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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-21 · 16 (21.4.1911) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
16 (21.4.1911)
Date
1911-04-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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He: 262 sg-EiSiLüfJMBr jinrj zst**mtüum Dr. Bkochs Wochenschrift Ethisch-religiöse Vecinächtnisse. Es kann als Zeichen der Zeit angesehen werden, daß die Oberhäupter großer jüdischer Familien in ihren letztwilligen Verfügungen nicht nur auf die Aufteilung des Familienvermögens Einfluß nehmen, sondern auch bedacht sind, das ethisch-religiöse Vermögen, das die Familie im Judentum repräsentiert, zu retten und zu erhalten. Erst jüngst machten die testamentarischen Verfügungen des verstorbenen Lord Swaythling (Samuel Montagu) in dieser Richtung nicht geringes Aufsehen. Nicht minder interessant ist in dieser Beziehung das Testament des vor einigen Tagen gleichfalls in London verstorbenen Mr. Marcus Adler, eines Bruders des Chief Rabbi von England. Das Testament, das über ein ansehnliches Vermögen genaue Verfügungen trifft, beginnt mit folgendem Satze: „Ich wünsche, daß meine Linder stets einen Teil ihrer Zeit wohltätigen Werken und einen entsprechenden Teil ihrer Einkünfte wohltätigen Zwecken widmen. Ebenso wünsche ich. daß sie an jedem Versöhnunostage und an meinem Todestage das „Ethische Vermächtnis" meines hochverehrten Vaters, des seligen Chief Rabbi von England mit Aufmerksamkeit durchlesen." Und um seinen Lindern selbst mit gutem Beispiele voranzugehen, hat Mr. Marcus Adler beträchtliche Summen für wohltätige Zwecke vermacht. Eine Ausstellung hcLräischer Bibeln. Anläßlich der Zentenarfeier der Bibelgesellschaft in England, hat die englische Bibelgesellschaft in London eine Bibelausstellung veranstaltet, deren interessantester und wertvollster Teil unbestrittenermaßen die sogenannte Ginsburg-Lollektion hebräischer Bibelausgaben ist. Zu dieser Lollektion gehören u. a.: 1. Die Editio Princeps des Pentateuch mit dem Targum-Onkelos und Raschi-Lommentar als Randglossen. Sie ist in Blogna auf Pergament gedruckt worden und trägt das Datum 1482. 2. Die zweite Ausgabe der Bibel Pergamentdruck. Neapel 1491. 3. Besonderes Interesse erweckt ein Exemplar der bei Bombay in Venedig 1525 gedruckten dritten Ausgabe. Dieses Exemplar war einst Eigentum von Martin Luther, der es mit eigenhändigen Noten versehen hat. Luther machte die Bibel Bernhard Ziegler zum Geschenke. Luther scheint sehr schön hebräisch geschrieben zu haben. 4. Eine hebräische Bibel mit flotter lateinischer Uebersetzung von S. Muenster (Basel 1534). Von dieser Ausgabe wird behauptet, daß sie die Vibelversionen in England und der Schweiz am meisten beeinflußt habe. 5. Sehr interessant ist in dieser Lollektion eine Sammlung von Thorarollen. Sie ist eine Thorarolle aus dem 13. Jahrhundert, in welcher jede Lolumne mit einem „Waw" beginnt. 6. Sehr kunstvoll ist eine „Megillah-Esther" auf Pergament, die zusammengefaltet die Form eines Baumstammes hat. Ueberdies sind in der Ausstellung auch andere, wertvolle Thorarollen zu sehen. Eine dieser Rollen wurde in einem Leller bei Damaskus gefunden und wird auf ein Alter von 400 Jahren geschätzt. Die Rolle wurde auf 60 Schafsfellen geschrieben und enthält 104 beschriebene Lolumnen. Eine andere Thorarolle aus Pergament ist so klein, daß sie, zusammengerollk, in der Tasche getragen werden kann. Eine jGenizah-Rolle.stammt aus dem 10.—11. Jahrhundert usw. Die Juden im russischM Militärdienst. Ganz a tempo ist jetzt in Rußland ein Buch in russischer Sprache erschienen, das einen Russen M. L. Ilssow zum Verfasser hat und den Titel: „Die Juden in der Armee" führt. Das Buch, das voll von offiziellen statistischen Daten über das Verhältnis der jüdischen Soldaten zur allgemeinen Zahl ist, über die mutwillig verdrehten jüdischen Namen in den Matrikelbüchern, über Prozesse gegen Juden in Militärangelegenheilen und über die Zahl der jüdischen Opfer im letzten russisch-japanischen Lriege etc. — dieses Buch besitzt gerade jetzt einen besonderen Wert, wo die Beratung des Markow'schen Antrages betreffend die Ausschließung der Juden aus der Armee auf der Tagesordnung steht. Während der Antisemit Markow aus dem Adelskongreß von „3000 jüdischen Verrätern" sprach, weist Ussow nach, daß im letzten russisch-japanischen Lriege mehr als 3000 Soldaten getötet oder verwundet wurden, die bekannte jüdische Namen trugen, wie „Rabinowitsch, Jtzkowitsch usw., abgesehen von der großen Zahl jüdischer Soldaten mit deutschen, polnischen und russischen Familiennamen. Ussow untersucht auch die Verhältniszahl der jüdischen Soldaten und diejenige der anderen Bevölkerungsschichten und stellt fest, daß, während die Juden ganz entsprechend ihrem Verhältnisse zur übrigen Bevölkerung Soldaten stellen, die Adeligen dreimal weniger liefern, als sie laut ihrer Verhältnisziffer zu liefern hätten. Ussow weist auch nach, daß die städtische Bevölkerung und die Handelsklasse im allgemeinen in der Armee am schwächsten vertreten ist, daß aber unter der städtischen Bevölkerung die Juden allein es sind, welche die nötige Zahl an Soldaten stellen. Interessant sind auch die Fakten, die Ussow über den Heldenmut der jüdischen Soldaten anführt. „Der Heldenmut und die Tapferkeit der jüdischen Soldaten sind den Leitern der russischen Armee sehr gut bekannt", sagt Ussow zutreffend, „aber sie hallen es für nötig, es vor der Öffentlichkeit zu verschweigen." Für b'iie Juden in Armen. Bekanntlich arbeitet die türkische Regierung gegenwärtig an einem Reformprojekt für Beinen. Aus diesem Anlasse verfaßte der Großrabbiner der Türkei Rabbi Haim Nahum ein Memorandum über die Rechtslage der Juden in Pemen, das in dem Wunsche gipfelt, daß die allgemeinen Reformgesetze für Pemen auch die dortigen Juden in liberalem Sinne berücksichtigen mögen. So wies der Chacham Baschi darauf hin, daß die yemenitischen Juden nicht als Zeugen zu Gericht zuge^fen werden und überhaupt einer besonderen Gerichtsbarkeit unterliegen. In seinen Bemühungen findet der Großrabbiner Unterstützung in einem Teile der Parlamentsdeputierten aus dem Pemen, von denen drei vor einigen Tagen beim Großrabbiner vorsprachen, um ihn zu einem gemeinsamen Vorgehen im Interesse der Einführung gesunder Reformen einzuladen, wobei sie sich bereit erklärten, sich für eine vollständige Gleichstellung der Juden mit der übrigen Bevölkerung der Provinz mit aller Kraft einzusetzen. Ueberdies versprachen die drei Abgeordneten dem Großrabbiner, bei den nächsten Parlamentswahlen alles daran zu setzen, daß im Beinen auch ein jüdischer Abgeordneter gewählt werde. Dieser Tage hatte der Großrabbiner in dieser Angelegenheit auch eine Unterredung mit dem Großvezier Hakki Pascha.! Vermischtes, Kranzablösungsspende« zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Seltenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Emanuel Fischl : Von Ignaz Gewitsch K 20, Ernst Goldschmid 50. Otto Pollak 30, E. Fischl 50, Theodor Fischl 50, Sig. Fischl 20, Edmund Schulhof 20, Isidor Grün 10. Zusammen X 250. Anläßlich des Ablebens der sel. Marie Schenk: Von I. Vierer X 10.

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