Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 20 (19.5.1911)
- Date
- 1911-05-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 3 8 Nr. 20 Dr. Blochs Wochenschrfft schliessen vir den Vertrag mündlich, und da es am Sabbat nicht gestattet ist, über Geld auch nur zu sprechen, so halten wir die Regelung ihrer künftigen Bezüge einem späteren Zeitpunkte vor. Es dürfte nicht Wunder nehmen, wenn Nichteingeweihte die Frage an mich richten sollten: „Wer ist wohl der Mann, mit dem man trotz seines hohen Alters noch einen Dienstvertrag auf weitere 20 Jahre schliesst?“ Diesen antworte ich mit der Geschichte unseres Vereines. Und in derselben steht mit goldenen Lettern eingeschrieben, dass Sie, hochverehrter Freund, seit dem Jahre 1865 dem Vorstände angehören. 46 Jahre! Welch ein ungeheurer Zeitraum in dem Leben eines einzelnen Menschen! Und während dieser ganzen Frist sind Sie nicht einziges Mal fahnenflüchtig geworden, sind Sie mit Herz und Hand für die Interessen unseres Vereines eingestanden. Sie waren es, welcher die erste grosse Widmung machte, zufolge dessen mein Amtsvorgänger darangehen konnte, auf dem von Ihnen gekauften Grunde unseren herrlichen Tempel zu erbauen. In Ihren verschiedenen Stellungen a's Schriftführer, Kassier, Hausverwalter und Vize-Präsident haben Sie sich stets in ausserordentlicher Weise bewährt. Sie haben gleich Ihrem ausgezeichneten, von uns hochgefeierten Namensbruder, kaiserl. Rat Friedrich P o 11 a k, wie Säulen in unserem Vereine emporgeragt als feste Stützpfeiler. Und als fester Stützpfeiler mögen Sie noch bis in die entferntesten Zeiten wirken! Und wenn ich über diese Ihre Tätigkeit eine Kritik abgeben soll, so glaube ich dies nicht besser tun zu können, als dass ich Ihnen jenen Titel verleihe, welchen unser grösster vaterländischer Dichter einem seiner herrlichsten Dramen a's Titel vorangesetzt: »Ein treuer Diener seines Herrn!“ — Ein treuer Diener unseres Tempelvereins als Dienstherrn gedacht, ein treuer Diener Gottes, des Herrn der Heerscharen, der die Geschicke der Menschheit lenkt und leitet. Soll ich nun meinen Dank in viele Worte kleiden? Die Sprache ist zu arm dazu. Deshalb erfasse ich Ihre Hand und drücke sie und rufe Ihnen zu: „Vergelts Gott, Herr Vize-Präsident, Vergelts Gott!“ Aber eines liess sich der Tempelverein nicht nehmen. Er bringt Ihnen als Angebinde zu Ihrem Geburtsfeste ein kleines Geschenk, das ich Ihnen hier überreiche. Auf diesem Prünkpokal ist an der Stirnseite unser schönes Tempelgebäude ersichtlich gemacht und auf der Reversseite ist die Widmung, von allen Vorstehern gefertigt, enthalten. Widmen Sie diesem Angebinde ein bescheidenes Plätzchen in Ihrem prächtigen Heim, und so oft Ihr Blick wohlgefällig auf diesem Pokal ruht, erinnern Sie sich an diese Stunde, in welcher eine treue Schaar von Freunden sich liebevoll Ihnen näherte und Ihnen durch meinen Mnnd den aus tiefsten Herzen und innerster Seele quellenden Wunsch zurief, mit dem ich schliesse: „Gott erhalte Sie uns und Ihrer Familie, gesund und stark bis 100 Jahre!“ Diese Rede machte aus die Anwesenden tiefen Eindruck und wurde lebhaft akklamiert. Gleichen Beifalls erfreute sich die Ansprache des Herrn kais. Rates Friedrich Pollak, der den Jubilar als zweitältester Vorstaudskollege besonders warm begrüßte. Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Doktor Stern ergriff nun namens des Kultusvorstandes zu einer überaus herzlichen Begrüßung das Wort und feierte den Jubilar als Zierde unserer großen Gemeinde. Es gratulierten hierauf Frau Präsidentin Strauß namens des Frauen-Wohltätigkeitsvereines, Herr Dr. L ö w y namens des humanitären Vereines, der eine prachtvolle Adresse widmete, worauf der Jubilar mit beneidenswerter Frische seinen Dank für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen zum Ausdrucke brachte. Hiemit schloß die schöne, des seltenen Anlasses und des verdienstvollen, trefflichen Jubilars durchaus würdige Feier. B . . . . y. Wnn. (Synagogen-Verein Veth Israel.) Am 30. April l. I. fand im Vereins - Sitzungssaale die Generalversammlung des Vereines statt. Der Obmann Herr Mar Rosenfeld begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder/ sowie den Delegierten der isr. Kultusgemeinde Herrn Kultusvorsteher Adolf Schrämet, den er der Versammlung vorstellte. Der Vorsitzende richtete auch bei dieser Gelegenheit an den Herrn Delegierten das höfliche Ersuchen, er möge im Kultusvorstande dahin wirken, daß der langst gehegte und wiederholt vergebens urgierte Wunsch des Vereines Beth Israel, seinen Funktionär als Chewra-Mann anzustellen, doch endlich erfüllt werde. Herr Kultusvorsteher Schrame! dankte für die freundliche Begrüßung, versicherte den Verein der Sympathie des Kultusvorstandes und versprach, das Begehren des Vereines zu unterstützen. Hierauf widmete der Obmann dem dahingeschiedenen Ehrenmitgliede des Vereines und Erbauer der Synagoge, Herrn k. k. Baurat Wilh. Stiaßny s. A. einen warmen, tief empfundenen Nachruf, - den die Versammlung stehend anhörte. Der Obmann teilte mit, daß, in Anerkennung der hervorragenden Verdienste des Verstorbenen um den Bau des Gotteshauses vom Vorstände beschlossen wurde, dessen Namen im Iahrzeit- und Maskirbuche des Vereines zu verewigen. Nach Erstattung des Revisionsberichles durch den Rechnungsrevisor Herrn Jakob Bramwurde über dessen Antrag dem Vorstände einstimmig das Absolutorium erteilt und der Dank ausgesprochen. Die hierauf vorgenommenen Vorstandswahlen ergaben . folgendes Resultat: Als Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt: die Herren Julius Brecher, Aler. Landau, Dr. Leo Landau und neugewählt: die Herren Dr. Anselm Halpern, Hermann Bartfeld, Jakob Bram: als Rechnungsrevisoren die Herren Isidor Belf, B. H. S e i nfeld, S. Schindel: als Schiedsrichter die Herren Wilhelm Flieg, Emil Pomeranz und Mark. .Schneid. Bei der am 8. Mai l. I. erfolgten Konstituierung wurden gewählt: die Herren Mar Rosenfeld als Obmann, Ignatz I o l l e s als Obmann-Stellvertreter, f Alex. Landau als Schriftführer, David K o l i e b als Schriftführer-Stellvertreter und Jakob Weichselbaum als Kassier. Ein jüdischer Radetzky-Veteran gestorben. In Biala bei Bielitz ist am 6. Mai der älteste Radetzky-Veteran, Herr Markus Tr am er, gestorben. Er wurde im Jahre 1845 assentiert> hat durch zehrt Jahre sechs Monate des Kaisers Rock in Ehren getragen und in den Feldzügen unter Radetzky tapfer mitgefochten. Er war Besitzer der Päpstlichen! Kriegs-Medaille, der Iubiläums-Medaille und des Jubiläums-Kreuzes und war in den hiesigen Kreisen allgemein geachtet, sowie als biederer ehrenhafter Charakter bestens bekannt. Sein Leichenbegängnis fand am 8. Mai, unter sehr großer Beteiligung, auf dem israelitischen Friedhofe statt. Sowohl Offiziersals auch Mannschaftsdeputationen der hiesigen Garnison, ebenso der Vielitz-Bialer Veteranenverein waren vertreten. Herr Rabbiner Dr. Glaser hielt eine ergreifende Grabrede und hob sein patriotisches Gefühl und seinen Eifer als Chewra-Mann hervor: mit dem Danke an die Herren Offiziere, die ihm das letzte Geleite gäben, schloß die Trauerfeier: kein Auge blieb trocken. Bester Chewra Kädischa. Der uns vorliegende Jahresbericht der Pester Chewra Kadischa bietet ein lichtvolles Bild über das eminent wohltätige Wirken dieser segensreichen Institution, der sich keine zweite an die Seite stellen darf, und sei an dieser Stelle allen Funktionären öffentlich Dank gesagt. Dem Berichte entnehmen wir folgende Daten: Im verflossenen Jahre wurden 2754 neue Mitglieder aufgenommen, wodurch die Anzahl der Mitglieder die Höhe von 13,036 erreicht. An Jnkorporationsgebühren sind 246,621 30 Kronen eingeflossen. Im musterhaft, echt jüdisch geleiteten Siechenhaus fanden 70 Personen, 32 Männer und 38 Frauen, Unterkunft. Die Erhaltung der Anstalt erforderte einen Kostenaufwand von 62,500 Kronen. Für das Rettungshaus, mit dem .wir uns noch eingehend gelegentlich der Eröffnung befassen wollen, gibt sich im Kreise der Mitglieder ein erfreuliches Interesse kund: der Institution wurden