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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-28 · 17 (28.4.1911) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
17 (28.4.1911)
Date
1911-04-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Blochs WocheMrift Seite 271 waren die Angeklagten ein Schiffsmatrose und vier Heizer, die sich wetzen unbefugter Mitnahme jüdischer Emigranten nach Amerika zu verantworten hatten. Die Erzählungen der angeklagten Emigranten sind herzzerreißend. Ursprünglich halten sie die Absicht, auf ganz legalem Wege nach Amerika zu emigrieren. Sie lösten sich bjei der ostasiatischen Schiffsgesellschaft die Karten, doch war der Arzt der Gesellschaft der Meinung, daß sie wegen Spuren eines älteren Augenübels in Amerika nicht hereingelassen würden. Sie erhielten ihr Geld für die Karten zurück. Da erfuhren sie von anderen Emigranten, daß die Matrosen und Heizer des Schiffes „Esthonia" illegal Emigranten mitnehmen. Sie suchten nun einen dieser Matrosen auf und schlossen das Geschäft mit 65 Rubel per Kopf ab. Sie-gingen aufs Schiff und wurden dort von den Heizern in das Kohlenreservoir gesteckt und mit Kohlen bedeckt. Zweimal 24 Stunden lagen die jüdischen Emigranten in der kalten Stickluft des Kohlenreservoirs ohne Nahrung, ohne auch nur einen Schluck Wasser genommen zu haben. Sie fühlten sich schon sehr schwach, riefen nach Hilfe, doch wurden sie nicht gehört, da sie mit Kohlenstaub überschüttet waren und der Raum, in dem sie sich befanden, überdies verrammelt und geschlossen war. Sie wären dort sicherlich erstickt, wenn die Polizei nicht das Schiff untersucht und auch in den Kohlenraum gekommen wäre-. Die Polizei grub mit eisernen Schaufeln in dem Kohlenhaufen herum und stieß so auf die unglücklichen Emigranten. Trotzdem die Polizei die Angabe der Emigranten bestätigt hat, wurden sämtliche Angeklagte merkwürdigerweise freigesprochen. Ausweisung von Kindern aus Ostpreußen. Unter dem Titel „Glaube und Heimat" bringt die „Vossische Zeitung" folgenden Artikel: „Schönherrs Tragödie erreicht ihren Höhepunkt in der Szene, in der dem Vater mitgeteilt wird, er habe beim Verlasien der Heimat seinen minderjährigen Sohn zurückzulassen. In Ostpreußen ist in der letzten Zeit ausländischen Juden der Aufenthalt nur unter der Bedingung gestattet worden, daß sie sich verpflichten, ihre Söhne mit vollendetem neunten Lebensjahre wieder ins Ausland zu senden. In der Tragödie wie im Leben soll der Vater seinen minderjährigen Sohn um seines Glaubens willen verlassen, dort ihn in der Heimat zurücklassen, hier ihn aus der neugewonnenen Heimat entfernen. Wie wäre es, wenn man den ostpreußischen Beamten, die mit der Ausweisung von Ausländern beschäftigt werden, die Schönherrsche Tragödie Vorspielen ließe, damit sie die Konsequenzen der Maßnahme erkennen? Vielleicht bemühen sie sich dann von selbst, die Aufhebung der Verordnung herbeizuführen, denn das darf doch heutigen Tages keinen Unterschied machen, daß es sich in der Tragödie um Christen augsburgischer Konfession, in der preußischen Verordnung aber um Juden handelt." Jungfemredü Lionel von Rothschilds. London. Baron Lionel von Rothschild, der Sohn des Barons Leopold von Rothschild, hat kürzlich im Parlament seine Jungfernrede bei der Beratung des Sonntagsruhegesetzes gehalten, indem er die Nachteile der kleinen jüdischen Kaufleute, welche den Sabbat hallen, beleuchtete, wenn sie am Sonntag auch ihre Geschäfte geschlossen hallen müßten oder nur an jüdische Kunden verkaufen dürften. Der Minister Churchill sagte eine milde Handhabung des Gesetzes gegen solche Leute zu. Jsaac de Camondo. Graf Jsaac de Camondo ist in Paris, wie bereits gemeldet wurde, plötzlich gestorben. Er war im Jahre 1849 in Konstantinopel geboren, verlegte aber sein ererbtes Bankgeschäft schon als junger Mann nach Paris, wo er namentlich als Verwalter der Banque de Paris et des Pays-Bas eine große Rolle in der Finanzwelt spielte, dabei aber insgeheim mit großem Eifer Kompositionsstudien betrieb und außerdem als Sammler von Kunstsachen von sich Reden machte. Er war es, der dis berühmte Marmorgruppe der drei Grazien von Falconnet erwarb, die in der Weltausstellung von 1900 den größten Anziehungspunkt der retrospektiven Ausstellung französischer Kunst bildete. Er hinterläßt auch eine bedeutende Kunstsammlung (die er, wie schon mitgeteilt, samt einem Kapital von 100.000 Frs. zur Deckung der Aufstellungskosten dem Louvre vermacht hat. D. Red.). Die Sammlung ist sehr gewählt. Sie enthält sehr schöne italienische Bronzen aus der Renaissance und aus dem französischen 18. Jahrhundert, darunter die Falconnet-Gruppe. In der modernen Kunst bevorzugte Camondo die Impressionisten. Manet ist gut vertreten, Degas hervorragend. Von Monet sind die Serien der „Kathedralen" und der „Wasserlilien" vorhanden. Pissarro, Sisley, Cözanne figurieren mit typischen Werken. Sehr wertvoll ist die Abteilung alter und neuer japanischer Kunst. Für die Falconnet-Gruppe war Camondo von amerikanischer Seite eine Million geboten worden. Mit dieser Schenkung, die als Ganzes angenommen werden muß, ziehen Degas und Monet bei Lebzeiten in das den toten Meistern vorbehaltene Louvre, ein. - Als Präsident der Gesellschaft der Freunde der Großen Oper wäre es Camondo ein Leichtes gewesen, seine zweiaktige Oper „Le Clown" an dieser Bühne zur Aufführung zu bringen, aber gerade deswegen tat er es nicht, sondern mietete im Jahre 1906 für zwei Abende das Nouveau Tbeatre, wo er sein Werk zu einem woltätigen Zwecke durch auserlesene Kräfte aufführen ließ. Der einst so berühmte Tenor Capoul hatte ihm ein Tertbuch in der Manier der jungitalienischey Realistik geliefert, aber Camondo begnügte sich nicht mit dem oberflächlichen Impressionismus der Italiener, sondern umgab sein tragisches Zirkusabenteuer mit einer sehr durchgearbeiteten Orchestrierung und stellte die größten Anforderungen an die Sänger, sodaß ein gewisser Widerspruch zwischen der Banalität des Stoffes und der Gesuchtheit der Musik zutage trat. Zwei Jahre sväter wurde „Der Clown" in den Spielplan 'der Komischen Oper aufgenommen und mit dem „Barbier von Sevilla" zusammengekoppelt. Diese Nachbarschaft bekam ihm jedoch nicht gut, und so blieb es bei einem halben Dutzend Vorstellungen. Außerdem hat Camondo kleinere Stücke für das Orchester, für das Klavier und für Quartett-Musik geschrieben und sich dabei einmal ein Wortspiel gestaltet, das nicht ganz am Platze war. Er schilderte in einem Orchesterstück die Eindrücke einer Nacht am Bosporus und nannte das „Les Bosphorescences". - Von den B. B.-Logen in Deutschland. Metz. 6. April. In allen größeren Garnisonen Deutschlands bestehen seit langer Zeit Soldatenheime, die dem Zweck dienen, die jungen Krieger in der dienstfreien Zeit gastlich aufzunehmen, sie den mannigfachen Gefahren zu entziehen, die ihnen durch Wirtshausleben und schlechte Gesellschaft drohen. Von diesem Gesichtspunkt ausgehend, beschloß die Metzer Lothringer-Loge des U. O. B. B. die Gründung eines eigenen Militärhauses. Die Vorarbeiten nahmen zirka zwei Jahre in Anspruch und verzögerten sich besonders durch das zunächst ablehnende Verhalten der Militärbehörden, die kckn neues

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