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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-04-07 · 14 (7.4.1911) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 223 Mandate bewerben. Die Juden Galiziens verfügen hinreichend über Personen mit entsprechender Intelligenz und politischer Reife, sie werden die Wichtigkeit des Momentes erkennen. Die gesamte Iudenschaft Oesterreichs, ihr voran die Wiener Repräsentanz, sollte darauf einwirken, daß sich so bald wie möglich ein grobes Zentralkomitee bilde, das die Aufgabe verfolge, alle politischen Schattierungen der Judenschaft Galiziens zu vereinigen und bei der Aufstellung von Kandidaturen in Galizien nur aus das Wohl der gesamten Judenschaft Rücksicht zu nehmen. Personen mit politischen Sonderbestrebungen, die nur geeignet sind, den antisemitischen Allpolen Hilfskräfte zuzuführen, müssen unbedingt ausgeschlossen werden. _ I. Grobtuch. Zur Keichsratswaht im Kaiviertel. Das Auflösungspatent betreffend die abgetretene Reichsvertretung ist noch druckfeucht, der Parlamentsleichnam ist noch nicht recht kalt und schon wird um die Hinterlassinschaft gestritten. Fürwahr! Gar viele möchten lachende Erben sein. Ich schenke mir die übrigen Detailauslasfungen über die Tätigkeit der früheren Legislatursperiode. Die Lex Schmidt, der Hausiergesetzentwurf, der Antrag auf Einführung einer Statistik des Judenvermögens, waren seine Signatur. Geistige Nahrung sollten unserem Nachwuchs, leibliche unseren ärmsten Schichten entzogen werden. Als Pächter der Freiheit will ich nicht gellen, ich schenke mir daher die Rufe: „Staatsstreich", „Hochverrat", „Verfassungsbruch". Ob man mir die Steuern durch Budget oder § 14 abnimmt, es wird mir nachgerade gleichgültig, wenn ich bedenke, daß mit § 14 derartige Bestialitäten, wie die obenerwähnten Gesetzesexperimente, unmöglich begangen werden können. Eine verantwortliche Regierung hat schließlich mehr Reputation zu vergeben, als irgend ein unverantwortlicher antisemitischer, sei' es freiheitlicher, sei es klerikaler Parlamentsklub. Nicht die Verfassungsfrage ist daher von uns Juden aufzuwerfen, sondern eine andere. Das verflossene Parlament hat jede mögliche oder unmögliche Gelegenheit ergriffen, um auf Umwegen Judenverfolguugsgesttze einzuschmuggeln. Sollte es nicht möglich sein, die Plattform für eine Koalition aller Jüdisch-denkenden zu finden, innerhalb deren ein Jeder unter Aufrechterhaltung seiner eigenen Grundsätze für das Ganze wirken könnte. Einigkeit war stets die schwache Seite der jüdischen Wählerschaft. Allein wir können nichts dafür. Unsere Uneinigkeit ist eine Folge unserer starken Intelligenz. Ein jeder von uns hat gewisse Weltanschauungen; und die derselben Weltanschauung sind, sind sich nicht einig über die Methoden ihrer Betätigung. Hiebei leitet uns ein ehrlicher Fanatismus und daher stets ein Streit der Geister ehrlichen Wollens. Es glaubt der eine gegenüber den Bedrückungen, Mißhandlungen und Verachtungen, mit Stolz sein „chauvinistisches Judentum" im edlen Sinne des Wortes betätigen zu müssen, der andere im edlen Kosmopolitismus, der dritte unter anderen Völkern als Kämpfer und Rufer der Freiheit zu sein. Keinem darf edles Streben und ehrliches Wollen abgesprochen werden. Und in dieser Ehrlichkeit kämpfe Jud gegen Jud mit einem Fanatismus, wie ihn die ärgsten Feinde der Juden gegenüber nicht besser an den Tag legen können. Kurz wir sind Opfer unserer ausgeprägten Intelligenz. Und vielleicht wird uns gerade diese Intelligenz endlich einmal lehren, mit dieser Gruppenpolitik derzeit aufzuhören. In Zeiten, wo wir einer Legion von Feinden gegenüberstehen, muß jeder, der schon von vorneherein weiß, daß für seine und seiner Gruppe Ueberzeugung kein Raum ist, daß seine Gruppe seiner Ansicht nach bloß Müßige vernichten, jedoch sein Gutes oder sagen wir Bestes nicht schaffen kann, sich den Tatsachen unterwerfen und das nach der gegebenen Konstellation Beste oder mindest Schlimme erhalten. Jede andere Methode der Betätigung führt — man mag das Beste ersehnen und wollen — zur unvermeidlichen Schädigung. „Wer nur sich für den Besten glaubt, der hält sich selbst zum Besten" läßt Rückert die weisen ^Brahmanen sagen. Aus dem Gesagten folgt, daß man über die Stellungnahme zu den Wahlen eine allgemein gültige Regel nicht aufstellen kann; es richtet sich dieselbe nach den konkreten Verhältnissen eines jeden einzelnen Wahlbezirkes. Und so komme ich zu dem mich interessierenden „Kaiviertel". Dieser Wahlbezirk und das Kaiviertel sind wahlgeometrisch aus einem ganz konkreten Grunde konfektioniert worden. Sie sind geschaffen worden, um der Judenschaft die Möglichkeit zu bieten, durch ihre. Vertreter im Parlamente etwa gegen sie gerichtete Anschläge abzuwehren. Dies war auch ein Erfolg der Bemühungen der maßgebenden jüdischen Kreise. Bisher war dieser Bezirk durch Herrn Hofrat Kur and a vertreten und da wirft sich die Frage auf: Hat Hofrat Kuranda diejenigen Erwartungen, die man an ihn geknüpft hat, erfüllt? Als seinerzeit Hofrat Kuranda kandidiert wurde, war ich — ich gestehe es offen — nicht sehr erfreut. Schon die Tatsache, daß er Hofrat war, daß er unter Wittek gedient hat, der ihm nichts Böses zugefügt hat, hat in mir die Befürchtung wachgerufen, der Mann werde den Antisemitismus nicht für gefährlich halten, hat er es doch unter dem christlichsozialen Wittek weit gebracht; endlich glaubte ich ihn weitab vom jüdischen Fühlen: Allein ich ward angenehm enttäuscht. Während seiner gesamten Tätigkeit als Abgeordneter hat er bei jeder Gelegenheit offen und mutig das Bekenntnis seiner Zugehörigkeit zum Judentum abgelegt und sich stets seiner jüdischen Mitbürger warm angenommen. Unvergeßlich bleibt mir der Moment, wie er, als der Präsident Dr. Pattai der blutrünstigen antisemitischen Rede des Abgeordneten Myslivec Beifall spendete, wie ein junger zionistischer Student aufsprang und ihm in kernigen Worten den Borwurf grober Pflichtverletzung und beispielloser Niedrigkeit ins Gesicht schleuderte. Er nahm sich der bedrückten Glaubensgenossen im Auslande an; die Persekution der Juden bei der Volkszählung in Galizien hat er als rechtswidrig im Budgetausschuß gebrandmarkt und Abhilfe begehrt. Die zahllosen Interventionen in den Ministerien, bei dem einzelnen Juden widerfahrenen Unrecht hier aufzuzählen, ist kein Raum. Ich könnte aus eigener Wahrnehmung viele Fälle erzählen. Dabei hat er seine allgemeinen Pflichten gar nicht vernachlässigt: Er gehörte zu den fleißigsten Arbeitern und wußte sich Ansehen im Parlament zu verschaffen. Dies zeigt sich insbesondere darin, daß man ihn, den Wilden, in die Ausschüsse wählte. Er ergriff bei zahllosen Gesetzesvorlagen das Wort und dank seinen Erfahrungen und der Kenntnis der einschlägigen Materien gelang es ihm, bei vielen, den Kaufmannsstand und Jndustriellenstand interessierenden Vorlagen Amendements durchzusetzen. Bei jeder freiheitlichen Frage war sein Wort zu vernehmen. Der Bezirk, den ich früher einen Judenbezirk nannte, ist es heute fast nicht mehr, er ist nicht mehr so sicher. Dreifaltigkeitshof, Lazzenhof, die Häuser am Schottenring und Schottengasse sind demoliert, ein Teil der Eßlinggasse ist in ein Geschäftshaus umgewandelt. Die verläßlichen Wähler sind verzogen. Es ist Einigkeit mehr denn je erforderlich, für Störer ist kein Raum. Wir müssen Hofrat Kuranda wählen „ihm zu Ehren und noch mehr uns zu Ehren". Dr. Carl L i f c z i s. Vom Jahrmarkt des Lebens. Geschichte der Judengemeinde in Krakau. Cincinnati (Ohio). Herr Redakteur! Ihrem geschätzten Blatte Nr. 10 entnehme ich die ersteuliche Nachricht, daß die Krakauer Kultusgemeinde die Herausgabe einer Geschichte der Juden in dieser ehrwürdigen und bedeutenden Gemeinde

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