Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 310 Dr. Blocks Wockenfchrfft Nr 19 der Kultusgemeinde einen Kredit bis zu 4000 Kronen für die Zwecke der Ausstellung erwirkten. Als eifriger, verständnisvoller Mitarbeiter verdient genannt zu werden Herr Dozent Dr. Elbogen in Berlin, dessen Bemühen es zu danken ist, daß das Berliner Lokalkomitee die Kosten für die Dresdener Lokalbedürfnifse der Ausstellung deckte. Die Herren Dokior Braun, Guttmann—Breslau, Dr. Feuchtwanger —München, Dr. F i n k—Hamburg bekundeten nicht minder reges Interesse. Herr Direktor Ephraim Cohn beaufsichtigte die Anfertigung der in Jerusalem hergestellten Modelle. In Amerika übernahm Herr Prof. G. Deutsch, in Italien Herr Dr. Morpurgo—Padua die Vertretung. Aus Padua trafen auch die ersten Ausstellungsgegenstände ein. Finanziell unterstützten das Unternehmen: außer Wien, die Gemeinden Budapest, Frankfurt a. M., Breslau, Hamburg, Hannover, Magdeburg, Brünn u. a., ferner einige Vereine, ebenso Frau Dr. Rosa H e r s ch in Meran und Herr Kommerzienrat B. Hirsch in Halberstadt. Ausstellungsgegenstände stellieu auch die Gemeinden Wien, Worms u. a. — Herr Sandor Wolf, Wien, das jüdische Museum Wien, die Chewra-Kadischa Prag. — Herr Hugo Bondi, Frankfurt a. M., Die Frankfurter jüdische Gemeinde. — Herr Dr. Weissenberg, Elisabethgrod u. a. Als bleibendes Denkmal an diese Ausstellung erscheint in den nächsten Wochen im Aufträge der historischen Abteilung im Verlage der Firma Singe r-Drcsden, von Dr. G r u n w a l d herausgegeben, ein Werk „Hygiene der Juden" mit folgenden Beiträgen: Dr. Grunwald: Zur Einführung (Einfluß der Hygiene der Juden auf die spätere und neueste Zeit). — Dr. Baneth- Berlin: Das jüdische Ritualgesetz im Lichte der Hygiene. — Dr. P. Münz: Die Hygiene der jüdischen Speisegesetze. — Dr. Freimann (Frankfurt), Seligmann (Amsterdam) und W. Z e i t l i n (Leipzig): Die Bibliographie der jüdischen Hygiene^ — Dr. Nordheimer (Schwetz): Urteile über die Hygiene der Juden. — Dr. B amberg e r (Wandsbeck): Die Beschneidung. — Dr. Felix Theilhaber (München): Statistik und Hygiene der Juden. — ,Dr. Haase (Wien): Die jüdische Wohlfahrtspflege als Beitrag zur Geschichte der Sozialhygiene., — Dr. Weißenberg: Hygiene in Sitte und Brauch der Juden. — Dr. Grunwald: Hygiene der Bibel. — Dr. Rosenthal (Berlin): Hygiene bei Philo und Josephus. — Dr. S. Funk (Boskowitz): Hygiene im Talmud. — Dr. Kroner (Oberdorf): Maimonides als Hygieniker.' — Wellesz (Budapest): Hygiene in den Responsen. — Dr. Bamberger (Schönlanke): Hygiene im Schulchan aruch. — Dr. Artom (Florenz): Jsaac Judaeus. Dr. Dienemaun (Ratibor): Jüdische Hygieniker vom XVI. bis XIX. Jahrhundert. — Dr. Fink (Hamburg): Die jüdischen Hygieniker des XIX. Jahrhunderts. — Dr. Dienemann (Ratibor): Hygiene im jüdischen Sprichwort u. a. m. Die jüdische Abteilung auf der Dresdener Internationalen Hygiene-Ausstellung gereicht dem Judentum zur Ehre und dürfte auch der jüdischen Wissenschaft eine Bereicherung bringen. Hochachtungsvoll Dr. M. L.Bamberger (Schönlanke). Der Wahlaufruf der Christlich Sozialen. Die Geßmannpartei hat nun ihren Wahlaufruf veröffentlicht. Man darf wohl behaupten, daß es bei ihr bald zu einem Notruf kommen wird. Das „Deutsche Volksblatt" sagt selbst, daß der Wahlaufruf sehr schwach und nichtssagend ist und die Wähler nicht anlockeu kann. Mau müßte ja auch von der Intelligenz der Bevölkerung die allergeringste Meinung haben, wenn sie dem christlichsozialen Gewäsch noch immer Wahrheit und Bedeutung beimessen sollte. Mit dieser Lügeusumme an unerfüllbaren Versprechungen, wie sie der Wahlaufruf enthält, kann mau wohl nicht lange mehr Politik machen. Die Bürger lernen an ihrem eigenen Leibe, daß man nicht zugleich deu einen Stand und zugleich seinen ärgsten Feind vertreten kann. Die Chris(lich-Sozialen aber sind der politische Hans Dampf in allen Gassen. Sie schützen die städtischen gegen die agrarischen und die ländlichen gegen die städtischen Interessen; sie retten das Gewerbe und organisieren das Proletariat gegen die Meister; sie ziehen Zünfte groß und wollen den Unternehmungsgeist beflügeln; sie sind deutschnational mit versöhnlicher Haltung. Sie wollen die erbittertsten Gegensätze mit einander versöhnen, obwohl daran nicht zu denken ist. Hätten sie gesehen, daß ein großer Teil der Bevölkerung den Manu im Mond verlangt, so hätten sie in ihrem Wahlaufruf den Mann im Mond versprochen. Aber man hot diese Hatzl- und N'potenp.rrtei schon gründlich durchschaut. Hat gesehen, daß es ihr nicht einsällt, die Wünsche der gefoppten Wählerschaft auch wirklich zu erfüllen. Der Steuerdruck, die Teuerung, die wirtschaftlichn Verhältnisse sind unter ihrem Regime, unter dem Schellengeklingel ihrer hohlen Versprechungen immer nur noch ärger geworden. Dies nicht nur im Staat sondern auch in der Stadt, wo sie allein an der Macht sind. Etwas allerdings haben sie wirklich durchgeführt. Fast alle ihre Führer haben sich heimlich oder öffentlich schwer bereichert, haben Stofs zu Korruption^Prozessen geliefert oder leben von Mangel au Beweisen. Die Herren wollen „christlich" sein und predigen der sündigen Welt Moral und gute Sitte. Man soll sich aber die Herren einmal genauer ansehen. Von Herrn G e ß m a n n und .verrn Biehlolawek brauchen wir nicht zu reden. Wie aber sind die andern? Da ist einer ihrer Männer Herr Anton Nagler, Realitäten-, Haus- und Hotelbesitzer, III., Rennweg 59, Gemeinderat, Landtagsabgeordneter und seit einigen Tagen kaiserl. Rat. Seinen Wohlstand und seinen Reichtum verdankt er der Tatsache, daß sein Hotel ein Absteigquartier mit Stundeuzimmer ist. Da ist aber ein zweiter. Hans H u s ch a u e r, III., Ungargasse 2, Gemeinderat, Ortsschulrat, Armenrat und Hausbesitzer, war bis vor kurzem Eigentümer des berüchtigten Stundenzimmer-Hotels „Zur Goldspinuerin", welches er an eine tschechische Bank verkaufte und welche am selbrn Platze unter der gleichen Bezeichnung ein neues Stundenhaus hingebaut hat. Er besitzt außerdem im III. Bezirke, Sechskcügelgasse ein anderes Stundenhotel, wo er sich, wie seine anderen Parteigenossen, von diesem Geschäfte bereichert hat. Ferner Johann Saue r, Hotel Pfadenhauer, Hausbesitzer, Bezirksrat, XIII/2, Lainzerstraße 105, ebenfalls Besitzer eines Stundenzimmerhauses. Dann Karl Wimberger, Gcmeinderat, Hotel- und Hausbesitzer, VII., Neubaugürtel 34—38. Was in seinem „berühmten" Lokal während der Faschingszeit getrieben wird, ist aus der Affäre Gr eg orig bekannt, die ja auch im Reichsrat geleg ntlich zur Sprache kam. Die Großpächter des „Christentums" und der „Sittlichkeit" nähren sich redlich von der Unzucht. Dafür hat aber ihr Kollege Gemeinderat Karl W e t t e n g e l an den nackten Figuren bei einem Brunnen Anstoß genommen und seine Empfindlichkeit für die öffentliche Moral bekundet. „Sie alle trinken heimlich Wein uud predigen öffentlich Wasser." Und wenn sie in ihrem Wahlaufruf, diesem billigen Wunschzettel für alle Stände und Berufe, heuchlerisch sagen: „Jedem das Seine", so sollten sie das fortsetzen mit dem Ausdruck: „Und alles für uns". Die Fabrikanten des Wahlaufrufes waren aber heuer nicht in guter Stimmung bei der Arbeit. Das sieht man aus dem ganzen Stil ihrer Dutzendware. Die Verfasser bringen nicht mehr den Schwung und den Mut auf, mit ihren alten und abgestandenen Phrasen immer wieder vor die LXffentlichkeit zu treten. Was sie tatsächlich wollen und womit sie sich beschäftigen, das hört man nicht etwa im . Parlament sondern im Gerichtssaal, wenn einer von ihnen von der Krippe verdrängt worden ist und sich das nicht gefallen lassen will. Es gibt keine schärfere Charakterisierung einer Partei, als daß ihre Führer Millionäre geworden sind.