Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr 19 De. Mochs WocheMrtst Sette 118 „Erst vor ungefähr hundert Jahren sind sie in Oesterreich wehrpflichtig geworden. Es mag wohl sein, daß der Jude, als ihm nach langen Jahrhunderten wieder die Ehre ward, dis Waffen tragen zu dürfen, sich ihrer allzugerne zu entziehen suchte. Heute folgt er willig dem Rufe zur Fahne und der Ehrgeiz seiner christlichen Mitbürger, des Kaisers Rock zu tragen, ist ebenso lebhaft der seinige. Wer daran zweifelt, daß der Jude seit lange schon ein braver, opfermutiger Soldat ist, der blättere in den Geschichten der galizischen Regimenter: er wird überraschend oft auf jene sonderbaren deutschen Namen mit den alttestamentarischen Vornamen stoßen, die so untrüglich die Herkunft ihrer Träger bezeichnen und wird die Bestätigung finden, daß das Heldenblut der Masktabäer und der Verteidiger Jerusalems gegen den großen Titus in den Adern so manches ihrer späten Enkel rollt". Wenn ich zum Schlüsse dem Autor des Artikels die Frage vorlegen sollte, was ihn eigentlich zum Abfassen desselben veranlaßt hat, er dürfte kaum eine befriedigende Antwort erteilen können. Der Umstand, daß die Juden Deutschlands berechtigte Forderungen anstreben, darf, nicht als Anlaß dienen, dem Offizier jüdischer Konfession, ohne jede Begründung, eins aufs Zeug zu flicken. Solche Anwandlungen passen keinesfalls in eine militärische Zeitschrift. Eine solche ist diese Rücksichtnahme dem Geiste unserer glorreichen Armee, welche brave Soldaten ohne Rücksicht auf deren Konfession braucht, dem Andenken der für Kaiser und Vaterlanditzesällenen jüdischen Krieger schuldig. Me gaNzifche« Schule« der Wiener Israelitischen Allianz. Ueber das galizische Schulwerk findet man im Jahresbericht der Wiener israelitischen Allianz nachstehende interessante Mitteilungen: Niemirow. Niemirow, im Bezirke Ra>wa ruska, ist ein kleines entlegenes Städtchen mit einer Gesamtbsvölkerung von 2966 Personen, darunter 1725 Juden, die zum größten Teile in den armseligsten Verhältnissen leben. Ueber den Kampf, den die Allianzschule in diesem Städtchen zu bestehen, und den Erfolg, den sie errungen hatte, war in der „Oesterreichischen Wochenschrift" bereits ein ausführlicher Bericht zu lesen. Potok zloty. (Bez. Buczacz, 3369 Ew., 1036 Juden.) Verhältnismäßig' wenig Schwierigkeiten fanden wir bei der Errichtung der mit Beginn des heurigen Schuljahres ins Leben gerufenen Anstalt in Potok zloty. Die Bevölkerung brachte der Schule volles Verständnis entgegen, sie begrüßte die Begründung derselben mit Freude und es wurden sofort 61 Knaben eingeschrieben. Nur der chassidische Vorsteher der dortigen Kultusgemeinde verhielt sich ablehnend. Er ging darin soweit, daß er jene Kinder, die in unserer Schule eingeschrieben wurden, von dem Besuche des unter seiner Aussicht stehenden Cheders ausschloß. Es wurde aus diesem Grunde an Ort und Stelle ein eigenes Komitee eingesetzt, das von uns für das lausende Jahr eine Subvention von K 400 erhält und für die vom Cbeder ausgeschlossenen Schüler der Allianzschule einen eigenen Melamed anstellte. Ueber Wunsch der Eltern wurde den Kindern gestattet, während des Unterrichtes in der Schule Sammtkäppchen zu tragen. Für die ärmsten der Kinder haben wir der Schulleitung eine größere Anzahl solcher Käppchen zur Verfügung gestellt. Um über das Wirken der Schule ein anschau-, liches Bild zu geben, zitieren wir einige Stellen aus einem Visitationsberichte des Herrn Kreisschulinspektors N. Sperber. „Am 15. Nov. war ich in Potok zloty und besuchte die Schule. Zu Beginn des Unterrichtes waren 58 Schüler anwesend: eine halbe Stunde spater kam noch ein Nachzügler, ein kränklicher Knabe, dem der Schulleiter das Recht eingeräumt hatte, mitunter etwas später zu kommen. Diel Kinder sind ärmlich gekleidet, aber sehr sauber; alle hatten Hände, Gesicht. Ohren und Hals frisch gewaschen, alle waren gekämmt. Kein einziges Kind litt an Kopfgrind: drei oder vier Knaben, die zu Beginn des" Schuljahres an dieser Krankheit litten, waren inzwischen über Ersuchen des Lehrers vom Ortsapotheker behandelt und geheilt worden. Alle Kinder sitzen mit Seidenkäppchen auf dem Kopfe in der Klasse, was einen sehr guten Eindruck macht. Selbst das zerrissene und gestickte Schuhzeug ist sauber geputzt. Diese Tatsachen müssen schon als Leistung bezeichnet werden, wenn man bedenkt, daß einzelne Mütter sich noch vor wenigen Wochen über das Verlangen des Lehrers, ihre Kinder rein zu halten, dahin äußerten: „Es ist doch unerhört, was dieser Lehrer verlangt! Er will, daß sich die Kinder jeden Tag waschen. Wo hat man das je gehört?!" Gütliches und unverdrossenes Zureden des Lehrers haben in kurzer Zeit die Abneigung gegen Wasser und Seife besiegt. Das Ganze macht heute einen erhebenden Eindruck. Was Wunder, wenn sich die Kinder, die zu Hause in Schmutz und Unrat sitzen, hier in dem wirklich europäischen Schulmilieu heimisch fühlen, was man ihnen von den meist sympathischen Gesichtern herablesen kann. Am 15. Schewat hielt der Lehrer mit den Kindern, einem alt-jüdischen Gebrauche folgend, eine Schülerfeier ab. zu der sich auch die angesehenen Mitglieder der jüdischen Ortsbevölkerung einfänden. Die Schüler wurden mit Früchten beteilt. Auch an dieser Anstalt wurde ein Abendkurs für Erwachsene errichtet, der im Durchschnitt von 36 Hörern besucht wird. 'Olesko a. D. (Bez. Zloczow, 3520 Ew., 770 Juden.) Unter den zwei im vorhergehenden Verwaltungsjahre ins Leben gerufenen Schulen machte uns, wie wir bereits in unserem vorjährigen Berichte schilderten, namentlich die Schule in Olesko viel zu schaffen. Eine fanatisch gesinnte chassidische Bevölkerung, die den Wert der Schule nicht zu ermessen vermochte, suchte unter dem Einflüsse des chassrdischen Wunderrabbi von Olesko mit allen erdenkbaren Mitteln die Begründung der Anstalt zu verhindern. Leider fanden unsere Gegner anfangs ein williges Ohr bei den Behörden, so daß die Eröffnung der Schule erst am 6. Dezember 1909-erfolgen konnte. Nichtsdestowss niger hatte die Anstalt bereits im ersten Jahrs ihres Bestandes einen vollständigen Erfolg zu verzeichnen und konnte mit Beginn des heurigen Schuljahres ihre Tätigkeit ungehindert aufnehmen. Die Schule wurde wiederholt vom k. k. Bezirksschulinspektor Herrn Niedzwiecki visitiert, der seine volle Zufriedenheit mit dem erzielten Resultate ausdrückte. Außerdem steht dis Anstalt unter der fortwährenden Kontrolle des Herrn Kreisschulinspektors Wilhelm Engländer. Am 8. Juli 1910 fand in Anwesenheit des Obmannes des. Ortsschulrates von Olesko und des Schulleiters der öffentlichen Schule in Olesko, sowie des Obmannes unseres dortigen Schulkomitees Herrn Apotheker Rothenberg sine feierliche Schluß- Prüfung statt. Die Schüler wurden aus den Unterrichtsgegenständen Relrgionslehre. Polnisch, Deutsch und Rechnen geprüft und wurden sodann mit Prämien beteilt, die von uns zur Verfügung gestellt wurden. Die Prämien waren Gebetbücher, wie sie in orthodoxen und