Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 15 (14.4.1911)
- Date
- 1911-04-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 15 müsse, daß. die Budgetierung in den Ziffern der Ausgaben für Kultus und Unterricht echt jüdischen Geist atme. Dasdiesjährige Budget bildet einen Markstein in der Geschichte unserer Kültusgemeinde; schon die Erwerbung des neuen Friedhofes ist ein erfreuliches Ereignis, wir besitzen dadurch einen Friedhof, nicht in Subpacht, sondern als ni'nrr der unser unbestrittenes Eigentum ist, und die Gebeine unserer Angehörigen geschützt sind gegen spätere Exhumierungen durch Enteignuingsversuche. Allein unsere Gemeinde steht vor weiteren großen Ausgaben; der Bau eines Verwaltungshauses und eines großen Tempels für die innere Stadt wird immer dringender gefordert. Der gegenwärtige Zustand entspricht nicht der Würde der Gemeinde, die auch nach außen hin achtungsvoll sich repräsentieren muß. Diese Aufgaben erfordern ein Anlehen von vier bis fünf Millionen. Das soll der Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden, damit weitere kreise der Gemeinde mit dem Gedanken sich vertraut machen und zu diesen Fragen Stellung nehmen. Wir müssen die Oeffentlichkeit informieren, weil wir von der Oeffentlichkeit Unterstützung erwarten. Ohne solche tatkräftige Hilfe darf man der Gemeinde diese schwere Last nicht aufbürden. Redner bespricht und befürwortet auch den geplanten Neubau des Fugbachtempels und gelangt zu dem Resultat, daß die neuen Ausgaben das Budget mit einer Zinsenlast von zwei bis dreihunderttausend Kronen jährlich beschweren. Es gilt nun, mit den Gemeindemitgliedern in Fühlung zu treten, ob sie einverstanden sind, daß der Vorstand an diese wichtigen, dringlichen aber mit hohen Kosten verbundenen Aufgaben schreite. .. I : Redner bespricht die Notwendigkeit der Statutenänderung, die Reform des Lehrplanes für den Religionsunterricht und gibt zum Schlüsse der Hoffnung Ausdruck, daß die Verwaltung der Kultusgemeinde, wie bisher, so auch in Zukunft, im jüdischen Geiste geleitet sein werde. (Lebhafter Beifall.) Ap.,^r Debatte, beteiligten sich ferner die Kultusvertreter Wilhelm Küffner, Dr. Marimilian Steiner, Präsident. Dr. Alfred Stern und der Finanzreferent Mar F r a n k. Vertreter Wilhelm K u f f n e r berichtet über die Amtswirksamkeit des neuen Svitaldirektors Prof. F l e i s ch m a n n und der beiden neuen Primarärzte; über seinen Antrag wird der ärztlichen Leitung des Rothschildspitales der Dank ausgesprochen. Der Finanzreferent beantragt, der Leitung des Versorgungshauses, insbesondere dem Obmann, 2. Vizepräsidenten Hofrat Doktor Rappaport, sodann dem ausgezeichneten Damenkomitee. an seiner Spitze sveziell der Präsidentin Frau Jda Diamant, den Dank zu votieren. (Lebhafter Beifall.) * k Vizepräsident Hofrat Dr. Rappaport bespricht die Lage des Versorgungshauses und bedauert, daß aus Mangel an Mitteln ca. zweihundertfünfzig würdige Aufnahmswerber vergebens an den Türen dcs Versorgungshauses harren. Redner appelliert an die weite Oeffentlichkeit, dem Versorgungshaus mit Spenden zu Hilfe zu eilen, um wenigstens einem Teile dieser unglücklichen Aufnahmswerber die Wohltat der Aufnahme gewähren zukönnen. (Lebhafter Beifall.) Bei der Abstimmung wird hierauf der Rechnungsabschluß einstimmig genehmigt und der Vorsitzende spricht dem Finanzreferenten für seine Mühewaltüng den Dank des Kollegiums aus (lebhafter Beifall): ebenso gedenkt der Vorsitzende der hilfreichen Arbeit der Buchhaltung, insbesondere der Herren Ruf und Schäfer, denen er für ihre eifrige Tätigkeit den Dank ausspricht. Vor Schluß der öffentlichen Sitzung bringt der Sekretär Herr Dr. Adler eine Resolution der jüdischen Architekten Wiens zur Kenntnis der Plenarversammlung, Die jüdischen Architekten Wiens haben durch Verwir“ mittlung des Kultusvorstehers Architekten Iakob Gärtner dem Vorstand den dringlichen Wunsch ausgesprochen, für die von der israelitischen Kuktusgemeinde projektierten gröberen Bauten keine beschränkten,- sondern a l lg emeine Wettbewerbe, auszuschreiben. Schluß, der Sitzung. ij Spenden im Gemeindebethause II,. Tempelgasse: Von den Herren: Adolf Fein 2".—, Moriz Weiß 10.—. kais, Rat Leopold Sachs 100.—, Dr. Eduard Thaler 100.—, kais. Rat Ignaz Wilhelm 30.—, Jq. Blum 50.—, Wilhelm Freund 10.—, kais. Rat Albert Saborsky50.—, Rudolf Blum 10.—, Carl Lemberger 50.—, Dr. Jakob Rappaport .k k. Polizei-Bezirksarzt 10.— Kronen, zusammen von 11 Personen 440.— Kronen. Die Juden im Krakaus und Lemberger Gemeinderate. Der Krakauer Gemeinderat hat sich durch die jüngst stattgehabten Gemeinderatswahlen wieder auf 87 Gemeinderäte komplettiert. Davon sind 20 Juden. Unter den Wiedergewählten befinden sich mehrere bekannte Persönlichkeiten. so der bisherige Vizebürgermeister Hofrat Sare, Präsident der Krakauer Handeskammer Dattn er, der gewesene Reichsralsabgeordnele Dr, Adolf Groß, der Präsident der Krakauer Kultusgemeinde Doktor T i l l e s und der Vizepräsident Dr. Rafael Landau und andere mehr. Auch in Lemberg haben dieser Tage die Wahlen in den Gemeinderat stallgefunden. Hier haben di,e Juden 5 Mandate verloren, während sie bisher 20 waren, ziehen sie jetzt nur 15 Mann hoch in den neuen Gemeinderat. Diese Niederlage hat das hinterhältige Verhalten der Allpolen, verschärft durch die Uneinigkeit der Juden, verursacht. Die Allpolen haben in Lemberg, wie auch in Krakau die Juden wohl offiziell auf ihre Kandidatenliste gestellt, während der Wahl jedoch in ihren intimen Kreisen die Namen einiger jüdischer Kandidaten streichen lassen. Daher kam es, daß die polnischen Kandidaten mit den Stimmen der Juden und Polen gewählt wurden. während die Juden in der Minorität blieben oder nur mit geringen Majoritäten gewählt wurden. Zur Demission gezwungen. Aus Budapest wird geschrieben: Sektinpsrat Edmund Klein, Chef des Preßbureaus im ungarischen Ministerpräsidium geht in Pension. Schon in den nächsten Tagen wird er definitiv aus seinem Amte scheiden. Wie wir anläßlich seines Amtsantrittes berichteten, ist Edmund Klein aus einer ungarischen Jeschiwa hervorgegangen und übt auch heute noch fleißig das Studium des Talmud und der hebräischen Literatur. Sein profundes, allgemeines Wissen erwarb er sich als Autodidakt, ohne jemals eine öffentliche Schule besucht zu haben. Edmund Klein ist einer der wenigen Juden in Ungarn, die in einem Ministerium die hohe Stelle eines Sektionsrates erreicht haben. Sein Rücktritt ist um so auffallender, als er beim Ministerpräsidenten Grafen Khuen-Hedervary stets in besonderer Gunst stand. Motiviert wird seine Demission mit seinem angeblich getrübten Gesundheitszustände. Sektionsrat Klein fühlt sich aber, zur Freude seiner zahlreichen Freunde, außerordentlich wohl und rüstig und man geht demnach nicht fehl, wenn man annimmt, daß Sektionsrat Klein schließlich den vielseitigen Jntriguen, die gegen ihn als Juden geschmiedet wurden, weichen mußte. Nachruf nach einem jüdischen Künstler. Der in San Remo verstorbene Schriftsteller Josef Markus ist in Budapest unter allgemeiner Teilnahme zu Grabe geleitet worden. In der Leichenhalle des neuen israelitischen Friedhofes waren überaus zahlreiche Schriftsteller. Journalisten, Schauspieler usw. erschienen, um dem verstorbenen Kollegen und Freund die letzte Ehre zu erweisen, unter ihnen auch Jlka Palma y. die Theaterdjrektyren Faludy, Beothy, Feld. Vertreter des Dr. Bkochs Wochenschrift