Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 16 (21.4.1911)
- Date
- 1911-04-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 964 Dr. Blochs WochenWM \ 1 Nr. 16 gehabten ordentlichen Generalversammlung, zur freudigen Ueberraschung "ller Vereinsmitglieder, der Antrag unterbreitet, gegen eine geringfiiq'ge Erhöhung des bisherigen monatlichen Mitgliedsbeitrages um wenige Heller eine zirka 2l.°/yige Erhöhung der Krankengebühren und 30°/oige Erhöhung der von jeder besonderen Beitragsleistung in diesem V reine unabhängigen Witwenabsertigung zu beschließen. Es bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung, daß diese Anträge nach kurzer Debatte einhellig zur Annahme gelangten und dem Vereinsvorstande für sein zielbewußtes Streben der Dank und die Anerkennung votiert wurde. In kurzer Zeit hat dieser altangesehene jüdische Verein zum zw eiten male eine bedeutende Erhöhung seiner Benefizien eintreten lassen, ohne anderseits den Mitgliedern größere Lasten aufzubürden. Bei dem heutigen aufreibenden Daseinskämpfe liegt es in jedermanns eigenem, wohlverstandenen Interesse Mitglied einer Institution zu werden, die es sich zur Aufgabe setzt, -ihren Mitgliedern in den Tagen der Krankheit nebst einer Reihe wirksamer Benefizien (Honorarermäßigungen bei Aerzten, Profefforen, Bezug von Medikamenten rc. 2C.), ein ausgiebiges Krankengeld zu bieten. Religionslehrerkonferenz. Am 9. d. M. fand im Sitzungssaale der Kultusgemeinde die erste diesjährige Religionslehrerkonferenz statt, der auch der Obmannstrllvertreter der Schulsektion Herr Dr. Moxmilian Steiner und Herr Rabbiner Dr. Rosenmann beiwohnten. Der Vorsitzende, Herr Schulinspektor Professor M. K a n i tz, hält vorerst den Hingeschiedenen Lehrern Max Deutsch und Gerson Veit einen warmen, tiefempfundenen Nachruf und beglückwünscht sodann alle jene Lehrpersonen, die durch Beförderung, Ernennung und Belobung seitens der Schulbehörde ausgezeichnet wurden. Ergänzungswahlen in den ständigen Ausschuß, die hierauf vorgenommen werden sollten, wurden über Antrag des Lehrers Schulhof für die nächste Konferenz zurückgestellt. Nun erstattet Herr Bürgelschuldirektor D. L ö w i t das Referat über das Thema: „Methodische Behandlung der nachbiblischen Geschichte.« Die nach Form und Inhalt gleich ausgezeichneten Ausführungen bekunden ein profundes pädagogisches Wissen, aber auch ausgereiste, prattische Erfahrungen des Referenten. Man mertt, daß das Referat niemand zur Freude und keinem zum Leide angepaßt, daß olles, was den erfahrenen Fachmännern geboten wird, ureigenste Ueberzeugung, reinste Wahrheit eines tüchtigen, erfahrenen Schulmannes ist, der sein bestes Können einsetzt, seine Aufgabe voll und ganz zu lösen. Schließlich klingt das gediegene Referat, das großen anhaltenden Beifall auslöste, in folgende Thesen aus: 1. Die nachbiblische Geschichte, welche als Hauptbestandteil des Religionsunterrichtes auf der Oberstufe ein anderes Ziel als die biblische Geschichte verfolgt, bedarf einer eigenartigen unterrichtlichen Behandlung, welche sich wesentlich von der methodischen Behandlung der biblischen Geschichte unterscheidet. 2. Da die Bürgerschule unmöglich die Gesamtgeschichte des israelttischen Volkes durchnehmen kann, müssen Charaktergemälde (Geschichtsbilder) die Grundlage des nachbiblischen Geschichtsunterrichtes bilden, so daß der Religionslehrer in derselben die geschichtliche Hauptperson reliefartig hervortreten läßt, hie und da ihre historisch bedeutsam gewordenen Aussprüche geschickt einflicht und namentlich das hervorhebt, worauf der historische Stempel ruht. 3. Aus dem Grunde erscheint es notwendig, daß sich der Religionslehrer in diesen äußerst wichtigen Stoff vertieft, vieles ergänzt und sich auf Grundlage eines Stundenbildes sorgfältig vorbereitet. 4. Wenn auch bei der Behandlung eines solchen Geschichtsbildes die formalen Stufen beachtet werden könnten, so wären doch die drei methodischen Hauptprozesse, nämlich Erzählung, Erklärung, Erbauung (Anwendung und Verknüpfung) besonders zu empfehlen. 5. Der Religionslehrer erzähle frei, fließend, klar und vor allem anschaulich. Zur Förderung der Anschaulichkeit benütze der Religiouslehrer womöglich oft zweckmäßig ausgestaltete Bilder. 6. Der Erklärungsstoff muß geschickt angebracht werden. Er beziehe sich besonders auf die Namen, weil diese die Kristallisationspuutte sind, um welche sich die Partien des Geschichtsbildes gruppieren. Dieser Erklärungsstoff muß der Hauptbestandteil des Tafelbildes sein, ohne welches eine zweckmäßige Behandlung des nachbiblischen Geschichtsunterrichtes kaum denkbar ist. 7. Der letzte und bedeutsamste methodische Hauptprozeß ist die Erbauung oder Anwendung, d. i. die Uebertragung des jüdisch-religiösen Bildungsstoffes auf den Glauben und das persönliche Dasein der Schuljugend. Lehrer Schulhof stellt hierauf folgenden Antrag: „In Erwägung, daß das ausgezeichnete, erschöpfende Referat unmöglich als alltäglicher Vortrag behandelt werden kann und eines Studiums seitens der Lehrer bedarf, wäre es wohl dringend geboten, an den verehrlichen Vorstand mit der Bitte heranzutreten, daß das Referat vervielfältigt und jeder Lehrperson zugestellt werde. Nur so könnte eine nutzbrmgende Diskussion in der nächsten Konferenz stattfinden." Der Antrag wird von der Konferenz mit Stimmeneinhelligkeit angenommen und sodann die Konferenz geschloffen. Sch. Wien Eine Spende.) H-rr Restaurateur Ch. Weiß und desfln Sck'v.lger H-rr Hotelier A. Korn spendeten?u Eb«-en und zi'm Andeuk ii ihres Vaters und Schwiegerv te:s Heini H. Weiß s. A., der vor kurzem im vierundneunzigsten Lebensjahre verschieddem Bethausvereine Hammer-Purgstallgasse zwei prachtvolle, silberne Armleuchter. Die Leuchter samt Kerzen wurden vor dem Betpulte des Vorbeters gestellt und am Eingänge des Peffachfestes zum erstenmal aufgezündet. Beim Morgengottesdienste, als die Spender zur Thora gerufen wurden, hielt Herr Rabbiner Goldstein eine feierliche Ansprache und sprach den gebührenden Dank aus im Namen der Gesamtheit. Er belobte die Freigebigkeit, di: besondere, nachahmenswerte Elternliebe. Hernach sprach Herr Obmann Wrlh. Brody, er dankte im Namen des Vorstandes und versichert die zurückgebliebenen Trauernden, daß das Andenken des Verblichenen stets in Ehren gehalten werden wird. Wie». (Bethausverein „Thorat Emeth", III/2, Untere Viaduktgasse 9.) Am 6. April fand die 38. ordentliche Generalversammlung des Bethausvereines „Thorat Emeth" statt. Obmann Dr. Josef Straßer begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und erstattete den Jahresbericht. Demselben ist das fortschreitende Gedeihen des Vereines zu entnehmen. Die Zahl der Mitglieder hat beträchtlich zugenommen. Der Vorsitzende betonte, daß solange bedauerlicherweise noch immer kein großer Tempel auf der Landstraße besteht, die kleineren Tempelvereine ihr Möglichstes tun müssen, um dem Kultus würdige Stätten zu bieten. Leider ist von den Bestrebungen, einen monumentalen Tempel im III. Bezirke zu errichten, in der letzten Zeit merkwürdig wenig die Rede. Der Kassier Herr S. Millet erstattet den Kassabericht, laut welchem die Bilanz des verflossenen Vereinsjahres die günstigste seit Bestand des Vereines ist. Dem Kassier wird der besondere Dank votiert. Mitglied Krebs regt einige Neuanschaffungen an. Dr. Paul Straßer hält die Renovierung der Bethauslokaliiäten für wichtiger. Der Vorsitzende teilt mit, daß eine vollständige Renovierung bereits beschlossen ist. Auf Antrag des Herrn Reich wurden per acclamationem wieder in den Vorstand gewählt die Herren: D-. Joses Straßer, Obmann; Ferdinand Kohn. Obmannstellvert-eter; S. Millet, Kassier; als Beiräte und Bethausverwälter die Herren Dr. Adolf Herzfeld, M. Köpper, I. König, Felix Löwy; als Schriftführer P. Straßer. Wien. (Bethaus Hammer-Purgstallgasse 5. So intag den 23. April beginnen die allabendlichen Vorträge unseres Herrn Rabbiners M. L. Goldsteiu. Thema: „Sprüche der Väter". Beginn 7 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. (B e t h a u s v e r e i n „A d a ß I e s ch u r u n", IX., Bfluggasse 5.) Samstag den 22. April 1911, nachmittags 5 Uhr, fi idet im Vereinsbethause ein Vortrag des Herrn Rabbinatskandidaten Bela Fischer statt. Thema: „D i e biblischen Speifege setze tm Lichte der modernen Anschauungen". Wien Am Montag den 11. April wurde hier Frau Rosalie Landesmann, geb. Frankl, aus Pohrlitz zur letzten Ruhe getragen. D:e Verblichene war eine Verkörperuna der Frömmigkeit und Gottesfurcht, deren Tod nicht nur ein großer Verlust für ihre Kinder, denen sie ein Vorbild seltener Herzenseigenschaften und tief religiösen Sinnes war, sondern auch für alle ihre Verwandten und Freunde.. — Für die B liebtheit dieser seltenen Frau legte die Beteiligung an der Leichenf.i r ein ehrendes Zeugnis ab; aus ihrem Heimatsort war manßherbeigeeilt, ihr die letzte Ehre zu erweisen. Wien. (Spenden.) Für den alten 70jährigen Mann sind firner eingegangen und ihrer Bestimmung zugeführt worden: Vom Gi-oßfuhrwerksbesitzer Rosenfeld's Erben K 3.—, W. K., Zelinkagl-.sse X 5, Moritz Weiß 20, E. Fleischmann 2, Sascha Hendler ö, Haas u. Welka 2. Ignatz Weiß, Schützengasse 4, X 2, Rabbiner Martin Friedmann in Horazdowitz X 3.—. Wien. Am 17. April feierte Herr Jakob König, langjähriaes Vorstandsmitglied des BethauSvereines „Thoras Emeth", III., Untere Viaduktgasse, sein 80. G.'burtsfest in vollster Rüstigkeit. Der Vegetarier-Verein in Kiew. Hochgeehrter Herr Redakteur! In der vorletzten Nummer Ihres Blattes war eins Nachricht aus Kiew, welche besagte, daß sich daselbst ein Vegetarierverein gegründet hat und daß dieser Verein bei der dortigen jüdischen Bevölkerung viel Zuspruch findet. Da ich selber einer der ältesten Vegetarier Oesterreichs bin, kann ich die Nachricht nur mit Freuden begrüßen und die Betreffenden zu ihren Bestrebungen beglückwünschen und ermuntern, unentwegt an "denselben festzuhalten. Der Vegetarianismus ist ein feuriges Licht, das den Menschen den Weg beleuchtet, den er zu gehen hat und der zu seinem Wohle führt, während alle übrigen Menschen in ewiger Nacht und Finsternis ihr Leben verbringen. Die Ausbreitung^des Vegetarianismus begrüße ich als die Bürgschaft einer glücklichen Zukunft für unser jüdisches Volk, sowie für die gesamte Menschheit. A l b e r t Man d e l b ä u m-