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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-28 · 17 (28.4.1911) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette S72 : Dr. Mochs WochenWckst Nr. 17 konfessionelles Sdldatenheim zulassen wollten. Es gelang jedoch schließlich, die Schwierigkeiten zu überwinden, nicht zum wenigsten durch das dankenswerte Entgegenkommen Seiner Exzellenz des kommandierenden Benerals von Prittwitz und Gaffron. 3n den prächtigen Räumen des früheren Wiener Cafes am Kaiser-Wilhelm-Ring fand nun am 2. dieses Monats nachmittags die feierliche Eröffnung statt. Als Vertreter des kommandierenden Generals erschien Exzellenz Generalleutnant Pelkmann, als Vertreter des Gouverneurs Herr Major Schleicher vom 4. bayerischen Infanterie-Regiment. Die Großloge des Bne Brith-Ordens hatte Herrn Schweichhöfer (Würzburg) zur Feier entsandt, die benachbarten Logen wurden vertreten durch Herrn C. Löb-Trier. Ueber hundert jüdische Soldaten der Garnison und eine stattliche Anzahl Angehöriger der jüdischen Bürgerschaft hatten sich eingefunden. Herr Oberrabbiner Dr. Netter leitete als Präsident der Lothringer Loge den feierlichen Akt durch eine inhaltlich und stilistisch gleich vollendete Rede ein. Vaterländische Treue und Pflege der Tradition hätten die Veranlassung gegeben zu dieser neuen Gründung. Der jüdische Soldat soll angeregt werden zur Pflege der Kameradschaft, zur treuesten Pflichterfüllung gegen Vaterland, Vorgesetzte und gegen sich selbst. Und neben dieser Erziehung zur Treue gegen das Vaterland sollen die jungen Männer zur Treue gegen ihre religiöse Angehörigkeit angespornt werden. Die zündende Ansprache schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser, in welches die Festversammlung begeistert einstimmte. Nach denf Vortrag eines Chorals erhob sich der Vertreter der Großloge, um im Namen des gesamten Ordens der Freude über das Zustandekommen des Werkes Ausdruck zu verleihen. Seine Exzellenz Generalleutnant Pelkmann gab seiner Genugtuung über die Neugründung Ausdruck. Er freue sich, daß religiöser und politischer Geist in diesen Räumen herrschen solle, und ermahnte die Soldaten in kernigen, trefflichen Worten, stets, auch später, wenn sie ins Leben getreten seien, dem Metzer Heim ein treues Angedenken zu bewahren. Mit einer kurzen, aber packenden Ansprache des Vertreters der Saar- Loge schloß die eindrucksvolle offizielle Feier. An Seine Majestät den Kaiser wurde ein Huldigungstelegramm abgesandt. Dann versammelten sich die Mannschaften zu fröhlichem Tun in den prächtigen Räumen des Militär- Hauses. in welchem von jetzt ab Metzer Soldaten, ohne Unterschied der Konfession, stets willlommen sein werden. Ein Muster kmfessionÄker Eintracht. Wir erhalten folgendes interessante Schreiben: „In unseren Tagen trauriger konfessioneller Verhetzung tut es dem Unbefangenen wohl, auf das harmonische Zusammenwirken von Seelsorgern verschiedener Bekenntnisse als leuchtendes Beispiel Hinweisen zu können. In Abauj (Komitat Szolnok) wirken drei Seelsorger verschiedener Bekenntnisse in Liebe und Eintracht nebeneinander: ein römisch-katholischer, ein reformierter und ein israelitischer. Ein Geselligkeitsverein hatte sich eine Vereinsfahne angeschafft und wollte ihr auch die religiöse Weihe angedeihen laßen. Damit nun keine der drei Konfessionen sich zurückgedrängt fühle, wurde beschlossen, die Fahne von allen drei Seelsorgern weihen zu lassen. Gedacht, getan. Es war ein nicht alltäglicher, erhebender Anblick, als der Festzug sich in die katholische, dann in die reformierte Kirche und zuletzt in den israelitischen Tempel begab; überall hatte der Diener des Herrn Worte der Andacht und des Segens für das Symbol des vereinten Zusammenwirkens. Aber es sollte noch schöner kommen. Die katholische Kirche bedarf einer neuen Veleuchtzngseinrichtung und da der Ort elektrische Beleuchtung l hat, entschied man sich für diese. Um die Geldmittel zu beschaffen, wurde beschlossen, einen Geselligkeitsabend zu arrangieren, dessen Glanznummern neben anderen die Vorträge der drei Seelsorger sein sollten. Und so geschah es. Der reformierte und der israelitische Seelsorger hielten eindrucksvolle, lehrreiche Vorträge und der katholische Pfarrer sagte in bewegten Worten seinen Kollegen Dank für ihre liebevolle Mitwirkung. Wäre das nicht der schönste Weg zur Verwirklichung des Friedens unter den Konfessionen? Hoffen wir, daß keinem dieser wahren Diener des Friedens dieses Vorgehen hei seinen „Vorgesetzten" Schaden bringen wird. ..." Zur Naturgeschichte des Wiener Renegatentums. Zur Naturgeschichte und moralischen Bewertung des jüdischen Renegatentums, auch der Konfessionslosen, enthält ein Gerichtssaalbericht in den antisemitischen Zeitungen einen interessanten Beitrag: Vor dem Bezirksgerichte Josefstadt für Zivilrechtssachen unter Vorsitz des Bezirksrichters Dr. Ramsauer erschien gestern als Kläger Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Felix Hitschmann, als Beklagter Herr Karl Wayer, Cafetier des Cafe Schwarzspanier und Prokurist der Firma Gustav Seidel. Der Klage lag folgender Tatbestand zugrunde: Der jüdische Dr. Hitschmann hat die besagte Firma Seidel wiederholt vertreten und. ihr seine Honorarnote von 1000 K. zugeiendet. Gleichzeitig begehrte er aber von dem Prokuristen Wayer eine separate Zahlung von 59 K, weil er auch ihn vertreten hatte. Als nun der Prokurist Wayer in seiner Kanzlei erschien, um die Note zu bezahlen, ließ er angeblich als Provision die Summe von 24 K nach und begehrte nun im Klagewege die restlichen 35 X. Der Beklagte wendete ein, Hitschmann habe ihm den Betrag in der eigenen Sache nachgelassen, erklärte sich aber bereit, für den Fall, als Dr. Hitschmann tatsächlich einen Eid ablegen würde, daß er nicht den ganzen Betrag, sondern bloß 24 L nachgelaflen habe, diese strittige Summe zu bezahlen. Dr. Hitschmann erklärt sich sofort bereit, einen solchen Eid abzulegen. Als nun der Richter zur Beeidigung sch eiten wollte und die Generalien des Klägers aufnehmen wollte, stellte sich heraus, daß der Kläger konfessionslos sei und auf des Richters Verlangen, den Eid in der mosaischen Religion abzulegen, der er früher angehörte, erwiderte, daß er froh sei, mit der mosaischen Konfession nichts zu tun zu haben, er sei bereit zu schwören, jedoch nur nach katholischem Ritu. Schließlich leistete er den Eid doch nach jüdischem Ritus, was zu lebhafter Heiter» keit Anlaß gab. Die Eidesavlegung entschied selbstverständlich den Prozeß zugunsten des Klägers. Ein Hof- und Gerichts-Advokat, der für 35 Kronen alle Eide abzulegen bereit ist, den katholischen, nach Bedarf auch den jüdischen — was soll der im Judentum? Line eigene jüdische Sektion im ungarischen Ministerium für Kultus und Unterricht. Wie uns aus Budapest, gemeldet wird, hat der ungarische Minister für Kultus und Unterricht, Graf Johann Zichy, den Beschluß gefaßt, zur Leitung und Pflege der jüdisch-konfessionellen Angelegenheiten innerhalb seines Ressorts eine eigene Sektion zu errichten und an deren Spitze zum Ministerialrat eine dem Judentume angehörende Notabilität der Schriftstellerwelt ernennen zu lassen. Dieser Plan stößt auf große Schwierigkeiten, da die zwischen den Orthodoxen und Neologen bestehenden Eifersüchteleien leider eine Einigung auf eine Persönlichkeit fast unmöglich machen. Diese Frage wurde auch 'von früheren Kultusministern wiederholt erwogen, konnte aher wegen der eben bezeichneten Zustände niemals realisiert werden. Da auch der dermalige Minister Graf Zichy sich kaum entschließen dürfte, zwei jüdische Sektionen, eine orthodoxe und eine neologe, zu organisieren, so steht zu befürchten, daß der Plan, dessen Ausführung der Judenschaft Ungarns wichtige Vorteile bringen könnte, auck diesmal nur ein Plan bleiben wird.

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