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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-14 · 15 (14.4.1911) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
15 (14.4.1911)
Date
1911-04-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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©die 3*7 Nr. r s - D e. Bloche WocheMrift ^»7 RofeUbMkg Vagujhely» der.Schwiegersohn,.Professor Antscherl- ' Men uud Frau Schwitzer für denhiesigen^ Frauenverein, dessen InnMhrise^ Kcafidentin die Verewigte gewesen. Me gaben dem großen . Schmede über den herben Elnst Ausdruck. Zu Füßen der Verewigten ruht-ihr ältester G>hn. der rühmlichst!«kmmte Dich^r unb, Schriftsteller Dr. Arnold Weisie. Segen ihrem Alürenken! Was Jsaac b<! Camvndo gestprWr. Aus Paris, 7. d., wird uns telegraphiert: 'Heute ist hier Graf Jsaac de Camondo, der Präsident der Bank von Paris, im Alter von 62 Jahren an einem Herzschlag gestorben. Jsaac de CaMondo war der einzige jüdische Graf. Er war ein großer Kunstsammler und hatte eine Oper, „Der Clown", geschrieben. Japan. Die Petersburger „Rjetsch" meldet: Die japanische Regierung hat die Bewilligung zur Gründung jüdischer Kolonien in Japan erteilt. Zur Begründung dieser Bewilligungserteilung wird darauf hingewiesen,-daß die Juden, die nach dem russischjapanischen Krieg nach Japan gebracht wurden» sich dort als tüchtiges, kulturförderndes^ Element, bewährt haben und die Errichtung von jüdischen Kolonien dem japanischen Reiche nur von großem^ Nutzen sein würde. Von Dr. S. Ochser, Kuttenplan. Die Sonnenwende ist vorüber und jubilierend hält der/Frühling seinen goldenen Einzug: mit ihm zugleich geht das Judentum der ganzen Welt daran, das Pessachfest, mit, zum Teil aber auch ohne ungesäuerte Brote M feiern. Es erwacht in ihm eine neue, undefinierbare Hoffnung auf irgend etwas Undefinierbares kommender Tage. Und wie das Judentum sich im Verlauf der letzten zwei Jahrtausende verändert hat, so, sollte man meinen,' müßte sich auch seine Frühlingsfeier verändert haben. Aber; wirklich geändert hat sich im Judentum selbst, wie in seinem Pessach einzig und allein die Form: der Geist und der Inhalt sind geblieben und ragen aus längst vergangenen Zeitperioden in die unabsehbare Zukunft stark und unentwegt hinüber. Was Pessach im nationalen Judenstaate gewesen, wird es nie mehr werden, was aus ihm in den ersten Dezennien nach dem Untergänge. der nationalen Selbständigkeit geworden, wird es ewig bleiben, auch dann noch, wenn das modernste Judentum den Gebrauch selbst des ungesäuerten Brotes aus ihm eleminieren sollte. Zu den drei Hauptfesten gehörend, welche das gesamte Israel-Juda in den Mauern Jerusalems vereinte, war. es das frequentierteste: das Lammesopfer, welches zum Teil privaten. Charakters war, mußte im Tempel- Hofe geschlachtet werden, keiner durfte sich des Genusses enthalten, was zur Folge hatte, daß die Zahl der Tempelbesucher in der Festeswoche zwei, ja sogar drei Millionen überstieg. (Jos. Bel. Jud. II, ,14. 3. und VI, 9. 3.) Schon einen Monat vorher begann man deswegen die Wege, Zufahrten und Brücken in dem Weichbilde und der weiteren-Umgebung der Stadt auszuhefsern. die Gräben und offenen . Bassins wurden übertüncht, die Wechseltische wurden, .längst des Aufstieges zum Tempelberge aufgestellt (Mischna Shek. I, 1—3). Die vierzehn Tempelverwalter brachten alles. für das Fest nötige wieder in Ordnung (itz. V,1—6). Priester und Leviten hatten vollauf im Tempel, zu tun, um alles so weit herzurichten, daß es dem. raschen Vollzüge, der Festzeremonie kein Hindernis biete (ih, VI,- 3—5). Endlich war der große Tag, der Rysttag herangebrochen: in ängstlicher Eile wurde schon in den frühen Morgenstunden alles Gesäuerte aus den Häusern geschafft. Äligstwurden von den emsigen Hausfrauen und den öffentlichen Bäckern die ungesäuerten Brote zubereitet. Zwischen ein und zwei Uhr nachmittags wurden die Tore des Tempelhofes geöffnet (Mischna Pes. V, 1). In drei Serien winden die draußen harrenden hinemgelassen, kaum hatte sich die- Vorhalle gefüllt, fielen die Tore wieder ins Schloß. In langen Reihen standen hier die Priester, so viele nur aufgeboten werden konnten, bis an den Altar hinan: jeder von ihnen eine Schale in der Hand, abwechselnd eine silberne und eine goldene. Aus dem Dukan standen die Leviten und das dreimalige Stoßen in die Posaune gab das Zeichen zum Beginne der Zeremonie: ein Jsraelite, der am Ende der Priesterreihe stand, schlachtete: schnell wurde das Blut des Lammes vom Priester in die Schale aufgefangen, er gab sie dem Nachbar, dieser dem Nächststehenden und so fort: bis sie an den Altar gelangte, nun ergriff sie der am Altar stehende Priester, leerte ihren Inhalt auf ihn aus und gab sie dem ersten in der nächsten Reihe stehenden Nachbar. Währenddem sangen die Leviten das Hallel (Psalm 115—118). Waren sämtliche Lämmer geschlachtet, wurden sie zerlegt, und die zum Opfer nötigen Stücke dem am Altäre stehenden Priester zur Opferung auf silberner Schale dargereicht.'(ib. 5—6,10.) Hierauf öffneten sich die Tore und die zweite Serie erhielt den Einlaß, (ib. 10). Dien Abschluß fand dieses Opfer in der Mahlzeit, welche Mit anbrechender Dunkelheit in den Hausern der Stadt, in den aufgeschlagenen Zelten im Weichbilde oder in den Gasthäusern der Umgebung Jerusalems abgehalten wurde (ib. X, 1. Ev. Luc. XXII. 1-10). Die Mahlzeit selbst nahm ungefähr denselben Verlauf wie jetzt noch der übliche Sederabend (Mischna Pes. X, 2—7. Ber. I, 5). Was sollte aber, was konnte denn noch von all diesen Zeremonien nach dem Untergänge des Staates, nach der Vernichtung der Selbständigkeit beibehalten werden? Bloß die Mahlzeit mit dem Hallelujah? Dies wäre dem Volke wahrlich viel zu wenig gewesen, um Trost in den schweren Leiden zu finden. Sollte man. da der 'Tempel zerstört war und die Opferung des Lammes endgiltig hatte aufhören müssen, auch mit den über tausend Jahre alten Pessachmahlzeiten brechen? Lief man da nicht Gefahr, das Pessachfest mit den Jahren vollständig aufgeben zu müssen? Da war es Gamaliel II., der, ungefähr zwei Jahrzehnte nach dem staatlichen Zusammenbruche Judäas, durch die Einschaltung weniger (23) Worte in die Psalmgesänge der Pessachmahlzeit ein neues Gepräge und Gepränge verlieh. Es sind dies die Dankesworte (Lefikach anachnu cliajubim), die angesichts des zerstörten Tempels, des verwüsteten und vollständig ruinierten Landes, der schrecklichen römischen Unterjochung und angesichts der in tiefstes Dunkel gehüllten traurigen und trostlosen Zukunft, geistige Freiheit und Freude, geistiges Licht und die geistige Erlösung ausdrücken (Mischna Pes. X, 5). Zwar Haben sich auch die vom nationalen Vorkämpfer, Rabbi Akiha, verfaßten Wunschsätze der zukünftigen Wiedererbauung Zions in der Liturgie der Hagada erhalten' W. 6), aber sie reichen noch lange nicht an jenes gewaltige Vermächtnis heran, das Gamaliel dem Judentums für alle Ewigkeit hinterlassen. Nicht das Pessachlamm. nicht die ungesäuerten Brote haben dem gehetzten, gemarterten, ewig umherirrenden Volke Kraft und Ausdauer verliehen. Nicht die Erinnerung an den Auszug des alten Israel aus Aegypten hat bem armen Volk den Mut gegeben, den grausamen Zeiten und den schrecklichsten Schicksalsschlagen Trotz zu bieten. Die geistige Freiheit, für die es keine Hindernisse gibt, das strenge unausrottbare Bewußtsein, daß dem Kummer die Freude, der Trauer die Heiterkeit, dem tiefsten Dunkel das strahlendste Licht, der grausamsten Unterdrückung die herrlichste Erlösung folgen müsse, dies ist das gamalielsche Pessach der Vergangenheit» dies das Pessach dev. Ewigkeit..

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