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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1911-03-31 · 13 (31.3.1911) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
28 (1911)
Issue
13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 215 Rachel, die Mütter der meisten Söhne Jakobs, werden wohl auch mehr oder minder blond gewesen sein. Ebenso deren Binder. Von den beiden Müttern der übrigen Binder Jakobs, Bilhah und Silpah, wissen wir nicht, wie sie waren. Der dunkle Einschlag in die Familie Israel begann indeß erst mit Josefs Frau, der Egypterin. Dann kamen die späteren Vermischungen. Auch sonst haben im Judentum die Blonden nicht gefehlt. Von König David heißt es in seiner Jugend: ein Mdmoni, Rotkopf, von schönen Zügen und gutem Aussehen. Also Ihr blonden Juden, laßt Euch von den dunkeln nicht zurücksetzen. Ihr könnt in gerader Linie von den Patriarchen oder vom König David abstammen. V. I. £. Kiteratrrr. „Der Fall Hilsner — Cat europäisches Iustizverbrechen", Preis 50 Pf., betitelt sich ein soeben bei A. W. Hayn's Erben in Berlin anonym erschienenes Schristchen, das in gedrängter Kürze alle in diesem seltsamen, vor mehr als 11 Jahren stattgefundenen Ritualmord-Prozeß begangenen Fehler aufzählt und die Begleitumstände kritisch beleuchtet. Bekanntlich ursprünglich auf dem rein religiösen Boden stehend, mußte, als das Unsinnige des Ritualmordes, bezw. der Blutentziehung für Zwecke des jüdischen Opferfestes, absolut sicher nachgewiesen war, die Anklage in der über Revision erfolgten zweiten Verhandlung zu Pisek sich dazu bequemen, dieses mittelalterliche Hirngespinst auszuschalten und die Motive für den 1899 im Walde bei Polna vorgekommenen Mädchenmord anderswo zu suchen. Augenscheinlich als Ersatz hierfür fügte die Anklagebehörde sofort einen neuen, dreiviertel Jahre etwa vorher, ebenfalls in der Nähe verübten Mädchenmord ein — von dem es übrigens keineswegs feststeht, ob es wirklich Mord und nicht Selbstmord war — und stützte sich hierbei lediglich auf einige Aehnlichkeiten rücksichtlich des Versteckens der Leichen, ,bezw. des Skelettes im zweitgenannten Falle. Weitere Anhaltspunkte gab es keine. Allein auch bezüglich des ersten, Hilsner Zür Last gelegten Mordes stellen die „Beweise" alles andere vor als Indizien^ es sind dies nämlich eine Hose, von der es nicht sicher ist, daß sie der Beschuldigte am — nicht festgestellten — Tage der Tat am Leibe trug, zwei „Blut"fleckchen, von welchen es nicht bewiesen werden konnte, ob sie wirklich Blut waren, überdies Blut von der Ermordeten — die außerdem auf der Rückseite dep Hose fichsoorfanden —. und dann gesellte sich noch die nach knehr als vier Monaten abgegebene Aussage eines nicht ganz einwandfreijen freiwilligen Zeugen hinzu, welcher Hilsner am Tatorte, der auch nicht genau bekannt ist, zur kritischen Stunde, die ebenfalls nur auf bloßen Annahmen beruht, herumstreichend, überdies aus der Entfernung von nahezu 700 Metern, erkannt haben will. Eingehende Versuche unter wissenschaftlicher Kontrolle haben das Unhaltbare dieser Behauptung erwiesen. Außerdem versagte der Angeber selbst bei einer von Amts wegen mit ihm vorgenommenen Sehprobe, bei der es überdies insofern nicht mit rechten Dingen zuging, als ihm das Publikum „einsagte". Noch fadenscheiniger war das „Beweis"-Material für den zweiten Fall, indem da nicht einmal festgestellt werden konnte, ob die seit 17. Juli 1898 verschwundene Marie Klima wirklich an jenem Kirchweihfeste teilgenommen hatte, von dem die Anklage ausgeht. Für beide — angenommenen — Stunden, in welchen die Verbrechen vorfielen, konnte Hilsner ziemlich gut sein Alibi Nachweisen, insbesondere im zweiten Falle. Bei keinem der beiden Fälle konnten die eigentlichen Täter und demgemäß auch nicht ihr Zusammenhang mit Hilsner eruiert werden. Dennoch fand die Verurteilung wegen Mithilfe am Morde, u. z. zum Tode für beide Fälle statt! Daß dieses Verdikt nur zufolge der ungeheueren oorausgegangenen Aufstachelung der wildesten. Leidenschaften, nicht nur des religiösen, sondern auch des politischen Fanatismus zustande kam — Hilsner spricht, wie alle Juden Böhmens, auch Deutsch — liegt auf der Hand. Es hätten sonst die Mädchenmorde. die gerade in jener Gegend vor- und nachher vorkamen, in gleicher Weise behandelt, weit mehr aufgebauscht werden müssen. Das Schristchen weist daher, auch ganz richtig auf die schon bei der Voruntersuchung begangenen schweren Fehler und Unterlassungssünden hin, welche alle auf den suggestiven Einfluß einer grenzenlosen terroristischen Agitation im antisemitischen ^inne zurückzuführen sind und wodurch die Verfolgung der richtigen Spuren verabsäumt wurde. Wiewohl die Ritualmordfrage, wie erwähnt, offiziell bei der zweiten Hauptverhandlung beseitigt war. erfolgte dennoch das Plaidoyer des Vertreters der Privatbeteiligten, d. i. der Angehörigen der Ermordeten, vollständig im Zeichen des Ritualmordes, und zweifellos fällten die Geschworenen unter diesem bequemen Titel, der nicht das mindeste Kopfzerbrechen verursacht, ihren Schuldspruch. Die zum zweitenmale dagegen eingelegte Revision erweist sich aus formalen Gründen angeblich undurchführbar. Daher schließt das lebendig geschriebene Büchlein mit dem Appell an die Generalprokuratur, über den Formelkram sich hinwegzusetzen und eine neuerliche Revision anzuordnen — selbstverständlich nicht in einem national so erhitzten Revier wie bisher um diese einzig dastehende Schmach endlich zu tilgen. Dür Mann ohne Gewissen. Roman von Max Kretzer. Verlag Ullstein u. Co., Berlin. Aus Berliner Boden emporgewachsen entwirft dieser Roman ein kraftvolles und grosszügiges Zeitbild. Aus einem polnischen Provinzne3t kommt der kleine Kommis August Gläser nach Berlin, die Riesenstadt zu erobern. Er hat den brutalen, glühenden Willen zum Erfolge. Mit den Riesenkräften des gewissenlosen Tatmenscheu stürzt er sich in den Strom des Berliner Erwerbslebens. Mit rasender Eile stemmt er sich, wahllos in seinen Mitteln, auf den Schultern anderer in die Höhe. Immer glänzender strahlt sein Stern. Er stürzt sich in ungeheure Bodenspekulationen, gelangt zu Macht und Reichtum. Aber er vermag sich auf der Höhe dieses Erfolges nicht zu halten. Sein im Tiefsten schlummerndes Gewissen macht ihn im entscheidenden Augenblick kraftlos, das Truggebäude seines Lebeuswerkes stürzt zusammen und begräbt ihn unter den Trümmern. " x. Leonhard Ragaz „Du sollst 4, Grundzüge einer sittlichen Weltanschauung. II. Auflage. S°. 124 Seiten. Brosch. 2.20 M., geh. 2.50 M. Verlag F. Gerstuny a. G., Ossmannstedt. Universitätsprofessor L. Ragaz in Zürich ist der Verfasser des VII. Bandes der vom Pfarrer F. Gerstung herausgegebenen Schriftenreihe „Neue Pfade zum alten Gott“, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Erkenntnis wahrer Religiosität und Sittlichkeit unter den Gebildeten unserer Zeit zu fördern. Er behandelt unter dem Titel „Du sollst“ das in der Gegenwart heiss umstrittene Gebiet der Sittlichkeit. Dass Ragaz’ Weik von allen Bauden der „Neuen Pfade zum alten Gott“ zuerst in II. völlig umgearbeiteter Auflage erscheint, ist der beste Beweis nicht nur für die Güte des Buches, sondern auch für die Tatsache, dass das von ihm behandelte Problem im Vordergründe des Interesses der gegenwärtigen Zeit und Menschen steht. — Der Verfasser setzt sich mit allen Gegnern einer sittlichen Weltauffassung grundsätzlich und gründlich auseinander, und es ist ein erhebendes Gefühl,?zu beobachten, ja mit zu erleben, wie die christlich bestimmte, in Kant gleichsam kristallisierte sittliche Weltordnung als Siegerin triumphierend hervortritt. Form und Inhalt sind so interessant und pnc’^nd, dass man nicht loskommt, bis man das Werk zu Ende gelesen hat, und ist man am Ende, so muss man sich eingestehen: Ragaz’ „Du sollst“ ist ein prächtiges Buch, wie ich selten eins gelesen habe! — Das Werk ist zu beziehen von F. Gerstung u. G. in Ossmannstedt oder durch den Buchhandel von dem Protestantischen Schriftenvertrieb in Berlin-Schöneberg. x. Eduard Fuchs, Die galante Zeit (Zweiter Band der Illustrierten Sittengeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart) Mit 429 Textillustrationen und 65 meist doppelseitigen farbigen

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