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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-05-05 · 18 (5.5.1911) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 308 Gabe ist uns willkommen und wird dankbar entgegengenommen Die Spenden und Spender werden veröffentlicht. Geldsendungen sind zu richten an dasSynagogen- Komitee zu Händen desObmannes JosefBader, Dukl a, Galizien. Oderberg. Unser sonst so stiller Ort wurde am Ostersonntag dieses Jahr durch eine angenehme Ueberraschung aus seiner Lethargie aufgerüttelt. An diesem Tage veranstaltete nämlich der Hiesitte Verein „Zion", an dessen Spitze der äußerst rührige und umsichtige Herr Josef Zänker steht, einen Unterhaltungsabend, welcher in allen Teilen äußerst gelungen bezeichnet werden muß. Die Idee zu dieser Veranstaltung, welche im „Hotel Austria" stattfand und der in regelmäßigen Abschnitten, wie wir hören, noch weitere folgen sollen, entsprang der Initiative sowohl des Herrn Josef Zänker als auch des Herrn Goldschläger. Nach einer beifällig aufgenommenen Begrüßungsrede des Herrn Josef Zänker, Obmann des „Zion"- Vereines, sowie nach einer Ansprache des Herrn Goldschläger, die gleichfalls äußerst freundlich ausgenommen wurde, hielt Herr Med. Zänker aus Wien einen Vortrag, der von rauschendem Applaus begleitet war. Sodann begann der unterhaltende Teil des Abends und es eröffnete den Reigen Herr Vereinsschriftführer Adolf Stöffel mit dem Vortrage von Kuplets, welche beim Publikum die angenehmste Stimmung auslösten. Hierauf erfreuten uns Klaviervorträge des Herrn Haas und Fräulein Peppi Wieder, die auch ein Lied mit geschulter und angenehmer Stimme zum Vortrag brachte. Fräulein Goldman«, eine jugendliche Tochter des beliebten Oberkantors Goldman«, trug in formvollendeter Weise einige Gedichte im Jargon vor. Auch Herr Oberkantor Goldman« stellte sich, wie immer, bereitwillig in den Dienst der guten Sache und erfreute uns durch den Vortrag eines humoristischen Kuplets in jüdischer Mundart. Ein Sohn des hiesigen.Kaufmannes Wellisch rezitierte ein schwieriges Gedicht von Lenau und erntete viel Beifall. Herr Stöffel und nach ihm der Obmann Herr Josef Zänker unterhielten das Publikum durch Vortrag interessanter Gedichte und fanden selbstverständlich minutenlangen, frenetischen Beifall. Nagy-Kanizsa. Hochgeschätzter Herr Redakteur! Im Vertrauen darauf, daß Sie in Ihrem geschätzten Blatte gerne Raum für eine gute Sache finden, bitte ich um Aufnahme dieser Zeilen. „Llors rabdoed L'wors aedomajim!“ Dieser schöne Spruch unserer Weisen findet seine Betätigung in dem von einem Komitee dankbarer Schüler gezeichneten Aufruf für die Errichtung eines Denkmale« für weiland Adolf Eichberg, Direktor der Handelsschule in Nagy-Kan'zfa. Männer aus allen Ständen, darunter solche, auf welche wir Juden stolz sein können, die in Wien und im Auslande in großen Stellungen sind, verdanken dem verdienstvollen Lehrer einen großen Teil ihrer kaufmännischen Bildung. Viele Adresse» können nicht ermittelt werden und so hoffe ich, daß unter Ihren Lesern sich manche von selbst als dankbare Schüler melden und dem Komitee ihr. kleines Schär flein zu dem Akt der Pietät einsenden werden. Das Komitee ist u. a. gezeichnet von: Zalai Baronyi Ede, Budapest, Bettelheim Siegfried, Nagy- Kanifza, Baron Ludwig Döczi, Sektionschef, Budapest, Heinrich Griinhut, Obmann des Komitees, Großhändler, Nagy-Kanizia. kö ngl. Rat Baron Vilmos v. Gutmaun-Gelse, Budapest, Moriz Halphen, Privatier, Nagy-Kanizsa, Knortzer Georg, Sparkassa-Mrektor, Nagy- Kanizsa, Adolf Löwy. Privatier, Nagy-Kanizsa. Josef Lugofi, Bankdtrektor, Budapest, Moriz Reichenfeld, Bankdirektor i. P., Wien, Samu Rothschild, Großhändler, Nagy-Kanizsa, Richard Rosenberg, Brauhausdirektor, Nagy-Kanizsa, Dr. Sigmund Schwarz, Advokat, Keszthely, Ignaz Stern, k. k. Hoflieferant, Wien, Tripammer Julius, Direktor der Sparkassa, Nagy-Kanizsa usw. L. W. Tacha«. (Synagogenbrand.) Am Freitag den 28. v. M. brach in der Synagoge in Tachau ein verheerender Brand aus, der die ganze Judengasse vernichtete und die altehrwürdige Synagoge in einen Trümmerhaufen verwandelte,, es konnte n/chts gerettet werden, die Thorarollen und sämtliche kostbare Tempelgeräte verbrannten. Ohne werktätige Hilfe seitens der auswärtigen Glaubensgenoffen wird es der Kultusgemeinde nicht möglich sein, den Tempel aufzubauen, da dieselbe ohnehin verschuldet ist und auch der verheerende Brand sämtliche Gemeindehäuser verwüstete. Herr Oberkantor Josef Schön und seine Familie konnten blos das nackte Leben retten, es blieb ihnen blos das, was sie am Leibe hatten. Auch Herr Rabbiner Dr. Wohl erleidet einen großen Schaden, da bei dem plötzlichen Umsichgreifen des Feuers an ein Retten und Bergen von Fahrnissen nicht zu denken war. Berlin. Einer der ältesten und angesehensten jüdischen Theologen Berlins, Rabbiner Dr. R. U n g e r l e i d e r, ist am 19. v. M., nachmittags, nach langem Leiden im Alter von 77 Jahren gestorben. Dr. Ungerleider, ein geborener Ungar, wurde nach dem Tode Abraham Geigers von Rawitsch in Posen, wo er als Rabbiner tätig war, Anfang der achtziger Jahre an die jüdische Gemeinde in Berlin berufen, wo er als Kanzelredner sehr beliebt war. Als Mensch ein edler Charakter, ein Seelsorger von großer Gewiffenhaftigkeit und steter Hilfsbereitschaft, genoß der Verblichene nicht bloß im Kreise seiner Gemeinde, sondern bei allen, die ihm je einmal näher traten, hohe Verehrung. Vor etwa zehn Jahren ließ sich Ungerleider pensionieren. Eine eingehende Würdigung des Entschlafenen behalten wir uns vor. Berlin. Anläßlich der Aufstellung des Grabsteines für den verewigten Schriftsteller M. A. Klausner veranstaltet die Deutsche Conferenz-Gemeinschast der Alliance Jsraelite Universelle am Sonntag den 7. Mai, vormittags 12 Uhr, auf dem Friedhofe in Weißensee am Grabe des Entschlafenen, Feld Ul, eine Gedenkfeier. Berlin. (R a b b i n e r w a h l.) Herr Dr. Herbert Aschkenasy, ein Schwager des Wiener Hof- und Gerichtsadvokaten Dr. Siegfried Halberstam, wurde von der Verwaltung der „Jca" zum Großrabbiner der jüdischen Kolonien in Argentinien, mit dem Amtssitze in Buenos-Aires bestellt. Herr Dr. Aschkenasy, ein Schüler des Berliner Rabbinerseminars, genießt den Ruf eines tüchtigen jüdischen Theologen und Talmudgelehrten. Feuilleton. Zwei Mette«. Nach dem Jüdischen des David Pin 8 ki. Von I. W. Sie legte ihre Hände auf seine Schultern und fragte sanft: „Liebst du mich wirklich, Benjamin?" Er senkte sein Buch, wandte sich zu ihr: „Mein Lieb!" — „Und möchtest du mir auch jede Bitte erfüllen?" — „Durch Wasser und Feuer, Leah!" ,^Gut denn", lachte sie. „Mutier möchte das neue Pefsachgeschirr reinigen: sie werde es sonst nicht anrühren. Willst du es zum Fluß nehmen?" — „Schicke mich lieber durch Waffer und Feuer, Leah!" „Aber eine solche Kleinigkeit. Wen denn sollte sye sonst darum bitten. Du bist doch der einzige Mann im Hause", und sie preßte ihre heißen Lippen auf die seinen. Er befreite sich aus ihrer Umarmung und rief aus: „Das geht doch zu weit. Ich werde das Geschirr nicht reinigen. Wie möchte das ausschauen — ich, das Geschirr im Flusse waschen! Solche Dummheiten! Ich werde es nicht tun!" „Dann will ich nie wieder mit dir sprechen", und sie iverließ das Zimmer ärgerlich. Benjamin brummte „Solche Dummheiten!" und kehrte wieder zu seinem Buche zurück. Leahs Mutter betrat das Zimmer und sagte zu ihm ängstlich: „Möchtest du mir nicht das neue Geschirr im Flusse reinigen, Benjamin? Es sind ja nur ein paar Schritte von hier". Er gab ein kaltes „Nein" zur Antwort. „Aber es muß doch irgendwie getan werden!" — „Schicke doch, wen du willst!" Ihre Stimme zitterte: „Wen soll ich schicken? Lebte dein Schwiegervater noch, ich würde dich nicht darum bitten", und ihre Augen füllten sich mit Tränen. Benjamin meinte: „Warum schickst du nicht denSchammes; der macht dir es gern für ein paar Kopeken".Sie trocknete eine Träne, als sie sagte: „Einen Mann im Haus und den Schammes schicken; dein Schwiegervater hätte das nicht getan". Benjamin rief erregt aus: „Das ist nur eine Dummheit — dieses Geschirrwaschen im Flusse. Ich werd's nicht tun und damit basta!" ging zum Fenster und sah auf

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