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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-28 · 17 (28.4.1911) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 282 Dr. Blocks Wochenschrift Nr. 17 Hemmung machte ich einen doppelten Versuch, einmal bei Nasr-ed-Domlet und dann bei dem Seyed Mohammed selbst. Ich ging zu jenem und setzte ihm die Lage auseinander. Nasr-ed-Dowlet hörte mich mit wohlwollendster Aufmerksamkeit an und persprach mir, die Anführer der Lutis Zu rufen: er wolle versuchen, ihnen Verstand beimbringen. Der Seyed Mohammed versprach mir gleichfalls, den Umzugsveranstaltern zu empfehlen, daß sie die Juden nicht verfolgen sollten. Ich hatte die Genugtuung zu sehen, wie am 16. die Spannung merklich nachlietz. Die Lutis verzichteten auf ihre ursprüngliche Forderung. Nach langen Verhandlungen waren sie bereit, sich mit 120 Schals zu begnügen, von denen 70 im jüdischen Viertel aufgebracht, 50 in den Basaren um 50 Tomans entliehen werden sollten. Ich bat zugleich den Polizeichef, es so einzurichten, dah am Tage der Prozession die „Mehalla" Wohlbewacht würde. Ant vorigen Freitag fand dir Prozession mit unvergleichlichem Glanz statt. Dank der für diesen Zweck von Nasr-ed-Dowlet getroffenen Vorkehrungen wurde die Ordnung nicht gestört: er hatte gemäß der ihm aus Teheran gegebenen Weisungen die Prozession durch eine starke Abteilung arabischer Reiter umgeben lassen. Aber bis jetzt sind den Juden die Schals nicht zurückgegeben worden. Obwohl wir uns zurzeit einer verhältnismäßigen Ruhe erfreuen, ist die Lage doch bei weitem keine gesicherte. Wir müssen immer eines Handstreichs einer mächtigen Diebsbande gewärtig sein, und man kann niemals voraussehen, wie weit die Forderungen unserer Malandrinen gehen können. Es scheint nicht, als ob wir in absehbarer Zeit einen Gouverneur bekommen werden, der die Macht hat, die Ordnung in Fars wiederherzustellen, und der gegenwärtige Stand der Dinge kann vielleicht noch lange anhalten. Me Versuche, Juden zur Rückwanderung nach Kparrieu zu veranlassen. Ein spanisches Blatt veröffentlicht die Geschichte eines Versuches, den ein spanischer Minister unternahm, um die Juden dreibundert Jahre nach ihrer Vertreibung wieder nach Svanien zurückzuühren. Der Plan scheiterte an dem Widerstande des Königs Karl IV., aber die Motivierung desselben ist so interessant, daß ste weiteren jüdischen Kreisen zugänglich gemacht zu werden verdient. Deshalb sei rer Artikel des genannten spanischen Blattes im Nachstehenden wiedergegeben: »Die Zerrüttung der spanischen Finanzen und der traurige Zustand unseres Nationalwohlstandes, der durch die von uns geführten Kolonialkriege hervorgerufen wurde, ist nur eine Erneuerung der Bedrängniffe. welche Spanien in wiederholten Epochen seiner Geschichte durchzumachen hatte, und im speziellen Fall bietet sich in der Zeit zu Beginn der Regierung Karls IV. eine Analogie der gegenwärtigen Zustände. Auch damals bedurfte der Staatsschatz ungemein großer Summen; man war zu außergewöhnlichen Hilfsmitteln gezwungen, um sie aufzubringen, die eingegangenen Verpflichtungen aufrecht zu halten, und die Nation ertrug die Opfer jeder Art mit Würde und Ergebung. Drei Jahre des Krieges gegen die französische Republik (1795 bis 1798), welchen der Frieden von Basel eben erst beendigt hatte, hatten'die Hilfsmittel des spanischen Staatsschatzes auf das Aeußerste erschöpft. Man nahm zu den ungewöhnlichen Mitteln seine Zuflucht, aber sie reichten nicht aus, die erschütterten Finanzen wiederherzustellen, und die Mlnisterien wechselten ohne Erfolg. Im Jahre 1796 folgte dem Minister Gardogni eine der bedeutendsten Persönlichkeiten dieser Zeitepoche in Spanien, ein sehr aufgeklärter Mann, Don Pedro Varela, in der Leitung des Ministeriums. Dieser schlug allerlei Heilmittel für die trostlosen Zustände vor, darunter auch die Rückberufung des hebräischen Volkes nach Spanien, welches Volk nach allgemeiner Meinung, wie er ausführte, die größten Reichtümer Europas und Asiens besitze. Man muß sich über einen so kühnen Vorschlag wundern in einer Zeit, in der in Spanien noch die ärgste Intoleranz herrschte, das Tribunal der heiligen Inquisition noch fungierte und jenes Gesetz noch in Geltung war, das dreihundert Jahre früher Hunderttauseode von Juden aus dem Königreich vertrieb. Diese ebenso törichte, als grausame Maßregel des katholischen Königspaares ruinierte unsere Landwirtschaft wie unsere Industrie und ließ Sultan Bjazid II., der von der Klugheit König Ferdinand's eine hohe Meinung hatte, ausrufen: »Diesen König, der sein Land verarmen ließ und das meinige bereichert, nennt Ihr einen weisen Politiker?" Sagt doch selbst Pater Murrana im 8. Kapitel des vierten Buches seiner Geschichte Spaniens, daß er diese Maßregel mißbillige und daß Grund genug sei: „den Entschluß König Ferdinands zu tadeln, aus seinen Landen so nützliche und so reiche Leute zu verbannen, welche alle Mittel kannten, um Geld ins Land zu ziehen". Die Beweise, deren sich der weise Minister Karl's IV. bediente, um seinen kühnen Vorschlag zu unterstützen, verdienen bekannt und gewürdigt zu werden. Sie befinden sich in der Denkschrift ddo. Aranjuez, 22. März 1797, welche er verfaßt hat, und lauten: „Alte Vorurteile und Anschauungen sind überlebt, das Beispiel aller anderen Nationen Europas muß auch uns veranlassen, unsere Stellungnahme zu ändern. Uebrigens kann die Lehre des heiligen Paulus zu Gunsten dieses präskribierten Volkes auch die hartnäckigsten Theologen ebenso überzeugen, wie die zartesten Gewissen, daß die Zulassung der Juden in unser Königreich besser zu den Lehren unserer erhabenen Religion paßt, als seinerzeit ihre Vertreibung. Die Politik der Jetztzeit kann in einem solchen Vorschlag nur eine mächtige Förderung für die Entwicklung von Handel und Industrie sehen, welche auf keine andere Weise dahin kommen werden, den Kampf mit den Fremden erfolgreich aufzunehmen, denn weder Betriebsamkeit noch Sparsamkeit gehören zu den Tugenden der Majorität unseres Volkes. Ich glaube, Sire, daß die Kauflente dieser arbeitsamen Raffe es unternehmen würden, unsere Bank mit Bargeld zu versehen und ihr in Europa und darüber hinaus Ku s zu verschaffen. Sie würden uns auch den Handel mit der Levante erleichtern, der ohne ste beinahe eine Chimäre bleibt. Dieser Erfolg aber wäre für uns in unseren gegenwärtigen Verhältnissen zugleich eine gute Spekulation und von unschätzbarem Vo teil für die Entwicklung unserer Fabriken; wir werden ihn jedoch nie erreicken können ohne die Hilfe der Juden, welche in jenen Ländern fast die einzigen Kaufleute und Makler sind. Der Handel mit Amerika würde ebenfalls einen neuen Aufschwung nehmen, während er gegenwärtig nur die Beschäftigung einiger Müßiggänger in Cadix, Malaga und anderen Häfen ist, sowie einiger fremden Kaufleute, deren unmäßige Gewinnsucht sich für die Annehmlichkeiten eines Lebens in der Heimat schadlos zu halten sucht. Es scheint mir, Sir, daß wir versuchen sollten, mit einigen jener großen jüdischen Häuser, die schon seit langem den holländischen, sowie in einigen anderen nordischen Handelsplätzen etabliert sind, Verhandlungen anzuknüpfen, um sie zu veranlassen, Komptoire in Cadix und anderen Orten einzurichten. Sie sollten verpflichtet werden, ein gewisses Kapital zusammenzuschließen, um damit ein Kasseninstitut zu gründen, daß unseren Bon al pari einlösen müßte, wenn jene Häuser nicht vorziehen, es selbst zu tun, wofür man ihnen als hypothekarische Sicherheit die Einnahmen gewisser Zölle überlassen könnte, sowie diejenigen aus deu aufgelösten Pfründen und aus denen gewisser Aemter. sofern Euere Majestät auf diese beiden letzten Vorschläge eingeht. Wenn man zugleich durchblicken ließe, daß die Zulassung einiger großen Handelshäuser nur ein Vorspiel für die Zulassung des ganzen Volkes sein könnte, so glaube ich, daß man die Gewinnsucht dieser habgierigen Nation reizen könnte, welche bis heute die günstige Situation noch nicht vergessen hat, in der sie sich einst in Spanien befand." Dieses große, politisch so bedeutsame Projekt scheiterte an dem frühzeitigen Tode des Ministers und an dem Geiste der Unduldsamkeit, der diese Epoche in Spanien noch beherrschte. Zwar bestach die Idee der allgemeinen Toleranz den König, und am 6. September 1797 erschien ein für jene Zeit immerhin bemerkenswertes Edikt, welches den fremden Fabrikanten und Handwerkern, selbst wenn sie nicht Katholiken waren, die Etablierung in Spanien gestattete, ohne andere Bedingungen, als daß sie sich den bürgerlichen Gesetzen zu unterwerfen halten; auch wurde der Inquisition verboten, sie ihrer religiösen Anschauungen halber zu belästigen, sofern sie die öffentlichen Sitten achteten. Anders mit den Juden. Was diese anbetraf, so gab der König nicht nach, und er war in seinen Edikten weniger tolerant gegen sie, als die Päpste Clemens VII., Paul III. und Julius III., die ihnen im Kirchenstaat freie Ausübung ihrer Religion gestatteten. Das allgemeine Wohlwollen, das Karl IV. im Jahre 1797 allen Klassen von Fabrikanten, Kaufleuten und Handwerkern, ob sie Katholiken waren oder nicht, erwiesen hatte, schränkte er in Bezug ans die Juden ein, denn in einer Verfügung vom 8. Juli 1602 befahl er der heiligen Inquisition, alle Vorschriften und überkommenen Sitten, soweit sie gegen die Juden gerichtet waren, mit äußerster- Skrupulosität zu bewahren. Es wird noch hinzugesetzt: „Niemand von ihnen darf in Spanien landen oder sonst auf spanisches Gebiet kommen, und alle Behörden sollen streng jenes Edikt von 1492 beobachten, sonst droht ihnen die Strafe der königlichen Ungnade." So wurde die Verbannung der Juden aus Spanien, trotz des guten Willens des Ministers Varela, in ihrer ganzen Strenge aufrecht erhalten, bis im Jahre 1868 die provisorische Negierung allgemeine Religionsfreiheit proklamierte. Dieser Schritt veranlaßte eine Danksagung seitens der Aeltesten der jüdischen Gemeinde in Amsterdam im Rahmen der holländischen Juden, datiert von Dezember 1868 und abgedruckt in der „Gaceta de Madrid" am 5. Februar 1869. In diesem Schriftstück bat man um die förmliche Zurücknahme des Edikts von 1492, aber ohne den Wunsch der Rückkehr in das alte Heimatland durchblicken zu lassen. In der Tat eröffnete die Verfassung von 1889 dem einstmals proskribierten Volke wieder die Tore Spaniens, indem sie allen Spaniern die freie öffentliche oder private Ausübung ihrer

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