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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-28 · 17 (28.4.1911) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 377 Schrecken verbreiteten im Lande des Lebens und mit ihren Waffen die Welt erzittern und erbeben machten, aus ihren Gräbern erstehen läßt und den mächtigen, unaufhaltsam dahinbrausenden Fluten der Vergessenheit, die das Vergängliche in ihren unergründlichen Schoß herabziehen, Halt gebietet. In dieser Chewra-Kadischa nehmen die Weisen, Denker und Dichter, welche unserem Volke entstammen, einen Ehrenplatz ein; sie standen stets im Kampfe und Wettstreite der Geister in vorderster Reihe und die glänzenden Siege, welche Geistes¬ und Gedankenfreiheit und Veredlung der Menschheit erfochten, sind auch ihre Siege. Sie haben im Reiche der Weisheit, auf allen Gebieten des Wissens und der Kunst, auf dem Felde tiefsinniger Forschungen Herrliches und Großes hervorgebracht und den jüdischen Namen zur höchsten Ehre gebracht. Das unvergleichliche, jüdische Schrifttum, geschrieben in der ehrwürdigen, klassischen, heiligen hebräischen Sprache, in der Muttersprache unseres Volkes, in welchem der Flügelschlag des Gottesgeistes rauscht, mit seinen mannigfachen Gestaltungen, Verzweigungen und Gliederungen, mit seiner erhabenen Einfachheit, glühenden Beredtsamkeit, farbenprächtigen Poesie, dem zu den höchsten Idealen emportragenden Schwung?, alle Tiefen durchdringenden Verstände, mit der unerschütterlichen Glaubensinnigkeit und Glaubenstreve, den kostbaren Schätzen der Weisheit, den Grundsätzen der reinen Sittlichkeit, den Lehren der Liebe, Milde und Barmherzigkeit, bildet ein unzerstörbares, hochragendes, unvergängliches Monument der Kulturarbeit und legt ein glänzendes Zeugnis ab für die gigantische Geistes- und Schaffenskraft des Judentums, für die treue, gewissenhafte Hingebung und bewunderungswürdige Aufopferung im Dienste der hohen Mission, zu der es unter allen Völkern der Erde berufen und erkoren wurde. Dieses Schrifttum hat unser Volk durch die Stürme der Geschichte, durch die von der Feindschaft und dem Hasse einer ganzen Welt erfüllten Jahrtausende heil und unversehrt getragen, in den Zeiten des geistigen Verfalles dessen Wiedergeburt bewirkt und zu neuem, reichen, segenspendenden Leben aufgerüttelt und ist bis zum heutigen Tage jene unversiegbare Quelle, aus der stete Verjüngung, Hoffnungsfreudigkeit und Lebeusfrische geschöpft wird. Im tiefen Erfassen der weltbewegenden Bedeutung dieses Schrifttums wurden die Träger desselben mit den höchsten Ehren überhäuft, sie wurden die Augen der Gemeinde, die am Firmamente für und für glänzenden Sterne, Boten Gottes genannt; durchdrungen von unendlicher Liebe zur Wissenschaft und jeglicher geistiger Betätigung hat unser Volk seine Verehrung für die Weisen und Gelehrten, welchen Glaubens und Stammes sie auch sein mögen, in einem Segensspruche zum prägnanten Ausdrucke gebracht, mit welchem wir beim Anblicke eines solchen Mannes Gott preisen, daß er einen Sterblichen mit einem Strahle seiner unendlichen Vernunft begnadete und schon die heilige Schrift hat die Künstler verherrlicht, da sie der Ewige mit Namen und als Chachme Lew berief, in deren Herz er Weisheit und Vernunft, Erkenntnis und Schaffensdrang senkte und wir umgeben unsere Künstler mit unbegrenzter Wertschätzung und Hochachtung, die, begabt mit unerschöpflicher Gestaltungskraft und reicher Phantasie, Schöpfungen in die Welt der Erscheinung zaubern, von denen eine bffreien.de und läuternde Wirkung sich in unser Seelenleben ergießt, die im Reiche der Alles bezwingenden Töne ihr fürstliches Szepter schwingen. Auf der Höhe dieser Verehrung standen die Anforderungen, die an die geistigen Führer gestellt wurden. Unablässige Forschung und Vertiefung in die herrliche Lehre galt als ihre Lebensaufgabe und die Worte, mit denen sie diese Lehre verbreiteten, nicht der Ausfluß des nüchternen, erwägenden und berechnenden Verstandes, sondern im Geiste des Spruches: „Meine Worte sind wie ein Feuer und wie der Hammer, der die Felsen zersplittert" einer Flamme gleich aus der Glut der Begeisterung emporsteigen, erwärmend und belebend zu edlen Taten und zu Werken der Barmherzigkeit entzündend, und ihren Reden die Kraft innewohnen, aus einem Herzen von Stein einen Strom der Wohltätigkeit hervorzaubern, fie selbst harmonischen, in sich fest gefügten Charakters sein. Ich möchte hier an eine Bemerkung des gefeierten Rabbiners Herrn Dr. Schmied! anknüpfen, daß in der heiligen Schrift drei Dinge verzeichnet erscheinen, die gehämmert wurden: der Leuchter, die zwei Trompeten und die Cheruwim, darauf hindeutend, daß gewöhnlich diejenigen Großes leisten, welche aus der Schule der Armut und der Leiden gehämmert und geläutert, von Schlacken befreit hervorgehen. Ich füge dieser Bemerkung hinzu, daß diese drei Dinge aus einem Stücke gearbeitet waren, aus einem Guffe sein mußten. Die Menora, welche im Heiligtums überallhin Licht verbreitete und als ein Wahrzeichen der Erkenntnis und der Weisheit gegolten; die beiden Trompeten, bei deren Schall die ganze Gemeinde sich versammelte in Zeiten der Gefahr, des drohenden Krieges Alle zur Verteidigung herbeiströmten und die an Fest- und Freudentagen bei der Darbringung der Opfer die Erinnerung an Gottes Gnade wachriesen. Die Cheruwim, die schützend und schirmend ihre Flügel über die Bundeslade ausbreiteten. So kann auch nur der Mann Leiter und Führer sein, der aus einem Stücke, einem Guffe, goldenen gediegenen Charakters ist. Er wird der Gemeinde, Beispiel und Richtung gebend, voranleuchten, um ihn werden an Fest- und Freudentagen alle sich zur Andacht und Erhebung, in Gefahr und Not vertrauungsvoll und einig zur Verteidigung scharen und die heilige Lehre wird in ihm einen Schützer und Schirmer gegen Anfeindung finden. In früheren Zeiten war jedes Haus eine Stätte der jüdischen Wissenschaft, die Gemeinden brachten große Opfer, um Lehrhäuser und Unterrichtsanstalten zu erhalten. Zahlreich waren jene Männer, welche sich dem eifrigsten Studium unseres Schrifttumes widmeten und sich an seinem reichen Inhalte erbauten und begeisterten. In unserer Zeit find die Rabbiner und Lehrer fast die einzigen Repräsentanten der jüdischen Wissenschaft, fie find die Priester, deren Lippen die Lehre bewahren sollen, die auf ihren Schultern die Bundeslade zu tragen und die, wahre Goiteskämpfer, für unsere heilige Religion, für unser herrliches Schrifttum zu kämpfen haben. Freuen wir uns, daß wir an unserer Spitze Rabbiner und Lehrer haben, allen voran unsere hochverehrten Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann und Rabbiner Dr. S ch m i e d l, welche mit außerordentlicher Gelehrsamkeit, glänzender Beredsamkeit einen lauteren goldenen Charakter verbinden und geben wir unserer aufrichtigen Genugtuung darüber Ausdruck, daß wir bei diesem jüdischen Feste hervorragende Vertreter der Wissenschaft, gottbegnadete Künstler, ausgezeichnet durch unverbrüchliche Liebe und Treue zu unserem angestammten Glauben, begrüßen dürfen und ich bin überzeugt, daß Sie begeistert meiner Einladung Folge leisten und Ihr Glas erheben werden auf das Wohl, die Gesundheit und langes Leben dieser Männer, welche unserer Gemeinde zur Zierde, dem Judentum und der ganzen Menschheit zur Ehre gereichen.. Sie leben hoch! (Lebhafter, anhaltender Beifall und Händeklatschen). Rede des Herrn David Ritter von Gntmann, Präsidenten der Israelitischen Allianz: Nach den so zahlreichen und ausgezeichneten Reden, die wir hier vernommen haben, fällt es mir eigentlich ziemlich schwer, auch noch zu sprechen. Unser hochverehrter Herr Oberrabbiner hat in seinen Ausführungen auf ein Brudermahl unserer Chewra vor 40 Jahren hingewiesen. Auch ich habe damals an dem Festmahle teilgenommen, ich war noch ein junger Mann, aber auch an jenem Abende war ich in einer nicht geringen Verlegenheit, da an mich der damalige Präsident der Kultusgemeinde Dr. Ignaz Kuranda mit dem Anfinnen herantrat, ich soll eine Rede halten. Und worüber soll ich heute reden? Das Thema von der Chewra-Kadischa ist heute schon genügend besprochen worden und so bleibt mir noch etwas übrig, worüber ich

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