Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 Dr. Vlochs Wochenschrift Sette 315 lichen Meinung im Ausland appelliert. So bitte. ich Sie denn auch um die Gastfreundschaft, in den Spalten Ihres Blattes Geschehnisse zur öffentlichen Erörterung zu unterbreiten, über welche ich das Urteil der zionisti? schen Parteikreise im Auslande zu provozieren wünsche. Die Zionisten Deutschlands kämpfen gegen Geheimrat Geiger, weil erChanuka und Weihnachten zusammen feiern will. Die Zionisten sind scharfe Gegner der Assimilation, offene, manchmal vielleicht überlaute Feinde aller Bräuche, die aus dem Lhristentume stammen, wenn Juden sie nachäffen. Es gibt auch nichts Lächerlicheres, als wenn z. B. die Juden Christbäume anzünden. Die Zionisten bekämpfen noch etwas und mit ihnen alle klugen und anständigen Juden, nämlich, daß unsere Neichen das meiste Geld für nichtjüdische Vereine hergeben. Wir Juden müssen für unsere eigenen Zwecke die Groschen zusammenbetteln, wir müssen zunächst an unsere Unglücklichen denken, welchen die Anderen niemals etwas geben. Denn keine Nation, keine Glaubensgemeinschaft hat so viele namenlos Elende und Arme, als gerade wir Juden — Arme und Elende, die auf uns allein angewiesen sind. - Der Einwand, „in den gemischten Vereinen werden auch, Juden unterstützt", ist fadenscheinig. Es sind immer nur ein paar Juden, die zur Schau unterstützt werden, d. h. wenn die Juden 90 Prozent zu einem Vereine beitragen, bekommen etwa 10 Prozent Juden etwas davon. Wir haben nun einen solchen Schulfall, einen Verein, in dem alles sich zusammengesunden, was nur je einen ehrlichen Zionisten erregt hat, einen Verein, in d.m alles beisammen ist, was zionistische Journalisten gerügt, Zionistische Schriftsteller an den Pranger gestellt, zionistische Satyriker verhöhnt haben. Es ist der Verein „Settlement" in Wien, Ottakring, Friedrich Kaisergasse Nr. 51. An sich ein musterhafter Verein. Er sorgt für die Gesundheitspflege seiner Besucher, er hat eine Still- und Milchkühe, er veranstaltet Mutterabende, Abende für Mädchen und für Männer, Konzert- und Vortragsabende, Stopf- und Flickkurse, einen Modistenkurs, man lernt Stenographie, Englisch und Deutsch, man singt Chor, liest in einer schönen Bibliothek, lernt wirtschaften, hält einen Kindergarten. jEs gibt eine Gruppe für Nachmittagsbeschäftigung der Schulkinder, man bietet außerdem den Kindern, die schwer lernen, Nachhilfe, die kleinen Mädchen lernen nähen, sticken und zeichnen, die schwachen Kinder kommen aufs Land nsw. Die Mitglieder allerdings, die den Verein erhalten, sind zumeist Juden, getaufte und ungetaufte, oder, wie die Zionisten sie nennen, „halbgetaufte". Wir haben den Bericht des Jahres 1909 vor uns und schlagen aufs Geratewohl Seite 39 auf. „Gruppe für den Mittagstisch", denn auch zu essen bekommen die Kinder. Unter 80 Mitgliedern, die diese Gruppe erhalten, sind 12, deren Judentum nicht feststeht, darunter einige Banken, die übrigen 68 sind stadtbekannte Auden. Blättern wir weiter. Seite 40, „Spenden, .für die Ausspeisung". Unter 34 Namen, 5 anonyme, 4 Nichtjuden, 25 Juden. Ganz genau so zusammengestellt ist die große Mitgliederliste. Auf Seite 73 ist eine Liste „Geldspenden". Da sind 2362 Kronen in einem Jahre hergeschenkt worden. Und diese 86 Spender tragen alle jüdische Namen. Wie steht es nun mit den Nutznießern dieser Spenden? Gewiß, es gibt auch Juden in allen Gruppen, aber das Prozentuale dürfte nicht groß sein, etwa 5 bis 10 vom Kundert. Ein Bild gibt uns Seite 71 und 72 der Weihnachtsbericht. 494 Kinder wurden mit Kleidern beteilt. Von diesen sind, laut Ausweis, 32 jüdische. In der Rubrik „Weihnachtsbericht", Seite 34,- heißt es wörtlich: „Statt der allgemeinen Bescherung im Settlement wird am Vorabend jeder Familie ein kleines Bäumchen mit Christbaumsachen -geschmückt ins Haus gesendet." Mein Gott, wie vorsorglich doch die braven Jüdinnen sind, denn die Jüdinnen machen die Arbeit. Man lese nur weiter: „Wir verdanken der liebevollen Mitarbeit der Damen Nelly Bleier, Martha Eisenberger, Kitty Mautner und Fanny Weiß, wie auch allen anderen Spendern und Mitarbeiterinnen, daß wir heuer 240 Bäumchen und für 500 Kinder kleine Gaben in die Familien schicken konnten." Da finge die blutige Ironie an, die scharfe, die beißende Satyre der Zionisten. Man denke, wie rührend. Draußen in Ottakring sorgen die Jüdinnen dafür, daß selbst das ärmste Christenkind seinen Weihnachtsbaum hat und drüben in der Brigittenau kann es passieren, daß ein Judenkind zu Chanuka kein Brot hat, kein wärmendes Feuer, seine zarten Gliederchen zu schützen. Und wenn der Bericht betont, daß jede Familie ihr Christbäumchen bekommt, verstand man darunter auch jüdische? Tausende von armen Kindern hungern in Galizien und in Rußland, in Jerusalem hat ein wirtschaftlicher Krach etwa 20.,000 jüdischen Seelen das letzte Stück Brot genommen und in Ottakring kaufen die Jüdinnen Christbäume für jüdisches Geld und schicken sie 240 Familien ins Haus.. Wer würde sich wundern, wenn die Wiener Zionisten darüber wild, in ihrer heftigen Art dagegen Protestversammlungen veranstalten würden. Aber merkwürdig, die Zionisten rühren sich nicht. Und warum? Weil Herr Adolf Boehm selber, ein Oberhaupt der Wiener Zionisten, „Ehrenmitglied" der jüdischen akademischen Verbindung „Bar Kochba". ein Hauptmacher bei diesem Erzassimilanten-Vereine ist, weil unter seiner Aegide die Juden die Gelder hergeben für die Weihnachtsbäume. Der Bericht, dem wir diese Einzelheiten entnehmen, ist von Herrn Adolf Boehm zum großen Teile selbst geschrieben und vorgelesen. Freilich zeichnet er nicht „Adolf Boehm, Mitglied des großen Aktions-Komitees", sondern schlicht und einfach „Adolf Boehm". Herr Boehm. Hauptführer der Wiener Zionisten, ist Schriftführer des „Settlement". Folgende Advokaten sind, Seite 35, als Helfer angeführt : „Vertretungen haben die.Herren Dr. Arnold Verl, Hugo Flesch, Ludwig Gelber, I. Margulies, Anton Oberländer, Mar Winkler übernommen, denen wir herzlich danken." I. Margulies ist offenbar niemand anderer, als der engste Freund und einstige Führergenosse des Herrn Adolf Boehm, Herr Dr. Isidor Margulies. Wir vermeiden jedes Wort der Kritik. Die hilft ja doch nichts Die Nichtzionisten wissen, wer diese Leute sind, und wer bisher meinte, daß die „O österreichische Wochenschrift" übertreibt, steht jetzt vor einem Faktum, das lehrreich ist. Das Geschehnis drängt zu mancherlei Erwägung und Betrachtung, ich unterdrücke indeß vorläufig jede Bemerkung und will das Urteil ehrlicher Zionisten abwarten. Den gedruckten Bericht des „Settlements" vom letztten Jahre, der noch sonst viele Beispiele jüdischen Märannentumes aufweist, den werden wir dem jüdischen Museum widmen, u. z. unter dem Titel: „Oösterreichische! Zionistische Trophäen".