprache. Für Israel wählte man die assyrische Schrift und die heilige Sprache und überließ den Outsiders Ovisr-mb) die hebräische Schrift, und die aramäische Sprache. Was heißt: „den Outsiders"? Rab Hasda sagt: Kutäer (’Kma)* Was ist hebräische Schrift? Rab Hasda sagt i Libonäische Schrift .irr^a^od.'rrzia^ ana) Nach R. Hananel in den Toßafot ist damit die Schrift gemeint, wie sie in Lebona Cua*? Richter 21, 19), dem heutigen, vier Stunden südlich von Nabulus gelegenen Lubban gegebräuchlich war.*) Die Quadratschrift setzte sich so sehr bei den Juden durch, daß sie spater als die eigentliche und einzige heilige Schrift galt, auch als nachher verschiedene Kursivschriften daneben gebraucht wurden. Aber der Schriftwechsel vom allmählich ganz vergessenen Althebrärschen, der Münzschrift, zur später allein gebräuchlichen assyrischen Wochenschrift Quadratschrift hat den Gelehrten des Mittelalters stets Kopfzerbrechen verursacht und viele Auseinandersetzungen hervorgerufen. Diese Haben sich auch bei den christlichen Hebraisten, besonders in der Burtorff'schen Zeit fortgesetzt. Inzwischen verschwand das Hebräische mehr und mehr aus dem mündlichen Gebrauch und wurde allmählich darauf beschränkt,' die Kultus- und Schriftsprache neben anderen Verkehrssprachen bei den Juden zu sein. Damit war die Gefahr gegeben, daß die richtige Aussprache verloren gehen könnte. Das war der Grund, warum man sich genötigt sah, für die Vokale ünd sogar für den Sprach ton besondere neue Zeichen einhuführen. So wurden die Vokalzeichen und die Akzente erfunden und in die Handschriften eingefügt. Die große Masse der Juden in Babylonien hatte ein besonderes Vokalsystem, während die Juden im alten Heimatlande für sich und die mit ihnen in engerem Zusammenhänge stehenden Stammesgenossen ein anderes System schufen. Längere Zeit ging die babylonische Punktation neben der palästinischen einher, und an einigen abgelegeneren Punkten, wie dM fernen Bremen, hat sie sich bis in sehr späte Zeit gehalten. Da aber die von Tiberias ausgehende palästinische Punktierung der überkommenen Texte auf Grund einer sehr alten Ueberlieferung die genaue Wiedergabe der Aussprache und Betonung beim feierlichen Vorlesen der Tora und anderer heiligen Schriften ermöglichte, so setzte sie sich gegenüber der babylonischen einfacheren Form durch. Denn jene Gewissenhaftigkeit, die sie die kleinsten Vorschriften peinlich beobachten ließ, übertrugen die jüdischen Gelehrten auch auf die Ueberlieferung der heiligen Codices und ihre Aussprache. So sahen sie sich genötigt, selbst die feinsten Laulabstufungen, für die andere Sprachen in ihren Schriften überhaupt keine Bezeichnung haben, für Vokalanstöße und unwillkürliche Hilfslaute besondere Zeichen zu schaffen, die durch die reichliche, bis ins Kleinste ausgearbeitete Wiedergabe des Tones und der Sprachmelodie noch unterstützt wurde. Diese Genauigkeit und unübertroffene Feinheit der Lautsymbolistik war es, die dem tiberiensisch-palästinifchen System den Sieg über das babylonische verlieh. Diese Ueberlieferung ( mire ) ist eines der großartigsten Werke philologischer Beobachtung und sprachwissenschaftlichen Nachdenkens. (Schluß folgt.) Czernomitzer Krief. Czernotvitz, den 19. Mai. Nun da die Aufregung wegen der eben durchgeführten Landtagswahlen sich bereits ziemlich gelegt, die wegen der bevorstehenden Reichsratswahl noch nicht begonnen hat, kann man wohl, ohne Gefahr in den Verdacht übertreibender Berichterstattung zu verfallen, von den hiesigen Vorgängen sprechen. Da ist viel Wichtiges zu konstatieren. Man muß befürchten, daß der Westen für die gloriose Judenrettung die nach eigener patentierter Methode hier betrieben wird, nicht das genügende Verständnis und die entsprechende Wertschätzung aufbringen wird. Das Landtagswahlrecht der Bukowina ist, was die Juden anbelangt, in jeder Beziehung als „made in Galicia" zu bezeichnen. Die zahlreichen Nationen, die im Buchenlande wohnen, zwangen von vornherein zur Annahme des nationalen Katasters, sollte nicht ein verheerender Kampf zwischen Rumänen, Ruthenen, Polen, Deutschen und Juden in Permanenz erklärt werden. Aber ein eigener Kataster für die Juden? O nein — crimen laesae majestatis. — Und so kamen Juden und Deutsche in einen gemeinsamen Kataster mit Schaffung von Minoritätsmandaten, wie in den galizischen Landgemeinden. Nur im Großgrundbesitz, wo es keine Deutschen *) Sanhedrin 21b.