Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 15 (14.4.1911)
- Date
- 1911-04-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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—■*Mr*ammB*s*sscL^afm'<mto' ■.- vTira‘"iWigä«s^»^;g-'aiiK«~syaaae?«j<ag*?.i^sSgf. ^/mi Sette 248 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 15 Lekoä mi jodea. 5n iciuc :i Nomon „ Der Goitsucher', d^r L-ne tiefgehende religiöse Bewegung des Landvolks und die Gründung einer neuen Sekte in Travies und Umgebung schildert, schreibt Peter Rosegger: „Der junge Gottsucher Erlefried raffte sich auf, und mit einigen Schritten stand er vor dem Felsblock. Auf dem Steine eine Menschengestalt. Ein Mann war's mit einer langen, spitzen Nase und einem spitzigen Kinn. Den Mund hatte er zusammengekniffen und schmunzelte so in sich hinein. Der Jüngling stand hinter einem Baum und wollte warten, bis sich der flachsgelbe Mensch entfernen würde. Aber dieser blieb sitzen und trillerte ein Liedchen ums andere und ließ die Beine Hin- und herbaumeln. Die verhängnisvolle Nacht zog immer höher herauf, und alles dunkelte. Da war keine Zeit zu verlieren und, wie oft genug erzählt worden, der Böse findet sich genau zur ^Stunde .ein. Wenn er aber schon dort sähe und wartete? In Hirten verkleidete er sich gern. Der auf dem Felsblock satz, trillerte: „Lieber Freund, ich frage dich. — Lieber Freund, was fragst du mich? , Sag' mir, was ist Eins? — Eins und Eins ist.Gott allein. . Der da webt und der da schwebt Im Himmel und auf Erden." Erlefried atmete auf. Der Teufel ist es also nicht. Er trat hin und fragte den Hirten: „Was machst du da?" — „Ich singe mein Abendgebet", antwortete jener gleichmütig und trillerte weiter: „Lieber Freund, ich frage dich. — Lieber Freund, was fragst du mich? Sag' mir, was ist zwei? — Zwei Tafeln Mosis, Eins und Eins üt Gott allein. Der da lebt und oer da schwebt Im Himmel und auf Erden." „Bist du keiner von der neuen Sekte, daß du noch das alte Lied hast?" fragte Erlefried. „Doch wohl, doch wohl", antwortete der Hirt, „ich nehm's alles durcheinander. wie's mir just einfällt, und denk', datz ein doppelter Glauben wohl besser wird sein, als ein einfacher. Bei dem Lied aber sollten Zwei sein. Kannst du mir helfen?" Erlefried kannte das Lied von seiner Mutter her, es heimelte ihn an. Die Mutter hatte gesagt, dieser Gesang wäre so hochheilig, datz, wenn er auf Erden gesungen würde, die Sterne am Himmel still ständen und wie Altärkerzen leuchteten. So konnte zu solch' gefährlicher Stunde dem Burschen kaum etwas willkommener sein, als dieses Lied. „Sing' vor", sagt er, „ich tu' mit!" Der Hirt fuhr fort: „Lieber Freund, ich frage dich." Erlefried entgegnete: „Lieber Freund, was fragst du mich?" Der Hirt: „Sag' mir, was ist Drei?" Erlefried: „Drei Patriarchen." Beide zusammen : „Drei Patriarchen, zwei Täfeln Mosis, Eins und Eins ist Gott allein, der da lebt und der da schwebt im Himmel und auf Erden." — Man erkennt sofort, datz diese Verse nichts anderes sind, als die llebertragung des alten Hagada-Liedes: „Echod mi jodea, echod ani jodea.“ Wie kommt Rosegger dazu, den Passah-Gesang von diesen zwei. Gestalten in nächtiger Zeit trillern zu lassen? Der Dichter gibt im weiteren Verlaufe der Erzählung die Antwort, indem er mitteilt, dätz diese Hymne während der grotzen Prozession am Fröhnleichnamstag gesungen wird. Wo ist nun die Priorität dieses Gedichtes zu suchen, in der Hagadah schel Pessah oder in der christlichen Liturgie? Die Entscheidung kann kaum zweifelhaft sein. Die Frohnleichnämsfeier ist einer der jüngsten Feiertage der römisch-katholischen Kirche und wurde erst auf dem Konzil zu Vienne m Jahre 1311 zur allgemeinen Bedeutung erhoben. Nun wissen wir aber, datz die Anordnung in der Hägädä uralt ist, was auch dadurch erwiesen wurde, datz die sogenannte .^Illustrierte Hagada von Serajewo", deren Ursprung von sachverständigen Gelehrten ms 11 „ spätestens 12. Jahrhundert gewiesen würde, diese Hymne schon enthält. Es ist nicht unwahrscheinlich, datz Thomas, von Aquino, der Verfasser des Festoffiziums des Frohnleichnamstags, eine Ileberarbeitung dieser Hymne veranlatzt und eine Anpassung an die christliche Liturgie geschaffen hat. Das jüdische Kekenvlrns als Hiudermrgsgrnud der der Beförderung;nrrr preußischen Reserveoffizier. Verlag: H. S. Hermann. Die fortgesetzte Ausnahmebehändlung der Juden im preutzischen Heere, die bei der bevorstehenden zweiten Lesung des Militäretats den Reichstag wieder wird beschäftigen müssen, hat dem Verbände her Deutschen Juden, der die Vertretung aller den Juden im Deutschen Reiche gemeinsamen Interessen bezweckt, Anlatz zu der. Veröffentlichung der Broschüre: „Das jüdische Bekenntnis als Hinderungsgrund bei der Beförderung zum preutzischen Reserveoffizier", gegeben. Seit 30 Jahre ist, entgegen früherer Uebung, in Preutzen kein einziger jüdischer Einjähriger zum Reserveoffizier befördert worden, während verhältnismätzig zahlreiche christliche Söhne jüdischer Eltern Reserveoffiziere wurden. Herr von Einem gab denn auch die Tatsache sowie die Unzulässigkeit und Ungerechtigkeit erfolgter Zurücksetzungen wegen des jüdischen Bekenntnisses zu. Im Gegensatz zu ihm hat sein Nachfolger, Herr von Heeringen, wie erinnerlich ist, im letzten Jahre die Nichtbeförderung der jüdischen Einjährigen mit der Behauptung, ihnen fehle die für den Vorgesetzten vor der Front unerlätzliche „achtunggebietende Persönlichkeit" und mit. der seiner Erklärung nach., notwendigen Rücksichtnahme auf das im „niederen Volk" angeblich bestehende Vorurteil verteidigt. Gleichwohl hat er erklärt, datz die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft kein Grund zur Nichtbeförderung sein dürfe, und «Abhilfe bei „nachweislichen" Verstötzen gegen die diesbezüglichen Bestimmungen zugesagt. — An diesen Gegensatz zwischen Herrn von Heeringens— in sich widerspruchsvollen — Ausführungen zu den von seinem Vorgänger ausgesprochenen Grundsätzen knüpft die Broschüre des Verbandes der Deutschen Juden an. Eingeleitet wird sie von einer im Januar 1910 an den Kriegsminister gerichteten Eingabe des Verbandes und der auf diese erteilten Antwort. Sie gibt dann die bisherige Entwicklung der Frage im Reichstag, seit diese im Jahre 1904 von dem Abgeordneten Eickhoff zuerst berührt wurde, wieder und schildert, unter Bezugnahme auf die den Kriegsministern in drei Jahren überreichten Veispielfälle, wie die jüdischen Einjährigen von Beginn des Dienstes an ohne anderen Grund als ihr Bekenntnis hinter ihren christlichen Kameraden zürückgesetzt werden, wie jede Beförderungsstaffel Gelegenheit bietet, dem Juden — vielfach,, trotz ausdrücklicher Anerkennung seiner Tüchtigkeit, und sogar trotz mannhaften Eintretens seitens einzelner vorurteilsloser Vorgesetzter — den Weg zur Reserveoffizierbahn abzuschneiden. Einige besonders bezeichnende Fälle, in denen ein Vorgesetzter eine Beförderungsvorschlagsliste „ohne Juden" verlangt, oder ein anderer die Beförderung zum Vizewachtmeister dem Einjährigen gegenüber offen davon abhängig, macht, datz er sich taufen lasse oder auf die Gestellung zur Wahl als.Reserveoffizier vorher verzichte, sind genauer. mitgeteilt. Daß es das Bekenntnis ist, gegen welches diese Praiis sich richtet und nicht die mit der Abstammung in Verbindung gebrachten „persönlichen Eigenschaften"' wird durch Len