Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 14 Dr. Wachs WochenMrift Seite 329 Geschichte der Spende wird in der Wilnaer hebräischen Tageszeitung „Heb Hasman" folgendes erzählt: Wie Professor Batst wiederholt erzählte, datiert diese Geschichte noch aus der Zeit, da der Begründer des russischjüdischen Großkaufhauses Samuel Pojatoff am Leben war. Pojatoff war mit Baron Hirsch verschwägert, und er legte dem Baron nahe, daß es zeine wichtige Sache wäre, in den jüdischen größeren und tleineren Städten in Rußland Gewerbeschulen zu errichten, damit deren Absolventen später das Wohnrecht außerhalb des jüdischen Ansiedlungsrayons erlangen tonnten. Professor Batst unterstützte dieses Projekts so daß Baron Hirsch später auch seine Einwilligung gab und bald darauf bei der russischen Regierung 50 Millionen Franken erlegte, um davon die jüdischen Gewerbeschulen erhallen zu tonnen. Aus verschiedenen Gründen konnten diese rein jüdischen Schulen nicht eröffnet werden. Wollte man aber in diese Schulen auch christliche Schüler aufnehmen, so hätte man wieder keinen jüdischen Lehrer anstellen dürfen. Pojatoff vertrat nun den Standpunkt, daß, wenn eine Spende von 50 Millionen Franken für rein jüdische Bildungszwecke gemacht wird, rtiait nicht gut die christlichen Bildungsanstalten ganz übergehen könnte. Aus diesem Grunde meldete Pojatoff im Namen des Baron Hirsch eine Spende von einer Million Francs ausschließlich für christliche Schulen an, und die Regierung, die die Spende annahm, überwies dieselbe der Synode für die Schulen, welche unter Aufsicht der Geistlichkeit stehen müssen. So kam es, daß das Geld für die christlichen Schulen die Synode erhalten hat, während das große Projekt, bezüglich der jüdischen Gewerbeschulen nicht zustande kam. Professor Batst schreibt dies dem damals eingetretenen Tode des Pojatoff zu. Diesem Umstande sei es auch zuzuschreiben, daß die 50 Millionen des Baron Hirsch nach dem Tode Pojatoffs nicht für jüdische Gewerbeschulen, sondern für Kolonisationszwecke in Argentinien verwendet wurden. Judenverfolgung^ in Marokko. Die Jerusalemer Zeitung „Hacheruth" erhielt aus Debda (Marokko) die Nachricht von neuerlichen fürchterlichen Ueberfällen auf die dortigen Juden. Zwischen den mit einander feindseligen arabisches Stämmen brach ein Straßenkampf aus, der schließlich damit endete, daß beide Parteien vereint das jüdische Ghetto überfielen und dort eine furchtbare Verheerung anrichteten. Es wurden alle aus den Pogroms bekannten Grausamkeiten verübt. Aus dm Straßen sagen die Leichen ermordeter Indien. Da die Belagerung des Ghetto mehrere Tage daujrrte und in den Judenhäusern kein Proviant war. fand man zahlreiche Kinderleichen, die vor Hunger und Durst umkamen. Ein getaufter Jude als Besamter einer jüdischen Gemeinde. Eine merkwürdige Affäre beschäftigte die Budapester kön. üng. Tafel als Appellsenat. Der Redakteur einer Provinzzeitung meldete von dem Beamten der jüdischen Gemeinde seiner Stadt, daß derselbe getauft sei und als getaufter Jude eine Anstellung bei einer jüdischen Gemeinde angenommen habe. Die erste Instanz verurteilte den Redakteur, weil dieser nicht beweisen konnte, daß der Privatkläger getauft sei, wegen Verleumdung zu 120 Kronen Geldstrafe. Die Budapester königl. Tafel kassierte dieser Tage das Arteil der ersten Instanz und sprach den Angeklagten frei. In der Begründung des Urteils heißt es: Der Uebertritt von einem Glaubensbekenntnisse zum anderen bildet das gesetzlich gewährleistete Recht eines jeden Bürgers, das sehr viele in Anspruch nehmen. Demnach ist der Uebertritt weder eine strafbare, noch eine solche Handlung, die die allgemeine Verachtung zur Folge haben würde. Selbst wenn dieser Uebertritt einen vermögensrechtlichen Nachteil verursacht hat, wie dies angeblich im vorliegenden Falle geschehen, bildet die Behauptung, daß der Betreffende getauft sei, noch nicht den Tatbestand der Verleumdung. Mit diesem sonderbaren Urteil würde den ohnehin zahlreichen tauflustigen Juden direkt ein moralischer Freibrief für den Uebertritt ausgestellt. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I., Settenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Antonie Grobmann: Bon Ing. M. Schechter L 30, Josef Bloch 30, Emil Großmann 10, Gottlieb Bettelheim 30, Benno Goldschmidt 10, Jakob Kohn 30. Zukammen K 100. Anläßlich des Ablebens des sel. Heinrich Goldschmidt: Von Josef Popper K 20, Familie Heinrich Goldschmidt 50. Zusammen K 70. Anläßlich des Ablebens der sel. Karoline Brandeis: Von Karl Kohn K 20. Anläßlich des Ablebens der sel. Fanni Pfeifer: Von Adolf Freund K 20, Ignaz Gewitsch 20. Zusammen K 40. Anläßlich des Ablebens des sel. Emil Weiß: Von Doktor Jakob Beutunt K 5, Jakob Weiß 50, Edmund Hofmann 10. Zusammen K 65. Anläßlich des Ablebens der sel. Albertine G r o s n e r: Von Adolf Ernst K 10, Rosa Schrauth 10. Dr. Altmann 5. Zusammen K 26. Anläßlich des Ablebens der sel. Anna S ch ö n b a ch: Von Gott K 5. Anläßlich des Ablebens der sel. Julie Landau: Von Familie Landau K 20. Adolf Salomoneanu 10. Zusammen K 30. Anläßlich des Ablebens des sel. Leopold Wiener: Anläßlich des Sterbetages von Rosa Wiener K 10. Anläßlich des Ablebens des sel. Jsak L i t t m a n n: Von Eugenie Scherer K 10, Eduard Scherer 10. Zusammen K 20. Anläßlich des Ablebens des sel. Ignaz Guttmann: Bon Max Schwarz K 5, Guttmann Sandor 5. Zusammen K 10. Anläßlich des Ablebens der sel. Amalie Byk: Von Doktor Artur Jg. Blumenfeld K 20, I. v. Lött 20. Zusammen K 40. Anläßlich des Ablebens der sel. Babette Epstein: Von Friedrich Lengsfelder K 5. Anläßlich des Ablebens des sel. Joachim Sprecher: Bon Leontine Sprecher K 30. Anläßlich des Ablebens der sel. Ignaz L ö w: Von Markus Munk K 10. Anläßlich des Ablebens der sel. Rosa Max: Von Firma Brüder Stern L 15, Personal der Firma Brüder Stern 15. Zusammen K 30. Anläßlich des Ablebens des sel. Adolf Freund: Von Ignaz Gewitsch K 20. Wien. Die öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelttischen Kultusgemeinde Wien, I. , Seitenstettengasse 4, II. Stock, findet Sonntag den 9. April 1911, 10 Uhr vormittags, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Einlauf. 3. Präsidialbericht. 3. Prüfung und Erledigung der Rechnungsabschlüsse pro 1910 über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher unter der Gemeindeverwaltung stehenden Fonde und Anstalten. Wien. (Generalversammlung d er „O est erreichisch-JsraelitischenUnion".) Dienstag den II. d. M., präzise 1I2S Uhr abends, findet im Saale des „Hotel Guth", II., Stefaniestraße 14, die 26. ordentliche Generalversammlung der „Oesterreichisch- Jsraelitischen Union" mit folgender Tagesordnung statt: 1. Mitteilungen des Präfidiums; 2. Rechenschaftsbericht; 3. Kaffabericht; 4. Diskusfion; 5. Wahlen in den Vorstand; 6. Anträge und Jnterpellattonen. Der Einttitt zu dieser Generalversammlung ist nur Mitgliedern gestattet. Wie«. (Hilfsverein für die notleidende, jüdische Bevölkerung in Galizien, Wien, IX. B e r g g a s s e 4.) Sonntag den 9. April 1911 um 10 Uhr vormittags findet in den Räumlichkeiten des Israelttischen Humanitätsvereines „Wien" B'nai B'rith, IX., Univerfitätsstraße 4, die ordentliche Generalversammlung statt.