Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 28 (1911)
- Issue
- 13 (31.3.1911)
- Date
- 1911-03-31
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 214 Nr. 13 Dr. Vlochs Wocheiffchrift. ihres Lebens im Studierzimmer ihres Gatten verlebt, so manches mit ihm und von ihm gelernt, so daß dieser sie als seine treue Mitarbeiterin zu bezeichnen pflegte. Die Bestattung fand unter großer Beteiligung aller jüdischen Gescllschaftsschichten statt. Im Trauerhause sprach Rabbiner Leib Braude einen Hesprd, in der Zeremonienhalle widmete Rabbiner Dr. Caro der Verblichenen einem warmen Nachruf. Ehre ihrem Angedenken. I. B. Das Leichenbegängnis eines Solferino-Kriegers. Bekanntlich finden die israelitischen Leichenbegängnisse ohne jeden Pomp statt und es erregte deshalb nicht geringes Aussehen in Budweis, als der am Freitag im Alter von 78 Jahren verstorbene Kaufmann Herr Markus Feßler am Sonntag unter großen Feierlichkeiten zu Grabe getragen wurde. Herr Feßler, der einer der Gründer des Veteranenvereines gewesen war, hatte vor seinem Tode den Wunsch geäußert, daß sein Leichenbegängnis ebenso wie das der übrigen Veteranen stattfinde, und da weder die israelitische Kultusgemeinde, noch der Rabbiner dagegen etwas einzuwenden hatten, rückte der Veteranenverein zum Begräbnisse mit Fahne und Musik aus und erwies dem Verstorbenen die üblichen Ehrenbezeugungen. Am Begräbnisse nahmen, da der Verstorbene sich in den Kämpfen des Jahres 1859 bei Solferino ausgezeichnet hatte, Offiziers- und Unteroffiziers-Abordnungen sämtlicher hier dislozierten Truppenkörper, mit dem Stationskommandanten Generalmajor Anton Bellmond v. Adlerhorst an der Spitze, teil. Am offenen Grabe widmete der Obmannstellvertreter des Veteranenvereines Herr Exner dem verstorbenen Kameraden einen tiefempfundenen Nachruf. (Budweiser Kreisblatt vom 29. März 1911.) Taruow. (Trauung.) Sonntag den 2. April 1911 um 1 Uhr nachmittags, findet im Hotel Soldinger die Trauung des Fräulein Myriam Salz, Tochter des Herrn Dr. Abraham Salz, mit Herrn Dr. Juda Zimmermann statt. Großwardein. Herr Oberkantor Jenö Weiß aus Neutra wurde hier nach einem mit großem Beifalle abgehaltenen Probevortrage einstimmig zum Oberkantor für den Chortcmpel der hiesigen Kongreßgemeinde gewählt und hat - seine Stelle bereits am ersten Mär; angetrcten. Pakrac. Am 18. d. M. fand hier unter großer Beteiligung der biesigcn und auswärtigen Mitglieder ein Thora-Einweihungsfest statt. Eine sehr schön geschriebene Thora samt feines Manterl wurde von den Spenden der hiesigen Gemeindemitglieder gekauft und diese Woche eiugeweiht. Herr Oberkantor I. Steiner, der zur überaus großen Zufriedenheit der hiesigen Gemeinde wirkt — hat auch bei dieser Einweihung entzückt, daß es volles Lob spendete. Auch Rabbiner Dr. Glück hielt eine wohlgelungene Einweihungsrede, in welcher er gleichzeitig die zur Generalversammlung erschienenen Chewra-Kadischa-Mitglieder herzlichst begrüßte. S . . . . Jägerudorf. Am 16. März verschied hier im 75. Lebensjahre der allverevrte langjährige Seelsorger unserer Gemeinde Herr Rabbiner Anselm Anschlowitz, der nach 38jähriger segensreicher Wirksamkeit in unserer Gemeinde vor 3'/, Jahren in den Ruhestand getreten ist. Rabbiner Anschlowitz, der aus Krakau stammte, vereinigte mit einem profunden talmudischen Wissen, das er an mehreren Jeschiwot sich erworben, eine hervorragende allgemeine Bildung. In jungen Jahren kam er als Religionslehrer nach Gaya, von wo er im Jahre 1870 als Seelsorger des damaligen Kultusvereines nach Jägerndorf berufen wurde. Unter seiner geistigen Leitung erblühte der Kultusverein zu einer ansehnlichen Gemeinde, in welcher der Name des Verewigten mit dem Bave des stattlichen Gotteshauses sowie mit der Begründung der Chewra-Kadischa, des Frauenvereines und anderer Wohlfahrtseinrichmngen dauernd verbunden ist. Während seiner fast 40jährigen Lehrtätigkeit hat er Generationen von Schülern herangezogen, die noch als Erwachsene mit inniger Verehrung an ihrem Lehrer hingen. Ein Zeichen der besonderen Beliebtheit, deren sich der Verstorbene in allen Kreisen erfreute, bildete die imposante Trauerfeier, welche am 19. d. M. in dem schwarz drapierten Gotteshause stattfand. Um. die Bahre, die daselbst vor dem Emporium aufgestellt wurde, hatten sich neben der trauernden Gemeinde und den Vertretungen der Nachbargemeinden die Spitzen der politischen und städtischen Behörden sowie die Leitungen der verschiedenen Schulen versammelt. Die Trauerfeier nahm mit dem von Herrn Oberkantor H. Behr mit Chor meisterhaft vorgetragenen Trauerchorale ihren Anfang. Sodann hielt Herr Rabbiner Dr. David Rudolser, der Amtsnachfolger des Verewigten, demselben einen tiefempfundenen Nachruf, in dem er das langjährige segensreiche Wirken desselben in zu Herzen gehenden Worten würdigte. Nach der Rezitation Ei mole rachamim bewegte sich der imposante Trauerzug nach dem Friedhöfe, wo in der Zeremonienhalle Herr Rabbiner Dr. S. Friedman« namens der Nachbargemeinde Troppau und zugleich auch im Namen des Mähr.-schlesischen Rabbinerverbandes herzliche Abschiedsworte sprach und den großen Verlust schilderte den mit der Gemeinde Jägerndorf das ganze Judentum erlitten. d. r. Das 25-jährige Dichterjubiläum Tschirikoffs. Am 2. März wurde in Petersburg das 25-jährige Schriftstellerjubiläum des bekannten russischen Dichters Eugen Tschirikoff gefeiert. Tschirikoff, der selbst wohl kein Jude ist, genießt unter den Juden Rußlands große Popularität, die er mit seinem, auch in andere Sprachen übersetzten Drama „Die Juden" begründet hat. Der grandiose Schilderer der Pogrome lebte viele Jahre in Minsk, wo er Gelegenheit batte, das jüdische Leben in allen seinen Aeußerungen zu beobachten. Seine Erfahrungen werden in dem Drama „Die Juden" meisterhaft geschildert. Tschirikoffs Drama ist kurz nach den entsetzlichen Kischenewer Pogroms erschienen und wurde besonders in Rußland unzählige Male aufgeführt. Es hat sehr viel dazu beigetragen, daß die l-ichtjüdischen Elemente des Zarenreiches einen Einblick in die Notlage und das Seelenleben der russischen Juden gewannen. Eine hebräischc? Zeitschrift für Agrikultur. Aus Jaffa wird das Erscheinen einer neuen hebräischen Monatsschrift angekündigt, die sich ausschließlich mit Fragen der Agrikultur befassen soll. Die Zeitschrift soll unter der Direktion Israel Belkin ds stehen. Auszeichnung einte jüdischen Malers. Der König von England hat den jüdischen Kunstmaler Isaac Snowmann mit dem Aufträge, das Bild des Königs zu malen, ausgezeichnet. Snowmanu ist ein in den höchsten englischen Kreisen anerkannter Porträtmaler. Feuilleton Die blonden Juden. Sind die blonden Inden Original oder Import? Die Inden, unter dem Titel Semiten, und auch in der Mehrzahl dem äußeren Aussehen nach gelten als eine dunkelhaarige, brünette Rasse. Die zahlreichen Blondhaarigen unter ihnen werden, wenn auch schon seit jeher iim Judentum vorkommend, als gewissermaßen nicht urechte Abkömmlinge des alten Judenstammes betrachtet. Untersuchen wir nun einmal, wann die ersten Blondhaarigen im Judentums Vorkommen. Stammeltern der Juden sind bekanntlich Abraham und Sarah, beide derselben Familie entsprossen. Von ihren physischen Eigenschaften wissen wir bloß, daß Sarah sehr schön war und daß beide im hohen Alter noch sehr rüstig waren. Ueber deren Haarfarbe wird nichts gesagt. Jedoch ist dies bei zweien ihrer nahen Verwandten der Fall: bei ihrem Neffen Laban und bei ihrem Enkel Efau. Bei erfterem mehr andeutungsweise, bei letzterem ganz klar. Von der Geburt Esaus heißt es: Der Erste kam hervor „admoni", d. i. rötlich, ganz behaart usw., weshalb man ihn „der Rote" nannte. Bei Laban dürfte ähnliches der Fall gewesen sein. Laban heißt, wörtlich übersetzt, der Weiße. Aus die Hautfarbe kann dies nicht bezogen werden, da dies nur bei dunkeln Afrikanern einen Sinn hätte, nicht aber bei den weißen semitischen Bewohnern Mesopotamiens. Es kann also nur auf die Haare bezug haben. Da nun nicht anzunehmen ist, daß Laban schon in frühester Kindheit grauhaarig gewesen sei, so bleibt nur der Schluß, daß Laban ein Hellblonder war, möglicherweise auch ein sogenannter Albino, aber keinesfalls dunkelhaarig. Rach gewöhnlicher physiologischer Regel werden nun Rebeka, Jizchaks Frau, Schwester des hellblonden Laban und Mutter des rotblonden Efau, ferner Jakob, des letzteren Zwillingsbruder, mehr oder minder blond, keinesfalls aber dunkel gewesen sein. Labans Töchter, Lea und