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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-07 · 14 (7.4.1911) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Dr. BLchs Wochenschrift Seite 237 Nr. 14 sogar zugestanden werden, daß unter der großen Beamtenschaft und Dienerschaft der Stadt Karlsbad sogar ein Jude angestellt ist, der Chemiker Dr. Lang. Eine Stadtverordnetensitzung, welche am Donnerstag den 30. März d. I. abgehalten wurde, sei aber hier auszugsweise erzählt: Es wurde beschlossen, die amtliche Kurliste auch in Buchform erscheinen zu lassen und 2000 Stück bei der Firma Franiek um 1800 Kr. drucken zu lassen. Die „Karlsbader Zeitung" wendet sich in ihrer letzten Sonntagnummer in scharfen Worten gegen diese „ganz nutzlose Ausgabe". Die Firma Franiek druckt aber das „Karlsbader Badeblatt", das Organ der Deutschradikalen — es sind Arier — das mit einer „Gabe" bedacht wurde. Die Eheleute Hermann und Karoline Sadler berufen gegen die Vorschreibung eines Armenperzentes. Das Kollegium erklärt sich als inkompetent — die Eheleute Sadler sind — Juden. Dem Adolf Steiner wird die Zustimmung zu einem Kaffeehause in einem Neubau vis-a-vis dem Mühlbrunn nicht erteilt, trotzdem die Bezirkshauptmannschaft Karlsbad, infolge der dringenden Notwendigkeit, bereits die Konzession erteilt hat und das Stadtverordnetenkollegium beschließt, gegen diese Zulassung nachträglich den Rekurs einzu b r i n g e n — denn Steiner ist Jude. Dem Karl Müller wird in einem Privathause derselben Straße die Konzession zu einem Kaffeehaus bewilligt, trotzdem sich in n ä ch st er Nähe einKaffeehaus bereits befindet. — Karl Müller ist Arier. Es wird dem Wunsche Ausdruck verliehen, es möge im Hause „Göttingen", in welchem der vorhergehende Karl Müller bisher sein Kaffeehaus hatte, keine Konzession mehr bewilligt werden. Besitzer des Hauses „Göttingen" ist der allgemein geachtete Kaufmann und Vorstandsmitglied humanitärer jüdischer Vereine, Ferdinand Böhm — ein Jude. Dem Franz Bernhardt wird für das Haus „Neue Welt" eine Gasthauskonzession erteilt, mit dem Bemerken, daß Tanzunterhaltungen im Sommer nicht „länger als bis 10 Uhr dauern mögen". Er ist ein Christ. Dem Dr. Gustav Mürling aus Elbogen wird eine Sekundararztensstelle im Krankenhause verliehen — er ist ein Christ. Dem kais. Rat Dr. Tyrnauer, der seit Jahren die medicomechanische Heilgymnastikanstalt im Kaiserbad hat — einen riesigen Pacht zahlt — welche von allen hervorragenden Badegästen frequentiert wird, sucht um eine Jnhalationskammer im Kaiserbad an und wünscht die Dringlichkeit — wird nicht zuerkannt — er ist ein Jude. So sieht eine Stadtverordnetensitzung aus, in welcher die Majorität „deutschsortschrittlich" ist. Es finden in diesem Sommer wieder Reichsratswahlen statt und da sollen die Juden den „deutschfortschrittlichen Kandidaten" wählen. Da sollten die Zionisten, die jüdische Kultusgemeinde und die jüdischen Gemeindemitglieder natürlich mithelfen. Vielleicht wäre es aber besser, wenn sie endlich s i ch s e lb st h e l f e n w o l l t e n. Es ist geradezu beschämend, wie von der großen Zahl intelligenter Juden, — Akademiker, Kaufleute mit großer Bildung — darunter selbständige unabhängige Männer, nicht ein einziger in Karlsbad den Mut findet, die Karlsbader Judenschaft zu organisieren rktid den Kampf gegen die schimpfliche Behandlung als „minderwertige" Bürger aufzunehmen, welcher sie unter dem „deutschfortschrittlichen" Stadtverordnetenkollegium ausgesetzt sind. Demonstrationen gögen eine Taufe. 2n einer kleinen ungarischen Garnisonsstadl dient bei einem Kavallerieregiment der Jude Leo Haendler, der wegen des im Regiment herrschenden Antisemitismus viel zu leiden hatte; er gab schließlich seinen Peinigern nach und erklärte sich bereit, in der dortigen griechisch-orientalischen Kirche zum Christentum überzutreten. Die Juden der Gemeinde scharten sich vor der Kirche zusammen und demonstrierten gegen diese Art von Zwangslaufe. Die Demonstration nahm solche Dimensionen an, daß der Taufakt aus unbestimmte Zeit verschoben werden mußte. Ueberdies sandten die jüdischen Bewohner der Stadt ein Telegramm an den Kriegsminister, in welchem sie die Offiziere des Regiments der Judenfeindlichkeit und der Proselytenmacherei anklagen. Meran. Sonntag, den 26. März, fand die 3. ordentliche Generalversammlung des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran" statt. Präsident Herr Dr. med. K o r e s begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder, widmete den verstorbenen Vorstandsmitgliedern Herrn Gust. Ri e, Herrn Moritz Schick und Herrn Filipp Frankenheim, sowie den verewigten Förderern: Herrn Joses T r i t s ch, Herrn Albert Freiherrn von Ratsch i l d, Herrn Julius Schottländer und Herrn Siegmund Mandl Worte warmen Gedenkens und erstattete der Generalversammlung die Mitteilung, daß Herr Hermann Pach, Wien, als neuer Kurator der „Königswarterstiftung" nunmehr auch dem Vorstande des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran" angehört. Sodann erstattete die geschäftsführende Vizepräsidentin, Frau Dr. Rosa Hersch, ihren Tätigkeitsbericht, in welchem sie die Bewegung des Vereins, die wirtschaftliche Führung des Genesungsheims, die Maßnahmen des Vorstandes, in Rücksicht auf die verteuerten Lebensmittelpreise und die Propaganda auseinandersetzte. Die Ausführungen des Tätigkeitsberichtes wurden von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen. Rach dem Kassaberichte des Kassiers Herrn Gustav Katzenstsin und dem Revisionsberichte des Revisors, Herrn Heinrich Gutmann, wurde beiden Herren unter Beifall d^r Dank für ihre mühevolle Arbeit ausgesprochen und dem Vorstande das Absolutorium erteilt. Lebhaftes Interesse erweckten die Ausführungen des ärztlichen Berichtes, den Herr Dr. med. M. Koref als ärztlicher Leiter des Genesungsheims erstattete und aus welchem die Versammlung mit großer Befriedigung von den schönen Heilerfolgen Kenntnis nahm. Die Generalversammlung berief sodann an Stelle der beiden Schiedsrichter, welche durch den Tod entrissen wurden, einstimmig die Herren Salo Cohn und Jacques Karpeles, Wien. Mit den erfreulichen Worten der Anerkennung und Würdigung, welche Herr Profeffor Dr. Egmont Münzer, Prag, der der Versammlung beiwohnte, der Tätigkeit und Entwicklung des Genesungsheimes widmete, nahm die Versammlung ihren Abschluß. Antisemitische Treibereien in der französischen Provinz. Lyon, die zweitgrößte Stadt Frankreichs, scheint Paris um seine jüngsten „antisemitischen Siege" zu beneiden. Wie nämlich von dort berichtet wird, finden in letzter Zeit fast täglich große antisemitische Versammlungen statt, in welchen die Bevölkerung gegen die Juden aufgehetzt und aufgefordert wird, dem Beispiele des Pariser Pöbels zu folgen. Bei einer solchen Veranstaltung kam es zwischen den Versammlungsteilnehmern und den in großen Massen ausmarschierten progressiven Studenten zu einem heftigen Zusammenstöße, dem das Einschreiten eines starken Wacheaufgebotes ein Ende bereiten mußte. Der VizepräsidMt der Pariser Kammer. Wie aus Paris gemeldet wird, wurde der Finanzminister im früheren französischen Kabinet, M. Klotz, zum Vizepräsidenten der Deputiertenkammrr gewählt. König und Chief Rabbi. Chief Rabbi von England Dr. Adler in London wurde vorige Woche die hohe Auszeichnung zuteil, zu einer Hoftafel geladen zu werden. Da jedoch die Einladung für Freitag Abend lautete, bat der Grotzrabbiner um Entschuldigung, daß er wegen des Sabbaths der auszeichnenden Einladung nicht Folge leisten könne. Die englischen Blätter erinnern hierbei daran, daß der ver-

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