Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-05-26 · 21 (26.5.1911) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
21 (26.5.1911)
Date
1911-05-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021927-3021949--20219-3045246
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr 21 Dpa Bloch’s Jahrgang XXVII! Zentralorsan für die gesamten Interessen des Zudentums. -D— „ - Wien, 26. Mai 1911 Lrscbetnt jeden LreLtag. Brief-Adresse: Wien, ix/i, Hahngaffe 15. * Telegramm-Adreffe: Bloches Wochenschrift, Wien. Q 0 " - =öO Driugsprris für Vrfirrrrich: Halbjährig 8 Kronen; Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespal» tene Petitzeile 24 Heller. C OQ =■ -Oo oc? O =öo Q A. ft. Postfxarftaffenarni 2leartng--Verkebr Rk. S10.976. Redaktion und Administration: » wirn TS.li, Hahugaffe Nr. 15. _ Telefon Nr. 14.847. nP ——Oo Inhalt: Leitartikel: Die jüdische Schrift. — Czernowitzer Brief. — Zur Naturgeschichte des österreichischeen Zionismus. —Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein Gewaltstreich des rumänischen Handelsministers. Eine ernste Mahnung. Ein Erlaß Kaiser Alexander I. gegen die Blutbrschuldigung. Antonio Fogazzaro and die Juden. König Viktor Emanuel in der Synagoge von Florenz. König Georg von Griechenland und die Juden. Die Fremdenfrage in England. Baron Günzbergs Töchter sagen Kadisch. Richard Wagner und Meyerbeer. — Korrespondenzen: Zu den Reichsratswahlen. Der Kampf um das Parkviertel. Jüdische Kandidaturen in Galizien. Frauen-Wohltatigkeitsverein „Providentia", Jahresbericht für die Jahre 1909 und 1910. Die Verteilung der Erträgniffe des Wiener Blumentages. Krakau. Einweihung des Rettungshauses für unheilbare Kranke der Pester Chewra-Kadischa. Noch ein scharfer Protest gegen die Ausschließung der Juden vom Militärdienst. Studien der juden-christlichen Sekten in Rußland. — Vermischtes. — Feuilleton: Zur Geschichte der Juden in Brünn während des Mittelalters. — Literatur. — Brieflasten. — Inserate. Die jüdische Schrift. Von Dr. Heinrich Loewe, königl. Bibliothekar in Berlin. Die Hebräer treten uns von Anfang ihrer Geschichte an als ein schreibkundiges und schreibendes Volk entgegen. Und im weiteren Verlauf ihrer Geschichte haben sie stets bewiesen, daß sie ebenso redselig wie fleißig und eisrigj im Schreiben waren und blieben. Im Verkehrszentrum des alten Orients groß geworden, hat das Volk sich stets bemüht, im Mittelpunkte der Kultur seinen Schwerpunkt weiter zu haben, und ist auch in Ländern mit geringer Bildungsstufe immer schristkundig geblieben- Die Schrift, deren sich dieses Volk bediente, war eine in der hebräischen Sprache einheimische. Während sonst die Völker zum allergrößten Teile ihre Schrift von anderen Sprachen und Nationen entlehnt haben, ist die hebräische Schrift im Zusammenhang mit der hebräischen Sprache Kenaans organisch entstanden und verleugnet nirgends ihren Ursprung aus der hebräischen Sprache. Sie ist eine Buchstabenschrift, die erste Buchstabenschrift die erfunden wurde. Indem die hebräisch sprechenden Bewohner Kenaans die ersten waren, die eine Buchstabenschrift erdachten, die erste Buchstabenschrift, die erfunden wurde, und so die erste und älteste Kurzschrift (Stenographie) gegenüber den bis dahin üblichen Wort- und Silbenschriften schufen, folgten sie dem Bedürfnis des mächtig aufgeblühten Verkehrs, an dem sie einen so hervorragenden Anteil hatten, bewiesen aber zugleich damit eine so hohe philosophische und sprachbeobachtende Abstraktion, daß diese Buchstabenschrift in ihrer Entstehung ein bedeutender Beweis tiefer Denkkraft bei diesem Volke ist, wie jene von ihm geschaffene Weltanschauung, die zum erstenmale die Ethik der absoluten Gerechtigkeit auf der metaphysischen Vorstellung von dem einen Gott als Weltenschöpfer aufbaute. Diese Buchstabenschrift ist eines der vornehmsten Zeugnisse für die Begabung dieses semitischen Stammes, der sich bis auf die heutige Zeit ziemlich unvermifcht und rein erhalten hat, trotzdem er in alle Länder der Erde wanderte und die Sprachen fast aller Kulturvölker annehmen mußte. Aber diese Buchstabenschrift tragt auch den Stempel der Echtheit an sich. Denn sie entspricht ga-nz dem Charakter der hebräischen Sprache, in der wie bei allen semitischen Idiomen der Konsonantenbestand das> Wichtigste und für das Wort Wertvollste ist, wenngleich diese Sprache gerade mit den wechselnden Vokalen nicht bloß einen hervorragenden Wohlklang sondern eine Fülle der Abwandlung in den Bedeutungen schafft. Dem Charakter der semitischen Sprache als einer Konsonantensprache entsprechend, ist die Buchstabenschrift in ihrer Entstehung eine Konsonantenschrift, die ursprünglich die Vokale überhaupt nicht ausdrückte. Als die europäischen Sprachen nach dem Vorgänge des Griechischen das kenaanäische Alphabet Abernahmen, mußten sie aus solchen Konsonanten, die dem Semitischen allein eigen und dem Griechischen fremd waren, sich die Vokalzeichen schaffen. Diese Schrift liegt in ihren ursprünglichen oder wenigstens den ursprünglichen sehr nahe stehenden Formen in phönikischen und aramäischen Inschriften, aber auch auf israelitischen Siegeln und jüdischen Münzen vor. In dieser ursprünglichen hebräischen Schrift ist die Siloahinschrift des jüdischen Königs Hiskiah, und die ebenfalls hebräische Inschrift des moabitischen Königs Mescha' gehalten. So lange es ein jüdisches Staatswesen gab, das Münzen schlug, hat es in dieser Schrift seine Münzen geprägt. Sie findet sich ebenso auf den makkabäischen Münzen, wie auf den Geldstücken des großen Revolutionskrieges gegen die Römer und genau so auf den Münzen eines Bar-Kochba. Diese Schrift, die mit der heute bei den Juden üblichen nicht identisch ist, wurde von den Hebräern deshalb 2Münzschrift genannt. Nach einem lateinisch erhaltenen Bruchstück der Schrift des Epiphanius äe XII §emmi8 wird berichtet, daß ein angeblicher erster Esra, der den Kütim die Tora gebracht hätte, diese ihnen in der ursprünglichen Schrift überliefert hätte, in der sie auf Sinai von Gott empfangen war. Die .Samaritaner haben diese Schrift bis auf den heutigen Tag als die ihrige festgehalten. Diese Schriftform nennen nach dem Epiphaniusfragment die Hebräer „deession" (deessenon), was „iv8eu1ptum" bedeute, während die von den Juden gebrauchte Form „Somahirenus" genannt würde. Diese Ouadratschrift sei von dem „zweiten" Esra den Juden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.