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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-21 · 16 (21.4.1911) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
16 (21.4.1911)
Date
1911-04-21
Page
– (sequence 13)
Language
German
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$r. Dr. Vkochs Wochenschrift £etfe 26» Austritte aus dem Judentum Vom 9. "bis inkl. 15. April 1911. Golzig Hugo, Prokurist, geb. 17. Mai 1871, Wien, V., Kasernen gasse 15. Koch Gisela, Verkäuferin, geb. 15. Oktober 1887, Wien, VIII., Langegasse 80, König Grete Klara, Privat, geb. 24. Mai 1890, Lrünv, III., Marokkanergasse 20. Peter Josef, Dr., Zahnarzt, geb. 20. März 1877, Devavanga, I., Schulerstrasse 22. Peter Ella geb. Zuckermann, Zahnarztensgattin, I, Schulerstrasse 22. Porges Minna, Schneiderin, geb. 18. April 1877, Lundenburg, II., Obere Viaduktgasse 28. Schulhof Gisela, Goldschleiferin, geb. 29. fvovember 18-9, Dresden (zur Luther-Kirche), XIV., Ullmanustrasse 59. Schulz Karl, Kommis, geb. 17. Jänner 1887, Wien. XII., Kothe Mühlgasse 15. Weiss Viktor Nathan, Ingenieur, geb. 25. April 1870, IX., Seegasse 25. Tabor. Der hiesige israelitische Wohltätigkeitsverein „Libanon" hat über Antrag seines Obmannes, Herrn kais. Rates Emil Fischet, Fabrikant in Tabor, dem Kaiser Franz Josef-Jubiläumsverein zur Gründung von Pensionen für dienstunfähige israelitische Lehrer Böhmens, deren Witwen und Waisen zwanzig Kronen gewidmet. Pethqch-Tikwah. (Organisation jüdischer Maurer und Bauleute in Palästina.) Hier hat sich vor kurzem eine Genossenschaft jüdischer Maurer und Bauleute gebildet, die sich die Ausgabe gestellt hat, dahin zu wirken, daß künftig bei Vergebung von Bauarbeiten seitens jüdischer Körperschaften und Einzelpersonen ausschließlich jüdische Arbeitskräfte beschäftigt werden sollen. Der neuen Arbeiterorganisation ist der Bau der Arbeiterhäuser in Pethach-Tikwah übertragen worden. Feuilleton» Ans dem jüdische« Wie« unter Kaiserin Maria Theresia. Die Chewra-Kadischa rüstet wieder einmal zu einem ihrer Liebesmahle im großen Sophiensaale. Der scharfsinnige Dr. Bernhard Wach st ein, dem das Schicksal in die versonnenen Räume unserer Kultusbibliothek geführt hat, hat aus den unscheinbaren Protokollen der Wiener Chewra, deren Wiederauffindung wir dem Eifer des Archivars Husserl verdanken, ein anmutiges Bild aus dem Theresianischen Wien erstehen lassen. (Dr. Grunwalds Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde, H. 32 und 33.) Damals, 1763, erstand die gewiß vor der Vertreibung unter Kaiser Kaiser Leopold schon bestandene Chewra zu neuem Leben. Sie stellt sich zunächst als eine Art Iunggesellenklub, als ein Iugendbund vornehmer jüdischer junger Herren, auf religiöser Grundlage dar, wie ihn heute wohl das katholische, aber nicht das jüdische Wien aufweisen mag. Aber keiner der heutigen jüdischen jeunesse doree dürfte die damalige um ihr Vergnügen beneiden. In dem stets von Kriegsstürmen bedrohten, aber trotzdem von Pirutschaden, Maskenzügen und Festen durchwogten Wien der großen Kaiserin blieb der von allen Veranstaltungen ausgeschlossenen jüdischen Jugend, unter der sich Besitzer fürstlicher Vermögen befanden, nicht viel zur Zerstreuung übrig, .als die Aufgaben der heutigen Chewra zu erfüllen. Krankenbesuch, Waisenfürsorge, Besorgung und Anteilnahme an Begräbnissen. Die zierlich in Hebräisch geschriebenen Statuten und Protokolle beweisen, wie groß das Interesse und Studium der Schrift damals noch bei den zumeist der Grötzkaufmannschaft ungehörigen jungen Leuten war, von denen viele erst sechzehn Jahre zählten. Dem vertrauenswürdigen Charakter der Mitglieder entsprechend, war die Kontrolle über Einnahmen und Vermögen primitivster Art. Das Einsammeln mit derArmenbüchse besorgten die jungen Herrlein jeden Monat selbst in denHäusern der Glaubensgenossen—wobei es vielleicht zu ähnlichen anmutigen Szenen kam, wie heute in Turin und Florenz, wo Mitglieder katholischer adeliger Vereinigungen vermummt sogar auf der Straße für die Armen sammeln. Dieses Amt galt als so ehrenvoll, daß einer der damit in einer späteren Zeit betrauten Jünglinge, Hofmann, bei seiner späteren Adelung diese Armenbüchse in sein Wappen aufnahm, was seine Nachkommen, unter denen sich bekanntlich der Dichter der „Elektra" befindet, beim Anblick ihres Hoffmannsthalschen Wappen kaum sich erklären dürften. Viele Probleme moderner Sozialfürsorge wurden in unseren Ghettos aufs einfachste von jeher gelöst: statt der so oft vorgeschlagenen Iunggesellensteuer hat bei den Mitgliedern der Chewra eine Heiratssteuer für die Ausstattung armer Bräute gesorgt. Diese Steuer konnte nicht verhindern, daß binnen wenigen Jahren der edle Iugendbund von 1763 fast ganz aufgeheiratet war, was eine Aenderung der Statuten notwendig machte, und bewirkte, daß wir in vielen der alten griesgrämigen Herren, deren Bilder den Saal unserer Kultusgemeinde schmücken, die Söhne und Enkel der fröhlichen Jugend von 1763 wieder erkennen.. Denn fröhlich war diese Jugend trotz des auf ihr lastenden politischen und sozialen Druckes, dies bewiesen die zahlreichen Strafgelder, die für Uebermut und Ausgelassenheit eingingen. Wenn es in der geschmackvollen Kaiserstadt auch nicht zu jenen phantastischen Totentanz ähnlichen Gelagen kam, an deren unheimliche Ausstattung sich z. B. alte Bewohner von Eisenstadt aus ihrer Kindheit noch mit Schaudern erinnern, so wird es damals doch bei den Chewramahlen etwas derber zugegangen fein, als heute, trotz der frommen Eingangshomilien der Rabbiner, Die Protokolle beweisen, daß die uralte germanische Sitte des Hänselns sich auch hier eingenistet hatte, wenn auch vielleicht mit mehr Esprit und mit scharfen Worten, als derben Taten. Denn an Geist wird es einer Jugend nicht gefehlt haben, unter denen Nachkommen von Samson Werthimer waren und von der verwand schaftliche Fäden zu Fanny von Arnstein und Heinrich Heine führen. Als Durchforscher jüdischer Familiengeschichte konnte W a ch st e i n nicht verfehlen, zum Schlüsse seines Aufsatzes den mühevollen Versuch zu machen, Namen und Familiengeschichte sämtlicher Vereinsmitglieder, die nur mit ihren jüdischen Namen und Vaternamen ausgeführt sind, auffinden zu wollen, wodurch ich mit Vergnügen auch einen meiner Vorfahren in der fromm-fröhlichen Gesellschaft fand. Daß aber der mittlere aus der Reihe der Arnstein sich darunter befand, gibt Dr. Mar Grunwald dem letzten und eifrigsten Verehrer, den die schöne Fanny von Arnstein gewonnen. Gelegenheit, die Geschichte dieser Familie und dieser Frau uns in einem Nachtrag zu Dr. B. Wachst e i n s Schrift aufs interessanteste zu schildern. Auch dir Arnsteins waren königliche Kaufleute im Sinne Samson Wertheimers, und es gehört zu den Widersprüchen jener Zeit, in der die Juden, schütz- und rechtlos, täglich auf neue Vertreibung gefaßt sein mußten, daß sie infolge der gänzlich anderen Geld- und Verkehrsverhältnisse im Oesterreich Karl des VI und des milden Kaisers Joseph, dessen zweihundertjähriger Todestag in diese Woche fällt, eine Rolle spielten, die heute unmöglich scheint. Prinz Eugen hat es wiederholt anerkannt, daß die Tüchtigkeit und Genialität des großen Armeelieferanten Wertheimer ihm mit zu seinen Türkensiegen und zu den einträglichsten Friedensschlüssen geholfen, die die Monarchie je abschließen durfte. Wertheimer, der ja infolge der Franzosen- und Türkenkriege sich den Habsburgischen Kaisern gegenüber öfters in ähnlicher Situation befand, wie Nathan dem Saladin, ist denn auch das Urbild zu Lessings Nathan, dem weisen Weltkaufmann,

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