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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-07 · 14 (7.4.1911) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 228 Dr. Vlochs Wochenschrift Nr 14 storbene König Eduard stets darauf bedacht gewesen sei, Lei solchen Einladungen, die religiösen Gefühle der Geladenen nicht zu verletzen. Das englische Fretzndengesetz und die jüdischen Schneider. Aus London wird berichtet: Auffallend grob ist die Zahl derjenigen hiesigen Kleidersabriken, deren Schaufenster mit jüdischen Plakaten beklebt sind, in welchen Arbeiter rm Schneidergewerbe gesucht werden. Diese fast ausschliehlich aus eingewanderten Juden sich rekrutierende Arbeiterkatogerie weist in den letzten Jahren einen minderen Zuzug auf, als für den Londoner Arbeitermarkt zuträglich ist. Die Folge davon ist eine starke Preissteigerung in der Kleiderbranche. Noch bis vor einem Jahre war London der Schauplatz einer starken Immigrantenfluktuation. Die jüdischen Auswanderer aus Rußland, besonders die jüdischen Schneider betrachteten London als Vorschule für Amerika. Sie blieben einige Zeit da, arbeiteten in den Werkstätten, machten sich mit den amerikanischen ähnlichen englischen Verhältnissen vertraut, erlernten die englische Sprache und zogen dann weiter nach Amerika. Nur verhältnismäßig wenige blieben rn London. Seit der jüngsten Verschärfung der Fremdengesetze wird die Zahl der jüdischen Einwanderer immer kleiner und diejenigen, die vor einiger Zeit eingewandert sind, wandern wieder weiter. Hierdurch verliert London allmählich seine Bedeutung als Zentrum des englischen Kr nfektionsmarktes. Schon während der letzten Hochsaison vermochten die englischen großen Firmen wegen Mangels an „Händen" den Bestellungen nicht nachzukommen. Das Talmud-Studium in Riga. Vor ungefähr vier Jahren wurde hier ein Verein „Jagdil Thora" gegründet, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kindern, welche schon die Anfangsgründe der talmudischen Lehre kannten, das weitere Studium derselben und auch anderer Wissenschaften in einer Jeschiwah zu ermöglichen. Es wurden Räumlichkeiten gemietet, in welchen wir durch vier bewährte Lehrer die Knaben unterrichten lassen. Augenblicklich sind daselbst hundert Schüler mit diesem Studium beschäftigt. Dazu gehört aber Geld und dieses wurde durch Sammlungen und Schenkungen der hiesigen jüdischen Gemeinde aufgebracht, und zwar hauptsächlich durch die Tätigkeit unseres rührigen Mitgliedes Herrn Leib Lifschitz. Dieser Herr hat niemals Geld, Mühe und Arbeit gescheut, wo es galt, gute gemeinnützige Bestrebungen zu fördern, so hat er auch den Bau unserer schönsten, städtischen Synagoge zustande gebracht. Run hat letztens wieder Herr Leib Lifschitz zur Ehrung seines in Gott ruhenden Vaters am Jahrzeilslage 3000 Rubel dem Jagdil-Thora-Verein geschenkt. Die Renten sollen vorläufig zu allgemeinen Zwecken des Vereins verwendet werden, während das Kapital als Grundstein zum Bau eines eigenen Heimes der Jeschiwah dienen soll. Diese schöne Gabe hat nun in unserer Gemeinde große Freude verursacht, und sehen wir uns veranlaßt, solch eine hochherzige, nachahmenswerte Stiftung auch weiteren Kreisen bekannt zu geben. Riga den 20. März 1911. Der Präses L i s k i n d, Berlin. Die Vornamen t<u Juden in Rußland. Der russische Senat entschied endgiltig, daß die Juden kein Recht haben, russische Vornamen anzunehmen. Der Kischenewer Rabbiner Zirelsohn, der auf dem Schilde über seiner Tür sich „Lew Moisewitsch", anstatt „Leibe MoisewiHch" nannte, wurde angeklagt und verurteilt. Das JrMLäum des Dr. A. E. Harkawy. In Petersburg wurde letzten Samstag das 50jährige Schriftstellerjubiläum des großen jüdischen Gelehrten Dr. A. G. Harkawy gefeiert. In der großen Petersburger Synagoge versammelten sich zahlreiche Delegierte aus den verschiedensten Städten Rußlands, sämtliche Vorsteher der Petersburger Gemeinde und viele Ehrengäste. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Eisenstadt. Am Abend fand im Prachtsaale der Gemeinde eine Festversammlung statt. Anläßlich des Jubiläums wurde der Gelehrte zum Ehrenmitgliede der „Jüdisch-Literarischen Gesellschaft" in Rußland ernannt. Dr. Abraham Elias Harkawy wurde den 22. Marcheschwan 1835 in Nowogrodok im Minsker Gouvernement geboren. Seine Jugend verbrachte er in Chedarim und .Jeschiboth. Im Jahre 1858 bezog er die Wilnaer Rabbinerschule, wo er seine erste allgemeine Bildung genoß. 1883 inskribierte er sich auf der Petersburger Universität, wo er dem Studium der orientalischen Sprache oblag und 1872 zum Doktor der orientalischen Sprachen promovierte. Auf Kosten der Regierung studierte Dr. Harkawy dann einige Jahre in Berlin und Paris hauptsächlich Assyrologie und Egyptologie. Nach seiner Rückkehr aus dem Ausland erhielt er eine Dozentur an der Petersburger Universität, mußte jedoch nach kurzer Zeit die akademische Laufbahn aufgeben. Er wurde zum Direktor der Kaiserlichen Bibliothek in Petersburg ernannt und begann sich schriftstellerisch zu betätigen. Sein erstes größeres Werk: „Die Juden und die slavischen Sprachen" datiert aus dem Jahre 1867. Seit dieser Zeit arbeitete Dr. Harkawy ununterbrochen an der Erforschung der jüdischen Geschichte, besonders der Geschichte der Juden in Polen und Littauen. Besonders wertvoll sind seine Editionen historischer Dokumente. Als wichtigste Arbeiten gelten seine „Geschichte der Juden in der Krim", seine Arbeit über die Chasaren und über die verschiedenen religiösen Sekten bei den Juden, besonders seine große Arbeit über die Karaiten. Wertvoll sind auch seine kritischen Bemerkungen zur „jüdischen Geschichte" von Graetz. Die Zahl der wissenschaftlichen Aufsätze, die von Harkawy bisher erschienen sind, übersteigt 500. Sie erstrecken sich auf alle Gebiete der Geschichte der orientalischen Völker. Dr. Harkawy ist Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften Rußlands und des Auslandes und es soll nicht unerwähnt bleiben, daß er noch vor zwanzig Jahren in den russischen erblichen Adelsstand erhoben wurde. Die Anregung zur allgemeinen Feier hat kurz vor seinem Tode der verstorbene Baron David Günzburg in einem Aufrufe gegeben> in dem er dieses Fest ein wahres jüdisches Volksfest nannte. Auszeichnung eines jüdischen Malers durch den Zar. Die Frühjahrsausstellung in Petersburg hat, wie russische Blätter melden, dem jungen jüdischen Maler Moses Schulzeit eine besondere Auszeichnung gebracht. Seine Bilder erregten die besondere Aufmerksamkeit der Kunstkenner und der Zar, der die Ausstellung besuchte, hat eines der Kunstwerke des jungen Künstlers „Im fernen Norden" für die kaiserliche Bildergalerie angekauft. Schulzeit stammt aus Schitomir, studierte erst in Odessa und ist Absolvent der Petersburger Kunstakademie. in welcher jetzt bekanntlich keine Juden ausgenommen werden. Die Million der Jca und dick russische Synode. Diese von uns bereits gemeldete Angelegenheit läßt die Gemüter in Rußland nicht ruhen. Und auch die englischen Juden beschäftigen sich mit der Frage sehr eingehend. So hat der neugewählte Präsident der englischen Zionistenfederation in einem offenen Briefe an „Jewish Chronicle" die Leitung der Jca aufgefordert, der wiederholten Einladung, über ihre Gelder öffentlich Rechnung zu legen, Folge zu leisten und bei dieser Gelegenheit auch die obenerwähnte Millionenspende aufzuklären, lleber die

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