Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 19 (12.5.1911)
- Date
- 1911-05-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr 19 Dr. Bloch’s I«hrs«ng XXVIII Zentralorgan für die gesamten Ilnteressen des Zudentums. - - —üo? U. ft. Poflsparftast°rnsnrk Slearing-Verkebr Mr. 810.976. Redaktion und Administration: p Virn IX/i, Hahugaffe Nr. 15. Telefon Nr. 14.847. p nO —Qo -□:_zzzn- Wim, 12. Mai 1911 Erscheint jeden Freitag. Brief-Adresse: Wie», ix/i, Hahngaffe 15. * Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. Oü' '=- =t)0 p Dexrlgsprris für Vrstrrreirst: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für's Nuolnnd: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 4malgespaltene Petilzeile 24 Heller. <1, oP -Oo ———— Inhalt: Leitartikel: Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911. — Der Wahlaufruf der Christlich-Sozialen. — Die Juden und die Armee. — Die galizischen Schulen der Wiener Jsraeltischen Allianz. — Zur Naturgeschichte des Wiener Zionismus. — Korrespondenzen: Eine jüdische Ehrensache. Taufjüdische Kandidaturen in Galizien. Die Taufexzesse der Felizianerinnen. Karlsbad. Major Wolf Bardach von Chlumberg gestorben. Agram. Berlin. Rabbiner Dr. Rudolf Ungerleider—Berlin. Abnahme der jüdischen Bevölkerung in Rumänien. Der neue Generalprokurator am Kassationshof in Rom. Auszeichnung des Oberrabbiners von Kreta. Präsident Falliöres und die Juden von Tunis. Ein jüdischer „Vize-König" in Egypten. Die Juden in Spanien. Vermischtes. — Feuilleton: Die Entstehung der Judengemeinde von Saloniki. Der König von Italien und das Minjan. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Internationale Hygiene-Ansstellnng Dresden 1911. Sehr geehrter Herr Redakteur! Unter dem ersten, ohne Uebertreibung überwältigend zu nennenden Eindrücke der Internationalen Hygiene- Ausstellung in Dresden möchte ich Ihnen meine besondere Genugtuung über die Schöpfung eines Wiener Juden aussprechen, dem die historische Abteilung zwei der interessantesten Gruppen verdankt. Beim Betreten dieser Abteilung fällt sogleich linker Hand die vom Professor Jfidor Kaufmann geschaffene Sabbatfiube aus dem Wiener Jüdischen Museum auf. Um dieses ergreifende Milieu gruppieren sich herrliche Modelle des Wiener Ghettos um 1420, des rituellen Schächtens und Schächtverfahrens, der jüdischen Fleischbehandlung, der Leichenwaschung usw., ausgeführt vom Bildhauer Geza Sos in Wien, eine Fülle des Anregendsten und Wirkungsvollsten. Umrahmt wird die Gruppe von hygienischen Leitsätzen aus dem altjüdischen Schrifttum, meisterhaft illustriert von der Hand der Wiener Malerin Frau Dr. Marianne Hitschmann. Ein zweiter Saal ist der Hygiene der Bibel gewidmet. Auch hier wird alles, was aus jener alten ehrwürdigen Zeit an hygienischen Einrichtungen zu verzeichnen ist, in Modell, Bild und Schrift mustergiltig, vorgeführt. Der Katalog (von Herrn Geheimrat Professor Sud ho ff) spendet diesen beiden Gruppen das höchste Lob. Der Schöpfer des Ganzen ist Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d aus Wien und die Wiener Israelitische Kultusgemeinde steht in erster Reihe unter denen, die dieses Werk, einen wahren Liääiiseli Haschern, durch Beistellung der finanziellen Mittel ermöglicht haben. Am 30. November 1906 erhielt Dr. Grunwald von dem Vorstande der historischen Abteilung in den schmeichelhaftesten Ausdrücken eine Einladung, die Geschichte der Hygiene bei den Juden auf der Ausstellung zu vertreten. In Dresden wurde anerkannt, daß hier die Schwierigkeiten vor allem in der Darstellbarkeit liegen. Denn es existieren keine bildlichen oder plastischen Reste vergangener Zeiten wie bei anderen Völkern, die an hygienischen Maßnahmen und Gepflogenheiten lange nicht so reich gewesen find. Angesichts der Bedeutung des Unternehmens für die Verbreitung der Kenntnis des jüdischen Volkslebens und Würdigung der jüdischen Religionsvorschriften sagte Dr. Grunwald zu. Er entwarf einen Plan, der mit Begleitbrief an alle jüdischen Gemeinden, Verbände, Museen, an Privatinteressenten versendet wurde. Neben Altertum und Mittelalter war auch die Neuzeit darin vertreten. Dr. Grunwald betonte aus sachlichen Gründen die Notwendigkeit, diese drei Teile im Zusammenhänge darzustellen, da die im israelitischen Altertum wurzelnden hygienischen Einrichtungen doch in ihrer späteren historischen Entwicklung bei den Juden durch alle Etappen vorgesührt werden müßten. Im Einverständnis mit der Ausstellungsleitung wurden im Jänner 1910 die Programme und Einladungen zur Beteiligung an alle in Frage kommenden Adressen verschickt. Unter Billigung der Leitung wurden auch Leitsätze hygienischen Charakters aus Bibel, Talmud, Maimonides und Schulchan aruch kalligraphisch dargestellt und nach jüdischen Motiven illustriert. Bei der Auswahl der Sprüche standen die Herren Doktoren Bamberger (Schönlanke), Deutsch (Breslau), Funk (Boskowitz) und P e r l s (Pees) zur Seite. Um den einheitlichen Zusammenhang der Gruppe zu wahren, wollte Dr. Grunwald einen eigenen Pavillon für die Ausstellung (das dafür in Aussicht genommene Gebäude war bereits vorhanden). Doch mußte infolge der Lauheit und mangelnden Unterstützung auf jüdischer Seite davon Abstand genommen werden. Eine hcrvorragende Persönlichkeit der englischen Judenheit erklärte, die Ausstellung sei doch eigentlich Sache der deutschen und österreichischen Juden, England, beziehungsweise die englische Regierung hat sich anfänglich der gesamten Ausstellung gegenüber ablehnend verhalten. Eine bekannte amerikanische Größe lehnte ebenfalls nach einer anfänglichen Zusage unter nichtigem Vorwand ab. Ebenso Paris, das Ausstellungsmüdigkeit vorschützte. Die großen jüdischen Verbände erklärten sämtlich, kein einschlägiges Material zu besitzen. Hohes Verständnis und teilnahmsvolle Förderung fand das Unternehmen bei der jüdischen Fachpresse aller Länder — mit Ausnahme jener Organe, welche lediglich einseitigen Parteiintereffen dienen. Besonders hervorgehoben zu werden verdient das Interesse der Mischen Gemeinde zu Wien, deren Präsident Dr. Alfred Stern und Vizepräsident Hofrat Dr. Rappaport durch ihr warmes Eintreten bei