Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 16 (21.4.1911)
- Date
- 1911-04-21
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 258 Dr. Möchs WMaMM «r. 16 neu beigetreten. Diesem Zuwachs steht ein Ausfall von 662 gegenüber, so daß unser Mitgliedsland sich derzeit auf 7757 beläuft. Im Berichtsjahre gingen 2627 Geßchäftsstücke ein, 2449 Geschästsstücke aus; für Propaganda. Kalender und Expeditionen wurden 18263 Briefe abgefertigt. Die Vereinsagenden wurden ln Z Vorstandssitzungen und 4 Präsidialsitzungen erledigt. Der Unionkalender hat im abgelaufenen Jahre einen Reinertrag von Kronen 2003.92 ergeben, gegen das Vorjahr ein Plus von Kronen 106.27. Anläßlich des 25jährigen Jubiläums der „Oesterr.- Jsrael. Union" haben wir eine Sammlung zur Schaffung eines Rechtsschutzreservefonds eingeleitet. Wir haben die betreffenden Zuwendungen m unserer „Monatsschrift" ausgewiesen und sagen an dieser Stelle noch insbesondere den Herren Bernhard P o l l a ck Edlen von Parnau, Alexander Schorr, Jakob Ehrlich in Przemysl, ferner den Erben des Herrn David Reumann, des Herrn Emil Koch, des Herrn Kommerzialrates Karl Krauß, des Herrn kaiserl. Rates Leopold Trebitsch, des Herrn Adolf Baer, des Herrn Doktor Hermann Rieß, ssür deren namhafte Rentenstiftungen unseren herzlichsten Dank. Die Vortragsabende der „Union" haben sich eines wachsenden Zuspruches und regen Interesses erfreut. Es sprachen am 26. November: Dr. Ignaz Z o lisch an über „Taufe. Rasse, Zukunft", am 13. Dezember Abgeordneter Dr. Arthur Mahler, über „Die Volkszählung und die Juden", am 2. März kais. Rat Ioh. Lichtenstadt über „Die jüdische Auswanderung nach Amerika", am jLl. März Herr Rabbiner Doktor Armin Abel es über „Randglossen zur Esterrolle" und am 5. April Herr Rabbiner Dr. I. Drobinsky aus Friede! über „Organisationsbestrebungen der Juden im 16. Jahrhundert". Am 25. März haben wir im Festsaale des „Niederösterreichischen Gewerbevereins" unter ganz außerordentlicher Teilnahme des Publikums eine künstlerische Matinee veranstaltet, bei welcher Herr Siegfried Fleischer über „Die Bibel als Kunstwerk" sprach und Herr Hofschauspieler Karl L o e w e Stellen aus der Bibel und eine Szene aus dem „Saul"-Fragment von Josef Kainz zur Verlesung brachte. Der Tod hat im verflossenen Jahre einige der besten Männer aus unseren. Reihen gerissen. Wir betrauern das Hinscheiden des ehemaligen Präsidenten der „Union", Herrn Doz. Dr. Josef Grünfeld, der unseren Verein zehn Jahre hindurch mit seltener Tatkraft und Zielbewußtheit geleitet und ihn zu großer Bedeutung und allgemeinem Ansehen gebracht hat. Wir beklagen ferner das Hinscheiden unseres langjährigen ausgezeichneten Vorstandsmitgliedes, Herrn Dr. Philipp Meitner, dessen weiser Rat unserem Rechtsschutzbureau und unseren politischen Aktionen gar oft zugute gekommen ist und der uns stets ein Vorbild unverrückbar freiheitlicher Gesinnung und strenger Gerechtigkeitsliebe war. Ebenso schmerzlich berührte uns der Verlust der langjährigen hervorragenden Mitglieder, des Herrn Baurates und Kultusvorstehers Wilhelm Stiaßny und des Hofrates Dr. Leopold Oser und der kaiserlichen Räte Wilhelm P o I l a k und Friedrich Vogel. Wir betrauern ferner das Ableben der Herren: Dr. Heinrich Adler, Philipp Austerweil, B. Bäcker, Adolf Baer, Edmund Beer, Julius Berger, Mar Blau, Adolf Bosser, Lazar Bratmann, Adolf Breuer, Josef Deutsch, Michael Eisler, Sigmund von Eisler, Jagues Ehrenzweig, Mar Ehrenreich. Hermann Fleischner, Leopold Frankfurter, David Glück, S. Goldberger, Ferdinand, Goldschmidt, Heinrich Goldschmidt, Friedrich Grünwald, Dr. Adolf Guttmann, Julius Herz von Hertenried, Bela Heyduschka, Wilhelm Hiller, H. Hochsinger, Edmund Hollitscher, Hermann Kassowitz, Dr. Adolf Kirsch, Leopold Koch» Kommerzienrat Karl Kraus, Bernhard Leszteny, Sigmund Liebel, Lazar und Leopold Löwy, Jakob Magyarossy, Anselm Markus, Salomon Meisels, John Nascher, David Neumann, Michael Neurath, Alexander Niedermann, Josef Offer, Mar Reichmann, Doktor Hermann Rieß, Moritz Seidker, Josef Silbermark, Fritz Singer, Salomon Singer, Isidor Süß, Emil Schwarz, Marlin Vogel, Julius Weinberger, Wilhelm Weiner, Ludwig Zweig, sämtlich in Wien; ferner der Herren Rabbiner Eduard Bachrach, Strakonitz, Jacob Venisch, Mährisch-Weißkirchen, B. Berger, Colloredow, Bernhard Bloch, Eichwald, Hermann Bloch, Teplitz, Doktor Ph. Falk, Hermanmestec, Emanuel Friedmann, Kre, Sigmund Hoffmann. Lundenburg, Dr. Samuel Halbreich. Bielitz, Samuel Jona, Görz, Franz Löwy, ^aslau, Jsak Ochs, Holleschau, Bernhard Pollak, Bielitz, Moritz Rodosi, Szlanicza, Leo Spitzer, Jägerndorf, Alois Schmiedl, Brünn, David Schnürmacher, Taus, Hugo Schwarz, Innsbruck, Dr. S. Schwarzkopf, Pilsen, Hermann Schütz, Prag, Ingen. M. Steinberg, Jägerndorf. Lazar Storch, Boskowitz, Karl Stransky, Jglau. Salomon Torsch, Klagenfurt, Mayer Weiß. Leoben. Markus Zentner. Lubenz. Die geehrte Generalversammlung hat sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben und wir bitten um die Ermächtigung, diese Trauerkundgebüng dem Protokolle einverleiben zu dürfen. Geehrte Generalversammlung! Wir gehen Abermals bewegten und für die österreichische Judenschaft wichtigen Tagen entgegen. Das Abgeordnetenhaus des Reichstages ist aufgelöst und die Neuwahlen sind für den 13. Juni ausgeschrieben. Es erwächst uns die dringende Aufgabe, nicht nur für eine energische Vertretung der staatsbürgerlichen Rechte der Juden auch im neuen Hause zu sorgen, sondern auch'mit allen uns zur Verfügung stehenden Kräften dahin zu streben, daß die allgemeinen Ideen der Freiheit, des Fortschrittes und der Gleichberechtigung mitten in dem Wirrsal nationaler Kämpfe und gegenüber allen reaktionären Bestrebungen .einen kraftvollen Ausdruck finden. Angesichts des Wahlkomvromisses, welches soeben zwischen den sogenannten deutsch-freiheitlichen Parteien und den Christlich-Sozialen zustande gekommen ist, wird diese Aufgabe keine leichte sein. In den bevorstehenden Wahlkämpfen können die Staatsbürger jüdischen Glaubens, sofern sie sich vor weiterer Schädigung ihrer materiellen und moralischen Existenz schützen wollen, nur auf Seite der entschieden freiheitlichen Kandidaten stehen. Nach wie vor muß unsere Parole sein: Gegen den kultur- und volksfeindlichen Antisemitismus, unter welcher Hülle, unter welchem Deckmantel immer er uns entgegentritt. Bleiben wir uns bewußt, daß wir zäh und unermüdlich jeden Fußbreit unseres Rechtsbodens verteidigen müssen und daß wir freiwillig auf keine unserer verfassungsmäßigen Freiheiten verzichten dürfen, wenn sie nicht endgiltig verloren gehen sollen. Wir fühlen uns gedrängt, an dieser Stelle allen Mitarbeitern und Vertrauensmännern der „Oestsrreichisch- Jsraelitischen Union", insbesondere den bisherigen Abgeordneten Dr. Mahler. Kuranda und Dr. Ofner für deren stets bereitwillige Unterstützung des Rechtsschutzes. ferner der Presse unseren wärmsten Dank auszusprechen. Der Bericht wurde mit lebhaftem Beifalle ausgenommen. Sodann erstattete Herr Revisor Josef Fuchs den Kassabericht, aus welchem ersichtlich ist. daß infolge der gesteigerten Inanspruchnahme des Rechtsschutzbureaus der Verein gezwungen war, für das Berichtsjahr ein unverzinsliches Darlehen von Kronen 4000.--- aufzuneh-