Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 16 (21.4.1911)
- Date
- 1911-04-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 16 SeUe 261 Dr. Bkochs Wochenschrift Bett- und Hauswäsche 2000 Stück Effekten verabreicht. Der Bermögensstand der bei dem 50jährigen Jubiläum sich auf ö. W. fl. 124.92115 belief, beziffert sich bei seinem 7Ojährigen Jubiläum auf K 475.950 32, welche nur in Fondwidmungen bestehen. Die jahrein, jahraus einlaufenden Spenden werden total der Notleidenden Menschheit zugewendet.. Mit besonderer Genugtuung erwähnt der Bericht die hervorragenden Mitglieder und Wohltäter des Vereines, hievon seien nur hrrvorgehoben: Seine Majestät der Kaiser Ferdinand der Gütige, Ihre Majestät die Kaiserin Maria Anna Carolina, Seine Eminenz der Durchlauchtigste Kardinal Erzbischof Friedrich Fürst zu Schwarzenberg, die an der Spitze der Jahresbeiträge mit ö. W. fl. 50.— durch viele Jahre glänzten. Eine statistische Tabelle der 70jährigen Einnahmen und Ausgaben. Ein Verzeichnis der Vorstandsmitglieder während der 70jährigen Periode umfaßt die stattliche Anzahl von 88 Vorstehern, worunter der jetzige Direktor und Leiter des Vereines Herr JUDr. Ludwig Bendiener bereits vor 45 Jahren in den Vorstand gewählt wurde und der derzeitige Kassier des Vereines Herr Moritz Austerlitz bereits vor 43 Jahren in den Vorstand gewählt wurde. „Vezalel"-Ausstc'.lung in Prag. Der im Vorjahre hier neugegründete Kunstgewerbeverein „Bezalel" veranstaltete in den letzten Tagen in dem in dankenswertester Weise seitens der Repräsentanz der israelitischen Kultusgemeinde zur Verfügung gestellten Festsaale des jüdischen Rathauses eine Ausstellung der in der Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem erzeugten Gegenstände. Die feierliche Eröffnung fand am 2. d. M. in Anwesenheit der Repräsentanten der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, zahlreicher Dignitärs und eines distinguierten Publikums statt. Nachdem der Vereinsobmann Herr Dr. Th. Wells ch die Entstehungsgeschichte und die Bestrebungen des „Bezalel" — der nicht die Schöpfung .einer bestimmt ausgeprägten Richtung, sondern der jüdischen Gesamtheit sei, dann die Ziele und'Zwecke des hiesigen Vereines auseinandergesetzt und der leitenden Männer wie Prof. Marburgs, Paul Nathans, Vertrand Hamburgs, Hermann Strucks und Boris 'Schatz. Erwähnung getan hatte, ergriff der Präsident der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr.. Arnold Rosenbacher das Wort zu einer längeren Eröffnungsrede, in der er auf die eminent jüdische Seite dieser Veranstaltung hinwies, die jüdischer Arbeit und Kunstpflege in Jerusalem, der Stätte unserer „Vorfahren", gewidmet sei, und betonte, daß das Wesen des „Bezalel" jedem Juden, welcher Parteirichtung auch immer, gestatte, ja sogar zur Pflicht mache, an diesem Kultur- und Wohlfahrtswerke mitzuarbeiten. — Die Ausstellung erfreute sich insbesondere an den Sonntagen eines massenhaften Bcsuchcs aus den distinguierten Ge'ellschaftskceisen, sowohl von seiten der Fachkenner, alL auch des weiteren Publikums, besonders aber auch seitens nichtjüdischer Kunstinteressenten. Die Kunstgegenstände, die Teppiche, Metallsachen. Silberfiligranarbeiten und Spitzen, fanden ungeteilte Anerkennung und lebhaften Anklang bei den kauflustigen Besuchern, so daß nahezu alle Ausstellungsgegenstände verkauft sind und nicht einmal der großen Nachfrage Genüge getan werden konnte. Die Ausstellung, die von dem hiesigen jungen Architekten Secher 1 arrangiert wurde, präsentierte sich aber auch in einer höchst anziehenden Form und erhielt erhöhten Reiz durch Milausstellung seltener Prachtstücke des hiesigen jüdischen Museums, dann durch die kostbare Münzensammlung Professor Münz er s und nicht zuletzt durch die allgemein bewunderten Radierungen, die der berühmte jüdische Maler Hermann Struck zur Verfügung gestellt hatte und die auch rasch vergriffen waren. Struck, ein ebenso großer Künstler, als warmfühlender Jude, scheute auch nicht die Reise von Berlin, um' am 3. hier im Ausstellungsraum einen höchst instruktiven Vortrag, mit Lichtbildern, über „Bezalel und jüdische Kunst" zu halten. Die Veranstaltung verdient auch deshalb Erwähnung, weil in den Dienst dieses ausschließlich jüdischen Zweckes zum erstenmale sich ein den besten jüdischen Gesellschaftskreisen Prags angehörendes Damenkomitee, unter der aufopfernden Führung der Frau Professor Irma Münzer, der ein Haupterfolg am Gelingen dieses Unternehmens zuzuschreiben ist, gestellt hatte. Auch das Ausschußmitglied Herr Alfred Fröhlich widmete seine ganze Zeit der ungemein schwierigen Vorbereitung und merkantilen Abwicklung des Verkaufes. Unter solchen Auspizien war auch das Gelingen der Ausstellung von vorneherein gesichert und diese selbst Gegenstand der anerkennendsten Besprechungen seitens der Tagespresse, der materielle und moralische Erfolg übertraf jedoch alle Erwartungen und war ein verheißungsvoller Anfang zur wünschenswerten Propagierung des „Bezalel", an dessen unausgesetzter Vervollkommnung und Erweiterung fortgearbeitet wird, der aber jetzt schon ein Ruhmesblatt der jüdischen Solidarität bildet und bestimmt ist. die Eristenz vieler Hunderter Glaubensgenossen in Palästina zu sichern, diese nicht nur zur Arbeit, sondern auch für den Aufblick zum Schönen zu erziehen und durch seinen Bestand wie seine Leistungskraft dem gesamten Judentums zur Ehre zu gereichen. Dies war auch der allgemeine Eindruck, als die Ausstellung abends des 11. April in Anwesenheit zahlreicher Gäste durch eine resümierende Ansprache des Vereinsobmannes Dr. Weltsch und mit herzlichen Dankesworten der Komiteepräsidentin Frau Professor Münzer wieder geschlossen wurde. Ein Legat zur Bekämpfung des Antisemitismus. Der in Rom vor einigen Tagen verstorbene Ingenieur Emil Trives verpflichtete seine Erben testamentarisch, dem italienischen Unterrichtsminister ein Legat von 10,000 Lire auszuzahlen. Diese Summe soll als Preis für das beste Werk über die Frage dienen, wie der Antisemitismus am folgreichften bekämpft werden könne. Der Konkurs soll ein internationaler sein. Da das Testament bereits die gerichtliche Bestätigung gefunden hat, wurde die ausgeworfene Summe im Unterrichtsministerium deponiert, das demnächst den Konkurs ausschreiben dürfte. Protest gegen einen antisemitischen Arbeiterführer. Wir berichteten bereits über dir antisemitischen Umtriebe. mit denen der Pariser Arbeiterführer Pateaud die Arbeiter seit einiger Zeit zu verfolgen sucht. Diese antisemitische Wühlerei war um so bedenklicher, als die Arbeiter sie als eine Parole seitens der sozialdemokratischen Parteileitung ansehen mußten und ihr daher auch folgten. Wie nun aus Paris gemeldet wird, hielten 200 jüdische Mitglieder des „Allgemeinen Arbeiterverbandes" eine Versammlung ab. in welcher sie in scharfen Worten gegen das Verhallen Pateauds protestierten, gegen den sie öffentlich den Vorwurf erhoben, daß er sich den Klerikalen und Antisemiten verkauft habe, und forderten die Partei auf, zu erklären, daß sie den Umtrieben Pateauds fernsiehe. Pateaud. der in der Versammlung erschienen war, versuchte sein Vorgehen damit zu rechtfertigen, daß seine Angriffe sich ausschließlich gegen die reichen Juden, gegen die jüdische Bourgeosie, nicht aber gegen die jüdischen Arbeiter richteten. Die Versammlung wollte aber Pateaud nicht weiter anhören, und Pateaud war gezwungen, den Saal zu verlas'en. Die Versammlung nahm schließlich eine Resolution an. in welcher alle bewußten Arbeiter, hauptsächlich aber die Mitglieder der Arbeiterorganisation aufgefordert werden, sich in einem scharfen Protest gegen die antisemitischen Ausschreitungen Pateauds zu vereinigen.