Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr 14 Dr. Blochs Wochenschrift Sette 333 unter den modernen Franzosen. In diesem Bande ist eins Reihe kleiner Geschichten von ihm gesammelt, von denen man getrost sagen kann, dass sie zn den Besten gehören, was in unserer Zeit überhaupt geschrieben worden ist. Upton Sinclairs Hungerkur, oder: Das gelöste Geheimnis, wie man vollkommen gesund wird und bleibt. Von Dr. H. Starving (M. 0.30), IT. Auflage. Holverlagsbuchhandlung Edmund Demme. Leipzig. Upton Sinclair, der bekannte Schriftsteller, der durch seinen Romann „Der Sumpf“, in dem die Misstände der grossen amerikanischen Fleischfabriken aufgedeckt wurden, so schnell berühmt wurde, überrascht die Welt jetzt mit einer neuen Entdeckung : er hat das Geheimnis gelöst, wie man vollkommen gesund wird und bleibt. „Zehn Jahre lang,“ so führt Sinclair aus, „habe ich meine Krankheiten und die meiner Umgebung beobachtet; nun habe ich ihre Ursachen und das Geheimnis ihrer Bekämpfung gefunden.“ Mit Begeisterung wird (S. 8) die Hygiene der alten Juden gefeiert. In demselben Verlag ist für den gleichen Preis in 3. Auflage erschienen und dem erwähnten Buche würdig an die Seite zu stellen: Ho Fletscher, Wie ich mich selbst wieder jung machte im Alter von sechzig Jahren. x. Otto Oppenheimer Festschrift zum hundertjährigen Bestehen des Vereines „Milizenkassa“ in Bruchsal. Bruchsal (Baden) 1911. In dieser interessanten Festschrift lesen wir : „Entsprechend dem altjüdischen Gebote der Auslösung Gefangener suchte man hier im Anfänge des 19. Jahrhunderts die Militärpflichtigen vom Dienste loszukaufen, da das Gesetz vom 18. August 1806 für die Juden die Verpflichtung enthielt, für jeden durch das Los gezogenen jüdischen Militärpflichtigen 400 fl. zu bezahlen. Zuerst fanden sich verschiedene Gemeinden durch Vertrag zur Aufbringung der erforderlichen Summen und erhoben von allen ihren Mitgliedern gleiche Beträge. 1811 wird in Bruchsal der Verein gegründet, dessen Mitglieder sich verpflichten, wöchentlich einen Betrag zu zahlen, der nach drei Klassen abgestnft wird. Diese „Werbekasse“ gibt dann das Geld zum Loskauf der Söhne ihrer Angehörigen, oder wenn ein Ersatzmann nicht gefunden wird, sie also selbst dienen müssen, zu ihrer Unterstützung während der Dienstzeit. Mit Einführung der allgemeinen Dienstpflicht ändern sich die Statuten, es bleibt jedoch die Aufgabe des Vereines, den Söhnen der Mitglieder Beihilfe für ihren Militärdienst zu gewähren.“ (M. 1200.) Wie wir sehen, eine originelle Betätigung des jüdischen Wohltätigkeitssinnes. x. (Hebräische Lehr- und Lesebücher.) Wahrend in der Literatur des deutschen Leseunterrichtes in den letzten Jahren eine Neuerscheinung die andere ablöst. Vieles aus den Markt gebracht, aber nur Weniges davon benützt wird, sahen wir aus dem Gebiete des hebräischen Elementarunterrichtes einen nicht genug zu bedauernden Stillstand, einen verzopften Konservativismus. Wohl gab und gibt es der Anregungen aus Lehrer- und verwandten Fachkreisen genug, aber es fanden sich bis vor Kurzem keinerlei Bearbeiter dieser trefflichen Gedanken. Erst im letzten Jahre traten Männer auf den Plan, die für eine neue Methode und Theorie des hebräischen Lese- und Sprachunterrichtes in der Form von Lehrtexten oder Broschüren Propaganda machen. Hier soll nun des „Hebräischen Lehrbuches“ gedacht werden, das den Herrn Bezirksrabbiner in Raudnitz a. d. Elbe Dr. Richard Feder znm Verfasser und Verleger hat. Das Werkchen besteht aus zwei Teilen, ist in deutscher und böhmischer Ausgabe erschienen und besitzt die ministerielle Approbation. Beide Lehrbücher sind auf dem alten, doch ewig jungen, pädagogischen Grundsatz aufgebaut: Vom Leichteren zum Schweren. Der Verfasser verbindet in überaus geschickter Weise und für das Hebräisch stets schwer erlernende Kind in einfach spielend leichter Form mit der Leselehre die Anfangsgründe eines Erfolg veisprechenden grammatischen Unterrichtes. Die Uebungen im Schreiben hebräischer Druckschrift, die mit der ersten Unterrichtsstunde beginnen, sind durch ihre schlichte Darstellungsweise dem Schüler eine sicher angenehme Zerstreuung und unterstützen in hervorragender Weise den gesamten Leseunterricht. Des Verfaffers Versuch, deutsche Worte in hebräischer Druckschrift statt der den Schülern unverständlichen und oft b deutungslosen Silben vorzuführen oder hebräische Worte in deutsche Schreibschrift zu übertragen, ist vom Standpunkt, den Kindern Freude an der heiligen Schriftsprache einzuimpfen, zu begrüßen und verdient vollste Würdigung und Beachtung. Alles, was geeignet erscheint, zur Belebung und Vertiefung des Religionsunterrichtes beizutragen, muß der Förderung und Unterstützung der Lehrerschaft und der berufenen Kreise sicher sein. Aus diesem Grunde sei auch auf desselben Professors Broschüren: „Methode des hebräischen Unterrichtes" und „Die Kunst im Dienste des Religionsunterrichtes“ besonders hingrwiesen und deren Lektüre angelegentlichst empfohlen. Zum Schluffe sei auch der Fülle des Stoffes, der ein Schuljahr weit übersteigt, Erwähnung getan, als eines Mangels, den die Erfahrung und pädagogische Einsicht des Lehrers leicht beheben kann. M. H e r n f e l d, Wien. „Oie Hilfe“. Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst: Herausgegeben von Friedrich Naumann, M. d. R. Nummer 13. 30. März 19 I. Ans dem Inhalt: Friedrich Naumann: Preussengeist ohne Selbstverleugnung. — Ernst J a e c k h : Der neue Bagdadbahn-Erfolg. — Friedrich Weinhauaen: Hansabund und Handwerker. — Wilhelm Bloch: Staatliche Jugendpflege in Preussen. — Theodor Heusg: Wir und der „Volkserzieher“. — Unsere Bewegung — Soziale Bewegung. — Pani Zschorlieh: Sensationen. — Herbert P a d e 1: Der Lateinunterricht. — Karl Wilhelm Fritsch: Um Michelburg. Roman. — Heinz Potthoff: Pianola und Komponist. — Ernst Schur: Kunstgewerbe und Völkerkunde. — Büchertisch. — Politische Notizen. — Buchverlag der „Hilfe“ Berlin-Schöneberg. »Die Quelle«. Das April-Mai-Heft (Doppel-Nummer), welches Emil E r 11 und Ed. P ö t z 1 gilt, bringt die prachtvolle Gradeser Hundegeschichte »Barbana« von Emil Ertl, der auch durch das Bild Max Liebermanns »Die Netzflickerinnen« und J. K. Ratis- 1 a v s Charakterstudie ebenso zur Geltung kommt wie der 60jährige Jubilar Eduard P ö t z 1 durch zwei prächtige Wiener Humoresken »Ausflügler« und »Frühling im Stellwagen«, denen sich die köstliche Humoreske »Der Einspänner« von Karl Strobl vollwertig anschliesst. Prachtvolle Meisterbilder von Rembrandt, Tizian und Ludwig Richter, gemütstiefe Skizzen von Grete von Urbanitzky und Marianne Z u c c o-Z u g a g n a, lyrische Beiträge von Franz Herold, Herma v. Skoda, Josef Kühr, Alfred P o 11 a k, Otto M e i x n e r und dem Herausgeber Dr. Rob. Reinhard, geben nebst der scharfen Rubrik »Gegen den Strom« und der reichhaltigen Bücherschau, sowie den köstlichen »Meidlinger Theatererinnerungen« von C. v. Chatelain diesem in jeder Hinsicht gediegenen Doppelheft, das auch einen Aufruf für eine Gesamtausgabe der Werke des Jubilars Stephan Milow bringt, einen vornehmen Abschluss. — Abonnementspreis ganzjährig K 4.— franko. Administration: Wien, III., Linke Bahng. 9. Krirfkaste«. I W. in Stockerar^ ES ist nachgewiesen worden, daß Frau Schönerer die Urenkelin des Juden Schmuel Leeb Kohn in Pohrlitz ist. Da Herr Dr Urfin diese Tatsache, wie Sie Mitteilen, in Abrede stellt, so verweisen wir Sie auf den Artikel „Der Stammbaum Derer von Schönerer“ in Nr. 17 der „Qesterreichischen Wochenschrift" vom 6. Mai 1887. Dort können Sie lesen. ..... Der Urgroßvater der Gattin des Herrn Georg Schönerer. Herr Leopold Provander, hieß ursprünglich Schmuel Leeb Kohn. Derselbe war im Jahre 1762 zu Pohrlitz in Mähren geboren; sein Vater Falk Josua Kohn übte in der dortigen Synagoge die priesterlichen Funktionen der „Kohanim". Schmuel Leeb Kohn trat in späteren Jahren in der Gemeinde Urspitz zum Christentum über, wobei er seinen jüdischen Familiennamen „Leeb" in „Leopold" umwandelte und den Familienname! seines Taufpaten „Provander" annahm. Der getaufte Schmuel Leeb Kohn erlangte nach seiner Taufe den Tabak-Großverschleiß für Pohrlitz und Umgebung, wodurch er sein Fortkommen sicherte, später wurde er auch Armee-Getreidelieferant und gelangte so zu Vermögen. Die Tochter des früheren Schmuel Leeb Kohn und nachmaligen Leopold Provander. Namens Therese, heiratete den in dem benachbarten Großhof bediensteten erzherzoglich;n Wirtschaftsbeamten Edlen v. Gschmeidler, der sodann nach Pohrlitz übersiedelte und daselbst das PosthauS erwarb. Dieser Ehe entsproß der Vater der jetzigen Frau Pilippine v. Schönerer, der Gattin des Herrn Georg Schönerer, Schmuel Leeb Kohn, alias Leopold Provander. starb im Juni 1833; sein Bruder Mayer Kohn, welcher ihn überlebte und Jude blieb, war bei Herrn v. Gschmeidler als Jude in Verwendung. Als Herr Schönerer im Jahre 1887 gegen die Juden und Judenstämmlinge Schmähungen ausstieß, da war es der verstorbene HerrDr. med. Adler aus Pohrlitz. welcher dem damaligen Abgeordneten Dr. Bloch über die jüdische Abstammung der Familie Schönerers die erste Mitteilung zugehen ließ. Der bereits ebenfalls verstorbene Hof- und Gerichtsadvokat Dr. Jacques Fischer hat in den Pohrlitzer GeburtSmatriken die Daten genau festgestellt und sodann schriftlich der Oeffentlichkeit übergeben. Der Vater Georg Schönererhatte sein respektables Vermögen wieder dem Wohlwollen und der GeschäftSfreundschaft des Hauses Rothschild zu verdanken. Der verstorbene Herr v. Schönerer war nämlich Bauunternehmer bei der von seinem Sohne post festum so sehr angefeindeten Nordbahn und ähnlichen lukrativen Bauten. Herr Schönerer kultiviert als eine seiner Lieblingsphrasen die schöne Redensart von den „verjudeten Christen". Das jüdi'che Blut, das in den Adern seiner Kinder fließt, das jüdische Geld, das in seinen Taschen klimpert, sein müheloses Leben ohne ernste Arbeit, das Alles zusammen genommen, gibt ein Prachtexemplar von einem „verjudeten Christen", wie in ganz Oesterreich nicht leicht ein zweites aufzutreiben wäre."