Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 15 (14.4.1911)
- Date
- 1911-04-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Sette 340 Dr. Bkochs WMenfMft Rr Jö als Verwaltungsbeamte gezwungenermaßen brauchen, wenn die Täuflinge nicht die Lücken füllten, -as Manko an geeigneten Kl ästen eijigten» Der „Verband der deutschen Juden" führt seil 10 Jahren eine -Statistik über d«e Besörderungszeilen der Asilssoren. Da ergebe sich dann, daß von den Juden u Prozent befördert würden, von den Chrrnen 8 Prozent, von den chemuUgen Juden aber 28 Prozent. Wir furo also dreimal so gescherdt und druuchcn uns nur zu taufen, um es uns auch amiuch bescheinigen zu tassin. Der Staat aber fährt nicht gm dabei bei der Begünstigung des jüvifchcn N-negateutumS, er fetzt auf die Heuchelet einen Preis! Für uns bedeutet die Taufe ohne Uever,euguug zugleich einen unlaureren Wettbewerb, dem keines der Merkmale fehlt, die das Gesetz zur Begriffserklärung des unlauteren Welltuwervs aufirellt. Der Redner behandelt sodann die sittliche Bewertung der Apoiialen in ihrem neuen Milieu und proklamiert für uns Juden den Satz: Wer müssen uns von ihnen avwcnden. Fast jeder Täuflmg, so führt er aus, hat ein Verbrechen begangen, das das schlimmste ist, er hat m feierlicher Form einen Meineid geleistet; das muß für die sittliche Bewertung der Apostaten ins Gewicht fallen, wir müssen d.n Tauflmgen klar machen, oatz sie in die Reihen derjenigen gehören, die sich durch ein schweres Vergehen aus der menschlichen GcseUschaft gesondert haben, sie gehören auch nicht hlnem in anständige chrrstriche Kreise. Als Mittel gegen die Versuchungen der Taufe empfiehlt er mehr Kenntnis vom Judentum. Um das zu erlangen, gehörte mehr Respekt vor dem Relrg.onslehrer, vor dem Rabbiner. Russische und rumänische Konsuls Wer die Juden. Aus Smyrna wird berichtet: Die hiesigen Konsuls jener beiden europäischen Staaten — Rußland und Rumänien —, in denen die Juden am grausamsten verfolgt werden, haben sich vor einigen Tagen ganz spontan in so warmen Worten über die Juden geäußert, daß es nur zu wünschen wäre, daß ihre Regierungen sie sich zu Gemüts führen möchten. Vor einiger Zeit empfing der russische Konsul von Smyrna eine Deputation der dortigen jüdischen Gemeinde, als Erwiderung eines Besuches, den der Konsul dem inzwischen erkrankten Rabbiner der Gemeinde abgestattet hatte. Dieser Deputation gegenüber äußerte der russische Konsul: „Ich kenne die Alliance Jsraelite Universelle und bin genau unterrichtet über das Gute, das diese Gesellschaft allenthalben leistet, nicht nur für die Juden, sondern auch für die übrigen Ratioualitäten des Orients. Ich verbrachte sieben Jahre in Monastir und kenne sowohl die dortige, als auch die Judenschaft von Salonichi sehr genau. In Mazedonien bilden die Juden ein sehr wertvolles, ehrenwertes Element. Sie sind die einzigen, die ihre Arbeit ohne politische Hintergedanken leisten und ihre Umgebung weit hinter sich zurücklassen." Der rumänische Konsul dieser Stadt äußerte fich aus einem anderen Anlasse: Ich stehe schon seit vielen Jahren in engen Beziehungen zu den Smyrnaer Juden. . Die Umwandlung, die in ihnen die Alliance hervorgerufen, ist eine sehr vorteilhafte. Ich kenne die verschiedenen Elemente der hiesigen Bevölkerung sehr genau und kann nur Wiederholt erklären, daß die jüdische Bevölkerung die ehrenwerteste, arbeitsamste, intelligenteste und nüchkernste von allen ist. Die Geschichte! der jüdischen Journalistik in Rußland. Das Petersburger Komitee der jüdischen historischethnographischen Gesellschaft hat einen Preis von 400 Rubel für die beste „Geschichte der jüdischen Journalistik in Rußland während der letzten 50 Jahre" ausgeschrieben. Fogazzaro und die Juden. Der jüngst verstorbene italienische Dichter Antonio Fogazzaro gehörte zu den berühmtesten Dichtern des jungen Italien. „(Sortiere Jsraelitico" erinnert nun daran, daß dieser geniale Dichter zu den aufrichtigsten Freunden zählte, der auch anläßlich der großen Pogroms in Rußland sein gewichtiges Wort gegen die russischen Grausamkeiten erhob. Ganz spontan richtete damals.Fogazzaro an einen italienischen Rabbiner das folgmde ^Schreiben: „Vicenca, den 21. November 1905. Geehrter Herr! Es gibt, glauben Sie mir, keinen Christen, der dieses Namens würdig ist, der nicht von der brutalem Grausamkeit des russischen, nach jüdischem Blute dürstenden Pöbels mit Abscheu sich abwenden würde; es gibt keinen Christen, der dieses Namens würdig ist, der nicht vor Scham erröten würde, angesichts der barbarischen Unduldsamkeit, unter welcher die Juden in anderen Landern leiden, in denen die christliche Religion, die Religion der Liebe nur in Worten bekannt wird. Italien liefert in dieser Hinsicht ein großes Beispiel hoher: Zivilisation. Aber was können wir gegen diesen barbarischen Furor beginnen? O diese schmerzhafte Ohnmacht! Ich habe den innigen Wunsch, daß das viele vergossene jüdische Blut endlich einmal ebenso viel Mitleid und Gerechtigkeit Ihrem edlen Volke gegenüber zeitigen möge! Antonio Fogazzaro." Gin böser Krach in Iernsairm. . Von der Zeit ihrer Gründung und fortschreitenden Entwickluna unter den jüdischen Königen bis zu ihrer endgiltigen Eroberung durch die Türken, welche die Stadt bis heute noch im Besitz halten, zählt die Geschichte etwa zwanzig Belagerungen, Erstürmungen und Zerstörungen von Jerusalem, von denen immer eine grausiger und schrecklicher war als die andere, von denen aber jede einzelne ein unsägliches Heer von Jammer und Elend, Hunger und Not, Tod und Verderben in ihrem Gefolge führte, welche Hunderte und Tausende jedesmal einem geradezu entsetzlichen Schicksale weihte. Trotzdem ist es aber fraglich, ob alle die heidnischen Brandschatzer und Gewalttäter, ob Srsak, Nebukadnezar, Antioches, Pompejus, Herodes, Titus und wie die ^Goltesgeißeln" sonst, noch heißen mögen mit all ihrem wilden, blut- und raubgierigen Sengen und Brennen, Rauben und Morden in den Mauern Jerusalems jemals eine solch gewaltige Aufregung und kopflose Bestürzung, so viel, schmerzliche. Trägen.und herzzerreißendes Wehklagen, so. viel bange Verzweiflung und rettungstoscs Verderben verursacht haben,, als es gegenwärtig durch die vier Jerusalemer «Rabbiner" und „Gabaim" des jüdischen Altenhaüses „Moschab Seke'nim" und der Talmud-Hochschule „Thorath Chaim" geschehen ist, deren Namen heute von Hunderten und Tausenden völlig ruinierter, jüdischer Existenzen mit einer Verwünschung auf den Lippen genannt werden. Worauf sich infolge der .umlaufenden Gerüchte das jüdische Publikum in Jerusalem schon vor Wochen 'und Monaten gefaßt machen mußte, das ist heule eine furchtbare Wahrheit geworden. Durch die betrügerischen Manipulationen und Spekulationen von vier durch ihre heuchlerische Frömmigkeit und strikte Gesetzes¬ und Nelig'ons-Observanz geradezu im Gerüche besonderer Heiligkeit stehenden „Rabbiner" und „Vorsteher" sind hunderte und tausende wenig bemittelte Familien und einzelne Perso en in Jerusalem mit einem Schlag für all ihre Lebenszeit an den Bettelstab gebracht und einer guallvollen Zukunft überliefert, falls ihnen, wozu bis jetzt noch keine Aussichten sind, nicht noch unerwartete menschliche oder göttliche Hilfe kommt. Die „Rabbiner" und „Vorsteher" des jüdischen Altenhauses „Moschab. Sekenim", I. D. Frumkin (bisher nebenbei auch Herausgeber und Verleger des hyperorthodoxen,, intransigenten, hebräischen Wochenblattes „Habazeleth") A. Ben Tauwim und Mich. Pines (nebenbei Lehrer für Talmnd. an dem „Lehrerseminar" des Hilfsvereines der deutschen Juden) und als vierter im Bunde der Vorsteher der Talmud-Hochschule „Thorat Chaim", I. Wmograd, gehören in die Klasse der Hirten und Lehrer, von denen, es im Propheten Jeremias und Ezechiel heißt: „Bei den Propheten zu Jerusalem sehe ich Abscheuliches. Du Menschenkind weiffage wiiwr die Hirten Israels, weissage und sprich zu denselbigen Hirten: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden, sollen nicht die Hirten die Heerde weiden? Ihr fresset das Fette und kleide teüch mit der Wolle und sch l achte t das Gemästete; aber die Schafe wollt ihr nicht weiden. Wehe euch, Hirten, die ihr die Heerde meiner Weide umbringet und zerstreuet spricht der Herr." Hesek. 34, Jerem. 43. Man berechnet, daß.diese, genannten „treuen, uneigennützigen und hingebungsvollen Lehrer, Hirten und Diener, des Herrn" wenigstens 2000 jüdische Familien' und Personen, darunter viele arme Witwen und Waisen, deren Jammer und Not zum Himmel schreit, um ihren letzten Heller betrogen und die einen aufs Krankenlager, die anderen auf die Straße und den Bettelstab .geliefert haben. Die Summen, welche durch Veruntreuung von Ärmeleütgeldern verloren gegangen sind, belaufen 'sich, soweit jetzt schon bekannt geworden ist, bereitsnahem auf eine Million und die Leser fragen sich, wie konnte es auch nur geschehen und wie haben eS die Leute eigentlich praktiziert, um so viele arme, bedauernswerte, unglückliche.Opfer,