Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 20 (19.5.1911)
- Date
- 1911-05-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 334 das Präludium zu der Hetze, die nunmehr einsetzte. Zwar legte es der Kiewer Polizeimeister den lokalen Blättern nahe, bis zur Aufklärung aller Einzelheiten über den Fall Iustschinsky völliges Schweigen zu wahren,- aber diese eigenartige und unangebrachte Empfehlung bewirkte nur das Gegenteil, namentlich da die antisemitischen Residenzblätter Lärm schlugen und noch dazu so taten, als ob die Kiewer Juden etwas vertuschen müßten, während niemand mehr als diese an der Aufhellung der Mordtat in aller Oeffentlichkeit ein Interesse hatten. Es begann nun ein förmliches Wettrennen aller judenhetzerischen Blätter um die Schaffung einer Pogromatmosphäre. Die „Rußkoje Snamja", das Organ des ehemaligen Dubrowinschen Verbandes, wie das Leibblatt der Purischkewitsch - Sippe, „Semstschina Kolokol", die Hauptnahrung der fanatischesten Popen, wie das wetterwendische Blatt der Bureaukratie „Nowoje Wremja", alle genannten Zeitungen und ihre Ableger in der Provinz schäumten gleichfalls vor Wut gegen die jüdischen Trinker christlichen Blutes und begannen bald mit angeblich offiziellen Angaben aufzuwarten. So berief sich bereits der gewissenloseste aller Judenhetzer, der berüchtigtste Menschikow, auf die Untersuchungsbehörden, die „zu der Ueberzeugung gelangt" seien, daß hier ein Ritualmord vorläge. Bald sollte allerdings die ganze Verlogenheit dieser Sorte von Agitatoren zu Tage treten. Denn der Biewer Professor Obolonski, der den Leichnam obduziert hatte, sah sich zu einem geharnischten Dementi aller ihm in den Mund gelegten Behauptungen von einem angeblichen Ritualmord veranlaßt. Dessenungeachtet fahren die „echtrussischen" Blätter fort, von einem Ritualmord zu sprechen und das Gesindel in einen Pogrom hineinzuhetzen. Nicht einmal die Tatsache beschämt sie, daß in einem anderen Orte des Gouvernements Kiew, in Korostyscha, soeben die Simulierung eines Ritualmordes klipp und klar aufgedeckt worden ist. Auch dort war der Leichnam eines ermordeten zwölfjährigen Mädchens voller Wunden und Stiche, so daß auch diesmal der Verdacht eines Ritualmordes erweckt werden sollte. In Korostyscha wurde nur dank der Energie der Polizei der wirkliche Mörder entdeckt. Wie leicht jedoch hätte auch über diesen Ort eine Katastrophe heraufbeschworen werden können! Bukarest. Aus Bessarabien eintreffende Reisende berichten, daß die jüdische Bevölkerung in großer Angst vor antisemitischen Unruhen lebt. In vielen Gegenden wurden aufreizende Schriften verbreitet, die die Juden des Ritualmordes beschuldigen. Die Juden sandten an den Gouverneur eine. Abordnung mit der Bitte, ihr Leben und Eigentum zu schützen. Ein russischer Bischof gegen die Vlutlüge. Der Versuch der antisemitischen Blätter in Rußland, durch das Auftischen eines Blutmärchens die Bevölkerung zu einem Pogrom gegen die Juden aufzuhetzen, nimmt bedenkliche Formen an. Es wurde daher in progressiven Kreisen mit Genugtuung ausgenommen, daß der Bischof Michail, der sich im Kreise seiner Gläubigen großen Ansehens erfreut, in der „Bjerschewaja Wjedomosti" mit einem scharfen Artikel gegen diese blutige Agitation der Antisemiten hervortritt. Er verweist darauf, daß solche Blutlügen ehemals gegen Christen ausgestreut wurden, als das Christentum noch schwach und unbedeutend war, daß ferner alle Ritualmordanklagen, die bisher gegen Juden angestrengt wurden, sich als Lügen erwiesen. Der Bischof gibt schließlich seiner Entrüstung Ausdruck, daß das Organ des Heiligen Synods, „Kolokol", sich auch an dieser Hetze mit dem Ritualmordmärchen beteiligt. Nr. so Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sei. Stella Ion a s. Schachtitz : Von Walter Jonas-Schachtitz K 10. Anläßlich des Ablebens der sel. Rosalie Land es mann: Von Apotheker Adolf Frankl K 10. Anläßlich des Ablebens des sel. Eduard Blau: Von Julius Markschein K 10, Artur Blau 20, Dr. Blau 10, Gustav Hollitscher 10. Zusammen K 50. Anläßlich des Ablebens der sel. Marie Krann : Von Antonie Lichtenstern K 20. Anläßlich des Ablebens des sel. Josef Altar: Von Wilhelm Eberstheim und Familie K 10. Anläßlich des Ablebens des sel. Adolf Renner: Von Heinrich Weinmann K 10, Moriz Fuchs 10, Moriz Chlamtatsch 5, Ignaz Körner 5, Berthold Fasse! 100. Zusammen L 130. Anläßlich des Ablebens des sel. Julius Bunzl: Von Rudolf Bäuml K 10, Paul Lemberger 20, Willi und Marian Hollitscher 20, Karl von Baiersdorf 20, Max Düschnitz 20, Arnold Mandl 20, Sigm. Blau 20, Dr. Th odor Schiffmann und Frau 20, Karl Steiner 20, Apotheker Julius Bunzl 20, Konrad Tiering 20, Dr. Leo Fleischer 20, Ernst Kerner 20, Heinrich Böhm 20. Zusammen K 270. Anläßlich des Ablebens des sel. Isidor Materno: Von Karl und Malvine Löwenthal K 20, Salo Materno, Südamerika, 29, Dr. Ernst Schlesinger 20. Zusammen K 60. Anläßlich des Ablebens des sel. kais. Rates Dr. Otto Blum: Von Emil Blum und Frau K 20 Landesgerichtsrat Dr. Arnold Schwann 20, Sidonie Kahn 10. Zusammen L 50. Wählerversammlung. Das fortschrittliche Exekutivkomitee für das Kaiviertel veranstaltet Montag den 22. d. M. um 8 Uhr abends im großen Saale des „Hotel de France", I., Bezirk, Schottenring 3, eine Wählerversammlung, in welcher der vom Bezirkswahlkomitee und Zentralwahlkomitee aufgestellte Reichsratskandidat und bisherige Abgeordnete Ministerialrat Camill K u r a n d a seine Kandidatenrede halten wird. Die geehrte Wählerschaft des Kaiviertels wird um zahlreiches Erscheinen gebeten. Wien. (Promotion.) Herr Bruno Sonnenschein, Sohn des Hotelbesitzers Samuel Sonnenschein in Bad Ischl, wird Freitag den 19. d. M. um 12^ Uhr mittag im großen Festsaale der k. k. Universität zu Wien zum Doktor der. Rechte promoviert. Wien. Der Verein „Adaß Jisroel" (Schiff-Schul) bersendet den Jahresbericht pro 1910. Aus demselben ist die allgemeine Tätigkeit auf dem Gebiete der Fürsorge für die rituellen Bedürfnisse der orthodoxen Judenschaft Wiens ersichtlich. Die Ausgaben erreichen die stattliche Höhe von mehr als X 70.000.—, denen die Einnahmen in gleicher Höhe gegenüberstehen. Hervorzuheben wären die Posten für Gehälter von X 17.000.—, Subventionen und Spenden rc. für verschiedene Vereine und jüdische Institutionen K 5.792 80, Kaiser Franz Josefs-Jubiläums-Armenbeteilung K 174.— usw. Die Generalversammlung findet am 25. d. M. um 3 Uhr nachmittags statt. Auf der Tagesordnung steht u. A. die Ernennung des Herrn Markus Bondi zum Ehrenmitgliede, Ergänzungswahlen, Anträge und Interpellationen. Wien. (Humanitärer Verein zur Unter st ützung jüdischer Kurbedürftiger in Wien, II/1, Große Stadtgutgasse 7.) Am 4. Mai l. I. fand die Generalversammlung dieses Vereines im Restaurant Herunger statt. Der Obmann des Vereines Herr Dr. Isidor L. Braun begrüßte die Erschienenen, insbesondere den als Gast anwesenden Gemeinderat Ernst Neustadt! und berichtete über die Tätigkeit des Vorstandes im abgelaufenen Berichtsjahre. Unter anderem erwähnte er, daß der Verein 19 Kranke im Karlsbader Hospiz und zwei im Gleichenberger Spital untergebracht hat. Ferner wurden Kurbeiträge an arme Kranke in die Kurorte gesendet und die Kosten der Reise in die Kurorte in einzelnen Fällen bestritten. Zum Schluffe appelliert der Obmann an die Frauen und Mädchen, ein Komitee zu bilden und "durch ihre Mithilfe und Agitation zum Aufblühen und Gedeihen des Vereines beizutragen. Herr Schriftführer I. Sperling verliest hierauf den Rechenschaftsbericht. Der Bericht widmet dem verstorbenen Vorstandsmitgliede Herrn Ernst Rehberger Dr. Blochs Wochenschrift