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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-07 · 14 (7.4.1911) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Bkochs Wochenschrift Seite 931 Wien. Der Verein der Leipniker Israeliten in Wien veranstaltet Samstag den 8. April 1911, abends 8 Uhr, in den Lokalitäten des Hotel de l'Europe, II., Aspernbrückenstraße, eine gesellige Zusammenkunft, verbunden mit Vorträgen und darauffolgendem Tanze. Herr D. v. Gutmann widmete dem Verein als „Stifter" Kr. 500.—, Herr Rudolf Friede! als „Gründer" Kr. 100.—. Wien. (Jüdischer Schulverein für den IX. Bezirk, IX/1V Grüne Thorgasse 19.) Der Vorstand macht darauf aufmerksam, daß die Aufnahme für den Bar-Mizwah-Vorbereitungskurs Sonntag von 10—12 Uhr vormittag, sonst von 5—7 Uhr stattfindet. Austritte aus dem Judentum Vom 26. bis inkl. 31. März 1911. Deutsch Paul, Kedakteur, geb., 16. März 1873, Wien, I., Himmelpfortgasse 14. Fasal Simon, Mechaniker, 30. März 1879, Bludonitz, Schlesien, XIII., Missindorfstrasse 26. Heriinger Jakob, Kontorist, geh. 24. Juli 1885, Wien, in., Geusaugasse 43. ' Lewitus Hedwig, Private, geb. 10. Juli 1884, Horowitz, Böhmen. III. Weissgärberlände 52. Mönig Lilly, geh. 10. Februar 1888, Wien, VIII, Wickenburgg. 16. Sühs Olga, Kassierin, 22. Juli 1878, Wien, II., Kaiser Josefsstr. 4J. Tachau. (Verlobung.) Der Sohn des Großindustriellen Herrn Heinrich Adler und Prokurist der Firma, Herr August Adler, hat sich mit der Tochter des k. k. Ober- Bezirksarztes in Plan, Herrn Sigmund Bock, Fräulein Lili B ö ck verlobt. Preßburg. (Mutige Tat eines Rabbiner s.) Ein Kind eines Preßburger Einwohners Josef W o t t i z geriet zwischen die Räder eines Postwagens. Nur dem mutigen Einschreiten des Rabbiners Ignaz B r e i n e r ist es zu danken, daß das Kind mit dem Leben davonkam. Die Passanten, die Zeugen dieser Szene waren, bereiteten dem hilfsbereiten Rabbiner herzliche Ovationen. Eger. (Ehrung). Unser Vorsteher, Herr EduardLöwy, hat infolge seiner Wahl zum Kultusvorsteher den Vorsitz in der Chewra- Kadischa niedergelegt. In Würdigung seiner Verdienste um die Brüderschaft, deren Gründer Herr E. Löwy ist und die er durch 12 Jahre in treuer, oft aufopfernder Arbeit leitete, hat ihn die Generalversammlung zum Ehrenmitglied ernannt. Am Sonntag den 19. v. M. überreichte eine Abordnung des Chewra-Vorstandes, an der Spitze Herr Wilh. Hermann und Herr Weiß! mit dem Rabbiner Herrn Dr. Weiß, eine prachtvolle silberne Plaquette mit einer ehrenden, herzlichen Widmung. Unter kurzen, dankenden Ansprachen des derzeitigen Vorsitzenden Herrn Hermann und Sr Ehrwürden des Herrn Rabbiners Übergaben sie dieses Ehrengeschenk dem Herrn Kultusvorsteher, der sichtlich gerührt dankte und die Chewra seiner weiteren treuen M tarbeit versicherte. Mähr-Oftrau. Hier hat sich ein Hilfsverein jüdischer Handwerker für Mähr.-Ostrau und Umgebung gegründet, und findet die I. Generalversammlung Sonntag den 9. April 1911 um 3 Uhr nachmittag im Straßmannschen Bräuhaussaale statt. Budapest. Budapester Blättern zufolge hat Se. Majestät dem Herrn Max Srobolski, dem Redakteur eines israelitischen Blattes („Egyenlöseg") in Budapest, wegen seiner langjährigen Verdienste, die er sich im Interesse der patriotischen, israelitischen Bevölkerung erworben hat, den ungarischen Adel verliehen. Feuilleton. A« Hermann Kahr. Von Ingenieur Joseph Lazarus, Fiume. Ich habe nicht den Vorzug Sie zu kennen, erlaube mir aber dem großzügigen Gedankengange Ihres Artikels „Die Juden in Oesterreich" meine Bewunderung darzubringen, umsomehr, da Sie als Nicht-Jude in unserer Beurteilung so vollkommen die Wahrheit gefunden. Gestatten Sie nun. daß ich behufs Vervollständigung Ihrer Ausführungen, zur grellen Außenbeleuchtung, die Sie so trefflich auf die Iudenfrage warfen, eine ebenso grelle Innenbeleuchtung hinzufüge. Sie fragen: warum sich die Juden, wenn sie reich werden, taufen lassen? Sie fragen: warum die getauften Juden „Mimicry" spielen? warum sie mit aller Gewalt sich zu Lebensformen zwingen, die ihnen nicht natürlich liegen? Sie fragen: warum sie die feudale Sache zum größten Aergernis der Feudalen selbst zu ihrer eigenen machen? usw. Von Innen besehen, lösen sich all' diese psychischen Rätsel: Es fehlt eben den neologen Juden an eigener Aefthetik. Da Sie Außenstehender sind, dürfte es am Platze sein, die Erklärung vorauszuschicken, daß es orthodore Juden gibt, neologe Juden und Juden orientalischen Ritus. Juden, die noch in näherem geographischen donnere mit dem Oriente stehen, prientalische Juden, die man je nach der letzten Etappe ihrer Völkerwanderung l e v a n t i - Nische Juden, spanische Juden, portugiesische Juden, oder sephardische Juden nennt, besitzen ihre eigene, angestammte Aefthetik. Diese gehen nicht zur Taufe. Kunststückchen von Missionären ausgenommen. Die ästhetische Form ihres Gemeindewesens ist einheitlich, ohne Rücksicht daraus, ob der eine in religiöser Beziehung strengerer Observanz, der andere larerer Observanz äst. Anders die Juden des mittleren nördlichen Europas. Hier fand die Gemeindespaltung nach dem Grade der religiösen Observanz statt, in orthodore und in neologe Juden. Die orthodoxen Juden haben ihre ureigenste Lebens-Aesthetik. Sie lasten sich nicht taufen. Nur die neologen Juden Europas, auf welche Ihr vortrefflicher Artikel ein so grelles Licht wirft. Diese sind jeder eigenen Aefthetik bar! Deshalb ist die Neologie bankerott! Der neologe Jude lechzt nach irgend einer Lebens-Aesthetik. Da er nicht ahnt, eine eigene zu besitzen. und blos die der anderen Völker kennt, so wirft er sich diesen in die Arme. Einmal drüben angelangt, sucht er jene gesellschaftliche Schicht auf, in welcher die ästhetischen Formen am prunkhaftesten entfaltet sind, und so finden Sie ihn dort, wo nkan ihn am wenigsten sucht: bei den Feudalen. Der neologe Jude, der die Aefthetik des jüdischen Hauses nicht entdeckte, wohnt plöMch in einem er-feudalen Schlosse, unbewußt umgeben von Dingen, die jeden Geschichtskenner an seine eigene Bedrückung erinnern würden. Diesen Mangel an eigener Aefthetik, an geschichtlicher Schulung, verschuldet aber die Organisation der neologen jüdischen Religions-Gemeinden. So lange die Führung der jüdischen Religions-Gemeinden in Frankreich einem staatlichen Konsistorium oblag. gab es dergleichen unästhetische Auswüchse nicht. Denn im Konsistorium saßen durchwegs Männer von theologischer Bildung, und so kam auch das ästhetische Bedürfnis auf seine Rechnung. Im üjbrigen Europa jedoch gab es kein Konsistorium. Die jüdischen Religions-Gemeinden verwalteten sich selbst durch Kultusräte, die bei den Neologen. ohne Rücksicht auf deren theologische Befähigung gewählt werden. So mancher reich gewordene Spezereikrämer, „l ä ß t" sich in den Kultusvorstand wählen, und wirkt, (jeder theologischen Vorbildung bar) bestimmend und formend

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