Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 321 sitzende, Präses Herr Jguatz Zolles, eröffatt die Generalversanunlung mit einer herzlichen Begrüßung der erschienenen Vereinsmitglieder und erteilt dem Schriftführer Herrn Emil Pomeranz das Wort zur Erstattung des Rechenschaftsberichtes. Der Bericht widmet den in diesem Jahre verstorbenen Mitgliedern einen warmen und ehrenden Nachruf, den die Versammlung stehend anhörte. Nach Erstattung des Revisionsberichtes durch die Rechnungsrev.soren Herren S. Schindel und Oskar Thiemann wurde über deren Antrag einstimmig dem Vorstande das Äbsolutorium erteilt und der Dank votiert. In Erledigung der weiteren Tagesordnung wurden als Vorstandsmitglieder per acclamationem die Herren H. Bartfeld. P. Halperu, O. Jner, Alex. Landau, Jg. Löwy und Jakob Weichselbaum wieder- und die Herren Leo Agid und S. Schindel neugewählt. Als Rechnnngsrevisoren wurden gewählt die Herren S. Riesner, Jakob Stolzberg und Oskar Thiemann. Ferner wurden über Antrag des Vorstandes die Vorstandsmitglieder Herren Louis Flamm und Alex. Landau in Würdigung ihrer langjährigen eriprießl'.cheu Tätigkeit im Vorstande und hervorragender Verdienste um den Verein, von der Generalversammlung per acclamationem zu Ehrenmitgliedern ernannt. Wien. (Bethausverein „Adaß Jeschurutt“, IX, Pfluggasse 5.) Samstag den 13. Mai 1911 nachmittags 6 Uhr findet im Vereinsbethause ein Vortrag des Herrn Rabbinatskandidaten Bela Fischer statt. Thema: „Lebensphilosophie im Talmud". (Vortrag III.) Populärwissenschaftliche Sabbalnachmiltag-Vorträge im Verein „B et h-H a m id rasch Talmud Thora", Wien, II.. Malzgasse 16. Am 13. Mai Herr Prof. Moritz Antscherl: „Die Rolle Ruth in der hebräischen Poesie." Am 20. Mai Herr Rabbiner L. Goldstein: „Die Frau in Midrasch und Talmud." Am 27. Mai Herr Rabbiner M. Flesch: „Die S e p h i r a." — Beginn um BVa Uhr nachmittags. Verein „Mensa acüdnmica Judaicu“. Der Ausschuß des Vereines drückt den folgenden Herren für die eingesendetrn Spenden den innigsten Dank aus. Herr' S. M. Bing «. Comp. 10 K.. Adolf Böhm 5 K.. Lueian Brunner 20 K., Jakob Ehrenwald's Nachf. 10 K., kais. Rat Sig. Kanders 20 K., Rudolf Kahler 200 K., Johann Kremenetzky 20 K.. Dr. Julius Offner 10 K., Hermann Pollak Söhne von Parnegg 20 K., Pcivatdozent Dr. Wilhelm Roth 8 K., Profesior Dr. Schlesinger 20 K., Professor Dr. Schnitzler 20 K., Kommerzialrat Adolf Schramek 20 K., A. Stern und Söhne 30 K., Privatdozent Dr. St. Weidenfeld 10 K., Dr. Paul Weisengrün 5 K. F. d. A. eanä. ing. Saul Sokal, canrt. ing. Wil. Felder, dz. Präses. dz. Schriftführer. Anfragen, Korrespondenzen und Spenden sind zu richten an das Vereinslokal, Wien, II., Negerlegasse 6, Tür t>7, III. Stiege. Austritte aus dem Judentum Vom 30. April bis inkl. 6. Mai 1911. Korso Jacob, Friseurgehilfe, geb. 1. Jänner 1880, Bogoi’zovka. Russland, IX., Mariannengasse 12 Egger Helene, Private, geb. 22. März 1880, Wien, IV., Luiseng. 25 Fischer Nelly, Private, geb. 20. November 1887, Wien, VIII., Tulpengasse 5 Gallienstein Magdalena, Private, geb. 2. Mai 1883, IX., Müllnerg. 3 Hille geb. Theumann. Elsa, geb. 5. Mai 1883, Wien, III., Untere Weissgärberstfasse la - Kogan Helene, Private, I, Kärntnerring, »Hotel Bristol« Redlich Albert Dr., Industrieller, geb. 17. Juli 1867, Göding, XIX., Kreindlgasse 11 b. Spitz Julie, geb, 29. April 1888, Kanitz, Mähren, XXL, Jeneweinstrasse 20 Wiener Gisela, Private, geb. 12. Juli 1890, Wien, XIII., Auhofstrasse 70, I. Lundenburg (Rabbinerw ahl.) In der am 4. Mai abgehaltenen Sitzung des verstärkten Kultusausschuffes wurde Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Heinrich Schwenger aus Neuhaus (Böhmen) zum Rabbiner in der hiesige» Gemernde gewählt. Herr Dr. Schwenger ist ein Schüler des Wiener Räbbinerseminars und genießt den Ruf eines äußerst tüchtigen, jüdischen Theologen und Talmudgelehrten. Bazin. Das Leichenbegängnis der Frau Dr. Cornelia Friedler in Bazin fand Sonntag den 7. d. M., nachmittags V-4 Uhr, trotz des strömenden Regens, bei ungeheurer Teilnahme der Gesamtbevölkerung statt. Vor der Synagoge der orthod.-israel. Kultusgemeinde hielt Ehrw. Dr. Funk aus Pozsony, der zu dieiem Zweck von der Gemeindevorstehung berufen wurde, eine eindrucksvolle, den Besuchern unvergeßlich bleibende Trauerrede, in welcher er die unversiegbaren gesellschaftlichen und religiösen Tugenden der Verblichenen schilderte und hervorhod, daß die Heimgegangene es verdiene, als eine hervorragende Tochter des jüdischen Volkes bezeichnet zu werden, weil ihr Herz für alle Menschen schlug, wo es galt, die Not zu lindern und dem Elend zu zu steuern. Aus Pozwny waren Heir Dr. M. Stein, Direktor Stein, Advokat Jenö Stein u. v A. erschienen. Nach Dr. Funk widmete der Rabbuiarsassessor Stern der Verblichenen einen sehr gehaltvollen Nachruf. Neu Saudec Von hier wird uns berichtet: „Bei der am 30. April d. I. stattqefundeneu konstituierenden Versammlung des im Jänner vorigen Jahres nengewäh t<n Knllusrates wurde Herr Moritz Körbel, Landes- und Gerichtsadookat, mit Stimm neinbelligkeit zum Kultusvorsteher der israelitischen Kultusgemeinde in Neu-Sandec gewählt. Wüters wurden einstimmia gewählt: Zum Vorsteher-Stellvertreter Herr Dr. Leon Silbcrmann. Stadtarzt in Neu-Sandez; zu Aus - schußmitgliedern nre Kultusräte die Herren Jakob Großbard, Sender Engländer und Moses Kampf, Kaufleute in Neu- Sandec." Gewitsch Herr Adolf Dukes z aus Wien wurde nach einem Probevortrage am P ssach einstimmig zum I. Kantor auf drei Jahre gewählt. Breslau. Der hier in Gesellschaftskreisen bestens bekannte Industrielle Herr Adolf Josefsthal, Schriftführer des Vereines „Austria", wurde von Sr. Majestät dem König von Sachsen mit dem Ritterkreuz des sächsischen Albrechts- Ordens ausgezeichnet. Auch Se. Majestät der Kaiser von Oesterreich hat sein vielfaches, humanitäres Wirken für seine österreichischen Landsleute anerkannt und erhielt er aus diesem Anlasse im Vorjahre das goldene Berdienstkreuz mit der Krone. Der Ausgezeichnete ist der Sohn des bekannten Talmudgelehrten P. I o s e f s t h a l in Wien. G. FeuMewn» Die Entstehung der Iudengrmemde von Saloniki. Der soeben in Saloniki herausgegebene Atmanach National enthält auch einen sehr interessanten Aufsatz über die Entstehungsgeschichte der Iudengemeinde von Saloniki, dem wir die folgenden Daten entnehmen: Schon in den Briefen des Apostels Paulus wird erwähnt, daß bereits im Jahrhundert der christlichen Aera in Saloniki eine zahlreiche Iudengemeinde bestanden habe. Im 15. Jahrhundert nach der üblichen Zeitr. ließen sich wieder zahlreiche Inden aus Norddeutschland, Ungarn und Polen in Saloniki nieder. Die stärkste jüdische Einwanderung erfolgte jedoch nach 1492, dem Zeitpunkte der Vertreibung der Iuden aus Spanien. Gegen Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts siedelten sich ungefähr 20.000 Iuden in Saloniki an. Sie bildeten 36 verschiedene Gruppen: Zwei Gruppen von Iuden hatten diese spanischen Flüchtlinge bereits in Saloniki vorgefunden : die Afchkenasim und die Italiener. Rabbi Iacob Ben Habib de Zamora erzählt in seinem historischen Werke, daß er in Saloniki eine Anzahl hervorragender Rabbiner vorgesunden habe. Die italienischen Iuden besaßen hier zwei Synagogen und zwar eine der sizilianischen und eine der Iuden von Paulia. Der Rabbiner der italienischen Iudengemeinde hieß Samuel Franco. Der größte Teil der aus dem Lande des katholischen Ferdinand und Jsabella geflüchteten Juden war auf der Suche nach einem Zufluchtsland und wendete sich an Bayazet II. und bat ihn um seine Gastfreundschaft. Der Sultan gewährte sie ihnen mit Vergnügen, denn er war froh, neue Untertanen zu gewinnen, sie durch das Band der Dankbarkeit an seine Krone zu binden und überdies Saloniki, das damals noch lehr schwach bevölkert war. durch eine Anzahl tätiger und ergebener Elemente zu bevölkern.