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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-05-05 · 18 (5.5.1911) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Bkochs Wochenschrift Sette 803 Proteste russischer Jndengemeinden gegen den Ausschluß der Juden aus dem Militärdienste. Die bekannte Resolution der Dumakommisfion für Landesschutz, wonach Juden aus dem Militärdienste ausgeschloffen werden sollen, hat unter den Juden Rußlands begreiflicherweise die größte Erbitterung hervorgerufen. Viele Judengemeinden faßten Protestbeschlüsse gegen diese erniedrigende Resolution. Die kräftigste und wegen der Unterschriften, die sie trägt, auch interessanteste Protestkundgebung hat die Judengemeinde von Kursk an den Dumadeputierten dieser Stadt, der der Nationalistenpartei angehört, gerichtet. Sie lautet: „Wir find überzeugt, daß die Mitglieder der Kommission durch die Verleumdungen auf die jüdischen Soldaten irregeführt wurden. Jeder treue Untertan ist verpflichtet, die schädlichen Elemente von der Armee fernzuhalten. Aber es ist die Frage ob die Juden ein solches schädliches Element bilden. Wo find die Tatsachen, die Beweise für eine solche Behauptung? Anstatt Tatsachen sehen wir nur Verleumdungen. Haben die Juden nicht zusammen mit den Christen für Kaiser und Vaterland gekämpft? Sind etwa nicht genug Juden auf den Schlachtfeldern gefallen? Haben nicht Juden genug militärische Auszeichnungen erhalten? Mit unserem verletzten patriotischen Gefühle protestieren wir gegen die Verleumdungen und den Schimpf die gegen uns geplant werden. Wir können nicht schweigen, wenn man die Absicht kundgibt, für uns Juden den Militärdienst durch eine Militälsteuer zu ersetzen, denn es ist Pflicht eines Jeden, das Vaterland zu verteidigen, und die Juden haben stets dem Vaterlande und dem Staate gegenüber ihre Pflicht erfüllt." Diese Kundgebung trägt die Unterschrift von 136 Kursker Juden, durchwegs Söhne und Enkel von jenen heldenmütigen „Nikolajewer" Soldaten, die wegen ihrer Tapferkeit und ihres Opfermutes die volle Freizügigkeit in ganz Rußland erhalten hatten. Die Gesellschaft zur Verbreitung wahrer Mitteilungen über die Juden. In Moskau existiert seit fünf Jahren eine Gesellschaft zur Aufklärung über Juden und Judentum. An der Spitze der Gesellschaft stehen die Herren H a r k a n y, Rabbiner M a z e, Dr. Tschlenon und alle angesehenen jüdischen Kaufleute und Intelligenten von Moskau. Aus dem soeben veröffentlichten Tätigkeitsbericht über das abgelaufene Jahr wird bekannt, daß die Gesellschaft in Moskau, Samasa, Kowno und andere Städte Vorlesungen gehalten, eine Broschüre von Profeffor K m a l e w s k i: „Wie wurde in Westeuropa die Judenfrage gelöst?" verbreitet hat. Unter den Schriften, welche die Gesellschaft verbreitete, befindet sich auch S o m b a r t's Broschüre : „Der Anteil der Juden an der heutigen Industrie." Im Ganzen hat die Gesellschaft im letzten Jahre 18.000 Broschüren und Bücher verteilt. Ueberdies hat die Gesellschaft in Moskauer Zeitungen wiederholt unrichtige Berichte über Juden und Judentum richtiggestellt. Finnländische Judengesetzgebung. Vor einigen Tagen veröffentlichte die Kanzlei der russischen Reichsduma das Material zur Gesetzesvorlage über die Gleichberechtigung aller russischen Untertanen in Finnland. Es enthält unter anderem auch eine Stelle über die Juden in Finnland. Diese Ausführungen haben augenscheinlich den Zweck, nachzu- . weisen, daß die Finnländer die mit der ungerechten Haltung Rußlands ihnen gegenüber unzufrieden sind, selbst ihren eigenen Juden gegenüber stets intolerant waren. Das Material aber hingegen, das zur Bekräftigung dieser Bemerkung angeführt wird, beweist jedoch das gerade Gegenteil. Alle Begrenzungen betreffend die finnländischen Juden wurden nicht von den Finnländern selbst, sondern entweder noch zur Zeit der Herrschaft der Schweden oder unter dem Drucke der russischen Regierung im vergangenen Jahrhundert geschaffen. Von den 28, die Juden betreffenden Dokumenten in dieser Materialiensammlung find vier Edikte von schwedischen Königen, darunter auch „Das jüdische Reglement", das im Jahre 1782 herausgegeben wurde. Die übrigen Rechtsbegrenzungen stammen alle ans der Zeit der russischen Herrschaft und find die Folge eines Hochdruckes von Petersburg aus. Das einzige Judengesetz, das der finnländische Landtag geschaffen hat, ist eigentlich keine neue Rechtsbegrenzung, sondern eine wenn auch recht schwache Erleichterung bereits bestehender Judengesetze. Es kann wohl nicht gesagt werden, daß der finnländische Landtag in seiner Majorität allzugroße Anstrengungen gemacht hatte, die bestehenden ungerechten Judengesetze aufzuheben, aber immerhin machte sich stets die Tendenz fühlbar, die Nachteile dieser Gesetze zu verringern. Mischehen zwischen Jude» und Indianern. Nirgends gibt es so viele Mischehen zwischen Juden und Nichtjuden, wie in Amerika. Während jedoch bisher solche Mischehen bloß zwischen Juden und Christen geschloffen wurden, mehren sich jetzt die Fälle von Mischehen zwischen Juden und Farbigen. Dieser Tage ereignete sich jedoch im Kausas der erste Fall einer regulären Mischehe zwischen einem Juden und einer Indianerin. Der Mann heißt Majer Rufner und stammt aus Galizien. Jntereffant ist, daß Rufner, der in seiner alten Heimat dem Talmudstudium oblag, einfach erklärt, in dieser Ehe mit seiner kupferfarbigen Frau keine Mischehe im landläufigen Sinne zu erblicken, da er sich als einen überzeugten Anhänger der Theorie bekennt, daß die Indianer von den verloren gegangenen zehn israelitischen Stämmen abstammen. Dcrmiecbted. Wien. (Generalversammlung der Israelitischen Allianz.) Die 38. ordentliche Generalversammlung der „Israelitischen Allianz zu Wien" .findet am Mittwoch den 10. Mai um 6 Uhr abends im Saale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 4, 2. Stock, mtt folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vereines im Jahre 1910; 2. Bericht über die finanzielle Gebarung im Jahre 1910; 3. Wahl von fünf Vorstandsmitgliedern mit vierjähriger Funktionsdauer, ferner Genehmigung der Kooptation von zwei Vorstandsmitgliedern mit einjähriger Fuuktionsdauer; 4. Etwaige Anträge der P. T. Mitglieder (§ 8 der Statuten). Der Eintritt in das Versammlungslokal ist nur gegen Vorweisung der auf Namen lautenden Einladungen gestattet. Wien. Das Mai-Avancement bringt unter anderem, daß der Regimentschefarzt Dr. Sündor Kanizsay in Effegg Sohn des in weiteren Kreisen hochgeschätzten Profeffor Leon Kartschmaroff, Oberkantor in Nagy-Kanizsa, der im November v. I. mit Signum laudis Allerhöchstens ausgezeichnet, zum Stabsarzt ernannt wurde. L. W. Wien. Samstag den 6. Mai 1911, abends 8 Uhr, findet im Hotel Guth, II., Stephaniestraße die XI. ordentliche Generalversammlung des jüdischen Frauenwohltätigkeitsvereines „Zuflucht" statt. Wie». Der israelitische Wohltätigkeits- und Krankenunterstützungsverein „Mazmiach Jeschua — Hilfe und Heil" (Wien, II., Leopoldsgaffe 29) hält Sonntag den 7. Mai 1911 um 3 Uhr nachmittags im Sitzungssaale der Synagoge, II., Leopoldsgaffe 29, seine ordentliche Generalversammlung ab. Wien. Die XV. ordentliche Generalversammlung des Talmud-Thora-Vereines für die westlichen Bezirke Wiens findet Sonntag den 7. Mai 1911 um 11 Uhr vormittags im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, Wie», XV.. Turnergaffe 22, statt. Wien. Die Prüfungen an der Bibelschule in Währing finden Sonntag den 7. Mai l. I. um 10 Uhr vormittags im Kultusbezirksamte, XVIII., Schopenhauerstraße 39, statt. Wie«. Die Generalversammlung des israelitischen Hilfsvereines „Maskil el Dol" für die westlichen Bezirke Wiens findet Sonntag den 7. Mai 1911 um 10 Uhr vormittags im Sitzungssaal der israelitischen Kultusgemeinde, Wie», XV., Turnergaffe 22, statt.

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