Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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mäernrnm» ma StUe 322 Bezeichnend für diesen Sultan ist der verbürgte Ausruf, den er vor seinem Hofstaate gemacht hat: „Man sagt, Ferdinand sei ein weiser König. Wie kann das möglich sein, wenn er sein Land verarmt, um das meinigs zu bereichern?!" Vayazet trug seinen Gouverneuren auf, die Juden entgegenkommend aufzunehmen und ihnen die Ansiedlung zu erleichtern. Diejenigen, welche die Juden unterdrückten oder ihnen ein Leid zusügten, wurden strenge bestraft. Rabbi Capsali erwirkte vom Sultan große Begünstigungen für seine Glaubensbrüder. Die Juden, die sich in Saloniki ansiedelten, waren so zahlreich, daß die übrigen Elemente schließlich in den Hintergrund traten. Der Dichter Samuel Usgue nennt Saloniki: „Die Mutter Israels", weil es den verfolgten Juden Schutz und Obdach gewährte. Die kastilianische Sprache wurde beibehalten, jedoch allmählich verderbt im Gebrauche und durch die Sprachen, die die Juden hier von ihrer Umgebung täglich hörten. Die spanischen Juden lebten in ihrer neuen Heimat sehr glücklich. Sie luden ihre Verwandten, die sich auf ihrer Flucht in andere Länder, so nach Frankreich und Italien gewandt hatten, ein, gleichfalls nach Saloniki zu kommen. Don Juda Tenor Vanbaneste, der Sohn eines spanischen Finanzministers, dem es gelungen war, einen großen Teil seines Vermögens zu reiten, ließ sich ebenfalls in Saloniki nieder und gründete daselbst eine große Bibliothek, die er den Studierenden zur Verfügung stellte. Man nahm das Talmudstudium wieder auf, gründete eine Hochschule, in welcher rabbinische Wissenschaft und Astronomie gelehrt wurde. Der wirtschaftliche Wohlstand stellte sich allmählich wieder ein, dank dem llnternehmungsgeiste der Juden und den Beziehungen, welche diese mit ihren Glaubensbrüdern in allen Ländern unterhielten. Der Fiskus fand in dieser Tätigkeit eine wichtige Quelle neuer, reichlicher Einnahmen. >! .! s Von den Gelehrten jener Epoche seien hier besonders erwähnt: Josef Passy, Meir Arma, Salomon Cavalliero, Samuel llziel, Samuel el Bohri, Iosef ben Aahi.a, Salomon Mitrani, Salomon Hazen, Abraham Sidalvo, Abrccham ben Salomon Taitacak, Jacob ben Habib, Perahka Cohen, Aron Asia, Samuel Fresc) und vor .allen der berühmte Moche Almosnino. Die Juden haben ihre Sitten erhalten. Sie haben ihren Kult, haben ihre Religion erhalten und sie bis auf die heutige Zeit überliefert. ,Sie waren sehr fromm und wirtschaftlich. Allmählich verbanden sich! die einzelnen Gruppen mit einander und waren für ihre Umgebung der Gegenstand der Bewunderung und des Neides. Der König von Italien und das Minjan. In einer Plauderei über seine Reise nach Italien gibt Mar Szabolcsi einellnterhaltung mit dem Oberrabbiner von Rom wieder und erzählt da u. a.: Es war nach der Geburt des jetzt dreijährigen Kronprinzen. Der Rabbiner hatte dieses Ereignis beim Gottesdienst gewürdigt und wurde daraufhin zur Audienz befohlen. „Ich wollte Ihnen" — das war die Begrünung — „meinen innigen Dank für den schönen Gottesdienst ausdrücken. Ihre Gemeinde war die erste in Italien, die für den Kronprinzen betete". Der Rabbiner sprach Mit Innigkeit den Segen über den König, der beim Schluß „Amen" sagte und dem Rabbiner einen Stuhl anbot. Dann schlug der König einen ganz intimen Ton an und fragte den Rabbiner zu seiner größten Ueberraschung: „Nicht wahr, es war bei dieser Gelegenheit mehrfach „Minjan" in der Synagoge?" Nr. 19 Die Verwunderung des Rabbiners machte Sr. Majestät sichtlich Vergnügen und, ohne, die Antwort abzuwarten, setzte der König fort: „Ich sehe, daß es Sie überrascht, daß ich weiß, was „Minjan" ist. Ich will Ihnen erzählen, wie ich das erfahren habe. Zur Zeit, da ich noch junger Offizier in der Türmer Garnison war, begegnete mir eines Morgens General Ottolenghi, der mein ummitelbarer Vorgesetzter war. Er machte auch sonst nicht das freundlichste Gesicht; diesmal aber überbot er sich: er war grimmig. „Was geht vor? General! Warum so mißmutig?" Worauf er mir antwortete: „Ich habe mich über die hiesige Judenschaft außerordentlich geärgert. Ich war in der Synagoge und konnte nicht beten; ich hatte kein Minjan." „Nun, warum haben Sie sich keins mitgebracht", fragte ich ganz naiv. „Hoheit denken, wie es scheint", — klärte mich der General auf — „daß SJlinjan ein Gebetbuch sei. Dabei ist es ganz was anderes. Es besteht aus zehn erwachsenen Männern. Sind diese nicht beisammen, kann man keinen öffentlichen Gottesdienst halten". Damals habe ich erfahren, was das ist." Der König erzählte dann weiter, daß Ottolenghi — wie er dies später erfahren hat — immer, wenn es nur anging, die Synagoge besuchte, und daß er dabei einer der tüchtigsten Generäle der italienischen Armee gewesen ist. „Ich habe den Alten geliebt" — sagte Kr zum Schluß — „er war streng, aber gerade denkend, fromm und edelsinnig". Kitrratvr. Nr. Feuchtwang, »Das Wasseropfer und die damit verbundenen Zeremonien.« Wien 1911. Der Verfasser hat mit diesem Werk die Zahl seiner gediegenen Arbeiten auf dem Gebiete der Assyriologie um eine ebenso lehrreiche wie interessante Studie vermehrt« lnr ersten Kapitel behandelt er das Wasseropfer, führte es auf den Ursprung zurück, der hoch hinauf in die graue Urzeit reicht. An der Hand einer grossen Zahl von Talmud- und Midraschstellen weist er den Zusammenhang mit den ähnlichen Opfern bei den andern Völkern des Altertums nach, die mit der Wasserlibation die Wassermächte günstig stimmen und den Himmelssegen in Form befruchtender Regengüsse herabbringen wollten. Das zweite Kapitel widmet er dem »Eben Schethyja« als den »Tabbur«, dem Nabelsteine, aus welchem nach Ansicht der Allen die Welt erschaffen wurde. In äusserst gründlicher Weise lehrt er die kosmische Bedeutung desselben klar und stellt seinen innigen Zusammenhang mit der Schöpfung dem Urgewässer und der Sündflut fest. Er ist das Zentrum und Fundament (n>w) der Welt und verleiht darum Jerusalem, der Stadt wie dem Tempel, die eigentliche Weihe. Im dritten Kapitel werden die mit dem Wasseropfer verbundenen Festlichkeiten und Zeremonien beschrieben, und die zahlreichen Fäden, die sich von Zeit zu Zeit, von Volk zu Volk hinüberspinnen, bloßgelegt. Aus dem Borne seines reichen Wissens schöpfend, reiht er Stelle an Stelle; Beweis an Beweis, und mit der dem Verfasser eigenen Geistesschärfe stellt er den ganzen Komplex von Zeremonien und Riten, die mit dem Wasseropfer verbunden waren und welche in der alten Zeit so manch schweren Kampf zwischen den Pharisäern und Sadduzäern heraufbeschworen haben, als Ritus der eigentlichen alten Herbstfeier fest. Die Arbeit ist nach jeder Richtung als eine gelungene zu bezeichnen und läßt in dem Leser den Wunsch rege werden, dem grundgelehrten Verfasser auf dem Gebiete der vergleichenden Religionswissenschaft bald wieder zu begegnen. F, Maurice Maeterlinck. Das Lebe n der Bienen, Auswahl. Mit 4 Tafeln. Verlag von Alfred Jarssen, Hamburg-Berlin. Gebunden M. 1.50. Das vorliegende Buch enthält die interessantesten und lehrreichsten Kapitel aus dem berühmten Werke, das unter gleichem Titel bei Eugen Diederichs in Jena erschien und bildet Band 9 der „Wissenschaftlichen Volksbücher", herausgegeben von Fr.;Gansverg. Es wird den Naturfreund wie den literarischen Feinschmecker entzücken und kann auch der Heranwachsenden Jugend in die Hand gegeben werden. Was das Buch.will, sagt es selbst in folgenden Sätzen: „Es ist bei den Bienen wie bei der Mehrzahl aller irdischen Dinge: Wir beobachten einige ihrer Gewohnheitenwir sagen,-sie tun dies und jenes, sie arbeiten so und so, ihre Königinnen sorgen Dr. Blochs Wochenschrift.