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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-05-05 · 18 (5.5.1911) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
18 (5.5.1911)
Date
1911-05-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Bkochs WochenMrift Seite 39V Gehorsambste beybringung von uns Johann Felir Zieletzky Freyherrn von Potschenitz undt Marrmiliana Verwittwete Freyn Zieletzkyn gebohrne Freyn von löwenthurm. - in pto deren Jüdischen beschwärde wegen des nutzerer Weffeler Judenschaft umv ihr Neues Jahr verhindert sollendes hornblassens. ut intus. Korrespondenzen. Die Jahrhundertfeier Dr. Ignaz Kuranda s. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Kultusborstandes am 3. Mai 1911. Dienstag am 2. Mai feierte die israelitische Kultusgemeinde den 100. Geburtstag ihres verewigten Präsidenten Dr. Ignaz Kuranda in einer öffentlichen Plenarsitzung des israelitischen Kultusvorstandes. Im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde hatten sich außer den drei Söhnen des verewigten Parlamentariers Ministerialrat Kamill Kuranda, Kultusvorsteher Dr. Athur Kuranda, Bankdirektor Felix Kuranda und der einzigen Tochter Olivia Kur anda, ihrer Familienangehörigen, näheren Verwandten und Freunden auch sämtliche Mitglieder des Kultusvorstandes, Vertreter aller großen jüdischen Organisationen, zahlreiche Mitglieder aus den besten Kreisen der jüdischen Gesellschaft eing-funden. Der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern würdigte das Andenken Ignaz Kurandas mit folgender Rede: Rede des Präsidenten Dr. Alfred Ster». Wir haben uns zu einer Gedächtnis- und Geburtstagsfeier versammelt. Es jährt sich nach jüdischer Zeitrechnung heute am 4. Jjar zum hundertsten Male der Geburtstag des Mannes, dessen lorbeerbekränztes Bild hier auf uns niederblickt, des einstmaligen Präses unserer Kultusgemeinde, Dr. Ignaz Kuranda. Wenn wir unseren Friedhof besuchen, so treten wir gleich beim Eingänge rechts in der Hauptallee drei Ehrengräbern gegenüber. Eines der Grabmonumente trägt als Inschrift das Prophetenwort: „Seine Ruhestätte ist und wird sein die Ehre" und dieses Wort unseres Propheten Jesajas würde passen als gemeinsame Inschrift über die Grabhügel der drei Männer -ii 2 nrvm, welche vor mehreren Dezennien gleichzeitig in unserer Gemeinde walteten: Kuranda, Josef Wertheimer, Kompert. Eine Sternentrias, deren Licht hell leuchtete in unserer Judenschaft, in unserem Vaterlande Oesterreich und weit hinaus über dessen Grenzen. Wenn wir heute Kuranda's gedenken, so kann ich es nicht als meine Ausgabe erachten, hier über seine an literarischen und politischen Erfolgen so überaus reiche Tätigkeit zu berichten. Die Besprechung der schriftstellerischen und politischen Tätigkeit Kuranda's und die Erinnerung an dieselbe fällt den schriftstellerischen und politischen Kreisen, den öffentlichen Korporationen, den öffentlichen Journalen zu. Die hervorragendsten Journale Wiens haben in den letzten Tagen deffen gedacht. Reichsrat und Landtag, wenn sie tagen würden, sollten sich das Gedenken an so hervorragende Parlamentarier nicht entgehen lassen; sie entgehen eines solchen Gedenkens, weil sie nicht tagen. Aber dem um das Wohl unserer Vaterstadt Wien so hoch verdienten Gemeinderate und Ehrenbürger dieser Stadt gebührte ein Gedenken in dem derzeit tagenden Gemeinderate. Hier an dieser Stelle, abseits von dem Getriebe der Politik, gedenke ich des edlen, dahingeschiedenen Glaubensbruders, seiner Beziehungen zu unserer Glaubensgemeinschaft, des Präses unserer Kultusgemeinde. Allerdings find aber auch diese Beziehungen vielfach verknüpft mit Literatur und Politik. In dem Manne, der in seiner Jugendzeit seine Glaubensbrüder bedrückt und geknechtet sah, in dem mußte frühzeitig der Drang fich entwickeln, dem Drucke und der Knechtung überhaupt entgegenzutreten und für das Recht Aller einzustehen. Dieses wahre Wort, gesprochen von unserem ehrwürdigen Rabbiner an dem Grabe des edlen Mannes, gibt uns den Schlüssel zu einem Rückblick auf deffen literarische, publizistische und politische Tätigkeit in dem uns hier beschäftigenden Teile derselben. In der Befreiung Aller aus den Feffeln des Absolutismus und des Feudalismus sah er miteingeschlossen auch die Befreiung und Erlösung unserer Glaubensbrüder von dem schwer auf ihnen lastenden Joche und so ist er für dieselben publizistisch und literarisch und so auch auf der Tribüne des Parlamentes und auch im Gerichtssaale eingetreten. Ich erinnere da an den berühmten Prozeß, welchen er 1860 gegen Dr. Sebastian Brunner, den Redakteur eines der ärgsten Judenhetzblätter, vor dem Wiener Landesgerichte siegreich führte. Nicht als individuelle Person, sondern als Repräsentant der ganzen Bevölkerungsschichte seiner Glaubensgenoffen trete er vor Gericht, so sprach damals sein Vertreter, der nachmalige Minister Dr. Berger. Ich erinnere an die berühmte Rede Kurandas anläßlich der Beratung der konfessionellen Gesetze im Abgeordnetenhause. Ich weiß, wie oft er, ohne daß es die Oeffentlichkeit erfuhr, in Oesterreich und auch außerhalb Oesterreichs dort eintrat, wo Juden einzeln oder in ihrer Gesamtheit bedrückt. verfolgt, ihres Glaubens wegen zu leiden hatten. Und aus dem Vollen meiner Erinnerung nur einer Episode, welche ich aus eigener Erfahrung kenne, da ich hiebei in wenngleich bescheidener Weise mitzuwirken hatte, will ich kurz erwähnen. Es war im Jahre 1882. Die neuzeitlichen russischen Pogroms hatten zahlreiche jüdische Flüchtlinge an und über die österreichische Grenze getrieben. Es entstand für die österreichische Regierung die Frage, wie fich denen gegenüber verhalten und es gab eine große und sehr mächtige Partei, welche die Abwehr mittelst eines an der galizisch-rusfischen Grenze aufzustellenden Militärkordons beabsichtigte. Ich will nicht sprechen von den sehr bedeutenden materiellen, finanziellen Erfordernissen, den Millionen, welche mit der Aufstellung eines solchen Militärkordons an einer langhingestreckten trockenen Grenze verbunden gewesen wären, materielle Opfer, für welche man nicht die russischen Verfolger, sondern die armen verfolgten Juden, uns Juden alle solidarisch verantwortlich gemacht hätte. Aber welches Unglück wäre daraus entstanden, wenn Tausende und Tausende vor Mord und Raub und Plünderung fich Flüchtende einen Militärkordon gegenübergestanden wären, der sie gewaltsam zurück, ihren Verfolgern in die Arme getrieben hätte. Die Größe dieses Unglückes ist gar nicht auszudenken! Damals war es, daß Kuranda seinen politischen Einfluß einsetzte für den Schutz, für die Rettung unserer verfolgten Brüder und auch für die Ehre und das Ansehen unserer österreichischen Regierung, welche sich andernfalls dem niemals auszulöschenden Vorwurf furchtbarer Inhumanität und Grausamkeit ausgesetzt hätte. Er war die politische Seele des Vorstandes. Innerhalb der Gemeinde war sein Augenmerk darauf gerichtet, den Frieden unter ihren Mitgliedern zu erhalten und nicht bloß dies, sondern auch den Frieden mit allen Bewohnern dieser großen Stadt, mit allen Konfessionen. So wirkte er auch als Abgeordneter im Reichsrate, im niederösterreichischen Landtage, als Obmann des Landesschulausschufses, als Mitglied des Gemeinderates der Stadt Wien. Ich kann all dies nicht beffer darlegen, nicht prägnanter hervorheben, als mit den Worten des Diplomes, mit welchem im Jahre 1881 — welch eine kurze und doch so lange Zeit! — ein Menschenalter, und es ist als ob Jahrhunderte dazwischen lägen, als ob die Zeit zurückgesunken wäre in die Barbarei vergangener Jahrhunderte — ihm das Ehrenbürgerrecht der Stadt Wien — das (Ehrenbürgerrecht der Stadt Baden besaß er schon) — erteilt wurde.

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