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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-05-19 · 20 (19.5.1911) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
20 (19.5.1911)
Date
1911-05-19
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 20 Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 333 bereits bedeutende Spenden zugewendet. An erster Stelle stehen unter den Spendern Herr Moriz Heim in Wien mit dreihunderttausend Kronen und Frau Alexander von Deutsch geb. Baronin Anna Schosberger mit fünfzigtausend Kronen. Den Dienst in der Anstalt werden Wärterinnenschwestern versehen, von denen zehn bereits ausgebildet wurden, während weitere acht Schwestern den zweiten Lehrkurs besuchen. Zu den Erhaltungskosten des israelitischen Spitals hat die Chewra 54,000 Kronen beigetragen. Der Verein hat für Geldunterstützungen 155,578 Kronen verwendet und verschiedene humanitäre Anstalten mit größeren und kleineren Beträgen subventioniert. Ein besonderes Kapitel des Berichtes ist dem aufgelassenen alten isr. Friedhofe gewidmet. Es wurden siebentausend Gräber evakuiert und die irdischen Ueberreste der dort ruhenden Toten in pietätvoller Weise im Zentralfriedhofe bestattet. Dem Zentralfriedhofe wurde neuestens ein Areale von 31,767 Quadratklaftern ungegliedert, so daß dieser Friedhof derzeit unter den jüdischen Friedhöfen der größte ist. Die Chewra hatte im verflossenen Jahre für die Bestattung von 2620 Toten, darunter 250 Vereinsmitglieder, zu sorgen. Der Verein verfügt über ein Vermögen von 1.539,310 99 Kronen. Die Juden m den ungarischen Mittelschulen. Der soeben erschienene offizielle Ausweis des ungarischen Kultusministeriums stellt fest, daß von den 1270 Direktoren und Professoren, die an den staatlichen Mittelschulen Ungarns angestsllt sind, 9 49"/o Juden sind, also um 4'45°/o mehr als die Verhältnisziffer der Juden zur Eesamtbevölkerung des Landes, da diese Ziffer bloß 5 04°/o beträgt. Freilich wird dabei außer Acht gelassen, daß die Zahl der qualifizierten Professoren-Kandidaten jüdischer Religion verhältnismäßig ungleich größer ist, als die der übrigen Konfessionen, Zur Subventionierung der konfessionellen Mittelschulen hat der Staat im vorigen Jahre 2,342.886 Kronen verwendet: hiervon erhielt die Iudenschaft bloß 0°62o/o, also um 4 42"/o weniger als was ihr bei Berücksichtigung der Verhältnisziffer zur Gesamtbevölkerung zukäme. Feierliche Grundsteinlegung für eine Synagoge in Egypten. Wie aus Alexandrien berichtet wird, fand vor einigen Tagen in Ramleh die feierliche Grundsteinlegung für eine neue große Synagoge statt. An der Feier nahmen außer den Delegierten der jüdischen Organisationen auch die Vertretungen der Behörden und der auswärtigen diplomatischen Korps teil. Das dem Grundstein beigelegte Dokument, enthaltend die Entstehungsgeschichte der Synagoge, trägt u. A. auch die Unterschriften des gleichfalls anwesenden Gouverneurs von Alexandrien, ferner des Generalkonsuls von Oesterreich- Ungarn, des Grand Rabbins, des Barons I. de Menasse und so weiter. Die Salonrchier Judenschaft beim Empfang des Sultans. Aus Salonichi wird uns geschrieben: Die Vorbereitungen für den Empfang des in einigen Tagen hier eintreffenden Sultans sind in vollem Gange. Der Judengemeinde wurde tn dem Programm ein ihrer Bedeutung entsprechender Platz eingeräumt. Während der Anwesenheit des Sultans in Salonichi wird in allen Synagogen ein aus diesem Anlasse verfaßtes Festgebet verrichtet werden. Der Grand-Rabbin von Salonichi wird vom Sultan in besonderer. Audienz empfangen werden und dem Monarchen die in hebräischer und türkischer Sprache abgefaßte Huldigungsadresse der Judenschaft von Salonichi überreichen. Ein Rabbinerseminar in Salonichi. Die Zentralleitung der „Alliance Jsraelite Universelle" hat, wie aus Konstantinopel berichtet wird, beschlossen, das in Konstantinopsl bestehende Rabbinerseminar nach Salonichi zu verlegen. Da der Chacham Baschi der Türkei seine Zustimmung hierzu bereits erteilt hat, dürfte die Transferierung dieser wichtigen Anstalt in kurzer Zeit vollzogen werden. Ritnalmord und Pogromagitation. In der südrussischen Stadt Kiew herrscht bereits seit Wochen unter den Juden eine noch im Steigen begriffene schwere Panik. Wie schon so oft, fürchten sie. daß sie plötzlich von aufgehetzten, raubsüchtigen und mordgierigen Horden überfallen werden und einen regelrechten Pogrom erleben könnten. Diesmal ist es die Ritualmordbeschuldigung, welche den Pogromgeistern neues Leben einflößt und den zur Aufstachelung des Mobs erforderlichen Zündstoff schafft. Hört man allerdings, auf welchen Verdachtsmomenten das jüngste Schauermärchen beruht, dann staunt man über die Leichfertigkeil, mit der die judenfeindlichen Massen die unbegründetsten Gerüchte hinnehmen. Denn solche Fälle, wie den Kiewer, kennt die Kriminalgeschichte in Hülle und Fülle. Es handelt sich um einen so häufig vorkommenden Mordfund, den nur eine lange Jahre in Judenhaß schwelgende Phantasie zu einer „nationalen" Beschuldigung ausschlachten konnte. Am 25. März war in Kiew der zwölfjährige Schüler Justschinsky verschwunden. Erst eine Woche später fand man seinen Leichnam, der viele Verletzungen aufwies, in einer Höhle auf dem Wege vom Stadtteil Podol nach Lukjanowska, und es blieb ein Rätsel, wie der Ermordete in diesen Rayon gelangt war. Anfangs fiel ein Verdacht sogar auf die Mutter des Knaben, weswegen sie ins Gefängnis geworfen wurde, aber bald ließ sie die Unterüchungsbehörde frei. Kaum hatte sich die Nachricht von dem grausigen Fund in der Stadt verbreitet, als die Pogromstifter bereits an ihr Handwerk herangingen und eine gefährliche Pogrompropaganda anhuben. Schon bei der Bestattung des unglücklichen Knaben, also zu einer Zeit, da noch die Mutter des Opfers im Gefängnis saß, verteilten sie auf dem Kirchhof eine Proklamation voll heftigster Rachebeschwörungen, die also lautet: „Rechtgläubige Christen! Juden haben den Knaben Andrei Iustschinsky hingemordet. Denn alljährlich pflegen sie vor ihrem Osterfest einige Dutzend christlicher Knaben in den Tod hineinzumartern, um dann ihr Blut in die Mazzoth hineinzugießen.. Das tun aber die Juden zum Andenken an die Leiden des Erlösers, den sie gekreuzigt und gemartert haben. Die Untersuchungsärzte haben fsstgestellt, daß man Iustschinsky vor seinen Martern gefesselt, entkleidet und dann in entkleidetem Zustand gestochen hat, wobei man in seine Hauptadern hineinstach, um möglichst viel Blut abzuzapfen.. So haben die Juden dem Iustschinsky fünfzig Stiche versetzt. Russische Männer! Wenn euch eure Kinder teuer sind, haut die Juden! Haut sie so lange, bis es nicht einen einzigen Juden mehr in Rußland geben wird! Erbarmt euch eurer Kinder! Nehmt Rache für die unglücklichen Märtyrer. Es ist Zeit, es ist Zeit! Einen der Verbreiter der Pogromproklamation, einen gewissen Pawlowitsch, nahm zwar die Polizei auf dem Kirchhof fest und übergab ihn der Gendarmerie: aber diese ließ ihn bald frei. Gehört doch dieser Pawlowitsch nicht nur zu den Hauptaktiven der lokalen (Purischkewitsch'schen) Abteilung des „echtrussischen" Verbandes. sondern er ist auch ein Sohn des Sekretärs des Boulevardpolizeireviers. Dieser Vorfall war aber nur

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