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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-07 · 14 (7.4.1911) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite SSL Dr. Bkochs auf den Gang des Gottesdienstes, auf die Predigten des Rabbiners, auf den Religionsunterricht der Jugend. Das ist der Weg der Unkompetenz, auf welchem die Neologi,e bankrottiert. Auf diesem Wege kam das ästhetische Greuel zustande: einer Orgel beim jüdischen Gottesdienst, trotz Warnungen unserer großen Musik-Aestheten Mendelsfohn's und Meyerbeers. Eine Orgel — Inbegriff der Choräle — in der Synagoge, die, gleich der Moschee, das Reich des Solisten ist! Zweimal hatte ich das Glück, meine Söhne zur Bar Mizwah-Feier zu begleiten, bei welcher ihre Kinderstimme Solo die tausendjährigen Weisen der N'ginah im weiten Raume des Tempels rerkundete. Beim Klange dieser einzigen Knabenstimme im großen, weiten Raume, beim Wiedecscheine, den dieses junge Silberstimmchen auf die tausendjährige Liturgie warf, blieb kein Auge unbenetzt im ganzen großen Tempel. Die Tränen der innersten Bewegung, die da fielen, waren freudige Opfer, spontan dargebracht auf dem Altäre des Schönen, welches dahin gipfelte, daß diese tausendjährige Liturgie durch dieses silberne Kinderstimmchen in einer neuen Generation wieder aufsteht. Dies ist unsere eigene Aesthetik — niedergetreten und zerstrampelt durch unwissende Kultusräte, welche die N'ginah abschafften und die fremde Orgel einführten. Nicht besser geht es mit der Bildung der ästhetischen Individualitäten durch den historischen Unterricht, da auch auf diesen ein gewählter Kultusvorstand pädagogisch unbefugt Einfluß nimmt. Die Aesthetik unserer religiösen und historischen Schriften ruht zu nicht geringem Maße in der antiken hebräischen Ausdrucksweise. Anstatt nun der Schuljugend die hebräische Sprache auf eine leichtfaßliche Weise durch die Ahn'sche Methode beizubringen, soll das Erlernen der hebräischen Sprache durch wort-wörtliches llebersetzen der Gebete und der Bibel erzielt werden. Damit wird unsere Jugend durch 4 Volksschul- und durch 7—8 Mittelschulklassen geplagt, natürlich vollends resultatlos, weil man doch auf diese Weise niemals eine Sprache erlernen kann. Man gebe doch dem Volksschüler den „Ahn" in die Hand, und der Mittelschüler wird die Bibel im Urtext lesen können. Diese aussichtslose Verkrüppelung der Unterrichtsmethode, die den neologen Juden Europas niemals die Aesthetik seiner orientalischen Ursprache finden läßt, sucht ihre Fortsetzung im historischen Unterricht. Woraus schöpft der deutsche Jüngling seine Labe zur Aesthetik des Deutschtums? — Aus der Geschichte. — Woraus schöpft die polnische Jugend ihre nationale Eraltation? — Aus der Geschichte. — Woraus schöpft der Böhme seine zähe Treue zum Stamm? — Aus der Geschichte. — Woher soll aber der neologe Jude seinen ästhetischen Halt im Leben hernehmen? Was wurde ihm in Kinderjahren in der Schule geboten? Zum lleberdruß wurde die biblische Geschichte, und nichts als die biblische Geschichte wiederholt. Inder Volksschule: biblische Geschichte. In der unteren Mittelschule: Nochmals biblische Geschichte, und in der oberen Mittelschule: abermals biblische Geschichte. Zwischen jenen uralten Zeiten des fernen Orientes und dem heutigen Schüler — eine, mit „Nichts" ausgefüllte Kluft. Nicht an den teutonischen Göttern erwärmt sich das Herz des deutschen Jünglings — sondern an den napoleonischen Befreiungskriegen. Nicht an fernen jagellonischen Zeiten exaltiert sich der patriotische Geist des polnischen Schülers, sondern an den Heldenzeiten der polnischen Revolution. In der Volksschule, mag der Jude wie der Christ die b iblische Geschichte lernen; in der unteren Mittelschule, Wochenschrift Nr-14 lese er die Bibel im Urtext (gestützt auf die Ahn'sche Grammatik); in der oberen Mittelschule aber sei er reif für die nationale Chronik des Judentums, da lerne er kennen die Greuel der spanischen Inquisition, die Mordtaten der Judenverfolgungen in der Pfalz. Da ziehe der Wiener Religionslehrer mit seinen Klassen auf den hohen Markt, zeige ihnen die Stelle, wo Tausende von Juden hingemordet, da küsse er die Steine, die das Blut der Helden getränkt, die treu dem Stamme gefallen, und so schmiede er das Wesen des Jünglings zu einem Ganzen, der seine Aesthetik aus der eigenen Geschichte schöpfen — und nicht bei fremden Völkern suchen wird; fähig Geld und Blut für die Schönheiten seiner eigenen Lebensweise zu opfern — gänjlich unfähig aber, fremden Völkerstämmen durch Entlehnung ihrer Lebensformen und Lebensweisen lästig zu werden, wie Sie ganz richtig behaupteten. Zusammengefaßt: Es fehlt den neologen Juden die Erziehung zur eigenen Aesthetik. Oesterreich besteht aus Nationen und Stämmen. Vollwertiger Staatsbürger kann bloß sein, der seinem Stamme mit Hand und Herz treu ist. — Literat«». vL8 Lämmlein. Eine uralte Geschichte tür unsere Kleinsten. Bearbeitet von Hugo Zuckermann. Zeichnungen von Osias Herschdörfer. Publiziert von der Kommission zur Herausgabe jüdischer Jugendschriften, Wien, IX., Türkenstrasse 9, Preis 10 Heller. Es ist die uralte Geschichte vom Lämmlein des „Chad Gadjah“ der Passah-Hagadah, das uns Dr. Hugo Zuckermann in niedliche Verse gebracht und Osias Herschdörfer nach Liliens Manier verbildlicht hat. Die Titelvignette zeigt die deutsche Benennung in hebräischer Manier. Von Bezalel in Jerusalem geht diese Uebung aus. Wie die mit Recht berühmten „Münchener Bilderbogen“, die auch als Lehrmittel anerkannt sind, ist das Gedicht in den Verschleiss gebracht und soll zum Lesen der Hagadah selbst anregen. Man weiss, wie diese gern vom Stifte des Malers und Zeichners benützt wurde; man kennt auch den Zusammenhang der Gadah-Murwick der Ueberliefeiungen des Orients. In den wenigen und anspruchslosen Verszeilen, in diesen billigen Bilderbogen steckten viel Geschichte, viel Lehre, viel Anregung. Wir danken den Herren für ihre Veröffentlichung. Ihre gute Absicht möge in weiter Anerkennung Lohn finden! Dir. Dr. 8. Krenberger Mauceri Fiuegel, Humanity, Benevolence and Charity Laws of Pentateuch and Talmud: Baltimore, M. Fiuegel & Co., Publishers, 2562 Mc. Cullols St. 1908. Das Buch ist unbedingt das Beste, was wir in der zahlreichen Literatur über den Gegenstand besitzen. Der Gediegenheit des Inhalts entspricht der glänzende Stil, die Glut der Begeisterung schlägt dem Leser aus jeder Seite entgegen. Schlagend wild die ethische Ueberlegenheit des Judentums über die Doktrinen Hammurabis, der alten Egypter, des klassischen Altertums, sowie der modernen Kultur dargetan. Man wird erst durch dieses Werk daran erinnert, dass der jüngst leider verstorbene Verfasser so vieler ausgezeichneter Werke über jüdische Gegenstände bisher viel zu wenig gewürdigt worden ist. x. Robert Hessen, Die sieben Todfeinde der Menschheit. Geheftet 2 Mark 50 Pf., in Leinen 4 Mark- Verlag von Albert Langen in München. Des Autors hygienisches Ideal ist ein starkes, schönes, gesundes Geschlecht von Menschenkindern. Wir lernen die durch Schlendrian fortwährend begangenen Todsünden gegen die Leibeskultur erkennen und merken, wie geringer Anstrengungen es bedürfen würde, um frischer, widerstandsfähiger, leistungskräftiger zu werden, als wir sind. Ganz eigene Wege geht der Verfasser, wenn er den Schulteufel brandmarkt, oder die Prüderie als Feindin der Gesundheit anklagt, oder schlimme Beziehungen zwischen Alkoholismus oder Rasse aufdekt. In den Kapiteln über Tuberkulose und Syphilis nennt er die Bazillenjagd „ein Faulbett für die Hygiene“, weist Reinlichkeit und naturgemässes Leben als wichtiger nach. Kleine Bibliothek Langen Band 104: Anatole France, Der Statthalter von Judäa und anderes, Umschlagzeichnung von Heinrich Kley. Preis broschiert M. 1.—, gebunden M. 1.50, in Leder gebunden M. 2.80. Verlag von Albert Langen in München. Anatole France ist anerkanntermassen, was Feinheit des Stiles und der künstlerischen Durcharbeitung betrifft, der Grösste

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