Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 15 (14.4.1911)
- Date
- 1911-04-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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i^-MdoOdaac iBMMCBi!c;a»Miti!i ■*. 5J»^^Tjafa»faiggw«BMi«g?»Mg!wa»gWMF - : »!jü« €«ic 238 Dr. Bkochs In dieser einen Erkenntnis teilen sich di: ineinander flutenden Wogen unserer Seele. Langsam öffnet sich ein. schmaler Pfad, den wir zögernd zuerst verfolgen. Auf diesem steilen engen Wege zu Gott empor winkt uns die Freiheit, winkt uns die echte und edle Ausgestaltung unserer Persönlichkeit, die adelnde Form unseres. Strebens. Unsere wahre Lebensaufgabe fängt nun erst an. Wir erfassen sie mit geläutertem Herzen, mit Ruhe und tiefem Nachdenken. Frühling wird es in uns, wenn auch längst unser Lebensfrühling dahingegangen. Die Last der Jahre, die im 'Kampfe des Lebens drückend sich auf unsere Schultern gelegt, scheint abzufallen. Der Nacken beugt sich nicht tiefer, denn unser Auge schaut frei empor in lichtere Fernen, in unbegrenzte Welten. Wir setzen uns mit unseren Kindern am Festabend nieder und brechen gemeinsam das Brot des Elends nach altem Brauch und fangen wieder an, zu glauben, und. zu vertrauen gleich jenen an eine göttliche Macht. In uns lebt sie; ein Teil des rätselhaften, unbegreiflichen ewigen Seins, dessen Ursprung wir nicht kennen und dessen Ende von endlichen Gedanken nicht zu erfassen sind. Doch fühlen wir seine Kraft, ahnen sein veredelndes Dasein, und frohes Vertrauen steigt siegend in unserer Seele auf. Wir lernen begreifen, datz Israels Errettung zugleich die gefesselte Gottesidee befreit, datz jede Wolke an unserem Lebenshimmel auch den reinen Gottesglauben verdunkelt und daß jeder Sieg, den wir erringen, zugleich der Triumph des ewigen lebendigen Gottes der Menschheit ist. So vielfach verzweigt und zerklüftet unser Innenleben auch sein mag, so verworren und dunkel oft die Wege sind, die unsere Seele wandelt, ein Gedanke mutz uns als helleuchtender Strahl, als Ziel unseres Strebens winken, bei allem, was wir tun, denken und handeln — unseren Gott zu suchen, ihn, der das Edelste, Höchste und Reinste unserem Leben als Richtschnur weist. Dann werden wir einen neuen Frühling feiern, immer freier, froher, gläubiger und vertrauender werden. Das Passahfesi wird uns nicht mehr ein längst verklungenes Märchen sein, eine alte Melodie, die weltentrückt unser lauschendes Ohr einmal vernommen, es wird mit seiner mahnenden Stimme uns rufen und uns erhellen mit seiner hohen Bedeutung. Wir werden dann von neuem den unwegsamen schmalen Pfad der Erkenntnis mit Mut und Vertrauen aufwärts gehen, dem ewigen Frühling entgegen, auf den wir hoffen, der uns verheitzen. Der tiefblaue Himmelsdüm, der die grünende, treibende, hoffende und gesegnete Erde umspannt, wird einmal die vereinten Menschenbrüder zusammen sehen, die in friedvoller Vereinigung aufschäuen werden zu jenem Gott, den sie gesucht, der sich ihnen offenbart, der ihnen eine doppelte Heimat gegeben, die grotze, weite Heimat seiner unendlichen Gedankenwelt, die Heimat auf der Erde, da jedes Plätzchen für sie zum Schutz bestimmt und nirgends ein Feind lauert, der es ihnen raubt. Friede wird das gesegnete Erdenrund umstrahlen, Friede wird in Len Herzen, in den Häusern'wohnen. Die tosenden Fluten des Hasses, der Verleumdung werden langst'von edler Erkenntnis zurückgedrängt worden sein, der Weg wird frei sein, frei für ein Volk von Brüdern, das in edlem Streben, in festem Vertrauen sich bemüht, dem erhabensten Vorbild ähnlich zu werden, ähnlich seinem Götte, den es in jedem Atemzuge seines irdischen Seins zu suchen sich bemüht. öochenschM. 15 Intervention für bie marokkanische« Inden. Frankreich und Spanien rüsten starke Hilfstruppen aus, um dem marokkanischen Maghzen Mulay Hafid zu Hilfe zu kommen. Dieser ist von dem gleichen Schicksal bedroht, wie er es zu Ende des Jahres 1908 seinem Bruder Abdul Aziz bereitet hat. Gegen diesen wurde der Heilige Krieg gepredigt, weil er die Franzosen hatte schalten und walten lassen, und schlietzlich erfolgte feine Absetzung und die Proklamierung des gegenwärtigen Herrschers. Dieser hat es natürlich auch nicht vermocht, nicht einmal versucht, die französische Vormundschaft abzusetzen, ist vielmehr militärisch und'finanziell noch stärker gebunden, als sein Vorgänger. Um die Anleihen und Kriegsentschädigungen an Frankreich bezahlen zu können, zusammen 170 Millionen, hat er die 'Steuern noch bedeutend erhöhen müssen, wozu noch seine persönlichen Erpressungen kommen. Das hat unter der armen Bevölkerung, von denen der nomadische Teil einen Kampf gegen die Wüste führt, einfach einen Hungeraufstand hervorgerufen, die scherifischen Mehallas wurden trotz französischer Führung in die Flucht geschlagen, und nun mutz der in Fez .eingeschlossene Sultan davor zittern, datz für ihn dieselben Eisenkäsige und Martern vorbereitet werden, welche er für seine Gegner und unglücklichen Weiber voll tückischer Grausamkeit fand. Eine Nachricht fehlt noch vom Kriegsschauplatz, aber sie ist leider mit furchtbarer Sicherheit zu erwarten. Das ist die Meldung von den Leiden, Brandschatzungen und Mitzhandlungen, welchen die unglücklichen Juden Marokkos bei dem gegenwärtigen Aufstand ausgesetzt sind. Unter den sieben Millionen Einwohnern des Reiches befindet sich eine Viertelmillion Juden, Nachkommen der "Flüchtlinge aus Spanien, für welche die Neuzeit' überhaupt noch nicht angebrochen ist. In abgesonderten Quartieren müssen sie Hausen, eine eigenartige Kleidung tragen, sind vollkommen rechtlos,. verachtet und jeder Willkür preisgegeben. Bei kriegerischen Verwicklungen wendet sich die Tapferkeit von Freund und Feind vor allem gegen sie, richtet in den Iüdenquartieren furchtbare Massacres an, erpretzt Geld mit Folterungen und verwüstet schlietzlich in blinder Zerstörungswut die Häuser und Wohnungen. Wenn die ersten Berichte aus den marokkanischen Ghettis an die jüdischen Wohlfahrtsinstitute eiNtreffen werden, wird man mit Entsetzen die Schilderungen von .den Gräueln lesen, welche die zurückweichenden Sultantruppen und die einrückenden Sieger in den Iudengassen der einzelnen Städte verübt haben. Was ist auch; anderes in einem Lande zu erwarten, dessen Sultan am 4. Juni 1909 den Juden in Fez verbot, sich auf den Terrassen ihrer Häuser aufzuhallen, damit sie den von ihm erbauten Pavillon nicht sehen sollten? Zuwiderhandelnde bedrohte er mit Gewehrschüssen und tatsächlich erfolgten auch viele Morde an den Armen, welche es wagten, nach der fürchterlichen .afrikanischen Gluthitze des Tages am Abend auf dem flachen Dache ihrer Häuser Erholung zu suchen. Man kann sich leicht vorstellen, welche Einfälle über die Juden der blutige Barhar auf 'dem Throne sonst noch hatte, welcher von den europäischen Konsuln kategorisch aufgefordert werden mutzte, hie Folterungen seiner politischen Gegner einzustellen. Man kann sich auch denken, mit welcher Begeisterung Kabylen und Berber dem Beispiel ihres erlauchten Herrschers -gegen die unglückseligen Juden folgen,, von denen die meisten arme Handwerker sind, nur hebräisch Und arabisch sprechen und so weder geistig noch materiell die Mittel zur Auswanderung besitzen.. Nun-führen Frankreich und Spanien angeblich eine Kulturmission durch. Sie sagten es wenigstens so Änd