Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 15 (14.4.1911)
- Date
- 1911-04-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 243 D t. Mschs hätten. An der Zudenschast des Auslandes liegt es nun aber, hier das erlösende und entscheidende Wort mitzureden und der Jerusalemer Gemeinde in ihrem Sein oder Nichtsein involvirenden Kampfe und Ringen den Rücken zu starken. Wenn auch jetzt wieder trotz der eben gemachten bitteren Erfahrungen und des teuer genug bezahlten Lehrgeldes in Jerusalem alles beim Alten bleiben und der bisherige gleichgiltige Schlendrian fortgeführt werden sollte, möchte man die Juden allen Ernstes auffordern in ihren Bibeln die Worte auszustreichen: „Ei, welch weise und verständige Leute sind das, und ein herrliches Volk." Der Jerusalemer Beobachter. Korrespondenzen Ans -er öffentliche« Sitzung des Wiener israelitische« Kultusvorftandes vom Sonntag den 9 April 1911, unter den Borsitz des I. Bize- Präsidenten Dr. Gustav Kohn. In Abwesenheit des Präsidenten Dr. Alfred Stern, welcher wegen Teilnahme an einem Leichenbegängnis verhindert war, rechtzeitig in der Sitzung zu erscheinen, wird dieselbe durch den 1. Vizepräsidenten Landesschulrat Dr. Gustav Lohn eröffnet. Sekretär Dr. Adler verliest den Einlauf: Von Herrn Dr. Josef Stern als Ergänzung zu der Adolf und Therese Stern Stiftung.. X 1475.— Von Herrn Leopold Klein das Ergebnis der Sammlung für den Baufond und für die Erhaltung des israel. KnabenwaisenhauseS im XIX. Bezirk ..X 1361.— Von Herrn Jakob Karpeles und Frau anläßlich ihrer silbernen Hochzeit für dm Verein zur Krankenpflege und Unterstützung Handelsangehöriger Israel. X 200.— für den Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der isral. . MUuSgemeinde . ... 100.— für die Armeuanstalt.. „ 100.— für den Verein Chanen Dallim . ... „ 50.— für die Chewra Kadischa I..„ 50— „ 600.— Bon Herrn I. Brenning anläßlich des Sterbetages feines Vmers Benedikt Brenning s. A. für das Versorgungshaus ....... X 50.— für den Verein „Kinderheim".„ 50— X 100.— Von Frau Marie Jakobsen-Thenen als Kranzablösungsspende für weil. Alfred Elsenstädter de Burian für arme Kranke.„ 30.— Bon Herrn Viktor Schaffer und Wilhelmine Borchard als Kranzablösungsspende f. weil. Frau Rosa Baum je X10.— „ 20.— Von W. anläßlich einer Jahrzeit für Arme.. 10.— - Dankschreiben der Kultusgemeinde Amstetten für den Beitrag der Kultusgemeinde zu ihrem Tempelbäue. Dankschreiben des Herrn Kultusvorstehers Richard B e t t e l h e i m für die Gratulation des Kultusvorstandes anläßlich seiner Vermählung. Nach Uebergang zur Tagesordnung legt der Finanzreferent Kultusvertreter Mar Frank den Rechnungsschlutz für das vergangene 'Verwaltungsjahr vor und begkeitet denselben mit nachstehender Ansprache: Sehr geehrte Herren! Ich beehre mich. Ihnen den Rechnungsabschluß über die Finanzgebahrung unserer Gemeinde im Jahre 1910 vorzulegen, aus welchem. Sie ersehen, daß die Ausgaben in diesem Zeitabschnitte 3,158.244 73 Kronen, die Einnahme 3,125.002 20 Kronen betragen haben, so daß sich ein Fehlbetrag von 33.242 53 Kronen ergibt. Ich kann aber schon an dieser Stelle bemerken, daß dieses Defizit nur ein scheinbares ist und daß wir tatsächlich! mit unseren Einnahmen das Auslangen gefunden haben. Es wurde nämlich bisher, einem alten Brauche folgend, die Gebahrung des Spitals und des Versorgungshauses, zwar immer mit zwölf Monaten, aber vom 1. Dezember bis 30. November abgeschlossen, und um diese zwei Kapitel endlich in Uebereinstimmung mit der übrigen Gebahrung der Gemeinde, welche am 31. Dezember abschließt, zu bringen, haben wir diesmal bei den genannten Instituten die Ausgaben von dreizehn Monaten, nämlich vom 1. Dezember 1909 bis 31. Dezember WochenWrfft _ C 15 1910 eingestellt. Dieser dreizehnte Monat hat den Ge- ' bahrungsabschluß mit einem Betrage von 31.896 38 Kronen belastet, und unter Berücksichtigung dieses Amstandes . reduziert. sich das tatsächlich sich ergebende Defizit aus 1,34615. Der Voranschlag für das Jahr. 1910 hatte einen rechnungsmäßigen Fehlbeirag von 290.176 82 Kr. angenommen, der sich glücklicherweise in Wirklichkeit nicht ergeben hat, weil 60.000 Krönen, welche für Ankauf von Wertpapieren für unsere eigenen Fonde büdgetiert waren, nicht verausgabt wurden, bei der. Post Kultussteuer sich.eine Mehreinnahme von 33.000 Kronen, bei ZAsenkonto eine solche von 11.000 Kronen zeigte und das Ergebnis der Friedhofseinnahmen, infolge des an Todesfällen so außergewöhnlichen Jahres 1910, ein Plus von 163.000 Kronen gegen den Voranschlag ergeben hat, während von der allgemeinen Reserve um 28.000 Kronen weniger als budgetiert, gebraucht wurden. Da dies aber lauter solche. Posten sind, deren genaue oder selbst annähernd genaue. Einstellung im Voranschlag niemals möglich ist, so kann man dennoch sagen, daß auch das Budget pro 1910 mit größter Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt angelegt., war und wir es nur einer Reihe von Zufällen zu verdanken haben, daß das Gleichgewicht unseres Gemeinde-. Haushaltes auch im Vorjahre erhalten geblieben ist. Ob dies auch Heuer, im Jahre 1911,. möglich sein wirb, dessen Voranschlag ein Anwachsen der Ausgaben um 154.000 Kronen zeigte, denen allerdings auch vermutlichem Mehreinnahmen im Betrage von 105.000 Krönen gegenübergestellt wurden, ist mehr als fraglich, und es wird wohl die äußerste Sparsamkeit nötig sein, um auch Heuer . ohne Defizit abzuschließen. Diese Sparsamkeit muß'übrigens unter allen Amständen in diesem und auch in den nächsten Jahren unser oberstes Prinzip bleiben, meine sehr geehrten Herren, denn nicht nur, daß die großen Ansprüche, welche an uns gestellt' werden, eine Grenze erreicht haben, die auch weiterhin zu überschreiten wohl, , über unsere Kräfte ginge, stehen wir auch, wie Sie alte wissenziemlich dicht vor jenen fast unv'ermeidlich'"gewordenen großen Aufgaben, von denen ich in meinen Budgetreferaten wiederholt gesprochen habe. Mit dem Ankäufe eines großen Territoriums für Friedhofszwecks) welcher mit den nötigen, dort vorzunehmendsN Arbeiten, einen Betrag von 1,500.000 erfordert, haben wir auch . bereits begonnen. Die großen Summen, die wir in Zukunft für Verzinsung und Tilgung des aufzuwendenden großen Investitions-Darlehens als neue bedeutende Ausgabspost in unseren Voranschlag werden-eiNstellen müssen, werden ohnedies an die Opferwilligkeit und an dÄr Gemeinsinn unserer jüdischen Mitbürger etwas stärkere Anforderungen stellen, und es ist also doppelt unsere Pflicht, durch Ueberschüsse in unserer Finanzgebahrung diese An- . forderungen nach Tunlichkeit zu mildern. Es wird vielleicht manchen geben; der darin einen Widerspruch sieht, wenn ich auf der einen Seite von äußerster Sparsamkeit, auf der anderen von zukünftigen MillioüenaUsgaben spreche, und demgegenüber möchte ich darauf Hinweisen; daß es für eine so große Gemeinde, wie es die unsere ist, eine Reihe von Ausgaben gibt, die zwar keinen, Ertrag in klingender Münze, keinen Nutzen, der in Perzenten berechnet werden kann, ergeben ünd dennoch eine derartige Steigerung des Ansehens der gesamten Judenschaft bilden, daß diese Ausgaben zp leisten wöhl als höchste ideale Pflicht erscheint, und daß die Mehrung der Ehre und der Bedeutung des Judentums wohl mit einer kleinen Mehrbelastung des Einzelnen nicht zu teuer erkauft ist. Ich bitte Sie um die' Genehmigung des Rechnungsabschlusses pro 1910. (Lebh. Beifall.) Kultusvertreter ph.iL und jur, Doktor Markus Spitzer würdigt in einer eingehenden Rede das Budget und seine einzelnen Ziffern: er weist darauf hin, daß man keine Ursache habe, die Finanzlage der Gemeinde pessimistisch aufzufassen, daß jeder Unbefangene zugeben